Ortgang und Kleintierschutz

  • Hallo,


    ich habe mein Dach neu eindecken lassen und mich dabei für einen Tonziegel Rubin 11V entschieden. Eigentlich ein schöner Ziegel. Aber ich bin jetzt doch sehr verwundert über den konischen Ortganglappen, der in meinen Augen sämtlichem Ungeziefer und allen Vögeln und Kleintieren Zugang gewährt.


    Hier ein paar Bilder.


    Vögel mag ich zwar gerne, aber lieber im eigenen Vogelhaus und nicht in meinem Dach, und ich hatte in den letzten zehn Jahren auch schon drei mal Ratten im Gebälk. Deswegen sagt mein gesunder Menschenverstand: das kann eigentlich nicht richtig sein. Während der Dachdecker darauf besteht, die Arbeit sei fachlich OK. Und mein Problem ist, dass ich auch so keine Idee hätte, wie man diesen Abschluss anders sauberer hinbekommt.


    Den Hersteller selbst habe ich auch angeschrieben. Deren Antwort: "Diese Luft am Ortgangabschuss soll auch nach dem ZVDH Regelwerk sein. Fachregel unter 4.2 (2): Bei Ortgangziegeln/-Steinen soll der Abstand zwischen innenkante Ortganglappen und Außenkante Giebelwand bzw. Außenkante Bekleidung mindestens 1 cm betragen. Ortgangkonstruktionen, die über die Giebelwand hinausragen, sind zu bevorzugen."


    Das ist irgenwie am Thema vorbei, denn zum Thema Kleintierschutz äußern die sich nicht.


    Liege ich mit meinem "gesunden Menschenverstand" so sehr daneben?


    Beste Grüße

    2 Mal editiert, zuletzt von R.B. () aus folgendem Grund: Link zum Album eingefügt Name entfernt.

  • Hallo principio,


    fachlich ist erst mal nichts auszusetzen ( ausser das der Spalt eigentlich größer sein müsste ). Bei großer Angst vor Vogeleinflug kann man ein Traufgitter/Vogelschutzgitter ( das sieht aus wie ein Kunststoffkamm und wird im Traufbereich verlegt ( erste Reihe Dachziegel bei der Dachrinne )) zwischen den Latten der Ortgangziegel anbringen oder ein Lattenstück zwischen den Traglatten anbringen, das verhindert zumindest den Vogeleinflug, aber das müsste extra vereinbart und vergütet werden. In ganz seltenen Fällen, kann es am Ortgang dazu kommen, dass Vögel zwischen dem Ortgangschenkel und Ortbrett ein Nest bauen, weil es denen eigentlich zu umständlich ist, hier reinzukommen ( der Ortgangschenkel steht über das Ortbrett über, nichts zum festhalten, kaum Platz ... ). Wenn du wirklich so große Bedenken hast, lasse jetzt die Zusatzarbeiten noch ausführen ( jetzt steht das Gerüst noch ), ansonsten kann man es auch so belassen.

  • der in meinen Augen sämtlichem Ungeziefer und allen Vögeln und Kleintieren Zugang gewährt.

    Jetzt mal die Frage an dich: Muss ein Dach frei von Ungeziefer sein und aus welcher technischen Bewandtnis sollte das passieren? Welche Vögel sollen dort durchkommen - ernst gemeint?


    Ich hatte vor einigen Wochen quasi die selbe Frage (gleicher Ziegel) eines Kunden. Als ich ihm erklärt habe, wie man das denn anders lösen könnte war schnell klar dass es bei dem Ortgang bleibt. Dennoch frage ich mich nach wie vor, wie es zu der Ansicht kommt bei kleinformatigen Deckwerkstoffen ein "hermetisch" abgeriegelte Hinterlüftung zu haben und was der Kunde an der Stelle für Bedenken hat.


    Als Fachmann ist das leider seltenst nach zu vollziehen. Weil genau betrachtet eben nicht auf "gesunden Menschenverstand" beruht. Sondern vielfach auf überhöhte Anforderungen die man bei Auftragsvergabe einfach mal verschwiegen hat ;)

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Welche Vögel sollen dort durchkommen - ernst gemeint?

    Sperlinge !
    Oder habt Ihr die bei euch schon ausgerottet ?
    Ich habe regelmäßig mit genau solchen Problemen zu tun , Vogeleinflug zw Ortgangziegeln und Ortbrett .
    Ich montiere immer ein Brett hochkant aussen am Ortbrett , manchmal wenn notwendig noch zusätzlich auch ein Blech , halte aber den 1cm Abstand des Schenkels zum Brett ein .
    Ich hatte auch schon mal ein Hornissennest Innenseitig im Dach zw Dampfbremse und Gipskarton gesehen !
    Marder machen auch ordentlich schaden , und denen reichen auch kleine Löcher zum reinkommen .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Ob die hier nicht mehr sind, keine Ahnung. Hab noch nie Probleme in der Richtung gehabt. Stell mir das fürn Vogel auch echt schwierig vor dort überhaupt reinzukommen. Das sind vielleicht 2-3 cm, da ist das Loch durch die Profilierung an der Traufe deutlich größer.

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  • Kalle , auf der Letzten Baustelle konnte ich denen beim einfliegen zusehen , die sind da echt geschickt drin . die brauchen nix zum festkrallen .
    Jetzt müssen sie aber umziehen , evtl zur Nachbarin , ist nämlich ne DHH die, die damalige DDFirma komplett gemacht hat , also hat Sie die selben Lücken, wie ich sie jetzt dort verschlossen habe .
    An der Traufe ist das mit den Kamm eigentlich gut gelöst , man muss Ihn halt nur richtig herum montieren .
    Ich durfte auch schon Aluminiumgaze für Kellerschachtabdeckungen zw Ortbrett und Ziegel montieren , hat sich der AG so gewünscht , und natürlich auch vergütet .
    Ich selber hatte einen Marder im Dach , ich könnte heulen , was der fürn Schaden gemacht hat .
    Und letztens hat mich erst wieder einer angeschaut als ich Ihn angeleuchtet habe , ich befürchte schlimmes .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Zunächst mal danke für eure Antworten.


    @Kalle
    Meine Frage dient ja gerade der Klärung, ob die Anforderungen überzogen sind. Als Antwort auf die Frage, woher diese Ideen kommen:


    1. Empirie: Ich habe in den letzten Tagen vermehrt auf die Dachabschlüsse in der Nachbarschaft geachtet, und ich sehe ausschließlich geschlossene Konstruktionen. Zumeist sind das dem Anschein nach Betonziegel, und warum deren Seite flach und bündig abschließen darf mag dem Fachmann einleuchten, dem Laien erschließt sich das nicht.


    Wenn hierzu noch jemand was beitragen kann, bin ich sehr dankbar.


    2. Kleintierschutz scheint grundsätzlich sehr wohl ein Thema zu sein, und das würde ich nicht gleich "hermetisch abgeriegelt" nennen wollen. Über Versicherungen findet man als Laie was in der Zeitung, zum Thema Ortgang eher selten. In der Stadtbücherei ist ein Lehrbuch, bei dessen Abbildungen zur Traufe Fliegengitter eingezogen sind. Warum sollte das von dort wichtig sein, wenn bei den Flanken alles offen sein kann?


    3. Persönlich gibt es noch meine Erfahrungen mit Nagern, das ist nicht schön.


    Ich bin nicht sicher, ob ich mich für diesen Ziegel entschieden hätte, wenn ich den Abschluss gekannt hätte. Vielleicht ist ja doch alles viel harmloser als ich mir das vorstelle. Aber erstmal bin ich dankbar und froh für die Antworten und die Möglichkeiten, meine Fragen hier stellen zu können.

  • Meine Frage dient ja gerade der Klärung, ob die Anforderungen überzogen sind.

    Meine persönliche Meinung: Ja! Man könnte meinen, es wären hier riesige Löcher in der Eindeckung. Es sind am Ende aber nur kleine "Spalten". Sonst könnte man ja auch annehmen, dass über die Kopf-, Seiten-, als auch Fußverfalzung Kleintier in rauen Menge eindringen könnte. Gerade dann, wenn Einbau bedingt der Ziegel mal etwas sperrt.



    und warum deren Seite flach und bündig abschließen darf mag dem Fachmann einleuchten, dem Laien erschließt sich das nicht.

    Das hat wohl etwas mit der Fertigung zu tun. Aber auch dort hast du streng genommen 1cm, durchgehenden Spalt. Ist genau betrachtet in Summe also genau das gleich, wie bei dem Rubin.



    In der Stadtbücherei ist ein Lehrbuch, bei dessen Abbildungen zur Traufe Fliegengitter eingezogen sind. Warum sollte das von dort wichtig sein, wenn bei den Flanken alles offen sein kann?

    Hast du an der Traufe durchgehend größere Lüftungsquerschnitte und vor allem prozentual deutlich mehr Fehlfläche als es am Ortgang der Fall ist. Kommt das aus Zeiten, wo man noch gegen "Hausbock" Holzwespe" usw. Maßnahmen ergriffen hat bez. ergreifen musste. Wie gesagt ist eine Eindeckung aus Ziegel oder Betondachsteinen eine Eindeckung mit klein profilierten Deckwerkstoff. Das alleine bedingt schon ein überproportionales Maß an Fugen.

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