Treppe zum Dachboden

  • Hallo zusammen,


    wir haben gerade ein Haus gekauft (Baujahr 1907) und möchten im Zuge der Sanierung den Dachboden zu Wohnzwecken ausbauen. Ein Thema treibt uns besonders um: Wir möchten beide definitiv keine dieser „Hühnerleitern“ als Treppe, bei denen man überlegen muss welchen Fuß man zuerst setzt! Und auch keine Wendeltreppe oder Klappleiter. Unser Haus hat so viel Charme, den möchten wir auch im Treppenhaus erhalten, abgesehen davon dass wir 2 Kleinkinder haben, die auch mal hoch- und runter getragen werden müssen.


    Leider finden wir trotz ausgiebiger Recherche keinen einzigen Erfahrungsbericht dazu, das bestehende Treppenhaus einfach nach oben fortzusetzen. Woran liegt das? ?( Worin besteht hierbei die größte Herausforderung?


    Donnerstag kommt der Architekt, wir wüssten aber gerne schon mal ob unsere Idee so abwegig ist.


    Guten Rutsch und vielen Dank!


    Daniel und Monika

  • Das scheitert wohl oft an baulichen Gegebenheiten. Bei dem Baujahr wird es sich z.B. mit ziemlicher Sicherheit um eine Holzbalkendecke handeln.


    Nun gibt es meist 2 Möglichkeiten, wie die vorhandene Treppe innerhalb des Hauses angeordnet ist.


    1) Sie sitzt relativ mittig im Haus an einer der Traufseiten
    2) Sie befindet sich an einer Giebelseite


    zu1) Die Balken der obersten Geschossdecke verlaufen zwar in Treppenlaufrichtung, so dass man zwischen 2 Balken die Treppe fortführen könnte, aber die Dachschräge macht einen Strich durch die Rechnung, weil man auf dem Dachboden bei <1,5m Raumhöhe herauskäme.


    zu2) Die Balken der obersten Geschossdecke verlaufen quer zur Treppenlaufrichtung und es müsste ein aufwändiger "Wechsel" (1-2 Balken müssen zersägt werden) für die Treppe geschaffen werden. Zusätzlich ist der vorhandene Flur im OG meist zu klein.


    Beides macht eine Fortsezung der (regulären) Treppe nicht unmöglich, aber eben fast immer sehr aufwändig und dementsprechend teuer.



    Darüber hinaus (aus eigener Erfahrung): So ein Dachbodenausbau bei einem so alten Haus kommt am Ende ähnlich teuer wie ein Anbau. Das geht los bei der Treppe, setzt sich fort beim Schallschutz und Hitzeschutz, über sehr wahrscheinlich notwendige statische Verstärkungen des Dachstuhls, Dämmung, Verkleidung, Heizung ([definition=30,0]FBH[/definition] z.B. mit Holzbalkendecke nur als "Trockensystem"), neue Fenster und natürlich noch so bauphysikalischer Arschlochkram, der ggf. eine Neueindeckung des Daches erforderlich macht (Stichwort: Belüftung bzw. Feuchteabtransport).
    Und man braucht eben meist noch zusätzliche Quadratmeter eines OG-Zimmers, um die Treppe zu platzieren, womit der Gewinn an Wohnfläche schon geschmälert wird, bevor überhaupt der Ausbau angegangen wird.

  • Der @Rekham hat ja schon die üblichen Hindernisse geschildert .
    Ich glaube , mit dem Thema Kosten und Nutzen solltet Ihr euch ausgiebiger auseinander setzten , denn da sind schnell 50.000€ +X verballert , für am Ende 20 Qm mehr Wohnfläche .
    Wenn man dann am Ende Resüme zieht und sich sagen muss , das brauchen wir gar nicht , ist es besser diese Erkenntnis zu machen bevor das Geld ausgegeben ist .


    Ich hatte mal ein Gespräch zu so einem Vorhaben , der Kunde wollte für seine Tochter die ,glaube ich 14 J war, den Dachboden zu einem Schlafraum umbauen. Es handelte sich um ein Binderdach , die schlechteste Vorraussetzung dafür . Statiker hat sich das schon angesehen und gemeint das wird machbar sein. dort an dem Standort stehen 6 Identische Reihenhäuser ,3 davon mit ausgebauten Binderdach . Der angestrebte Dachausbau wurde da aber bereits beim Bau berücksichtigt und es wurden vorsorglich noch Deckenbalken zw die Binder mit eingezogen damals .
    Das hatte dieses Haus nicht .


    Ich habe den Kunden dann auch nach der Verhältnissmäßigkeit gefragt, und konnte Ihm doch mehr oder weniger klar machen , das der Aufwand nicht zu rechtfertigen ist mit dem entstandenen Nutzen für vielleicht 4 Jahre Nutzungsdauer .
    Übrigens ist auch die Frage nach dem 2. Rettungsweg ein großes Thema bei solchen Vorhaben .
    Im besagtem Falle wäre auch noch eine Tür zur Personenrettung im Giebel notwendig geworden , mit einer Türhöhe von ca 1,80 m , da die Raumhöhe nicht mehr hergeben hätte .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Geht nicht, gibt's nicht. Ist ausreichend Platz vorhanden, oder kann geschaffen werden, dann kann man auch eine Treppe unterbringen.
    Hier spielt dann eher der Preis eine Rolle, weniger die Möglichkeiten der technischen Umsetzung.


    Nicht vergessen sollte man, dass früher solche Treppen eher steil waren, und damit wenig komfortabel, ja sogar gefährlich.


    Der DG Ausbau zu Wohnzwecken wäre wieder ein anderes Thema.


    Ich kann mir also kaum vorstellen, dass das Vorhaben an der Treppe scheitert.


    Vielleicht hat der Architekt ein paar Ideen, ansonsten könntest Du ein paar zusätzliche Informationen liefern, damit die Experten hier vielleicht mal ein paar Anregungen liefern.

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  • Geht nicht, gibt's nicht. Ist ausreichend Platz vorhanden, oder kann geschaffen werden, dann kann man auch eine Treppe unterbringen.
    Hier spielt dann eher der Preis eine Rolle, weniger die Möglichkeiten der technischen Umsetzung.

    wie Recht Du da hast , am Ende kanns ja auch eine gewendelte Treppe werden , ob nun 1/4 , 1/2 oder 3/4 gewendelt , alles ist machbar wenn
    genügend Platz ist.
    Natürlich , wenn ein Wechsel eingebaut werden muss, ist dann die Decke in dem Bereich auch noch eine Baustelle .
    Viele vergessen aber eben auch den 2. Rettungsweg , der nicht immer über ein Dachfenster oder Giebelfenster Realisierbar ist .
    Und natürlich wird auch eine Baugenehmigung für den Dachausbau erforderlich .

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  • Zweiter Rettungsweg kann auch bedeuten, dass eine Treppe mit Handlauf auf dem Dach vom Dachfenster bis zur Traufe gemacht werden muss. Hatte so einen Fall gerade, wo das Bauamt nicht von seiner Forderung abgewichen ist. Sieht nicht gerade schön aus für ein Haus Anno 1907.


    Ich empfinde die Treppe nicht als so extrem, so wie das Bild aussieht. Ist eben eine Frage wie man selbst aufgewachsen ist. Wenn man nie in seinem Leben vorher mit solchen Treppen zu tun hatte, mag das gefährlich erscheinen. Kommt auch darauf an was für Räume man im Dach machen will. Man muss ja nicht in jedes Stockwerk mit den Kleinkindern, wenn es nicht unbedingt sein muss. Ich wurde als Kleinkind auch über solche Treppen befördert und es ist nie was passiert und bin als Kind darüber gelaufen und bin nie gestolpert. Alles eine Frage des Könnens und Lernens. Aber wie gesagt, auch eine Frage was es einem wert ist.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Und natürlich wird auch eine Baugenehmigung für den Dachausbau erforderlich .

    Nicht unbedingt. Siehe Bauordnung Ba-Wü, § 50:


    (2) Die Nutzungsänderung ist verfahrensfrei, wenn


    1. für die neue Nutzung keine anderen oder weitergehenden Anforderungen gelten als für die bisherige Nutzung oder
    2. durch die neue Nutzung zusätzlicher Wohnraum in Wohngebäuden nach Gebäudeklasse 1 bis 3 im Innenbereich geschaffen wird.


    Brandschutz ist natürlich eine andere Nummer. Neben dem Treppenabgang wird auf jeden Fall ein zweiter Rettungsweg erforderlich sein. Das ist mindestens ein zur Rettung geeignetes, anleiterbares Fenster.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Danke für die zahlreichen Antworten bisher!


    Der Ausbau des Dachgeschosses muss auf jeden Fall erfolgen, wir benötigen die entstehende Wohnfläche. Da der Quadratmeter sanierte Wohnfläche hier ca. 3000 Euro aufwärts wert ist, wären 20qm auch schon 60.000 Euro Wertsteigerung Die Kosten für den Dachausbau und die Treppe sind in verschiedenen Varianten in unserer Kalkulation berücksichtigt, Baugenehmigung haben wir auf dem Schirm, Rettungsweg bzw. entsprechende Größe der Dachfenster ebenso. Das Haus wird sowieso umfassend saniert, die zusätzliche Baustelle an der Geschossdecke ist von daher kein Thema.


    Wir sind im Grunde nur noch unschlüssig, in welchem Umfang wir das Dach sanieren - Gauben setzen bzw. Dachstuhl gleich neu machen sind auch Optionen die wir durchspielen möchten. Korreliert aber auch alles mit der Treppe...

    Das Dachgeschoss ist ca. 5,50m auf 6,90m groß mit einer Firsthöhe von 3m. Das Treppenhaus befindet sich giebelseitig zum Hof hin. Für eine 180Grad gewendelte Podesttreppe (wie die vom EG zum OG) bräuchten wir vermutlich eine Gaube um Stehhöhe am Podest zu schaffen und würden damit so weit in der Mitte des DG rauskommen dass dort die Stehhöhe kein Problem wäre.


    Die vorhandene Treppe ist weder steil noch schmal, täuscht vielleicht auf dem Bild.

    Gerne machen wir die Tage noch aussagekräftige Bilder und berichten weiter.

  • Du brauchst halt eine komfortable Treppe, gerade mit Kindern im Haus, darauf wollte ich hinaus.
    So eine Treppe benötigt Platz, und je nach räumlichen Verhältnissen, erfordert das mehr oder weniger zusätzliche Arbeit. Darauf muss man bei der Kostenkalkulation achten, und man darf halt nicht irgendeinen Katalogpreis heranziehen.

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  • Euer Architekt wird euch die Möglichkeiten aufzeigen und alles was mit dem Baurecht dazu gehört. Warte erst mal den Donnerstag ab.

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