Sinn und Unsinn von RTL-Ventilen

  • Hallo,
    der Wunsch einer Fussbodenerwärmung im Altbau-Bad führt oftmals über diverse Anbieter für Dünnschichtsystemen, die am herkömmlichen Heizwasserkreis angeschlossen werden können. So ziemlich alle funktionieren über das Prinzip RTL, also Return Temperature Limiter, sprich Rücklauftemperaturbegrenzer.
    Dieses Ventil schließt bei eingestellter Rücklauftemperatur und öffnet bei geringem Unterschreiten selbiger wieder.
    Soll heissen, daß bei einer Vorlauftemperatur von z.B. 55°C zunächst das Wasser in die Leitungen fließt, sich unterwegs abkühlt und irgendwann, wenn am Rücklauf der eingestellte Wert erreicht wird, z.B. 30°C, das Wasser gestaut wird, da der Rücklauf geschlossen wird. Der Wasserdruck in diesem Kreislauf steigt etwas an, Heizbrenner registriert den Druckaufbau und geht aus.
    Folgende Situation ergibt sich nun: Temperatur am Vorlauf und den ersten Metern der [definition=30,0]FBH[/definition] beträgt 55°C und am Rücklauf und den letzten Metern 30°C, das Wasser läuft nicht mehr und kühlt gesamt ab.


    Da die Heizrohre üblicher Weise in Schlangen- oder Schneckenform verlegt werden, ergibt sich eine (fast) gleichmäßige Erwärmung des Bodens. Die VL-und RL-Temperatur gleichen sich nach einiger Zeit bis auf wenige °C fast an, denn mit der Zeit wird es zum Ende des Rohres hin immer wärmer.
    Irgendwann, wenn das RTL dann wieder öffnet, entsteht ein leichter Druckabfall im Kreislauf, den der Heizbrenner registriert und somit brennt, denn es wird ja scheinbar 55°C heisses Wasser angefordert. Das ganze Spiel fängt von vorne an. RL-Wasser 30°C wird auf VL-Wasser 55°C erwärmt usw.



    EIn 08/15 Heizkörper hingegen besitzt üblicher Weise einen Thermostaten am Vorlauf, der meist auf die eingestellte Raumtemperatur (z.B. 24°C) reagiert und den Wasserfluss bei Erreichen dieser unterbindet. Auch hier hat der VL 55°C, da kann die RL-Temperatur durchaus noch kalt sein, z.B. 18°C. Wenn's im Raum plötzlich 24°C sind (z.B. durch Sonneneinstrahlung, Feuer oder ne Party mit 30 Leuten), dann wird dicht gemacht. Wenn dann irgendwann die Party vorbei ist, kühlt der Raum ab, Ventil öffnet und richtig kaltes Wasser fliesst über den RL zum Heizkessel, der jetzt Vollarbeit leisten muss. Und warme Füsse hab ich hier sowieso nicht.


    Eigentlich kühlt ein Heizkörper doch wesentlich schneller ab, als ein temperierter Boden.


    So gesehen finde ich das System RTL besser, aber viele Experten verfluchen das.
    Warum?
    Was ist nun der Vor- oder Nachteil beider genannter Regelungen?


    (Genannte Temperaturen sind nur Beispiele und keine Erfahrungswerte ;))

  • Einen Denkfehler hast Du noch, der Kessel reagiert nicht auf Druckveränderungen, ihm stehen nur Temperaturmessungen als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung.


    Je nach Wärmeerzeuger die Heizkreistemperatur, also Vorlauf oder Rücklauf, je nach Regelkonzept, oder Kesseltemperatur, oder Kessel- und Heizkreistemperatur.

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  • Diese RTL-Ventile scheinen aber gängige Praxis zu sein wenn eine [definition=30,0]FBH[/definition] den normalen Heizkörper ersetzen soll .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Wenn man einen einzelnen kleinen Kreis ergänzen möchte, dann ist das eine einfache Lösung. Zwar nicht optimal aber halt preisgünstig. Als Temperierung kann man darüber nachdenken, das ist aber kein Ersatz für eine richtige [definition=30,0]FBH[/definition].

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  • Zwar nicht optimal aber halt preisgünstig

    Ja, aber warum nicht optimal? Und was wäre denn optimal?


    der Kessel reagiert nicht auf Druckveränderungen


    In dem Fall verfügt der Kessel über keinen Aussenfühler und keinen Raumthermostaten. Wie soll der Kessel jetzt wissen, daß jemand irgendeinen Heizungsthermostaten aufdreht, wenn nicht über irgendeine leichte Druckänderung, z.B. im Strömungsschalter?

  • Da stelle mer us mal jamz dumm:
    Wenn Du einen Heizkörper "aufdrehst", strömt in diesen warmes Wasser ein und kaltes wird verdrängt. Was also mist ein Temperaturfühler am Kessel?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Gegenfragen:
    1: Warum "strömt" denn überhaupt Wasser, wenn ich den Heizkörper aufdrehe?
    2: Was misst der Temperaturfühler am Kessel, wenn ich noch nicht aufgedreht hab? Demnach würde die Heizung ja ständig anspringen, weil das Wasser auch im Kessel langsam abkühlt, die ausgewählte VL-Temp aber höher liegen soll.

  • Das Wasser strömt, weil die Pumpe läuft und die läuft, weil Du sie zusammen mit dem Kessel eingeschaltet hast.
    Im Falle, dass alle Ventile geschlossen sind, strömt natürlich nichts, aber es könnte, wenn es dürfte. Drehst Du jetzt ein Ventil auf, dann strömts wieder und das Wasser im Kessel wird kälter, weil ausgekühltes Wasser nachströmt.
    Wenn Du noch nicht aufgedreht hast, misst der Kesselfühler seine Innentemperatur. Die bleibt aber nicht konstant, weil auch der Kessel Wärme an seine Umgebung abgibt. Deshalb springt er auch da gelegentlich an, wenn auch nicht ständig.


    Dass ich das einem Maschinenbauer mal so volkstümlich erklären muss, hätte ich nicht gedacht.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • @Aenders
    Richtig erkannt, auch ohne Durchfluss wird der Kessel immer wieder starten um sich selbst auf Temperatur zu halten. Ein Grund warum ältere Kessel gerade im Sommer bei der WW Erzeugung so einen schlechten Wirkungsgrad haben.


    Warum Wasser durch den Heizkörper strömt wenn das Ventil geöffnet wird, hast Du einer Heizkreispumpe zu verdanken. Da gibt es keine Druckschalter.
    Die Pumpe wird vom Kessel gesteuert, bei vielen Anlagen gibt es ein Überströmventil, und neue geregelte Pumpen haben ihre eigene Elektronik um die Leistung zu reduzieren.


    [definition=30,0]FBH[/definition] Kreise mit RTL Ventil haben den Nachteil, dass der Kreisimmer mit hoher Temperatur durchströmt wird, bis das Ventil den Durchfluss begrenzt oder gar unterbindet.
    Die bessere Lösung wäre eine Regelstation mit Mischer, oder Einspritzschaltung, aber das wird deutlich teurer.

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  • Das Wasser strömt, weil die Pumpe läuft

    Die Pumpe läuft aber erst, wenn der Brenner anspringt und eine gewisse Nachlauf-Zeit nachdem die Flamme aus ist. Die läuft doch nicht dauerhaft. Mich interessiert eben, warum der Kessel im Moment des Öffnens einer Heizung weiss, warum er anspringen und auch die Pumpe laufen soll. Meine einzige logische Erklärung wäre jetzt irgendwas mit Vorlaufdruck und Rücklaufdruck,denn die VL und RL-Temperatur sind eine Millisekunde vor dem Öffnen genau so hoch, wie 1 Millisekunde danach, aber vor dem Öffnen brennt die Heizung nicht.


    Dass ich das einem Maschinenbauer mal so volkstümlich erklären muss

    :D Auch Maschbauer wissen nicht alles... (im Gegensatz zu Doktoren, die sind Gott (glauben die zumindest) :saint: )



    [definition=30,0]FBH[/definition] Kreise mit RTL Ventil haben den Nachteil, dass der Kreisimmer mit hoher Temperatur durchströmt wird

    Das leuchtet ein, gut erklärt.


    Ist es denn nicht so, daß sich nach gewisser Zeit durch die Aufheizung des Fussbodens die RL-Temp der VL-Temp nahezu angleicht und somit ein ewiges Auf-Zu des Ventils zeitlich verzögert? Gerade deshalb heisst es doch, daß FBHs energiesparender sind als die ollen Rippenbrater.


    Und nochmal zum Verständnis, mal angenommen, VL ist bei 55°C und es gibt kein Ventil. Dann würde die ganze Zeit 55°C warmes Wasser durch die Rohre geleitet und irgendwann wäre sogar der Boden bei dieser Temperatur. Mit Ventil auf z.B. 20°C eingestellt würde auch 55°C Wasser einlaufen, aber erst nach Abkühlung (durch Rohrlänge, Wärmeverlust des Bodens) unter 20°C ablaufen. Über 20°C würde das Ventil schließen und das bis dahin eingetretende 55°C Wasser steht im System und würde gerade auf den ersten Metern den Boden aufheizen. Richtig?

  • Richtig.
    Ohne Ventil würde das Wasser mit 55°C in den Kreis fließen, entsprechend dem Volumenstrom sowie der Raum- und Bodentemperatur Energie abgeben,und dann mit sagen wir mal 35°C den Kreis wieder verlassen. Mit steigender Bodentemperatur steigt dann auch die Rücklauftemperatur, bis der Boden irgendwann gar keine Energie mehr abgibt weil die Raumtemperatur ebenso bei 55°C ist, und die Rücklauftemperatur der Vorlauftemperatur entspricht. Zugegebenermaßen ein ziemlich theoretisches Szenario.


    Da wir eine Raumtemperatur um die 20-21°C bereits als angenehm empfinden, und bei niedriger Heizlast auch keine hohe Heizleistung etforderlich ist, kann man eine [definition=30,0]FBH[/definition] so planen, dass deren Wassertemperatur nur knapp über der Raumtemperatur liegt. Das kommt dann beispielsweise einem WP Betrieb entgegen, oder erhöht die Effizienz bei der Nutzung von Solarenergie mithilfe von Solarthermie.

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  • und ein normaler Thermostat am VL, der über die Raumtemperatur regelt (so wie bei den alten Rippenheizungen) würde nun also bei einer Raumtemp. von sagen wir mal 20°C öffnen, 55°C warmes Wasser fließt nach und erwärmt den Boden, bis der Raum über 20°C kommt.
    Ich würde jetzt mutmaßen, durch die Trägheit der Bodenerwärmung würde mehr 55°C Wasser fließen, als bei der RTL-Variante, also wird auch mehr Energie verbraten. Korrekt?

  • würde man ausschließlich über die RT regeln, dann würde sich durch die Trägheit eine Art Überschwingen einstellen, es wäre keine genau Regelung möglich. Durch die dann höhere Raumtemperatur ergibt sich ein höherer Energieeinsatz.
    Das wäre wie wenn Du versuchen würdest mit einem 10l Eimer Schnapsgläser zu befüllen, das wird Dir kaum gelingen mal ist zu wenig drin, mal läuft es über.


    Durch das RTL Ventil wird quasi die Heizleistung begrenzt, mit dem Raumthermostat eher die Energiemenge. Das ist zwar stark vereinfacht ausgedrückt, aber vielleicht verständlich.
    Beachte, Energie = Leistung × Zeit

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  • Ok,


    einen hab ich noch:


    eine Regelstation mit Mischer würde die Wassertemperatur vor dem Eintritt in die FB-Rohre auf die gewünschte RT (bzw. etwas drüber wegen Wärmeaufnahme des Bodens) mischen. Auch hier gleicht sich irgendwann die RL-Temp der Eintritts-Temp an. Dadurch hätte ich nirgendwo im FB-Heizkreis 55°C und somit auch keine heissen Zonen, also einen noch gleichmäßiger erwärmten Boden, der Brenner bräuchte nicht jedesmal 55°C Wasser zur Verfügung stellen und die ganze Sache liefe energiesparender, aber eine Regelstation ist sackteuer.
    Wenn das jetzt stimmt, hab ich's ^^

  • Fast richtig, denn der Kessel muss ja trotzdem die 55°C erzeugen, für die vielen anderen Heizkörper.


    Wird ein Haus ausschließlich über [definition=30,0]FBH[/definition] beheizt, dann braucht es keine zusätzliche Regelstation, dann regelt der Kessel die Temperatur anhand der Heizkurve, und zwar für [definition=30,0]FBH[/definition] passend (Bsp.: max. 35°C VL bei Auslegungstemperatur AT -14°C). Wie der Kessel das regelt, da gibt es auch wieder mehrere Varianten, je nachdem ob es sich um einen Brennwerter handelt, oder einen Kessel der sich selbst immer auf Temperatur halten muss, und dann mit einem externen Mischer den Heizkreis regelt.

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