Trittschalldämmung - Einschätzung zur Hellhörigkeit

  • Liebe Bauexperten,


    aus gesundheitlichen Gründen habe ich ein großes Problem mit tieffrequenten Geräuschen und bin daher auf der Suche nach einer ruhigen Wohnung. Ich habe nun die Möglichkeit, eine Wohnung im obersten Stockwerk (Altbau, Dachgeschoss) zu beziehen. Der Boden wurde vor etwa 5 Jahren erneuert. Im Eingangsbereich habe ich eine Türschwelle fotografiert, aus der ich den Bodenaufbau jedoch nicht sicher einschätzen kann.


    Meine Frage ist, ob sich aus dieser Ausführung Rückschlüsse auf die zu erwartende Trittschall- bzw. Schallübertragung von unten nach oben ziehen lassen - kann jemand anhand der sichtbaren Materialien und der Aufbauhöhe eine grobe Einschätzung dazu geben?


    Über eine Einschätzung wäre ich sehr dankbar!


    Danke und liebe Grüße


    Sophia



    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: Bildvorschau eingebunden, Umbrüche und Textformatierungen entfernt

  • ... eine Wohnung im obersten Stockwerk (Altbau, Dachgeschoss) zu beziehen. Der Boden wurde vor etwa 5 Jahren erneuert. Im Eingangsbereich habe ich eine Türschwelle fotografiert, aus der ich den Bodenaufbau jedoch nicht sicher einschätzen kann.


    Meine Frage ist, ob sich aus dieser Ausführung Rückschlüsse auf die zu erwartende Trittschall- bzw. Schallübertragung von unten nach oben ziehen lassen - kann jemand anhand der sichtbaren Materialien und der Aufbauhöhe eine grobe Einschätzung dazu geben?

    Die erste Frage ist, ob es sich um eine Holzbalkendecke handelt. Dazu lässt sich die Angabe "Altbau" allerdings nicht interpretieren. Wann wurde das Haus ursprünglich gebaut? Welche Art von Decke ist laut Verkäufer hier vorhanden, Holzbalken, Stahlstein, Stahlbeton ... ?


    Welche Arbeiten wurden bei der "Bodenerneuerung" vor 5 Jahren ausgeführt?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Lieber Skeptiker,


    vielen Dank für deine Antwort.

    Das Haus ist auf 1919 "oder früher" datiert, anbei ein Foto.



    Ich hatte auch bei der Verwaltung nachgefragt – dort konnte man mir lediglich sagen, dass bei einer Erneuerung des Bodenbelags in der Regel Trittschalldämmung mit verbaut wird.

    Auf derselben Etage befindet sich zudem ein Dachabteil mit Holzboden.


    Was mich etwas verunsichert hat: Der vorige Mieter berichtete, dass er gelegentlich Geräusche von unten wahrgenommen hat, z. B. einen Alexa-Wecker, Stimmen oder Videos. Das würde mich grundsätzlich nicht so sehr stören, aber ich frage mich, ob das eventuell auch bedeutet, dass tiefere bzw. dumpfere Geräusche (z. B. Türen, Schritte, Springen) ebenfalls hörbar sein könnten.


    Danke und liebe Grüße Sophia

    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: Bildvorschau eingefügt

  • Liebe Sophia,

    mit Objekten dieser Art habe ich einige Erfahrung. Natürlich kann auch ich nicht Hellsehen aber gerade die obersten Geschossdecken (wenn nicht sogar alle) wurden da gern aus Holzbalken errichtet. Alternativ: falls Beton, dann relativ dünn.

    Der rote Belag auf dem Bild vor der Wohnung könnte ein Steinholz-Estrich sein. Dieser wurde grundsätzlich ohne Trittschalldämmung verarbeitet, hat aber in sich eine gewisse Flexibilität, weshalb er nicht so hart klingt, wie ein Zementestrich. Unter dem Laminat scheinen Dielen zu liegen. Die erwähnte Trittschalldämmung unter dem Laminat kann nicht wirklich viel und dient eher dazu, das Klackern im Raum selbst abzumildern. Davon abgesehen bringt die Dämmung Deines Bodens nichts gegen Geräusche, die von unten aufsteigen, sondern bestenfalls andersrum.

    Da ich selbst ein geräuschempfindlicher Mensch bin, würde ich mich eher nicht für eine Wohnung in einem Haus dieses Baujahres bewerben.

    Andererseits muss man fairerweise sagen, dass Schalldämmung auch in Häusern jüngerer Baujahre oft kritisch ist. Insofern kann ein, von den Bewohnern her, ruhiges altes Haus dennoch interessant sein.

  • Puh - ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, da ich im Mitteltonbereich einen mächtigen Hörverlust habe aber im hoch und tieftonbereich völlig altersgerecht höre. Das macht mich sehr empfindlich für den Tieftonbereich, da das Gehör überkompensiert…


    Ich wohne in einem Haus von 1937. Das Dachgeschoss wurde vor 15 Jahren neu gemacht und es kamen 8cm Estrich auf die Holzbalkendecke (Laienausdruck - sorry). Die alten Dielen wurden drin gelassen und der Estrich draufgegossen. Es liegt ein ziemlich fester Tretford Teppichboden drauf.


    Tieffrequente Töne kann ich hören unterm Dach (zb die Wärmepumpe im Keller). Aber nicht störend. Die Kinder „hausen“ in den Kinderzimmern unterhalb des Dachgeschosses im ersten Stock. Im EG - also drunter - höre ich alles. Musik, Telefonate (stundenlang…) usw.


    Wenn ich oben im DG bin (das habe ich gerade mit meinem Sohn für Dich getestet) und er über eine kleine Sonos Anlage Musik hört (nicht Ultra laut aber wie man halt so als End Teenager Musik hört) höre ich es oben in der DG Wohnung. Nicht laut aber es „wummert“ ein wenig tieffrequent.


    Die 8cm Estrich die ich auf dem Dielenboden habe sind viel - der Standard ist da wohl weniger. Wie das bei dir ist weiß ich nicht.


    So kann ich mich leider meinen Vorrednern anschließen - wenn Du da sehr empfindlich bist ist das nicht die richtige Wohnung. Obwohl Altbau unendlich schön ist.


    Lg


    Kandetvara

  • Lieber Franziskus, lieber Kandetvera,


    erstmal vielen lieben Dank für eure Antworten. Ich habe nun noch herausgefunden, dass es sich um Holzbalkendecken mit Stroh dazwischen handelt.

    Tatsächlich hatte ich auch schonmal sehr ruhig in einem Altbau aus der Altersklasse gewohnt, bin mir da aber nicht sicher, ob es die selbe Deckenkonstruktion war. Schlimmer hingegen waren Rot- und Gelbklinkerbauten in der Übertragung von dumpfen Geräuschen nach oben hin. Jetzt bin ich völlig ratlos. Aber wahrscheinlich wäre das Risiko dann zu hoch... :(

  • Kannst Du nicht mal in der Wohnung unten anfragen ob die ordentlich Lärm machen können und du schließt dich oben ein, um zu testen?


    Ich weiß aber nicht, ob der Mietmarkt das hergibt und man das machen kann, ohne dass man gleich als „Problemmieter“ abgestempelt wird.


    Lg und viel Erfolg !

  • Ich kann leider nicht nochmal rein...hatte bereits besichtigt und das wars. Das wäre sonst tatsächlich der einzig valide Test.

  • auf die zu erwartende Trittschall- bzw. Schallübertragung von unten nach oben

    Dann meinst Du wohl "Gehschall" und nicht Trittschall. Gehschall wäre der Luftschall der durch Begehen der Wohnung unter Dir entsteht, und sich auch als Luftschall ausbreitet. Trittschall in der Wohnung darunter würde sich als Schwingungen über den Boden und die Wände ausbreiten. Hier würde die Geschossdecke zwischen DG und Wohnung darunter keinen großen Einfluss haben.


    Wenn man empfindlich gegen Schall ist, dann sollte man sich gut überlegen ob meine eine Wohnung im DG bezieht. Die Schalldämmung der Dachschrägen ist bei den meisten Gebäuden ebenso eine Schwachstelle. Vorteil, man hat keine weitere Mietpartei über sich, Nachteil die Schalldämmung gegen Lärm von außen ist üblicherweise geringer als bei den Wohnungen darunter mit massiven Wänden. Es gibt zwar auch für Steildächer verschiedene Lösungen, doch die findet man in der Praxis so gut wie nie. Der Aufwand lohnt nur bei Häusern die eine erhöhte Schalldämmung aufweisen müssen (Einflugschneisen eines Flughafen o.ä.).


    Nebenbei bemerkt, Balkenedecken lassen sich, ähnlich wie Steildächer, nur sehr schwer gegen niederfrequente Töne dämmen. Bei einem Altbau in der Stadt wirst Du zwangsläufig Kompromisse eingehen müssen.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Da käme wohl fast nur ein Haus aus den letzten 20 Jahren in Frage, das nach den aktuellen ardt gebaut wurde. Bei älteren Gebäuden muss man Kompromisse eingehen, bei solchen mit Holzbalkendecke sowieso.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...