Altbausanierung - Gas vs. Sole-WP, die KFW...und der Rattenschwanz

  • Hallöchen,


    wir verzweifeln gerade ein wenig an unseren Überlegungen zum Umfang unserer Altbausanierung.


    Aktueller Stand ist eine Komplett-Sanierung zum KFW-Effizienzhaus 55 mit Sole-WP und Tiefenbohrung in Verbindung mit einer zentralen KWL mit WRG. Die Hütte wird etwa 215m² Wohnfläche aufweisen und soll komplett über [definition=30,0]FBH[/definition] beheizt werden.



    Wie sind wir darauf gekommen? Ich denke im Nachhinein durch zu viel Kopfnicken und zu wenig Nachdenken ;-)





    Uns bieten sich im Groben folgende Alternativen:


    1) KFW 115: Gastherme + KWL, Einblasdämmung Mauerwerk, minimale Dämmung unter Estrich und auf oberster Geschossdecke


    • Gewinn: 32.000 Euro für die Fassade (Gerüst, Dämmung, Putz, Anstrich), 30.000 für die Erdwärmepumpe (all in), 20.000 Euro Sonstiges (Mehrkosten für bessere Fenster, mehr Dämmung von KFW 115 auf KFW 55)
    • Verlust: 15.000 Euro KFW (statt 27.500 nur noch 12.500 Tilgungszuschuss), 17.000 Förderung Erdwärme (BAFA und progress.nrw), 10.000 Euro Kosten für Gas (Gasanschluss, Therme etc.)
    • Ersparnis: 40.000 Euro


    2) KFW 85: Erdwärmepumpe + KWL, Einblasdämmung Mauerwerk, gute Dämmung unter Estrich und auf oberster Geschossdecke, bessere Fenster


    • Gewinn: 32.000 Euro für die Fassade, 10.000 Euro Sonstiges (Mehrkosten von KFW 85 auf KFW 55)
    • Verlust: 10.000 Euro KFW (statt 27.500 nur noch 17.500 Tilgungszuschuss), 4.000 Förderung Erdwärme ("Gebäudeeffizenzbonus")
    • Ersparnis: 28.000 Euro


    Wie man sieht, erhält man (ausgehend vom Mindeststandard 115) scheinbar für rund 12.000 Euro eine Sole-WP und bessere Dämmung bei 85er Standard.


    Es ist ein ewiges Rumgeiere. Sagt man "Ja" zur Sole-WP, weil die nur wenig mehr als die Alternative Gas zu kosten scheint, erfüllt man in dem Moment bereits die primärenergetischen Anforderungen an KFW 55 und der Schritt zum nächstbesseren Standard erscheint fast schon logisch. Der einzige, unverdauliche Brocken ist in diesem Zusammengang die zusätzliche Fassadendämmung, die im Vergleich unglaublich teuer ist und sich wohl niemals rechnen wird.


    Lassen wir diese aber weg, drehen sich die Gedanken direkt um so Fragen wie "Wie lange machts der Putz noch?", "Wie lassen wir die neuen Fenster setzen, um uns die Option auf spätere Dämmung offen zu halten?", "Funktioniert so ein schlechter gedämmtes Haus mit WP überhaupt?", "Würden wir nicht ohnehin zumindest die Fassade streichen wollen?". Es ist zum Haareraufen!



    Wie seht ihr das? Würdet ihr es beim Minimalstandard belassen, zumindest die 85 mitnehmen, oder gar die 40.000 für das volle Programm berappen?

  • In welchem Zustand ist die Fassade?
    Hast Du mal versucht die Betriebskosten über einen Betrachtungszeitraum von sagen wir mal 20 Jahren zu berücksichtigen?


    Ob sich das ungedämmte Gebäude sinnvoll mit einer WP beheizen lässt, das zeigt die Heizlastermittlung (raumweise) und darauf basierend die [definition=30,0]FBH[/definition] Dimensionierung.


    Am Ende wirst Du auch auf Dein Bauchgefühl hören müssen, denn es lässt sich nicht alles einfach in Zahlen fassen.


    Bei den Fenstern könnte man eine minimale Leibung vorsehen, vielleicht 3 oder 4 cm, so dass man später mit beispielsweise 16cm Dämmung eine Leibungstiefe von 20cm erhält. Das könnte optisch ein Kompromiss sein.
    Außen bündig, sinnvoll für ein späteres [definition=50,0]WDVS[/definition] sieht an einem EFH eher bescheiden aus.

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  • Mal schnell morgens aus dem Bauch raus:
    1) [definition=36,0]KfW[/definition] und Bafa darf man doch nicht kombinieren meines Wissens nach.
    2) Über welches Baujahr sprechen wir bei dem Haus?


    Ich würde nicht nur über Wirtschaftlichkeit nachdenken, sondern auch über Behaglichkeit.


    Zudem: alte Hülle und [definition=30,0]FBH[/definition]/ WP - aus dem Bauch raus würde ich das nicht für die beste Kombination halten.
    Ich schau mir das nochmal in Ruhe an, wenn ich wirklich wach bin.


    Evtl. kann @Alfons Fischer auch noch was dazu beitragen.

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  • Mal schnell morgens aus dem Bauch raus:
    1) [definition=36,0]KfW[/definition] und Bafa darf man doch nicht kombinieren meines Wissens nach.

    Ich hätte jetzt mal wieder das Gegenteil behauptet.



    ---------- 1. November 2017, 08:59 ----------


    Wie seht ihr das? Würdet ihr es beim Minimalstandard belassen, zumindest die 85 mitnehmen, oder gar die 40.000 für das volle Programm berappen?

    Deine Berechnung ist unvollständig. Du hast die Finanzierungskosten nicht berücksichtig, du hast die Behaglichkeit als Faktor nicht berücksichtig, du hast nicht berücksichtig, ob dezentrale Lüfter mit WRG nicht günstiger wären, du hast die Heizkosten für die nächsten 20 Jahre nicht verglichen, was ist mit der Dachdämmung, Zustand der Fassade? wenn man Fenster + Fassade macht, rechnet sich die Fasadendämmung eher, da das Gerüst dann Sowiesokosten sind, bei den Fensterkosten hatte ich eine Spreizung von 20.000 Euro in den Angeboten.......

  • In welchem Zustand ist die Fassade?

    Soweit ich das als Laie sagen kann: In einem guten. Es gibt zwar ein paar Risse, aber die sind sehr sehr schmal und scheinen eher oberflächlich und somit wohl reparabel zu sein. Ich mache nachher mal ein paar Fotos.


    Hast Du mal versucht die Betriebskosten über einen Betrachtungszeitraum von sagen wir mal 20 Jahren zu berücksichtigen?


    Ehrlich gesagt: Nein. Wir sprechen von knapp über 200m² Fassade, die mit Außendämmung eine Verbesserung des U-Wertes von ~ 0,3 W/m²K gegenüber der reinen Einblasdämmung erfährt.
    Insgesamt sprechen wir von etwa 630m² Hüllfläche die folgende Ht-Werte hätten:


    KFW 115 = 0,482
    KFW 100 = 0,427
    KFW 085 = 0,371
    KFW 070 = 0,315
    KFW 055 = 0,260


    Ob sich das ungedämmte Gebäude sinnvoll mit einer WP beheizen lässt, das zeigt die Heizlastermittlung (raumweise) und darauf basierend die [definition=30,0]FBH[/definition] Dimensionierung.

    Es wäre ja nicht völlig ungedämmt, nur eben nicht so stark (siehe Ht-Werte). Es wird wohl generell möglich sein, dies mit einer WP zu heizen, nur was bleibt dann von der vielgelobten Effizienz? Auch wenn die Erdwärmepumpe dank Förderung am Ende kaum mehr kostet, bleibt ein Mehrinvest von ein paar tausend Euro - die sollten irgendwie zu rechtfertigen sein (Ökologie, Wertsteigerung und vor allem eben Effizienz).


    Mal schnell morgens aus dem Bauch raus:
    1) [definition=36,0]KfW[/definition] und Bafa darf man doch nicht kombinieren meines Wissens nach.
    2) Über welches Baujahr sprechen wir bei dem Haus?


    Ich würde nicht nur über Wirtschaftlichkeit nachdenken, sondern auch über Behaglichkeit.

    zu 1) Jein, man darf nicht die gleiche Investition zwei mal fördern lassen. Die Kosten für Heizung und Optimierungsmaßnahmen müssen also beim "Energieeffizient Sanieren (151)" herausgerechnet werden. Das stellt aber kein Problem dar, weil die 100.000 ohnehin um den Faktor 1,5 übertroffen werden.
    zu 2) Baujahr ist 1939


    Behaglichkeit ist ansich berücksichtigt; wir wollen ja grundsätzlich dämmen, nur bzgl. des Umfangs sind wir unsicher. Ist es am Ende ein spürbarer Unterschied, wenn das Gebäude einen Ht von 0,37 statt möglicher 0,26, bzw. das Mauerwerk einen U-Wert von 0,4 statt 0,15 aufweist?



    Deine Berechnung ist unvollständig. Du hast die Finanzierungskosten nicht berücksichtig, du hast die Behaglichkeit als Faktor nicht berücksichtig, du hast nicht berücksichtig, ob dezentrale Lüfter mit WRG nicht günstiger wären, du hast die Heizkosten für die nächsten 20 Jahre nicht verglichen, was ist mit der Dachdämmung, Zustand der Fassade? wenn man Fenster + Fassade macht, rechnet sich die Fasadendämmung eher, da das Gerüst dann Sowiesokosten sind, bei den Fensterkosten hatte ich eine Spreizung von 20.000 Euro in den Angeboten.......


    Das mag grundsätzlich korrekt sein, aber gehen wir es mal durch:


    • Die Finanzierungskosten der oben genannten Beträge habe ich bisher tatsächlich noch nicht eingerechnet. Da kämen also sicherlich nochmal ~15.000 Euro hinzu
    • Die Behaglichkeit haben wir eigentlich zu berücksichtigen versucht, siehe Antwort @Anda im Absatz über diesem.
    • Dezentrale Lüfter mögen etwas günstiger sein, die (zentrale) KWL stand aber auch zu keinem Zeitpunkt zur Disposition.
    • Heizkostenersparnis habe ich nicht verglichen, korrekt. Die werden aber bei der Fassade sicherlich keine Amortisation des Invests einfahren.
    • Dachdämmung = oberste Geschossdecke (zzgl. kleiner Anteil Schrägen im OG). Ist berücksichtigt und sollte zwischen den Varianten keine exorbitanten Mehr-/Minderkosten ergeben.
    • Zustand Fassade siehe Antwort @R.B.
    • Fenster und Gerüst ist mir neu. Wieso brauche ich da unbedingt ein Gerüst?




    Mir ist klar, dass mir hier niemand die Entscheidung abnehmen kann, mir gehts hier bloß um etwas Input und gerne auch mal ne persönliche Meinung. Insofern schonmal vielen Dank euch Dreien!

  • Bei einer Verbesserung von nur 0,3W/m2K wird sich der Mehraufwand durch gesparte Heizkosten nicht so schnell amortisieren.


    Rechne einfach mal mit 25-30kWh/m2 jährlich, da müssten die Energiepreise schon gewaltig steigen.

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