Schallschutz nach DIN 4109, Beiblatt 2 Prüfung

  • Liebe Forums-Mitglieder


    Kürzlich bin ich in meine neu erworbene Wohnung eingezogen. Diese ist ein Neubau, entsprechend habe ich noch >4 Jahre Gewährleistung. Die Abnahme der Wohnung ist vor dem Einzug erfolgt. Nach dem Einzug stellte ich jedoch die folgenden Lärm-Probleme fest, welche mich zwischenzeitlich sehr stören. Meine erste Frage wäre, ob dies trotz korrektem Schallschutz nach [definition=25,0]DIN[/definition] 4109, Beiblatt 2 üblich ist. Gut hörbar aus der Wohnung oberhalb sind:


    - Tritte als dumpfes Geräusch, ähnlich eines Basses (es wurde Parkett verbaut)
    - Die Betätigung der elektrischen Rollanden
    - Schleudergang der Waschmaschine
    - Wenn geduscht wird. Ist besonders als "plätschern" im Bad hörbar
    - Die Klospülung
    - Saugen. Insbesondere erzeugt das Reiben auf dem Boden ein deutlich hörbares kratzen.
    - Wenn etwas lauter gesprochen wird. Z.B. beim Telefongespräch oder beim Kaffeekränzchen. Kurze Worte (z.B. JA) können verstanden werden.
    - Wenn der Fernseher läuft. Hier versteht man jedoch keine Worte.
    - Deutliches "Klacken" wenn Innen-Türen geschlossen werden.
    - Trittgeräusche und Gespräche im Treppenhaus
    - Dass schließen der Haus-Eingangstüre


    Können diese Probleme trotz eines korrekt installierten Schallschutzes ([definition=25,0]DIN[/definition] 4109, Beiblatt 2) auftreten? Kann ich ggf. erste Prüfungen selbst durchführen oder bleibt mir nur ein Gutachten (erstes Angebot war bei ca. 3000 EUR).


    Vielen herzlichen Dank für jeden Hilfestellung,
    Joschy

  • Frage ist hast du den erhöten Schallschutz nach Beiblatt 2 beauftragt, bzw wird dieser geschuldet.
    Welcher Schallschutz geschuldet ist, ist durch Auslegung des Vertrages zu ermitteln.
    Sind danach bestimmte Schalldämm-Maße ausdrücklich vereinbart oder jedenfalls mit
    der vertraglich geschuldeten Auslegung zu erreichen, ist die Werkleistung mangelhaft
    wenn diese Werte nicht erreicht sind. Liegt eine derartige Vereinbarung nicht vor, ist die
    Werkleistung im Allgemeinen mangelhaft, wenn sie nicht den zur Zeit der Abnahme an-
    erkannten Regeln der Technik als vertraglichem Mindeststandard entspricht.


    Die DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Emp-
    fehlungscharakter. Sie können die anerkannten Regeln der Technik wiedergeben oder
    hinter diesen zurückbleiben.
    Der Auftragnehmer übernimmt die Gewähr, dass seine Leistung zum Zeitpunkt der Abnahme
    - die vertraglich zugesicherten Eigenschaften hat,
    - den anerkannten Regeln der Technik entspricht und
    - nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen
    oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder mindern.


    Hier geht nur messen mit geeigneten Geräten, > Gutachter den du aber ersteinmal selber zahlen musst.


    Nur mein Leienwissen, keine Rechtsberatung , kein Anspruch auf richtigkeit.

    Alle Menschen sind klug: die einen vorher, die anderen hinterher.

  • Vielen Dank für die Antwort.


    Im Baubeschrieb der Wohnung findet sich folgender Absatz zum Schallschutz:


    Bezüglich des Schallschutzes zwischen den Wohneinheiten sowie zum Treppenhaus wird ein Schallschutz nach [definition=25,0]DIN[/definition] 4109 (Beiblatt 2) realisiert, ohne jedoch zusätzliche Maßnahmen bzgl. des Schallschutzes innerhalb der Wohneinheiten zu leisten (z.B. zwischen Schlafen und Flur / Bad).

    Wäre aufgrund der oben genannten Punkte ein Gutachten sinnvoll bzw. ist es wahrscheinlich, dass die DIN-Vorgaben nicht eingehalten wurden?

  • Das ist nur das niedrigst überhaupt mögliche Schallschutzniveau. Ob es erreicht wird, weiß man erst nach einer Messung.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Gibt es da nicht schon Urteile, dass die DIN-Werte nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und deshalb höhere Schalldämmwerte realisiert werden müssen, insbesondere zwischen den Wohnungen / Wohneinheiten. ??

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Gibt es da nicht schon Urteile, dass die DIN-Werte nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und deshalb höhere Schalldämmwerte realisiert werden müssen, insbesondere zwischen den Wohnungen / Wohneinheiten. ??

    Ich will es nicht ausschließen, aber es gibt jedenfalls Urteile, dass die (hier nur zugesicherten) einfachen Anforderungen der [definition=25,0]DIN[/definition] 4109 dann nicht ausreichen, wenn die Werbung oder andere Zusicherungen den Anschein vermitteln, es handle sich um ein entweder besonders ruhiges oder um ein besonders hochwertiges Objekt. Beides beißt sich mit der Einhaltung nur des Mindeststandards. Hier wären mindestens die „erhöhten“ Anforderungen einzuhalten.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Ich will es nicht ausschließen, aber es gibt jedenfalls Urteile, dass die (hier nur zugesicherten) einfachen Anforderungen der [definition=25,0]DIN[/definition] 4109 dann nicht ausreichen, wenn die Werbung oder andere Zusicherungen den Anschein vermitteln, es handle sich um ein entweder besonders ruhiges oder um ein besonders hochwertiges Objekt. Beides beißt sich mit der Einhaltung nur des Mindeststandards. Hier wären mindestens die „erhöhten“ Anforderungen einzuhalten.

    Da hat er recht! Zauberwort ist hier "Prospekthaftung". Wenn die Wohnungen als hoher, gehobener oder gar Luxus-Standard beworben wurden müssen die einzelnen Eigenschaften (bspw. Schallschutz) auch einen entsprechend höheren Standard gegenüber den Mindestanforderungen aufweisen.
    Interessant wäre hier ein Auszug aus der BLB bzw. des Exposes.

  • Schon einmal herzlichen Dank für die Antworten.


    Steht das "Beiblatt 2" nicht für einen erhöhten Schallschutz. Auszug aus Quelle KNAUF:


    "Beiblatt 2: (baurechtlich nicht eingeführt):Schallschutz im Hochbau, Hinweise für Planungund Ausführung, Vorschläge für einenerhöhten Schallschutz"

    Was dies jedoch konkret bedeutet konnte ich leider nicht herausfinden. Jedoch müsste dies doch dann höher als der niedrigste Standard sein?

  • Grrrr, ich hätte nachschauen sollen. Beiblatt 2 sind tatsächlich die „erhöhten“ Werte. Allerdings sind diese Werte nur um 1 - 2 dB gegenüber den einfachen Werten erhöht und damit liegt die Differenz für die meisten Menschen noch unterhalb der Hörbarkeitsschwelle.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Das Beiblatt 2 ist seit 2016 in der 4109 integriert, und stellt tatsächlich nur die Mindestanforderungen dar.
    Wer Wert auf Schallschutz legt, hat schon vorher VDI4100 und eine entsprechende Schallschutzstufe o.ä. vereinbart.


    Ob die vereinbarten Werte eingehalten werden, das können nur Messungen zeigen. EIne rein akustische Beurteilung ist subjektiv und dazu nicht geeignet.


    Die im Eingangsbeitrag genannten Punkte lassen keine Rückschlüsse zu, ob die Grenzwerte nun eingehalten werden oder nicht.
    Das Ziel der Grenzwerte ist nicht, solche Störgeräusche völlig auszublenden, dafür könnte man gar keine sinnvollen Grenzwerte definieren, sondern sie auf ein "erträgliches Maß zu reduzieren.


    Bei Geräuschen von haustechnischen Anlagen wird es noch komplizierter, da hierfür Grenzwerte erst in der neuen 4109 enthalten sind. Dazu müsste ich jetzt aber nachlesen.


    Kurzum, wenn die Abnahme bereits erfolgt ist, die Wohnung ist ja anscheinend schon bezogen, dann hilft nur nachschauen was vereinbart war, und dann muss man messen, um den Ist-Zustand mit dem Soll abzugleichen.

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  • Jetzt wird es spannend: Wann wurde die Wohnung privatrechtlich "abgenommen". Die zu Zeitpunkt der Abnahme geltende Norm ist einzuhalten.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Ohne jetzt tiefer in die Normierung einsteigen zu wollen, hier mal meine ganz persönliche Ansichten....


    - Die Betätigung der elektrischen Rollanden

    DAS erscheint mir kaum vorstellbar bzw. lässt den Schluss zu, das selbst Mindestanforderungen nicht eingehalten sein können. Ein E-Rollo ist natürlich nicht geräuschfrei aber eben auch nicht laut. Hier bitte mal prüfen, ob das Geräusch bei geschl. Fenster vernommen wird oder bei offenem. Bei ersterem wäre es schlichtweg das Loch in der Wand, dass das Geräusch hereinlässt. Bei Zweiterem.....

    - Schleudergang der Waschmaschine
    - Wenn geduscht wird. Ist besonders als "plätschern" im Bad hörbar
    - Die Klospülung

    WM kann im Schleudergang schon hörbar sein. Die Frage wäre wie stark hört man es...?
    Dass man das Plätschern der Dusche hört wäre mindestens mal ungewöhnlich. Allerdings: Ich hatte mal den Fall, dass ein BT die Entwässerungsleitung eines darüberliegenden Geschoßes (Dusche) durchs Wohnzimmer der darunterliegenden Wohnung geführt hatte (den Brandschutz lassen wir jetzt mal außen vor....). Das Rohr war mittels einer einfachen GK-Platte verkleidet. Jede Tätigkeit im Bad war im darunterliegenden Geschoß mitzuerleben. Katastrophe!


    Klospülung dto.


    - Wenn der Fernseher läuft. Hier versteht man jedoch keine Worte.


    Darf man m.E. nicht hören, es sei denn die Nachbarn sind etwas schwerhörig und gönnen sich eine etwas lauterer Grundeinstellung....


    Bedenken sollte man auch, dass jeder Mensch Geräusche anders wahrnimmt. Der eine hört empfindet etwas als störend, was der Andere nicht einmal wahrnimmt. Schwieriges Thema und daher nur durch eine Messung vor Ort qualitativ zu messen.


    Was aber kommt, wenn man feststellt, dass nichts passt, dass nichts richtig eingehalten wurde??????

  • Wenn es außer der o.g. Baubeschreibung keine weiteren Vereinbarungen gab, dann wurde wohl 4109 und ein Beiblatt 2 "light" vereinbart. "Light" deswegen, weil dies oben in der Beschreibung nur zu einem Punkt genannt ist, woraus man nicht unterstellen kann, dass das Beiblatt 2 in vollem Umfang vereinbart war.


    So, und jetzt wären an sich die Juristen an der Reihe, denn es gibt ja anscheinend Urteile, nach denen ein Kunde auch die erhöhten Anforderungen als "Standard" erwarten kann, vor allen Dingen dann, wenn die Wohnung entsprechend mit "hochwertig" etc. beworben wurde.

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  • DAS erscheint mir kaum vorstellbar bzw. lässt den Schluss zu, das selbst Mindestanforderungen nicht eingehalten sein können. Ein E-Rollo ist natürlich nicht geräuschfrei aber eben auch nicht laut.

    Das "Problem" habe ich in meinem eigenen Haus auch. Als Rollläden sind die Roka-H-Kästen von B... + H... verbaut. Die Geräusche werden durch Körperschall übertragen. Einen Schallpegel könnte ich jetzt dafür nicht abgeben. Das Geräusche ist leise, aber deutlich wahrnehmbar.


    Ich wüsste auch nicht, wie man das verhindern soll. Vermutlich ist es bei Aufsatzelementen etwas leiser, das kann ich aber nicht beurteilen.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Wird ein Rolladen von Hand hochgezogen, dann hört man das auch. Die Antriebe selbst sind normalerweise relativ leise.
    Wenn man Ursachenforschung betreiben möchte, muss man genau schauen, wodurch das Geräusch verursacht wird. Ist es der Rolladenpanzer oder der Antrieb oder beides?



    Die Geräusche werden durch Körperschall übertragen.

    Ein wichtiger Punkt.
    Ich hatte Rolladen bzw. Jalousienantriebe im Test, die waren bei den Tests extrem leise. Dann kam es zu einer Nachmessung, und die wurde beim Kunden (Hersteller) durchgeführt. Dort war der Antrieb in ein Gestell eingebaut, inkl. Leitungen, Schalter, Welle und einem Rolladenpanzer. Was mir sofort aufgefallen ist, dass das Geräusch viel lauter war als bei den Messungen bei mir, wo nur der Antrieb und eine künstliche Last in Betrieb war.


    Schallmessungen standen nicht auf dem Programm, also habe ich das einfach ignoriert.

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  • bleibt mir nur ein Gutachten (erstes Angebot war bei ca. 3000 EUR).

    es bleibt wahrscheinlich nicht bei einem gutachten für 3000 ois.
    wer das allerdings final bezahlt, kann ich nur raten. neben geld
    kosten solche aktionen jede menge nerven.
    die beschriebenen schallattacken haben relativ sicher mehrere
    übertragungswege (da gehts nicht nur um luft-/körperschall,
    sondern eben um den spezifischen zugrundeliegenden murks).
    das macht eine zielführende untersuchung kostenintensiv und
    selbst, wenn dich der nachbar/"überwohner" mit eindeutigem
    ergebnis messen lässt, sind damit noch keine verbesserungen
    garantiert: du magst einen anspruch haben, aber den musst du
    erst durchsetzen.
    ein anderer weg, die prüfung des schallschutznachweises an sich
    und die übereinstimmung der relevanten details im nachweis mit
    den ausführungen im bauwerk, ist noch unschöner: dein "über"
    wird sich bedanken, wenn bspw. seine installation freigelegt
    werden soll ..



    Ich wüsste auch nicht, wie man das verhindern soll

    der wandbildner spielt eine nicht unerhebliche rolle ..

  • du magst einen anspruch haben, aber den musst du
    erst durchsetzen.

    Darin sehe ich tatsächlich das allerallerallerallerallergrößte Problem.


    Sollten keine größeren Beträge mehr offen sein, die man ggf. einbehalten kann, so müsste man also Geld zurückfordern, was sich erstmal recht nett anhört aber ein sehr sehr langer Weg werden kann.


    Oder man sinnt auf Mängelbehebung, was aber in vielen Fällen kaum mehr möglich sein wird.

  • Wenn das eine WEG ist, muss dies durch die WEG-Versammlung gemacht werden. Wird spannend, da viele Schnittstellen zum Gemeinschaftseigentum bestehen.

    Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o

  • Nochmals vielen Dank für die vielen Antworten.


    Es handelt sich um einen ETW in einem 5er Wohnhaus. Entsprechend findet auch jährlich eine WEG-Versammlung statt. Die Kosten der Wohnung war für die Region deutlich im oberen Preisbereich. Ausstattung wurde als "gehoben" angegeben. Persönlich hatte ich einen deutlich höheren Schallschutz erwartet. Muss aber zugeben, dass ich mich mit der Thematik zu wenig im Verkaufsprozess auseinander gesetzt habe. Durch den Verweis auf "Beiblatt 2" (erhöhter Schallschutz) erwartete ich hier keine Probleme. Nun weiß ich, es ist nur etwas über dem Mindeststandard. Konkret fand ich noch folgende Beschreibung (würde für mich Klasse C erwarten):


    Klasse D: Wohneinheit mit einem Schallschutz, der die Anforderungen der [definition=25,0]DIN[/definition] 4109:1989-11 für Geschosshäuser mit Wohnungen und Arbeitsräumen im Wesentlichen erfüllt (Ausnahmen: siehe II.3) und damit die Bewohner in Aufenthaltsräumen im Sinne des Gesundheitsschutzes vor unzumutbaren Belästigungen durch Schallübertragung aus fremden Wohneinheiten und von außen schützt. Es kann nicht erwartet werden, dass Geräusche aus fremden Wohneinheiten oder von außen nicht mehr wahrgenommen werden. Dies erfordert gegenseitige Rücksichtnahme durch Vermeidung unnötigen Lärms. Die Anforderungen setzen voraus, dass in benachbarten Räumen keine ungewöhnlich starken Geräusche verursacht werden

    Klasse C: Wohneinheit mit gegenüber der Klasse D wahrnehmbar besserem Schallschutz, in der die Bewohner bei üblichem rücksichtsvollen Wohnverhalten im allgemeinen Ruhe finden und die Vertraulichkeit gewahrt bleibt.


    Das weitere Vorgehen ist nun wie beschrieben gar nicht so einfach. Ich vermute zwar, dass auch der niedrige Schallschutz nicht eingehalten wurde. Eine Prüfung eines offiziellen Gutachters (z.B. durch TÜV-Süd) erfordert jedoch mindestens den Zugang zur oberen Wohneinheit. Sofern dies klappt und die "Vermutung" dann bestätigt wird, ist eine anschließende Nachbesserung schwierig.


    Hat ggf. jemand solch einen Fall bereits bis zum Ende (Mangel wurde festgestellt) verfolgt/erlebt? Wie wurde das Thema dann schlussendlich gelöst?

  • Die von Dir zitierten Definitionen der Schallschutzklassen stammen aus den Dega Empfehlungen die mit Sicherheit nicht vereinbart waren. Man kann diese nicht als allgemein gültig voraussetzen.


    Was Du fordern kannst sind die vereinbarten Grenzwerte.


    Soweit mir bekannt haben die Gerichte zwar anerkannt, dass nur die 4109 nicht ausreicht , aber die Werte im Beiblatt werden als ausreichend betrachtet.


    Der Versuch, Schallschutzklassen durch allgemein verständliche Eigenschaften zu charakterisieren, mag zwar interessant sein, wird aber bei Anwesenheit von Grenzwerten bedeutungslos. Es ist ja gerade der Sinn von Grenzwerten, eine für alle Seiten gleiche Basis zu schaffen. Nicht umsonst werden in den Normen auch die Messaufbauten definiert, so dass die Grenzwerte unabhängig von subjektiven Eindrücken überprüft werden können.
    Man geht davon aus, dass bei Einhaltung der Grenzwerte das Ziel einer Norm erreicht ist, wohlwissend, dass es Fälle geben kann in denen subjektive Eindrücke dem entgegen stehen. Eine Norm kann immer nur die Anforderungen der Mehrzahl der Betroffenen abdecken.


    Ich sehe nur 1 Möglichkeit für Dich ,und zwar die Überprüfung ob die Grenzwerte eingehalten werden. Ist das nicht der Fall, dann hast Du sehr gute Chancen, im Rahmen einer Mängelbeseitigung eine Verbesserung zu erreichen. Werden die Grenzwerte jedoch erfüllt, dann wird es sehr schwer, um nicht zu sagen unmöglich, hier eine Verbesserung durchzusetzen. Dann spielt es auch keine Rolle, ob Du ein Geräusch als störend empfindest.


    Achtung, auch wenn immer mal wieder von einer Schallverdopplung, Leistungsverdopplung, Lautstärkeverdopplung die Rede ist ,der Mensch empfindet Pegeldifferenzen höchst unterschiedlich, und absolute Pegel kann er selbst mit geschultem Gehör so gut wie gar nicht zuordnen. Hinzu kommt, dass das Schallempfinden auch von der Tagesform abhängt.

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  • . Ist das nicht der Fall, dann hast Du sehr gute Chancen, im Rahmen einer Mängelbeseitigung eine Verbesserung zu erreichen.

    da melde ich mal erhebliche Zweifel an. Klar, wenn im Zuge der Untersuchung einfache zu behebende Mängel zu Tage treten wie z.B. Schallbrücken zwischen Estrich und Wand, dann wird man die beheben können.
    An weitergehende Maßnahmen glaube ich jedoch nicht, selbst wenn aus juristischer Sicht ein Anspruch darauf bestünde.

  • Es ist klar, dass sicherlich kein Abriss des Gebäudes verfügt wird, nur weil Schallgrenzwerte nicht eingehalten werden. Da ist das Aufwand-/Nutzenverhältnis zu betrachten.


    Oben hatte ich ja geschrieben, dass es darauf ankommt, was vereinbart war. Hält das Haus aber nicht einmal Mindeststandards ein, dann hat der Verkäufer ein Problem. Lässt sich das Gebäude nicht einmal auf Mindeststandards bringen, dann ist dessen Wert erheblich gemindert. In diesem Fall wäre sogar eine Rückabwicklung der Kaufverträge denkbar.


    Es geht ja nicht um irgendwelche Luxus Versprechungen, sondern um Mindeststandards. Wenn nicht einmal diese eingehalten werden, wird automatisch unterstellt, dass die Gebrauchstauglichkeit eingeschränkt ist. Wie stark diese Einschränkung ist, das wird man anhand der Messwerte beurteilen. Es macht halt einen Unterschied, ob ein Grenzwert um 1dB oder 10dB verfehlt wird.

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  • Der Weg führt dann über die Gerichte - und das ist ein langer, steiniger Weg.
    Dem TE kann nur empfohlen werden, sich das gut zu überlegen, ob er diesen Weg gehen will.


    Vielleicht wäre es aber auch interessant, sich zunächst mit den anderen Wohnungseigentümer zu treffen - wenn diese die gleichen Probleme haben, wäre man zumindest nicht alleine...

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Der Weg führt dann über die Gerichte - und das ist ein langer, steiniger Weg.
    Dem TE kann nur empfohlen werden, sich das gut zu überlegen, ob er diesen Weg gehen will.

    Das ist richtig. Es ist nicht anzunehmen, dass der Verkäufer einfach so einknickt und ohne Druck Nachbesserungen vornimmt.
    Von alleine werden sich die Probleme aber nicht lösen. Folglich bleibt dem TE nur den Zustand zu akzeptieren, und sich damit anfreunden, oder seine Ansprüche durchzusetzen, vorausgesetzt natürlich, dass es tatsächlich Grenzwertüberschreitungen gibt.

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  • Ich erlaube mir, noch einmal einzuwerfen, dass der erste Schritt zur vernünftigen Bewertung der Probleme eine Messung wäre. Dann kann man sich mit der Differenz von Soll und Ist beschäftigen und schließlich ggf. die Herstellung des Solls einfordern.


    Wenn man aber generell Auseinandersetzungen scheut, kann man sich auch gleich die Messungen sparen. Es gibt aber tatsächlich auch immer wieder einzelne Handwerker und Bauträger, sogar Planer, die ihre Mängel und Schäden einfach so beseitigen. Man muss es nur probieren!

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Eben, wir setzen ja bereits voraus, dass das Soll nicht erreicht wurde, genau das wissen wir aber noch nicht.

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  • Gelten nicht im Mehrfamilienhaus von vorne herein erhöhte Anforderungen an den Schallschutz - auch wenn nicht ausdrücklich vereinbart?

    Sieht so aus. ;)


    Bei genauerer Betrachtungen sind aber diese erhöhten Anforderungen noch lange kein Garant dafür, dass man seine Ruhe hat, zumal diese nur geringfügig von den eigentlichen Anforderungen der 4109 abweichen.


    Wenn man wirklich höhere Ansprüche an den Schallschutz stellt, dann kann man jedem nur empfehlen, Normen, Richtlinien oder Empfehlungen wie beispielsweise die VDI4100 zu vereinbaren, bzw. eine Schallschutzklasse daraus. Es könnte zwar sein, dass de Anbieter dann dankend abwinkt, aber dann kann man immer noch Prioritäten setzen.



    ---------- 23. Dezember 2017, 12:23 ----------


    Um den Mitlesern einmal zu verdeutlichen, was ich hier meine.


    Oben wurde vom TE bemängelt, dass er den Fernseher aus der Etage darüber "hört". HIerfür ist die Schalldämmung durch die Geschossdecke relevant. Vereinbart war DIN4109 (also die alte Ausführung) und in Teilen Beiblatt 2. Man kann nun unterstellen, dass er Anspruch auf den Grenzwert nach Beiblatt 2 hat, zumindest haben Gerichte schon diesbezüglich geurteilt.


    Was bedeutet das im Klartext?


    Nach DIN4109 muss die Luftschalldämmung durch die Decke min. 54dB betragen
    Beiblatt 2 steigert den Grenzwert auf sagenhafte 55dB, immerhin 1dB mehr


    Beide Werte entsprechen aber gerade mal der niedrigsten Schallschutzstufe (I) nach VDI4100.


    Hätte man VDI4100 vereinbart, dann wären die Grenzwerte beispielsweise


    Schallschutzstufe II -> 57dB
    Schallschutzstufe III -> 60dB


    Das wären 2dB bzw. 5dB mehr als das was nach Beiblatt 2 der DIN4109 als "erhöhte Anforderungen" bezeichnet wird.


    Das ist jetzt nur 1 Beispiel, man könnte das für Wände, Türen, Haustechnik usw. fortsetzen.
    Die DEGA Empfehlungen können wir gerne auch noch betrachten, aber dann wird es vielleicht zu unübersichtlich.

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  • Gelten nicht im Mehrfamilienhaus von vorne herein erhöhte Anforderungen an den Schallschutz - auch wenn nicht ausdrücklich vereinbart?

    Gelten die Schallschutzforderungen, so sie vor Nachbarschaftslärm schützen sollen, nicht per se nur für Häuser mit mehreren Wohnungen?
    Nachbars Fernseher oder Staubsauger sollte im Einfamilienhaus keine Rolle spielen.
    Normiert ist doch der Schallschutz regelmäßig nur für schutzbedürftige Räume wie Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer gegen Lärm aus Nachbarwohnungen und haustechnischen Anlagen.
    Sprich in Bad und Küche hat man ohnehin keine Handhabe gegen Ablauf- und sonstige Nachbargeräusche.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow