Wandfarben der 1950er Jahre

  • Eine ausführliche Befundung einer Restauratorin zu einem Berliner Gebäude aus den späten 1950er Jahren (öffentlich, Bildung) enthält keinerlei Aussagen zu den Materialien der Wandfarben, nur zu den Farbtönen. Meine Gitterschnitte zeigen, dass alles abfällt, wenn man es nur scharf anschaut. Was wurde damals typischerweise benutzt und wie bekommt man es heute wieder herunter - außer mit scharfem Blick?

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Im Innenbereich kenne ich von damals nur Schlemmkreide mit Abtönpulver für "obenrum", für Feucht-, Neben- und Kellerräume Weißkalk und für Sockelbereiche Ölfarbe. Gern zweifarbig gerollt mit gemusterten Frottelappen.
    Die Leimfarbe, so nannte man die Schlemmkreide auch, muss mühselig mit viel Wasser abgewaschen werden, mit einem Spachtel bei zu dicken Schichten nachhelfen. Ist eine Sauarbeit.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Ich ganz bestimmt nicht.
    Etwas anderes fällt mir aber nicht ein.
    Ein heutiger Maler würde vermutlich eine Sprühlanze nehmen, aber dann muss er doch mechanisch mit dem Spachtel ran.
    Maschinell kenne ich kein Verfahren und chemisch ist der Rügener Kreide auch nicht beizukommen. Ist halt reine Natur.




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    M.G.Wetrow

  • @ThomasMD und die würdest Du abwaschen?

    Also ich würde gründlich vornässen und es dann mit einer rotierenden Bürste versuchen. Mit Abdeckung.
    HDW mit niedrigem Druck?
    Evtl testen, ob "Badreiniger" bei kalkhaltiger Farbe mittels Vorsprühen hilft.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • fachliteratur kaufen.... :D


    kostet ca. 180€ dort werden sie geholfen...

  • Zu Leimfarben habe ich ein ganz spezielles Verhältnis entwickelt :D (musst nur meinen Thread lesen) - das Problem bei Leimfarbe ist ja, man kann nix drüber streichen oder drauf kleben oder drüber verputzen. Sie muß immer zuerst runter. Geht mal leichter mal schwerer.

  • Zu Leimfarben habe ich ein ganz spezielles Verhältnis entwickelt.

    Laut @ThomasMD geht es hier aber um Kalkfarben. Diese sind gerade keine Leimfarben! Abgewaschen werden sie aber auch ...


    Mich ausgeschrieben habe ich bereits vornässen und mehrmaliges abwaschen. Die Preise dafür treiben mir aber bein meinen historischen Hörsälen grad die Tränen in die Augen. Die Kostenberechnung wird drastisch überschritten. ;( (auch wenn sie nicht von mir ist).

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • leim- oder kalkfarben sind ein unterschied....


    bei leimfarben musst du nur den finger nass
    machen, dann weißt du, dass es leimfarbe ist.


    und dann ist die k.....e am dampfen.

  • Richtig. Ich hatte von Leim-, Kalk- und Ölfarbe geschrieben.
    Die größte Verbreitung hatte Leimfarbe.
    Vergessen zu erwähnen hatte ich übrigens, dass die selbst zusammengerührt werden musste, aus Rügener Kreide, Knochen- oder Zellleim und, wenn farbig gewünscht, Pigmentpulver.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • kalkanstriche wenn sie dann auch kalkanstriche sind,
    kann man bedenkenlos überstreichen.

  • das hört sich eher so an, als ob der putz abfällt,
    nicht der anstrich?


    was für einen untergrund haben wir eigentlich,
    auf denen du deine gitterschnitte ausführst?

  • - Stahl (50er)
    - (Kalk-) Putz (50er)
    - Gipskarton (70er)
    - Holzwerkstoff (Tischlerplatte, 50er)

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • den aufbau verstehe ich zwar nicht so ganz.....


    aber wenn du den finger richtig nass machst,
    und die oberfläcche bearbeitest, merkst du es, ob
    es leimfarbe ist, oder nicht.


    wenn es leimfarbe ist, gibt es
    eine riesen große sauerei sie
    zu entfernen.....

  • Dass die Entfernung vom Leimfarbe eine Riesensauererei ist, durfte ich schon mehrfach erleben. Mich interessiert lediglich, ob in den 50ern noch andere Farben verarbeitet wurden, auf denen Renovierungsbeschichtungen schlecht haften um für diese dann adäquat die Entfernung ausschreiben zu können. Im konkreten Fall sind schon drei Schichten drauf, auf allen vier Untergründen, die nebeneinader anzutreffen sind. Einzig auf den Türen hält alles super!

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • außer auf leimfarben kenne ich keine untergründe,
    auf die renovierungsanstriche, nicht mehr oder weniger haften.


    leimfarben, sind halt ein "no go", für weitere anstriche.

  • Kann man die Farbe nicht mit einer Art Grundierung verfestigen ?
    Wie sieht es denn mit einem anderen Auftragsverfahren ausser Rollen aus ? evtl Streichen mit Deckenbürste ,oder Spritzen mit Airless?

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Kann man die Farbe nicht mit einer Art Grundierung verfestigen ?

    nö....


    wenn du anfangst , grundieren zu wollen,
    (das ist im endeffekt, ja nix anderes als
    ein wasser/feuchteauftrag), springt dir die
    leimfarbe ins gesicht.... :D


    leimfarbe und nässe = feind, jeder leimfarbe-.

  • Kann man die Farbe nicht mit einer Art Grundierung verfestigen ?

    Würde ich nicht machen. Dann hast Du eine harte feste Schicht auf weichem Untergrund. Nicht gut.

    Gruß
    Holger
    --
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    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Ich kenne Knochenleim ja nur vom Holz kleben, da läßt er sich wunderbar lösen wenn man ihn erwärmt. Hat das schon mal jemand bei Leimfarbe ausprobiert?

    Durch Nutzung der üblichen Rechtschreibregeln wertschätze ich mein Gegenüber und es liest sich viel angenehmer.

  • Dem Knochenleim bei der Leimfarbe ist es wurscht obs kalt oder warm ist. Der bleibt bei Wärme auch dran.


    Wenn das ein Maler damals beherrscht hat und gut war, dann hat er die die vorherige Schicht Leimfarben immer abgewaschen und die Neue je nach Erfordernis abgeleimt. Dann hat sich das Zeug auch durchaus vernünftig abwaschen lassen.
    Von diesen guten Malern hats damals halt auch net mehr gegeben wie es heute gute Handwerker gibt.


    Dass man Leimfarbe durch das (feucht machen) Abkreiden einwandfrei identifizieren kann ist übrigens auch ein Mytos, denn wenn Kalkfarbe falsch (z. B. in zu wenig und zu dicken Schichten) verarbeitet wurde, hat man fast die gleichen Symptome.


    Ich werfe übrigens mal noch eine dritte Art der Beschichtung in den Raum, die damals verwendet wurde.
    Das ist Kalkkasein. Ist zwar auch auf Kalkbasis, hat aber wieder andere, teils sehr unerwünschte Eigenschaften wie eine sagen wir mal "Semifestigkeit". Das heißt, zum direkten Überstreichen eigentlich zu labil aber zum abwaschen zu stabil.

    Gruß Werner :)

  • ich sag mal so:


    man merkt den unterschied zwischen abkreiden
    und leimfarbe, wenn man den finger richtig nass macht.


    leimfarbe wird etwas "schmierig".


    bei abkreiden, kann eine grundierung noch helfen.


    aber wenn der gitterschnitt was anderes sagt, muss
    das ganze farbanstrich gelumpe sowieso runter.

  • Es sind auf der wenig haftenden Schicht bereits erkennbar 3 Schichten drauf. Aber die erste hält halt nicht (mehr) genug.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • dann bleibt dir eigentlich nix anderes übrig wie:


    "gitterschnitt wurde ausgeführt, haftung der
    altanstriche ist nicht gegeben, einmal (mechanische)
    entfernung und neuer anstrich aufbau..."

  • dann bleibt dir eigentlich nix anderes übrig wie:


    "gitterschnitt wurde ausgeführt haftung der
    altanstriche ist nicht gegeben, einmal mechanische
    entfernung und neuer anstrich aufbau..."

    Genau das hatte ich befürchtet. Kostet bei knapp tausend m2 fünfstellig mehr. Und Skeptiker darf erklären, warum sein Vorgänger bei der Kostenschätzung nichts davon bemerkt hat. :S Wahrscheinlich soll ich lieber nicht so genau hinsehen ...

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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