Einkornbeton Tipps

  • Hallo liebe Forumsgemeinde,


    ich habe mich hier angemeldet, da ich trotz ausgiebiger Googlerecherche und auch bereits in den bestehenden Beiträgen hier im Forum keine Antworten auf meine Fragen finden konnte.
    Zu meinem Problem:


    Wir haben im vergangenen Jahr eine Doppelhaushälfte, Baujahr 1962 erworben und renoviert.
    Schon bei den ersten gröberen Arbeiten am Mauerwerk ist uns das Material, aus dem das Haus größenteils besteht, aufgefallen.
    Es handelt sich dabei um eine Art "Einkornbeton", das bedeutet, sämtliche Wände außen und innen wurden aus einem Beton gegossen, der nur aus Zement und Kies (Korngröße ca.2-4 cm) besteht und ziemlich porös ist. Der Kies ist also nur mit dem Zement verklebt und enthält keinen Sand, dafür viel Luft.
    Natürlich sind die Wandoberflächen noch verputzt.
    Das Fundament, sprich die Kelleraußenwände, sowie die Zwischendecken bestehen aus massiverem (Stahl?-)beton.
    Die Häuser (ca. 15-20 Doppelhäuser) in den Straßen hier in unserem Wohngebiet wurden 1962 von der renomierten Firma Kellerbau gebaut, die hier in der Region ansässig war, die es jedoch seit ca. 10 Jahren nicht mehr gibt.
    Diese Art Beton muss laut Auskunft von älteren Nachbarn und Verwandten damals anscheinend eine Innovation gewesen sein, da man dem Material aufgrund des Luftanteils eine bessere Wärmedämmung zugeschrieben hat.
    Im Anhang ein Bild das dem Wandmaterial sehr ähnlich sieht (kein Originalfoto von unserem Wänden).


    Da es quasi bei jedem Loch das wir in die Wände bohren müssen um irgendetwas daran zu befestigen zu mehr oder weniger großen Ausbrüchen an der Bohrung kommt und der Bohrer auch teils stark verläuft wenn man gleich zu Anfang auf einen der Kiesel trifft, artet jede noch so kleine Arbeit daran in ein einstündiges Projekt aus.
    Ohne Schlag kommt man maximal durch den Deckputz bis zum ersten Kiesel. Mit dem Schlaghammer geht es, allerdings verläuft auch hier der Bohrer beim Ansetzen und reißt unschöne Brocken aus der Wand, sodass man jeden Dübel noch extra mit Zement umspachteln muss damit er gut hält.


    Meine Frage hierzu wäre;
    Gibt es vielleicht Tipps, wie dieses Material besser und sauberer gebohrt werden kann, evtl. eine andere Art von Bohrer, der ohne Schlag in das Material bohrt und die Arbeit erleichtert?
    ist die Bezeichnung Einkornbeton die offizielle Bezeichnung, oder gibt es hierfür noch andere offizielle Bezeichnungen und was sagen evtl. Experten zu dieser Art von Baustoff?


    Vorab vielen Dank für Erfahrungsaustausch und Tipps in dieser Angelegenheit!


  • Hallo,
    wir haben einen aehnlichen Beton fuer die Kelleraussenwaende (alledings aus den 20ern). Ich bohre hier nicht (mehr) mit dem Bohrhammer. Am besten klappts meistens ohne Schlag mit Universalbohrern. Eventuell nehm ich, falls ich nicht weiter komm dann die Schlagbohrmaschine (nicht den Bohrhammer) und versuche behutsam das Loch auf Tiefe zu bekommen (bei ca. 1 von 3 Versuchen geht das schief und ich darf anfangen den Putz auszubessern und eine neue Stelle zum Bohren zu suchen => flexibel bleiben, auch muss nicht jede Schraube senkrecht sein, damit sie haelt...(ich gehe mal davon aus dass nicht versucht wird statisch relevante verankerungen vorzunehmen) Normale Duebel kann man meistens vergessen, gerne faellt das Loch auch "zu" sobald man den Bohrer rauszieht... Am besten tief bohren, Gewindestange mit Injektionsmoertel einkleben und darauf aufbauen oder befestigen.

  • Normal bohren ist nicht so einfach, da die Steine hart - ala Naturstein - und nur einen geringen Verbund haben. Hat man manchmal auch in Stahlbeton, dass deshalb der Bohrer verläuft.


    Ergo geht so ganz zielgerichtet nur fräsen - mit Diamantbohrkrone. Die gibt es in kleinen (5-10..20mm) und großen Durchmessern im Fliesenbereich. Aber keine billigen kaufen (gibt's es im Netz suchen bei Händlern für Diamantwerkzeuge, im gut sortierten Laden von der blauen Marke (Bo...), müssen für Naturstein und zum trocken bohren geeignet sein. Und vorher mal checken wie man den Kern herausbekommt... Das Nassbohren ist bei der Anwendung eine Sauerei, zudem werden da oft nur die billigen komischen angeboten...


    .. Hmm ist jetzt so DIY Heimwerkerpragmatismus - nee machen auch Handwerker.

    Nachdenken kostet extra!

  • Du kannst auch mal einen Flüssigdübel versuchen, für leichte bis mittlere Lasten sollte das auch ganz gut gehen .
    Für schwerere Lasten wäre sicher ein Injektionsmörtel sinnvoller .
    Handelt es sich bei den Zuschlagstoffen bei dem "Einkornbeton" um normalen Kies oder etwa um Blähton ?
    Bei uns im Nachbarort gab es mal ein Betonwerk , da wurden zu DDR- und zur Wendezeit Leichtbeton-Hohlblocksteine produziert aus Blähton .
    ( Die Steinchen sind auf dem Wasser geschwommen )
    Für Massive Anbauten wie Vordach /Markiese etc würde ich Dir empfehlen einen Auszugsversuch durchführen zu lassen , wenn denn sowas mal geplant sein sollte .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Haufwerksporig kann es auch sein.


    kennt man von vielen Mauersteinen, damals waren Bims-Hohlblocksteinen oft stark vertreten, auch heute noch regional.
    Oft auch mit Leichtzuschlägen. Ein Stein mit Leichtzuschlag würde sich aber leichter bohren lassen, da bei diesen i.d.R. die Festigkeit geringer ist.

  • Als Erstes würde ich es mit Hilfe einer Bohrschablone versuchen. Großes Brett oder Kantholz/Dachlatte plus 2 Helfer als Halter, (da man nicht noch 2 zusätzliche Bohrungen erstellen möchte).


    Als Zweites hätte ich auch die Variante Diamatbohren gewählt.


    Zur Not geht auch die Grobe Methode: Größeres Loch irgendwie da rein. Die Höhle dann reinigen , ausblasen und mit Zementmörtel oder Injektionsmörtel komplett füllen und nach dem Aushärten das "richtige" Loch bohren.


    Neulich musste ich bei uns (sehr harte Steine mit sehr weichen Fugen im Ziegelmauerwerk) auch auf die Injektiomsmörtelkartusche zurückgreifen, einschließlich Bohrlochreinigung mit der Tüllenbürste.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Vielen Dank schonmal für eure zahlreichen und ausführlichen Ratschläge!


    zur Frage von AndyG:
    Die Zuschläge sind herkömmliche Kiesel, also harte Natursteine.


    Dann fahre ich ja mit meiner bisherigen Methode garnicht so falsch - Bohren wie es eben geht und anschließend ausbessern / Dübel einspachteln.


    Ich muss mich nur immer wieder wundern, wie man aus sowas ein Haus "gießen" kann. Die Festigkeit ist ja wie erwähnt nicht ganz so stark. Wenn man sich überlegt, dass 80% seines Hauses aus einem Haufen Kieselsteine besteht wird einem ganz anders. Andererseits hat es ja die letzten fast 60 Jahre schon gehalten...