Zahlunsmodalitäten von Handwerkerleistungen

  • Moin Moin,


    aus gegebenen Anlass eines Users @JoWest starte ich mal das Thema das sich um die Rechnungslegung und Zahlungsmodalitäten von Handwerkern oder auch Hausbaufirmen dreht.


    • Welche kennt Ihr?
    • Welche würdet ihr beauftragen?
    • Bei welchen habt ihr Magenschmerzen?
    • Was würdet ihr Ablehnen?
    • Würdet Ihr Festpreisaufträge vergeben?


    Die Liste könnte ihr natürlich mit eigenen Ergänzungen erweitern. Auf ein freudiges Diskutieren!


    LG
    Kalle

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Oha!
    Festpreis nur bei genau definierten Auftrag, wo ich weiß, das nix schiefgehen kann.
    Bei Privatkunden oft das Angebot von Skonto, je nach Zahlungsmodalitäten bis zu 4% bei entsprechender Vorkasse, bevor ihr wieder alle einhaut, wird von über 90% der Kunden in Anspruch genommen!
    Wenn ich Vertrauen habe, gebe ich auch Vorkasse, siehe thread über die Einfassung vom Sir.
    Ist einfach Situationsabhängig.

  • Hallo,


    ich habe das eigentlich nur aus Frust geschrieben, weil ein privater Bauherr eine Rechnung über € 163,01 nicht bezahlen will. Ich habe in zurückliegender Zeit schon wesentlich höhere Beträge abgeschrieben, aber so unverfroren wie der war, da habe ich mich schwarz geärgert.
    Jochen

  • Hallo,


    ich habe das eigentlich nur aus Frust geschrieben, weil ein privater Bauherr eine Rechnung über € 163,01 nicht bezahlen will. Ich habe in zurückliegender Zeit schon wesentlich höhere Beträge abgeschrieben, aber so unverfroren wie der war, da habe ich mich schwarz geärgert.
    Jochen

    ich kann dem jetzt nicht folgen.
    Aber das Thema finde ich interessant. Mögt Ihr einen Hinweis geben, um was es da geht?

  • Bei kleinen Handwerksleistungen, z.B. einer kleinen Reparatur an der Heiztherme, frage ich nach dem ungefähren Preis, erteile dann mündlich den Auftrag und zahle nach Eingang der Rechnung. Ist bis jetzt auch noch nie schief gegangen und für die Firma minimiert es den Verwaltungsaufwand. Aber wenn man die betreffende Firma schon jahrelang kennt, klappt sowas auch.


    Bei Werkaufträgen im größeren Umfang (z.B. vor ein paar Jahren eine Erhöhung unseres Carports nebst Neueindeckung und Klempnerarbeiten) bin ich als AG schon etwas vorsichtiger. Wenn ich sicher bin, im Leistungsumfang nichts vergessen zu haben, handele ich einen Festpreis aus, mit dem beide Seiten gut leben können).


    Ich entwerfe dann selbst einen - übersichtlichen - kleinen Werkvertrag (aber einfach und transparent - ohne Tricks und Fallstricke) mit dem [definition=41,0]LV[/definition] aus dem Angebot und allen mündlich zusätzlich besprochenen Nebenleistungen, setze den Ausführungszeitraum ein, den ich vorher mit dem AN besprochen habe und eine Regelung zur Abnahme und zur Geäwhrleistung und schicke ihn an den AN zur Gegenzeichnung.


    Kein Skonto. Abschlagszahlungen vereinbare ich nach Baufortschrift. Vorschuss für erst zukünftig zu erbringende Werkleistungen hat bislang bei mir noch niemand verlangt.


    Das klappt immer sehr gut.

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    Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854

  • Ich denke, dass man unterscheiden muss, zwischen Kunden, mit denen man öfters zusammen arbeitet und deren Lage man gut beurteilen kann und dem Einmalgeschäft. Das sollte man bei den Rechnungen unterscheiden.


    Meine Erfahrung ist, dass Handwerker in der Regel:
    1. ein eher sporadisches als regelmäßiges Mahnwesen haben und
    2. gerade beim Einmalgeschäft erst sehr spät mit gerichtlichen Mahnbescheiden reagieren.


    Erstens kann man eigentlich mit einer entsprechenden Software sehr einfach in den Griff bekommen - selbst bei kleineren Betrieben. Und dann jeden Donnerstag die Außenstände kontrollieren, Mahnungen raus am Freitag, fertig.


    Das zweite muss man dann auch konsequent durchziehen und nach spätestens nach zwei oder drei Mahnungen an eine entsprechend aufgestellte RA-Kanzlei abgeben. Gerade beim Einmalgeschäft und kleineren Beträgen hat man nicht viel Spaß daran, sich selbst die Mühe der Eintreibung zu machen, da würde ich recht schnell an Anwälte abgeben, auf den gerichtlichen Mahnbescheid gehen und den dann auch vollstrecken.

    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -

  • Und dann jeden Donnerstag die Außenstände kontrollieren, Mahnungen raus am Freitag, fertig.

    Eins ist dabei aber noch besonders wichtig: die Forderung muss fällig sein. Vorher ist eine Rechnungslegung für die Katz und erst recht eine Mahnung.


    Stichwort: Abnahme


    Eine Fälligkeit der Werklohnforderung erreicht man bei fertiggestellten Leistungen durch die Abnahme des Werkes durch den Auftraggeber.


    Oft kommen bei Neumandaten kleinere Handwerksfirmen zu uns und wollen ihre Forderungen beigetrieben haben, ohne die zuvor erfolgte Abnahme der Leistung beweisen zu können. Da müssen wir dann erstmal eine Abnahme herbeiführen und das bringt einen erheblichen Zeitverlust.


    Deshalb für jeden AN, der Werkleistungen erbringt: lasst euch nach der Fertigstellung der Leistung eine Abnahmeerklärung unterschreiben. Da reicht bereits ein kleiner DIN-A-5 Zettel mit entsprechendem Vordruck, den sich jede Firma notfalls sogar selbst am PC anfertigen kann.


    Dann kann man beim Nichtbezahlen der Rechnung auch die Forderung recht entspannt beitreiben. Ein gerichtlicher Mahnbescheid ist auch bei einer kleinen Forderung von 163,01 € schnell gemacht und kostet nicht viel. Den kann jeder Handwerksbetrieb online auch selbst auf den Weg bringen, dafür braucht es mit etwas Geschick nicht einmal einen Anwalt.

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  • Guter Punkt, gerade bei so kleinen Aufträgen, wo keine großartigen Abnahmetermine mit Architekt etc. anstehen. Dokumentation ist das halbe Leben, oder wie man heute im Netz sagt: pics or it didn't happen!


    Wobei man auch sagen muss, das Abnahmeprotokoll wird erst dann relevant, wenn der Gläubiger dem Mahnbescheid tatsächlich widerspricht. Ich kenne ein paar Firmen, die schieben zwischen einmal im Monat bis einmal im Quartal die Forderungsliste zu Ihrem Rechtsanwalt entweder selbst rüber, oder wenn wir die Fälligkeitsüberwachung machen, tun wir das direkt. Der RA liest sie in seine Mahnsoftware ein und dann gehen die Mahnungen und/oder Anträge auf MB hoch automatisiert raus. Die Einzelrechnung nebst Nachweis der Abnahme werden da erst angefordert, wenn es tatsächlich zum Widerspruch geht. Die Abläufe sind da natürlich schon im Vorfeld besprochen worden, d.h. die strittigen Forderungen gehen in solche Läufe i.d.R. nicht rein (so zumindest der Idealzustand).

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