Hallo liebe Experten,
ich habe ein Haus aus vermutlich den späten 60ern, das am Hang steht. Im April begannen Arbeiten zur Abdichtung und Perimeterdämmung: Freilegen, Wände abdichten, Dämmung anbringen, mit Bergkies verfüllen.
Ich versuche hier, alles möglichst gut zu beschreiben, weil ich nciht weiß, was alles relevant sein kann, damit Ihr Euch eine gute Vorstellung davon machen könnt. Leider ist dieser Post deswegen etwas lang geworden.
Das Ganze hat mich ziemlich Nerven gekostet und es hat auch ziemlich lange gedauert (die Ansage von Tiefbauer und Dichter/Dämmer war ursprünglich 1 Woche ausschachten, knapp eine Woche dichten und dämmen, knapp eine Woche verfüllen). Die Qualität der Abdichtarbeiten war jedoch so schlecht, dass sogar ich als Laie das einfach erkennen konnte (Wand offenbar nicht gesäubert, Beim Übergang zur Sockelplatte auf ca 1 Finger breit Sand gestrichen), dass ich der Truppe verbot, die Dämmung aufzukleben, damit sich das erst mal ein Gutachter und die die Sanierung begleitenden Architekten ansehen können. Der Chef der Abdichter war ziemlich sauer, weil er mir wiederholt versicherte, das würde schon dicht werden, er mache das seit vielen Jahren. Am Ende musste er sich aber der Bewertung der Fachleute beugen: Alles wieder runter, neu und richtig machen.
Das als knappe Vorgeschichte zu der fachlichen Qualität des ausführenden Unternehmens (Subunternehmer meines Auftragnehmers).
Jetziger Stand ist, dass alles abgedichtet, gedämmt, mit Bergkies wieder verfüllt wurde. Allerdings nur bis ca 1 Meter unterhalb Gelände-Oberkante, denn die Styrodurplatten lösen sich stellenweise wieder. Daran muss noch gearbeitet werden.
Drei Seiten des Hauses sind erdberührt, die vordere nicht - da liegt die Sockeloberkante nur 15-20 cm unter der Gelände-Oberkante. Weil es (für mich) erstaunlicherweise auch dort alle paar Monate mal einen großen feuchtnassen Fleck in der Hausecke gab, habe ich darauf hingewiesen, dass auch dort bitte ganz gewissenhaft abgedichtet werden solle, auch wenn dort, im Gegensatz zu den erdberührten Außenwänden, kein drückendes Wasser sei.
Die betreffende Vorderseite ist NNO ausgerichtet, fast den ganzen Tag im Schatten; nur die milde frühmorgendliche Sonne leuchtet da mal kurz hin. In der Woche, in der dort abgedichtet wurde, herrschten Temperaturen zwischen ca 17 und 25 °C.
Die Sockelkante wurde an einem späten Nachmittag abgedichtet. Schon am nächsten Morgen sah ich einen Riss im Bitumen, der etwa 1 mm breit war und (schwarz auf schwarz) deswegen auch nur sehr schwierig zu fotografieren. Der Auftragnehmer meinte, das sei nicht schlimm, da käme eh nochmal Dichtung drüber. Jetzt, ca vier Wochen später, ist der Riss viel länger und 5-10 mm breit. Zusätzlich hat sich das Material aus der Fuge Sockel/Wand gelöst und bildet jetzt so eine Art runde Kehle mit Hohlraum dahinter.
Wegen weiterer Probleme war ein Termin u.a. mit einem Vertreter der Dichtmasse, dem Auftragnehmer und dem begleitenden Architekturbüro vereinbart.
Folgendes habe ich gehört:
"Da hat sich was gesetzt".
Das kann nicht die Ursache sein, denn dann hätte das Haus überall Setzrisse; außen ist so eine Art Zementputz dran. Außerdem müsste dann eine Kante der Bodenplatte nach unten weggeknickt sein, oder die Mauer darauf hätte sich gehoben.
"Da sind ja jetzt die ganze Zeit ein Bagger und ein Dumper herum gefahren! Bei dem Gerüttel ..."
Im Prinzip stimmt das, aber es waren ein kleiner Bagger und ein Mini-Dumper, die da so auf 1-2 Meter mal dran vorbei gefahren sind. Vor allem der Mini-Dumper, der Bagger nur wenige male. So oder so: Kein Risschen im Haus zu sehen, dann kann das auch nicht den Bitumenbelag darauf zerreißen.
"Ja, bei DEN Temperaturen!"
Das kann ich nicht bewerten. Klar, die letzten 10 Tage waren ziemlich heiß, aber die Schäden sind ja schon viel früher entstanden. Weil ich die selbe Diskussion zuvor mit dem Auftragnehmer hatte, wusste ich noch, dass es nie wärmer als 25°C war. Und der Riss ist so groß geworden, bevor die Hitzewelle kam. Die Dichtmasse hat eine Verarbeitungstemperatur bis 30°C.
"Bitumen schrumpft immer!"
Auch das kann ich nicht bewerten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es normal ist, dass das Zeug so stark schrumpft, dass es so große Risse gibt. Immerhin war der Auftrag "Abdichten gegen drückendes Wasser in Hanglage". Mit Rissen kann das ja nicht dicht bleiben.
"Da streichen wir nochmal drüber."
Naja, ... solange man nicht weiß, warum es rissig wird, kaschiert das ja bestenfalls das Problem.
Weil das noch nicht reicht, habe ich im Inneren im Keller einige feuchte Stellen gefunden. Besonders blöd ist, dass das hauptsächlich Stellen betrifft, die vor der Sanierung noch trocken waren. Die Architekten wollten Temperaturmessungen machen, um eventuelle Taubildung zu prüfen. Da die Bodenplatte nicht gedämmt ist, die Außenwand jetzt schon, ist das durchaus plausibel. Das ist aber noch nicht geschehen.
Gestern habe ich das Haus außen gegossen - moderates Wasservolumen pro Zeiteinheit, insgesamt ca 300 Liter, schätze ich. Die zuvor trocken gepusteten Stellen wurden innerhalb weniger Stunden nicht nur feucht, sondern nass bis hin zur Pfützenbildung.
Jetzt habe ich die große Sorge, dass auf der Rückseite des Hauses der Sockel auch solche Risse in der Abdichtung hat.
Als Laie kann ich mir gerade drei mögliche Ursachen vorstellen:
1) Da wurde wieder beim Abdichten gepfuscht.
2) Das Material wurde falsch angemischt (2 Komponenten).
3) Das Material hat einen Fehler, zB schon produktionsseitig, oder weil es zwischen Hersteller und meiner Baustelle falsch gelagert wurde.
Habt Ihr weitere Ideen, wie es dazu kommen kann?
Wie könnte man auf einen etwaigen Produktionsfehler prüfen lassen? Der Hersteller wird dabei ja wahrscheinlich nicht offenherzig unterstützen.
Vielen Dank für Eure Erfahrungen und Meinungen! Freue mich auch besonders über Tipps, wie ich weiter vorgehen sollte.
Weil Bilder mehr als 1000 Worte sagen, hänge ich noch an:
Riss Außenbereich:
Riss Außenbereich mit Messschieber:
Kellerecke trocken:
Kellerecke 4h später (nass):
Kellerecke mit stehendem Wasser: