Architekt prüft Schlußrechnung und streicht Leistungen - Firma mahnt - was jetzt?!

  • Hallo,


    ich habe folgende Frage:


    Wir haben im Zusammenhang mit unserem Bauvorhaben 2014-2016 einen Architekt für die Leistungsphasen 1-8 beauftragt.


    Zwischenzeitlich haben beinahe alle Firmen ihre Schlußrechnung gestellt und der Architekt hat diese geprüft und zur Zahlung freigegeben.
    Bei einigen Firmen hat der Architekt mehr oder weniger große Beträge als unberechtigt gekürzt bzw. Mengenangaben korrigiert.
    Die Firmen haben die geprüften Rechnungen auch als Rückläufer erhalten.


    Jetzt habe ich das Problem, dass naturgemäß die Firmen nicht mit allen Kürzungen einverstanden sind.
    Da aber leider das Tischtuch zwischen uns und dem Architekten leider "zerissen" ist, äußert er sich nicht weiter zu den Rechnungskürzungen un dich erhalte von den Firmen Mahnungen.


    Was soll ich jetzt tun?


    Der Architekt schreibt teilweise von geringeren Mengen und teilweise von nicht zu vergütenden Leistungen, was ich im Einzelnen als Laie nicht prüfen kann.


    Bin ich am Ende als Auftraggeber "schuld" an der möglicherweise fehlerhaften Rechnungsprüfung?


    Muss der Handwerker nachweisen, dass er korrekt abgerechnet hat - oder ich als Auftraggeber

  • Beweispflichtig für seine Forderung ist der Unternehmer. Wenn der Kollege also gekürzt hat, muss der [definition=22,0]BU[/definition] BEWEISEN, dass das nicht berechtigt war.


    ZU einer Rechnung gehört doch eine Massenermittlung, in denen die Einzelmaße oder Mengen aufgelistet sind. Also z.B.:
    Decke EG 12,38*9,58*0,18 = .... m³
    Vieles (nicht alles) davon muss sich doch an Hand von Plänen und gebauter Realität nachvollziehen lassen.


    Und wenn der Kollege meint, das Rumpelstielzchen machen zu können, nimmst Du Dir nach entsprechendem Vorspiel halt einen anderen Kollegen und holst Dir das Geld wieder.


    Hierbei sollte man nur überlegen, um wie viel Geld es denn geht. Bei einer Differenz von 50 € lohnt das sicher nicht, bei 500 € wirds interessant und bei 5.000 € lohnt es sich meist.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Bin ich am Ende als Auftraggeber "schuld" an der möglicherweise fehlerhaften Rechnungsprüfung?


    Muss der Handwerker nachweisen, dass er korrekt abgerechnet hat - oder ich als Auftraggeber

    Grundsätzlich muss der, der Geld haben will, nachweisen, dass sein Anspruch rechtens ist.


    Dies wiederum wird häufig vom Architekten geprüft, weil der Laie dies großenteils gar nicht nachvollziehen kann.


    Das heißt aber natürlich auch nicht, dass der A. immer richtig liegt. Er ist ja auch nicht neutral, sondern Dienstleister im Auftrage des Bauherren.


    Aber: Auch ein Architekt prüft bzw. kürzt ja nicht nach Gutdünken. Normalerweise sollte bei Korrekturen schon ersichtlich was oder wieviel oder warum gekürzt wurde.


    Wie auch immer: Der Architekt muss m.E. seine Arbeit schon noch weiter machen (oder wurde der A.-Vertrag gekündigt?). Auch wenn's schwer fällt. Für beide.


    letztendlich aber ist der Bauherr der Vertragspartner. Er schuldet Geld, der AN schuldet Leistung. Die Prüfung ist nicht immer trivial...

  • Der Architekt muss seine Kürzungen aus den Vertragsgrundlagen begründet und für AG und AN nachvollziehbar ableiten.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Hallo,


    [...]Jetzt habe ich das Problem, dass naturgemäß die Firmen nicht mit allen Kürzungen einverstanden sind.
    Da aber leider das Tischtuch zwischen uns und dem Architekten leider "zerissen" ist, äußert er sich nicht weiter zu den Rechnungskürzungen un dich erhalte von den Firmen Mahnungen.


    [...]

    In wie weit ist denn die Leistung des Architekten schon bezahlt ?


    Geht es bei den "gekürzten Massen" um nachprüfbare Massen (Länge, Breite, Höhe nach Plan oder vor Ort noch messbar), geht es um bereits verdeckte Leistungen (Baugrubenaushub, o.ä.) oder geht es um schwer oder fast-nicht-mehr nachprüfbare Leistungen (Stundenlohnarbeiten, Mehraufwendungen, größere Schichtdicken, mehrfach ausgeführte Arbeiten wegen Beschädigung durch andere Gewerke, o.ä.)


    Nachprüfbare Mengen kann u.U. auch ein anderer Kollege prüfen. Eine gewisse Einarbeitungszeit müsste dann ggf. zusätzlich vergütet werden.


    Du kannst aber schon prüfen, ob alle Aufmaße vorliegen, ob die Aufmaße zur Rechnung passen, ob evtl. irgendwas doppelt abgerechnet wurde. Aber letztendlich muss der ausführende Betrieb eine prüffähige Rechnung stellen. Hat Dein Architekt ggf. Rechnungen zurückgewiesen/gekürzt, weil sie nicht prüfbar waren oder weil Aufmaße gefehlt haben ?

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Wie auch immer: Der Architekt muss m.E. seine Arbeit schon noch weiter machen (oder wurde der A.-Vertrag gekündigt?). Auch wenn's schwer fällt. Für beide.

    Sehe ich genauso.
    Der Architekt ist aber nicht verpflichtet, umfangreich zu erläutern, oder dem AG gar zu beweisen, dass seine Rechnungskürzung berechtigt ist.


    Die Sache mit der Beweislast, die erstmal beim AN liegt, klingt positiv, hilft aber nur bedingt weiter.


    Wenn der AN den strittigen Fehlbetrag einklagt, kann es (je nach dem) natürlich sein, dass es dem AN im Prozess gelingt, den Zahlungsanspruch zu beweisen (z.B. durch die Einholung eines gerichtlichen Sachverständigengutachtens). Dann verliert flexistone den Prozess und muss nicht nur den Werklohn nebst Zinsen, sondern auch noch die Prozesskosten tragen.


    Wenn der Archi die Leistungskürzung schuldhaft zu Unrecht vorgenommen hat, ist er dem AG bezüglich der Prozesskosten und der Zinsen zum Schadensersatz verpflichtet. Wenn es um größere Summen geht, wäre es im Falle einer Werklohnklage des AN daher sinnvoll, dem Archi im Prozess den Streit zu verkünden. Das hat die Wirkung, dass der Archi das Ergebnis des Rechtsstreites gegen sich gelten lassen muss und im etwaig sich anschließenden Schadensersatzprozess nicht damit argumentieren kann, die Leistungskürzung sei d o c h berechtigt gewesen.



    ---------- 26. September 2017, 22:14 ----------


    Nachprüfbare Mengen kann u.U. auch ein anderer Kollege prüfen. Eine gewisse Einarbeitungszeit müsste dann ggf. zusätzlich vergütet werden.

    Vorsicht! Keinen neuen Kollegen bestellen, solange der Vertrag mit dem vorherigen noch läuft! Jedenfalls dann nicht, wenn damit die Hoffnung verbunden sein soll, dass der ggf. säumige vorherige Architekt den Stundenlohn des neuen Kollegen erstattet.


    Um so eine etwaige Regresssituation herzustellen, kommt man wohl um einen Anwalt nicht herum.


    Flexistone: um welche Summen geht es denn überhaupt?



    ---------- 26. September 2017, 22:19 ----------


    Was soll ich jetzt tun?

    Dem Rat des Architekten folgen und nur den bestätigten / freigegebenen Rechnungsbetrag zahlen.


    Vielleicht, wenn echte Zweifel bestehen, noch vorher einen anderen Fachmann darüberschauen lassen, ob die Rechnungskürzungen nach Aktenlage wenigstens einigermaßen plausibel erscheinen.

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    Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854

    Einmal editiert, zuletzt von Ralf Wortmann ()

  • Was soll ich jetzt tun?

    ein Gespräch mit den drei beteiligten Parteien (Auftraggeber - Archi - Auftragnehmer) suchen...
    Auch wenn's nicht einfach scheint.
    Aber bitte mit einer gewissen Verhandlungsmasse ins Gespräch gehen (also Kompromissbereitschaft).


    So ein Gespräch dauert vielleicht eine Stunde. In dieser Zeit hat man vermutlich nicht mal einen richtig gut formulierten Brief geschrieben.

  • Aber drandenken:
    In so ein Gespräch solltest Du immer mit Deiner Maximalforderung gehen, das wird die Gegenseite auch tun.
    Im Gespräch können dann berechtigte Forderungen zugestanden werden und man trifft sich in der Mitte - so in etwa im gerechtfertigten Bereich.


    Wenn die berechtigten Forderungen schon im Vorfeld solch eines Gesprächs zugestanden werden, hat man keinen Spielraum sich auf die Gegenseite zuzubewegen - das wird aber erforderlich sein um eine Einigung zu erzielen.

  • Im Gespräch können dann berechtigte Forderungen zugestanden werden und man trifft sich in der Mitte - so in etwa im gerechtfertigten Bereich.

    Berechtigte Forderungen sind natürlich zuzugestehen. Logo. Ungerechtfertigte dann nicht.


    Wieso sollte man sich irgendwo in der Mitte treffen? IdR lässt sich so etwas doch recht exakt auseinanderfummeln.