Grundstückskauf - ein paar Zweifel

  • So, nachdem an sich die Dinge langsam aber sicher konkreter werden, zeigen sich (natürlich) auch erste kleinere Probleme. (Also, vielleicht, vielleicht ist das auch alles gar nicht schlimm und ich mache mich nur verrückt)


    Wir haben netterweise von der Gemeinde das Baugrundgutachten erhalten, dass für den Straßenbau im Neubaugebiet gemacht wurde, und eine der Bohrungen ist ziemlich genau an unserem [definition=52,1]Grundstück[/definition], allerdings an der linken Seite, das Haus würde aber eher an der rechten Seite stehen, es geht um ca. 20 Meter Distanz.


    Jetzt haben die da bis 3,75 m gebohrt und haben a) eher tonigen Boden gefunden und b) das LAGA-Gutachten zeigt bei dieser Bohrung einen erhöhten Sulfatwert, also Deponieklasse I. Es wurde kein Grund- und Schichtenwasser angetroffen, was ich jetzt mal als eher positiv werten würde. Ich bin jetzt ein bisschen verunsichert, inwieweit diese Werte dann 20 Meter weiter östlich und 1 Meter weiter oben, also da wo das Haus hinkommt, genauso sein werden, die Bodenqualität an sich ja vermutlich eher schon, es wird sich wohl eher nicht in einen sandigen Boden verwandeln, aber das mit dem Sulfat irritiert mich.


    Wir hatten diese Woche ein Gespräch mit einem Fertighausbauer, bei dem sowieso ein Baugrundgutachten im Preis inbegriffen wäre, ansonsten würden wir aber wohl auch sonst noch eines anfertigen lassen, schon allein um herauszufinden, was da an Kosten auf uns zukommt. Ich fürchte jetzt allerdings, dass die Erdarbeiten deutlich teurer werden, als eigentlich gedacht.


    Meine Frage ist jetzt glaube ich eigentlich am ehesten, ob man mit so einem Ergebnis das [definition=52,1]Grundstück[/definition] trotzdem nimmt, wenn die anderen Bedingungen passen, oder ob das sehr ungünstig ist.

  • Toniger Boden bedeutet erhöhten Aufwand bei der Baugrubenerstellung bis die Bodenplatte, ggf. auch der ganze Keller steht, weil diese Böden sehr empfindlich mit Schrumpfen/Quellen auf Feuchtewechsel reagieren.
    Baugrupe abdecken, nicht mit dem Bagger drin rumfahren.


    Sulfat dürfte erhöhte Anforderungen an den Beton von Kellerboden und -wänden bedeuten. Höhere Betongute, grössere Betonüberdeckung, ggf andere Betonzusammenseutzung, Beschichtung des Betons, ....


    Alles böse Kostentreiber.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • wie sagt der Maklerspruch so schön: bei einer Immobilie zählen 3 Dinge. Lage, Lage und Lage.
    Will sagen: Wenn die Lage (für Euch) perfekt ist, dann spielen die Mehraufwände durch die aktuellen Erkenntnisse nur eine untergeordnete Rolle.
    Den perfekten Baugrund in perfekter Lage wirst Du nicht finden und dass schon mal kein Wasser anliegt ist auch was Wert. Alles unbelastet und sandig oder Kies, aber dafür Wasserhaltung beim Bau macht z.b. auch keinen Spaß bzgl Kosten.
    Fazit: mich würde das nicht abschrecken, wenn sonst alles passt.

  • wir wissen ja noch nicht mal ob mit oder ohne Keller


    würde mich jetzt auch nicht nervös machen sondern nur dazu veranlassen, bei den weiteren Schritten darauf zu achten, dass Planung und Baugrund abgeglichen werden.
    und mal klären, woher die erhöhte Sulfatbelastung stammt und ob das der einzige erhöhte Parameter ist, müsste bei DK 1 irgendwo zwischen 100 und 2.000 mg/l liegen. Wobei der Wert von 2.000 mg/l auch für die höheren Deponieklassen gilt.


    gucken würde ich auch mal, ob man versickern muss, trotz tonigem und belastetem Boden, da gibts manchmal so nette Widersprüche bei den Forderungen der Behörden.

    Es grüßt


    Manfred Abt
    Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH

  • Naja, wir würden an sich gerne mit Keller, auch weil es ein Hanggrundstück ist (ca. 1,5 m auf 22 Meter), wo eine Bodenplatte vermutlich auch teuer und kompliziert werden würde.


    Zum Thema Versickerung sagt die Gemeinde, es "sollte" auf dem [definition=52,1]Grundstück[/definition] versickert werden, Zisternen sind erwünscht.


    Die Sulfatbelastung ist nur bei einer Bohrung im Baugebiet erhöht, alle anderen Stellen haben keine Sulfatbelastung.

  • beim amt nach dem HGW (höchster grundwasserstand) fragen. eine bohrtiefe von 3,75 m gibt noch keinen ausreichenden aufschluss über den baugrund. damit kannst du nur die schadstoffbelastung in den oberen schichten erkennen.

  • Zisternen sind erwünscht.

    wobei normale Zisternen aber auch rein gar nichts mit euren Aspekten der Entsorgung des Regenwassers zu tun haben.
    im Fall der Fälle (Starkregen) sind sie in kürzester Zeit voll, wenn sie nicht schon vorher voll waren
    man braucht eine ganz normale RW-Entsorgung und bezahlt (Ergänzung: bei Anschluss an den Kanal) auch ganz normale Gebühren/Beiträge


    Es gibt evtl. einen kleinen Vorteil für den Entsorger: man leitet ein bisschen weniger sauberes Wasser zur Kläranlage ab
    dafür werden die Kanäle schlechter gespült und müssen öfter gereinigt werden

    Es grüßt


    Manfred Abt
    Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH

    Einmal editiert, zuletzt von Manfred Abt ()

  • wobei normale Zisternen aber auch rein gar nichts mit euren Aspekten der Entsorgung des Regenwassers zu tun haben.
    im Fall der Fälle (Starkregen) sind sie in kürzester Zeit voll, wenn sie nicht schon vorher voll waren
    man braucht eine ganz normale RW-Entsorgung und bezahlt auch ganz normale Gebühren/Beiträge

    Off-Topic:

  • meines Wissens ist das überall ähnlich wie hier:


    ohne Anschluss und bei eigener Entsorgung des Abwassers keine Gebühren/Beiträge: Kann man also versickern, selbst in ein Gewässer einleiten oder die Familie findet sich zum gemeisam wegtrinken zusammen.


    • Erfordert aber Übertragung der Abwasserbeseitigungspflicht von dem Kanalnetzbetreiber auf den Grundstückseigentümer durch die Wasserbehörde
    • diese Übertragung erfordert Zustimmung des Kanalnetzbetreibers
    • der will das aber verständlicherweise oft nicht, weil er sein Netz ja irgendwie finanzieren muss, ist in den meisten Satzungen mit "Anschluss- und Benutzungszwang" definiert
    • andererseits findet sich in der Gesetzgebung inzwischen oft die Vorgabe, dass RW von neuen Bebauungen auf dem [definition=52,1]Grundstück[/definition] versickert werden muss ..... solange da nicht wesentliche Aspekte dagegensprechen

    Es grüßt


    Manfred Abt
    Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH

  • In B wird mittlerweile in großen Teiles des Stadtgebietes bei Neubauten die Regenwassereinleitung in das öffentliche Netz verboten. Damit sind nur Versickerung, Nutzung als Gartenwasser oder Toilettenspülung möglich.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • ...wobei Toilettenspülung technisch dann schon etwas aufwendiger wäre (getrenntes Rohrnetz usw.).


    Auch bei uns geht der Trend Richtung Versickerung, was aber vieler Orts schlichtweg nicht möglich ist, weil die Böden dies nicht zulassen.


    Rigolen puffern so etwas natürlich ab, aber letztendlich können auch die "überlaufen".


    in vielen Neubaugebieten wird das Regenwasser mittlerweile gezielt abgeleitet (Trennsystem), aber gerade im Altbestand, wo es kein solches Trennsystem gibt macht der Umgang mit Regenwasser schon mal Probleme.

  • dicht ist er nicht, das wasser versickert schon, das dauert eben wesentlich länger. der lastfall aufstauendes sickerwasser wird schon anstehen.


  • Jetzt haben die da bis 3,75 m gebohrt und haben a) eher tonigen Boden gefunden

    da les ich jetzt nicht zwingend draus, dass auf dem ins Auge gefassten [definition=52,1]Grundstück[/definition] bis 3,75 m Tiefe Ton ansteht.
    kann sein, muss nicht sein

    Es grüßt


    Manfred Abt
    Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH

  • da les ich jetzt nicht zwingend draus, dass auf dem ins Auge gefassten [definition=52,1]Grundstück[/definition] bis 3,75 m Tiefe Ton ansteht.kann sein, muss nicht sein

    ...war auch mein erster Gedanke. Vermutlich wäre es dringend anzuraten, für das Baugrundstück ein eigenes Baugrundgutachten machen zu lassen.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Das ist auf jeden Fall auch der Plan, wir haben nur vorab eben das Gutachten von der Gemeinde bekommen, um uns das Mal anschauen zu können. Tonige Böden sind in der Gegend aber wohl generell eher vorherrschend, da erwarte ich wenig anderes, wenn wir 20 Meter weiter östlich und vielleicht 2 Meter den Berg rauf bohren lassen.


    Zum Thema Entwässerung muss die Gemeinde uns ja an sich sagen können, was Sache ist, die Formulierung im B-Plan finde ich sehr vage, weil es eben ein "sollte" ist und kein "muss"

  • Es ist grundsätzlich auch ökologisch sinnvoll, das Niederschlagswasser an dem Ort wieder zu versickern, wo es angefallen ist. Eine Zisterne muss man aber nach starkem Regen leeren, weil sie sonst ja beim nächsten mal nichts mehr aufnehmen kann. Besser ist eine oberflächennahe Versickerung - wenn das der Boden überbauten zulässt.


    Was man zum Thema Versickerung wissen muss, steht in den "Technischen Regeln zum schadlosen Einleiten von gesammeltem Niederschlagswasser in das Grundwasser" (TRENGW), veröffentlicht mit Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit vom 17. Dezember 2008, Az: 52e-U4502-2008/28-1b. Das kannst Du im www sicher finden.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • wobei normale Zisternen aber auch rein gar nichts mit euren Aspekten der Entsorgung des Regenwassers zu tun haben.
    im Fall der Fälle (Starkregen) sind sie in kürzester Zeit voll, wenn sie nicht schon vorher voll waren
    man braucht eine ganz normale RW-Entsorgung und bezahlt (Ergänzung: bei Anschluss an den Kanal) auch ganz normale Gebühren/Beiträge

    auch eine Zisterne mit Überlauf kann auf die Niederschlagswassergebühren angerechnet werden. Bei uns ist das so.
    Pro m³ Zisterne werden x m² von der Fläche abgezogen .

  • interessant, hier hatte das eine Kommune vor ca. 10 Jahren auch mal gemacht, ich glaube für 1 Jahr dann war das wieder abgeschafft.


    Also: kann so oder auch anders sein, je nach Netzbetreiber.

    Es grüßt


    Manfred Abt
    Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH

  • Also Ton und Sulfat gehören oft zusammen, weil bei der Ablagerung des Tons eben Gips mit abgelagert wurde. Das ist daher auch vermutlich keine Belastung im Sinne eines externen Eintrags, sondern kommt aus dem Ton. Wenn der in den anderen Mischproben? etwas geringere Sulfatgehalte hat unterschreitet er dort ggf. die Zuordnungswerte. Das sind in der Regel noch lange nicht die nach Dk 0, sondern nach LAGA d.h., der Boden kann schon noch außerhalb der Deponie verwertet werden.
    Wenn Ihr ein eigenes Gutachten habt wird der Gutachter vermutlich irgendwas schreiben wie: der Boden ist nach DWA A 138 nicht zur Versickerung von Niederschlagswasser geeignet.
    Das wird aber bei den anderen Grundstücken nicht viel anders sein, vielleicht einfach mal da die Eigentümer fragen.

  • Wenn Ihr ein eigenes Gutachten habt wird der Gutachter vermutlich irgendwas schreiben wie: der Boden ist nach DWA A 138 nicht zur Versickerung von Niederschlagswasser geeignet.

    ...bei uns würde es dazu eines Versickerungsversuches brauchen um eben diesen Nachweis zu erbringen.

  • Wenn es wirklich Ton ist weiß man sicher, dass der Kf-Wert deutlich kleiner als 1 * 10-6 m/s ist. Das wird idR schon im Schluff/Lösslehm erreicht.
    Klar kann man auch noch einen Bohrlochversuch machen.

  • Wenn Ihr ein eigenes Gutachten habt wird der Gutachter vermutlich irgendwas schreiben wie: der Boden ist nach DWA A 138 nicht zur Versickerung von Niederschlagswasser geeignet.

    ...bei uns würde es dazu eines Versickerungsversuches brauchen um eben diesen Nachweis zu erbringen. Bei uns wird darauf hingewiesen, dass man eben nicht (!!!) im Bohrloch oder auf Höhe der Baugrubensohle oder tiefer einen solchen Versickerungstest macht, da ja der darüberliegende Erdkörper auch zur Aufnahme des Regenwassers geeignet ist.


    Wenn der aber nach längeren Regenfällen gesättigt ist....tja was dann????


    Ich bin ja -tatsächlich!- ein Freund vom Nicht-Einleiten des Regenwassers in den Kanal. Aber was macht man im echten leben, wenn nichts mehr versickert....dann heißt es Seenbildung m Garten?

  • Bohrlochversuch ist eigentlich ein übliches und auch wissenschaftlich abgesichertes Verfahren. Die Sättigung ist ja sogar Voraussetzung für den Versuch. Erst wenn die Umgebung des Bohrlochs gesättigt ist stellt sich ein Gleichgewicht ein; erst dann wird gemessen. Das gleiche gilt für´s Doppelringinfiltrometer. Auch Kf-Wert im Stechring wird bei Sättigung gemessen. Wenn natürlich das Wasser von der Seite ins Bohrloch läuft wird es nix.
    Versuchshöhe sollte natürlich auch auf Höhe einer evtl. späteren Rigole sein.