Kauf Altbau aus 50ern

  • Hallo,
    ich bin ganz neu hier und hoffe, ich pste im richtigen Forum. In unserer Stadt ist es sehr schwierig an Grundstücke und Häuser zu kommen in guter Lage. Nun habe ich einen Bungalow aus den 50ern im Angebot, der genau ist, was ich ewig schon suche und bin aber sehr vorsichig, nachdem mir kürzlich aus derselben Zeit ein Holzhaus mit Bleirohren und Asbest angeboten wurde.


    Es handelt sich um ein sehr gepflegtes Haus mit neuer Dämmung und Fenstern aus 2011. Diesmal zum Glück massiv mit Flachdach (Dach noch Original). Leider trotzdem nur Effizienz H. Ich habe die Original Baubeschreibung und wollte mal fragen, ob jemand darin Auffälligkeiten sieht oder ob die Bauweise solide ist. Vielen lieben Dank.


    Die Beschreibung hänge ich als Screenshot an. Beste Grüße. Jan

  • Das du das Dach machen kannst steht wohl außer Frage, wenn es wirklich noch Original ist. Damit hast du auch alle Anforderungen ([definition=28,0]EnEv[/definition]) zu erfüllen. Je nach Zustand kann das ein Komplettabriss bis auf den Estrich ggf. Rohdecke nachsich ziehen.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Das du das Dach machen kannst steht wohl außer Frage, wenn es wirklich noch Original ist. Damit hast du auch alle Anforderungen ([definition=28,0]EnEv[/definition]) zu erfüllen. Je nach Zustand kann das ein Komplettabriss bis auf den Estrich ggf. Rohdecke nachsich ziehen.

    Warum wenn er nur neu belegt, dann doch nicht. Oder?

    Durch Nutzung der üblichen Rechtschreibregeln wertschätze ich mein Gegenüber und es liest sich viel angenehmer.

  • Warum wenn er nur neu belegt, dann doch nicht.

    Du meinst die Regenerationsschicht? Attestieren wir mal, dass das Dach nicht aus den 50igern ist sondern bis dahin schon mal überarbeitet wurde. Seriös wäre also den TS im Zuge eines Angebotes darauf aufmerksam zu machen, dass Regenerationsschichten nicht unendlich aufgebracht werden können. Das hängt zwingend von der Bahnqualität ab auf die aufgeflämmt wird. Das mag jetzt Vermutung meinerseits sein aber ohne es gesehen zu haben würde ich da erst Mal ein Fragezeichen hinter machen.


    So bald also der Aufbau entfernt würde, greift logischerweise auch die EnEV. Ebenfalls wenn anstelle einer weiteren Regenerationsschicht eine andere Form der Abdichtung auf die bestehende gewählt wird. Es ist auch naheliegend, wenn die thermische Hülle 2011 überarbeitet wurde irgendwann auch mal dem Dach dahingehend Rechnung zu tragen.


    Billig oder weniger "kosten" intensiv ist immer möglich mit Haftungsfreistellung. Die Frage ist nur ob man damit wirklich einen Mehrwert schafft. Es wird ja nicht nur die Abdichtung erneuert, nein es kann auch ein neues Konzept erarbeitet werden. Um z. B. die Dauerhaftigkeit einer Abdichtung zu erhöhen. Das liegt dann aber am beratenden Handwerker/Planer diese Argumente darzulegen.


    ---------- 3. September 2017, 13:12 ----------


    Und bevor ich es vergesse: Baujahr 50 kann bedeuten, dass hier nicht gerade unbedenkliche Stoffe ruhen. In Summe muss also alles, falls nötig, als Sondermüll entsorgt werden. Ich würde mir da überlegen noch mal 5 Kg/m² aufzubringen.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Zitat von Lindstrom

    Ich habe die Original Baubeschreibung und wollte mal fragen, ob jemand darin Auffälligkeiten sieht oder ob die Bauweise solide ist. Vielen lieben Dank.

    Natürlich kann man auch in einem Haus aus den 50-iger Jahren wohnen, wenn man sich mit dem damaligen Baustandard begnügt. Problematisch wird es meist nur, wenn man daran bauliche Veränderungen und Modernisierungen vornimmt. Die sind hier teilweise vom Verkäufer bereits durchgeführt worden: Wie und mit welchem Ergebnis, Nachhaltigkeit?


    Eine Teilunterkellerung kann höchst problematisch sein, wenn Abdichtungsdefizite vorhanden sind und der Keller feucht oder gar durchnässt ist. Dann kommt man an die nachträglich abzudichtenden Kelleraußenwände nur schwer heran. Im Keller wird nach meinen Erfahrungen häufig " aufgehübscht ", z.B. vorher nochmals gestrichen, und der Laie erkennt die dahinter steckende Absicht nicht.


    Ob der Kauf tatsächlich lohnt, kann nur ein versierter Bausachverständiger beurteilen. Es wird einiger " Schrott " für viel Geld aus bekannten Gründen ( Flucht in Sachwerte ) am Markt angeboten. Dagegen muß man sich als Laie durch " Zukauf von Sachverstand vor dem Kauf " schützen. Hierbei kann dann herauskommen: Kauf des Grundstücks mit meinetwegen Euro-Angstaufschlag ./. Abrisskosten.

  • Hier in der Gegend habe viele ihre alten Bungalows auf Satteldach umgebaut. So haben die noch mehr Wohnraum und die Enev muss man ja sowieso einhalten.

    Durch Nutzung der üblichen Rechtschreibregeln wertschätze ich mein Gegenüber und es liest sich viel angenehmer.

  • Hier in der Gegend habe viele ihre alten Bungalows auf Satteldach umgebaut. So haben die noch mehr Wohnraum und die Enev muss man ja sowieso einhalten.

    Bei einer Bimshohlsteindecke sollte man aber auch prüfen ob das nicht statische Konsequenz nachsich ziehen, die das am Ende zum teuersten Wohnraum werden lassen der möglich ist. Lasten aus Witterung + Eigengewicht dürften eine andere Grundlage nötig machen, als Eigengewicht + Verkehrslasten.


    Da greift dann der Grundsatz: Soll sich ein Altbau rentieren dann lass ihn wie er ist oder baue neu. Wirtschaftlich wird es nicht, wenn man nur die Außenmauern stehen lässt. Da bin ich bei @Eric einen guten SV zur Bewertung hinzuziehen.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Bei einer Bimshohlsteindecke sollte man aber auch prüfen ob das nicht statische Konsequenz nachsich ziehen, die das am Ende zum teuersten Wohnraum werden lassen der möglich ist. Lasten aus Witterung + Eigengewicht dürften eine andere Grundlage nötig machen, als Eigengewicht + Verkehrslasten.
    Da greift dann der Grundsatz: Soll sich ein Altbau rentieren dann lass ihn wie er ist oder baue neu. Wirtschaftlich wird es nicht, wenn man nur die Außenmauern stehen lässt. Da bin ich bei @Eric einen guten SV zur Bewertung hinzuziehen.

    Da hast Du Recht. Das ist alles zu prüfen und SV beim Hauskauf ist immer zu empfehlen. Ich selber bewohne ein 50er Jahre Haus und habe zum Kauf einen befreundetet Architekten mitgenommen.
    Aber auch er meinte bei unserem Haus "wenn ich nicht wüßte dass du soviel selber machen kannst würde ich abraten". Und wir haben aber nur saniert nicht umgebaut.

    Durch Nutzung der üblichen Rechtschreibregeln wertschätze ich mein Gegenüber und es liest sich viel angenehmer.

  • Sowohl die stählernen I-Profile der Kappendecke des Kellers, als auch die Bewehrung der Bimssteindecke des EG sind hoch korrosionsgefährdet, da diese keine (KG) bzw. bauzeittypisch nur minimale Betonüberdeckungen (EG) haben. Beide sollten sehr genau angeschaut werden. Zum Keller an sich kann ich @Erics Aussagen nur bekräftigten.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Vielen lieben Dank für die vielen Antworten. Heute war ich mal vor Ort um von außen das [definition=52,1]Grundstück[/definition] und Haus anzuschauen. Freundlicherweise haben mich die Noch-Mieter entdeckt und eingeladen und herumgeführt. Ich bin jetzt etwas ernüchtert:


    - der Keller ist nur 1,80m hoch und die Garage die unter dem Haus ist läuft regelmäßig mit Mischwasser voll
    - die Elektrik ist großteils noch alt
    - sie hatten schon einen Dachdecker da, der meinte, dass Dach hält höchstens noch 10 Jahre aber er kanns nicht genau sagen und wenn er was daran macht dann nur ohne Gewährleistung
    - es verläuft ein Riss quer durchs Haus angefangen bei einer Wand über die Decke und die angrenzenden Wände
    - die Aussenwände wurde zwar neu gedämmt aber anschließend nicht verputzt sondern nur Gestrichen
    - der Sockel/Keller hat keine sichtbaren Drainagen oder wasserabweisenden Schutz
    - die Heizung ist von 1989 und der Monteur sagt 2020 muss sie raus
    - eine Hauswand ist nur 11cm


    Einiges deckt sich ja mit euren Beiträgen oben. Also mit all dem und noch einigem mehr plus, dass ich ja noch anbauen wollte macht das keinen Sinn denke ich. Und bei Abriss und Neubau habe ich nur fürs [definition=52,1]Grundstück[/definition] über 500€/qm gezahlt was definitiv "too much" ist. Von daher muss ich wohl leider Abstand nehmen von dem Haus.