Senkung des Primärenergiebedarfs durch KWL

  • Hallo,


    kann man pauschal beantworten, um wieviel der Primärenergiebedarf eines Hauses grob gesenkt wird, wenn man eine KWL einbaut? Oder wie wird dies berechnet? Danke

  • Habe hier eine Vergleichsrechnung für ein EFH 140m² Wfl. ohne Keller vorliegen.


    Primärenergiebedarf ohne KWL = 37,25
    dto. mit KWL/WRG = 32,42

  • Rechnen lässt sich viel.
    Frage ist, ob die Wirklichkeit sich auch so darstellt.


    Und noch spannender:
    Wann die Amortisation der Mehrkosten eintritt.
    Ob das dann ein wirtschaftliches Angebot war,
    oder eher ein Fall für die Berufshaftpflicht wird.


    Achso, die hamma ja ned.

    Schlechte Argumente bekämpft man am besten dadurch, daß man ihre Darstellung nicht stört.

  • Amortisieren wird sich eine KWL wohl nie. Es halt ein Komfortgewinn. Eine KWL war bei uns eh immer angedacht, nur in der ersten Berechnung nicht berücksichtigt. Deswegen meine Frage, wie sich eine KWL auswirkt. Und wenn der Schritt von KfW 55 auf 40 nicht mehr allzu groß ist, kann man sich diesen Schritt überlegen, um mehr Tilgungszuschuss zu bekommen und ein wertigeres Haus zu erhalten

  • Warum hier nach dem Primärenegie als politische Größe gefragt wird und dann über Amortisierung gesprochen wird, bleibt schleierhaft.


    Es wäre gut, wenn world-e mal bitte sagt, was er mit dem Vergleich anfanngen will und welchen Energieträger er hat.

  • Mein Energieträger ist Strom mit einer Luft-Wasserwärmepumpe. Ich frage deshalb, weil bei meinem Bauvorhaben eine KWL vorgesehen ist, aber nicht mit in den Energiesparnachweis mit einberechnet worden ist (wurde nicht richtig vom GU an den Energieberater weitergegeben). Und weil es gerade die Überlegung gibt, von KfW55 auf KfW40 zu kommen, interessiert es mich, in wie weit eine KWL den Primärenergiebedarf senken kann. Mir ist klar, dass die Frage nur konkret durch eine Berechnung zu beantworten ist. Aber interessiert mich trotzdem, wie der Einfluss sein kann.

  • Darauf kann man antworten ;-)


    Die KWL mit WRG wird natürlich in der Berechnung einbezogen.


    Mit einer LWP wird aber nicht der Promärenergiebedarf dein Problem für kfw40 sein, sondern der Transmissionswärmeverlust. Dabei hilft die die KWL nicht.


    Der Schritt von kfw 55 auf kfw 40 ist ein größerer, als du dir vorstellst. Auch die Gebäudehülle (Transmissionswärmeverlust) müssen aufgebessert werden, was finanziell die 2.500 EUR Tilgungszuschuss wesentlich überschreiten wird. Der Schritt lohnt also nicht, begnüge dich damit, dass du ein Haus hast, was nah dran an kfw40 ist, aber das Label dafür halt nicht hat.


    Kleiner Hinweis: Wenn du mit kfw und KWL baust, dann MUSST du einen BDT mit Fertigstellung der Luftdichtigkeitsebene durchführen lassen.

  • An dem Transmissionswärmeverlust wird gerade gearbeitet, dass dieser niedriger wird, obwohl er schon nahe an KfW40 dran ist. Und seit dem 01.04. sind es 10000€ Tilgugszuschuss für KfW40, was 5000€ Unterschied zu KfW55 sind. In BW sind es sogar 6% bzw. 11% vom 100000€ KfW Kredit.

  • Wenn ich mal meinen Energieausweis anschaue, dann trägt die KWL mit WRG mit ca. (thermisch) 19kWh/m²a zum qp bei.
    Hat dabei aber einen Verbrauch von 800kWh elektrisch, was 2200kWh Primär bedeutet (P-Faktor 2,7).


    Bei An von 286m² sind das ca 5500kWh/a thermisch.


    Müsste diese mit der LWWP erzeugt werden wären es ca. 3.000kWh/a Primärenergie mehr, also grob 10kWh/m²a.

  • Zitat von "world-e"

    Hallo,


    kann man pauschal beantworten, um wieviel der Primärenergiebedarf eines Hauses grob gesenkt wird, wenn man eine KWL einbaut? Oder wie wird dies berechnet? Danke


    kann man nicht beurteilen. dies ist abhängig vom Heizsystem.
    Extrembeispiele:
    Scheitholz-oder Pelletheizung --> Reduktion nur sehr gering, ggf. sogar Erhöhung von Qp durch eine Lüftungsanlage
    reine Stromheizung --> sehr große Reduktion von Qp

  • Zitat von "world-e"

    An dem Transmissionswärmeverlust wird gerade gearbeitet, dass dieser niedriger wird, obwohl er schon nahe an KfW40 dran ist.


    ...dank des (Achtung: meine Meinung!) sträflich niedrigen Wärmebrückenzuschlags, der sich zudem vermutlich falscher Annahmen bedient... Wir hatten dies im anderen Thread diskutiert.

  • Ich belebe das Thema hier mal frech wieder, weil ich exakt die gleiche Frage habe.


    Wir haben in den vergangenen Tage 2 "ENEV-Nachweise" erhalten. Einen ohne und einen mit Berücksichtung einer KWL mit WRG
    Heizsystem wird eine SWWP mit Tiefenbohrung ([definition=30,0]FBH[/definition] und WW), Wärmebrückenzuschlag ist 0,05.


    Ohne KWL/WRG: Primärenergiebedarf: 42,36 [definition=38,0]kWh[/definition]/(m²a), Transmissionswärmeverlust: 0,308 W/(m²a)
    Mit KWL/WRG: Primärenergiebedarf: 40,72 [definition=38,0]kWh[/definition]/(m²a), Transmissionswärmeverlust: 0,308 W/(m²a)


    Der Unterschied durch die KWL mit WRG beträgt also gerade einmal 1,64 [definition=38,0]kWh[/definition]/(m²a). Kann das sein?

  • ja, das kann sein.
    in #12 hab ich es schon mal geschrieben: je niedriger der Primärenergiebedarf, welcher aus der Heiztechnik resultiert, desto mehr spielt der Strombedarf der Lüftungstechnik eine Rolle.


    Und da hier eine Erdreich-Wärmepumpe vermutlich zu einem niedrigen Primärenergieeinsatz für die Beheizung führt, kann die Lüftungstechnik mit dem hohen Primärenergiefaktor für Strom kaum mehr Primärenergie einsparen.
    Interessant wäre mal ein Blick auf den Heizwärmebedarf Q''H

  • Vielen Dank schonmal!


    Ich finde zwar den Begriff "Heizwärmebedarf", allerdings ohne das Kürzel.


    Heizwärmebedarf 51,16 [definition=38,0]kWh[/definition]/m²a


    Verluste durch
    Übergabe: 0,4
    Verteilung: 2,49
    Speicherung: 0,05
    Wärmegutschrift Trinkwassererwärmung: -1,11
    Wärmegutschrift Lüftungsanlage: -11,30


    Bereitzustellende Wärmeenergie q*H : 41,69


    Hoffe du kannst damit was anfangen.

  • ja, das ist schon das, was ich meine. Hier die 41,69 [definition=38,0]kWh[/definition]/(m² a)
    Ohne Lüftungsanlage würde es 51,16 [definition=38,0]kWh[/definition]/(m² a) (zuzüglich der Verluste und abzüglich der Gutschrift aus Trinkwasser) benötigen.
    mit Lüftungsanlage eben die 41,69 [definition=38,0]kWh[/definition]/(m² a)
    Für das Gesamtgebäude alles multipliziert mit AN aus der EnEV-Berechnung. Vorausgesetzt ist dabei eine Vollbeheizung entsprechend der Randbedingungen der EnEV.

  • Alles klar, danke nochmal!


    So langsam fange ich an das Ding zu überblicken. Der Nachweis ist aktuell noch ohne konkretes Modell für die WP und KWL (irgendwelche Werte, woher auch immer die stammen).
    Dann sollte der Primärenergiebedarf sich also nochmal verbessern, zumal der Ht darauf ja ebenfalls Einfluss nimmt, wenn ich das richtig verstanden habe.

  • der H'T hat Einfluss auf den Heizwärmebedarf Q''H.
    der Heizwärmebedarf ist ja derjenige Energiebedarf, welcher von den Heizflächen für den Raum zur Verfügung gestellt werden muss, um eine konstante Raumtemperatur von im Schnitt (nach EnEV) 19°C aufrecht zu halten (unter Berücksichtigung der übrigen Randbedingungen der EnEV).
    Dieser Q''H ist als vollkommen unabhängig vom Heizsystem und berücksichtigt auch nicht Verteilungs- und Regelungsverluste.


    die Standardwerte für die Heiztechnik in der EnEV-Berechnung bilden eher den unteren Durchschnitt der am Markt verfügbaren Technik zum Zeitpunkt des Erscheinens z.B. der 4108-10 ab. Fast jede heute verfügbare Technik dürfte besser sein. Mit besseren Werten darf ich aber nur rechnen, wenn mir diese vorliegen und ich weiß, wie diese einzugeben sind.
    Es ist üblich, mit den schlechteren Standardwerten zu rechnen. Nach meiner Einschätzung wird wohl der Durchschnitt der Energieberater bisher nur selten mit detaillierten Kennwerten gerechnet haben. Wenn überhaupt.


    Wird Q''H niedriger, reduziert sich der vom Heizsystem zur Verfügung zu stellende Energiebedarf und damit auch der Primärenergiebedarf Q''p. Aber nicht ganz linear. Je niedriger nämlich der Bedarf, desto geringer auch die Laufzeiten des Erzeugers und damit umso höher auch z.B. anteilig Auskühl- und Stillstandsverluste bzw. anteilig die Regelungs- und Verteilungsverluste.

  • Ich sehe schon, wer das Thema ernst nimmt, hat damit eine Menge Arbeit. Nochmals Danke fürs Ausleeren deines Füllhorns an abgefahrenem Wissen ;-)


    Mal ganz generell gefragt: Inwiefern hat man als Bauherr Anspruch auf konkrete Berechnungen? Könnte ich also z.B. die von dir angesprochene Verwendung exakter Werte für die Heizungsanlage, oder auf der anderen Seite eine detaillierte Wärmebrückenberechnung einfordern?
    (Vertraglich sieht es so aus, dass unsere Architektin gleichzeitig auch KFW-Sachverständige ist und wir ein Gesamthonorar für alle Leistungsphasen inkl. "KFW-Anträge", "Energieberatung" und "Wärmeschutznachweis" im Rahmen des Architektenvertrages vereinbart haben)


    Und noch eine vielleicht blöde Frage: Der aktuelle Plan sieht vor eine Sanierung zum KFW-Effizienzhaus 70 durchzuführen. Die "Berechnung" dafür sieht aktuell so aus:


    Primärenergiebedarf: Vorhanden --> 40,72 // Zulässig: 70,37 * 0,70 = 49,26 // Erfüllt!
    Transmissionswärmeverlust: Vorhanden: 0,308 // Zulässig: 0,369 * 0,85 = 0,314 // Erfüllt


    Verstehe ich das richtig, dass wir für KFW 55 dann folgende Rechnung aufmachen müssten:


    70,37 * 0,55 = 38,70
    0,369 * 0,7 = 0,258


    Überlegung ist dabei: Wenn wir schon technisch die Voraussetzungen haben (SWWP und KWL mit WRG), sollte der Aufwand für "etwas" mehr Dämmung fast kostenneutral zu haben sein. Oder sehe ich das zu naiv?

  • Mal ganz generell gefragt: Inwiefern hat man als Bauherr Anspruch auf konkrete Berechnungen? Könnte ich also z.B. die von dir angesprochene Verwendung exakter Werte für die Heizungsanlage, oder auf der anderen Seite eine detaillierte Wärmebrückenberechnung einfordern?

    Anspruch dürfte nur bestehen, wenn beauftragt. Das gilt für die gesamte Dimensionierung der Heizungsanlage/WW-Bereitung (Heizlastberechnung, Heizflächendimensionierung, Rohrhydraulik...). Ob sich der Kostenaufwand für eine detaillierte WB Berechnung tatsächlich lohnt, hängt wie stets vom Einzelfall ab. Erfahrungsgemäß nur, wenn man mit dem pauschalen Zuschlag ganz knapp den Zielwert verfehlt.