Vergleich Ziegeleinhängedecke vs. Beton-Hohldielendecke - Arbeitsaufwand, Vor- und Nachteile

  • Hallo,


    ich saniere ein Reihenendhaus Bj. 1938. Das Haus ist teilunterkellert, und der Keller (ca. 50 qm) hat eine Kappendecke mit stark verrosteten Stahlträgern. Grundriss vom Keller:(zoom)260212_KG_Aufmass.pdf

    Sowohl eine Statikerin als auch ein Maurer raten zum Austausch der Decke. Das traue ich mir (Tischler+Trockenbauer, körperlich belastbar) in Eigenleistung zu (nur die Ausführung, Planung kommt vom Experten).


    Die Statikerin rät zur Ziegeleinhängdecke, hierzu habe ich auch bereits ein Angebot mit vorläufigem Verlegeplan: (Ziegeldecke Fiedler)VP.pdfexpertenforum-bau.de/index.php?attachment/28395/

    Die statische Berechnung und der endgültige Verlegeplan werden von der Herstellerfirma geliefert, die Kosten (nur Material+Berechnung+Plan, verlegen tue ich selbst) liegen um die 5000€.


    Der Maurer rät zu "Stoltedielen", also Beton-Hohldielen. Dabei würden die existierenden Stahlträger durch neue ersetzt, und darauf kommen die Betondielen. Auch das würde ich selber bauen, der Maurer hat auch keine Lust auf den Job, berät mich allerdings sehr freundlich. Welche Stahlträger ich genau brauche weiß ich noch nicht, die Statikerin ist die nächsten 2 Wochen weg.

    Die Stoltedielen selber würden ca. 2500€ kosten (5-Minuten-Internetrecherche), Stahlträger sind noch unbekannt. Lassen wir die Frage der Materialkosten jetzt mal beiseite.


    Jetzt meine Frage: Die Stoltedielen-Technik, sagt der Maurer, macht wesentlich weniger Arbeitsaufwand als die Ziegeleinhängedecke.

    Ist das realistisch?


    So wie ich das sehe sind bei der Stoltedielendecke weniger Teile, aber schwerer, und die Ziegeldecke hat mehr Teile, aber leichtere.


    Ziegeldecke: 18 Träger, die wiegen ca. 25kg/m, also 125kg bei 5m Länge, die würden wir mit 4 Leuten montieren. Alles weitere könnte ich prinzipiell alleine machen.

    Stoltedielendecke: nur 6 Träger, aber wesentlich schwerer, wahrscheinlich müssten wir dafür schon 5 oder 6 Leute sein, und die Stoltedielen selber wiegen ca. 50kg und müssen dementsprechend zu 2 verlegt werden.


    Hat jemand Erfahrung mit beiden Bauweisen und kann dazu eine Einschätzung abgeben?


    Auch die sonstigen Vor- und Nachteile interessieren mich natürlich


    Vielen Dank

    Hans

  • Sind bei den € 5.000 Beton, Pumpe, auf der Decke liegender Baustahl etc. alles inkludiert?

    Ansonsten würde ich mir überlegen ob ich nicht eine Ortbetonvariante auch mal durchrechnen würde.

    Jochen

  • Da jedwede Zeichnung (ausser dem Bestandsgrundriss) fehlt, nehme ich mal frech an, die Träger sollen in den Aussenwänden aufliegen und bei dem Gewicht (4 -6 Leute nötig!) einteilig sein.

    Wie sollen die ins Haus kommen? Löcher stemmen und von aussen reinschieben? Anders? Wie?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • ich könnte mir vorstellen, dass die Kelleraußenwände dicker sind als im EG, das wurde bei den Kappendecken oft so gemacht. Die Mauerstärke im Keller spricht auch dafür. Dann wäre das kein Riesenproblem. Transport und Montage im Haus ist aufwendig, für Firmen mit Sicherheit unrentabel. Bei weitestgehend kostenfreier Helferleistung könnte das gehen, das ist ein Rechenexempel.

    Jochen

  • Sind bei den € 5.000 Beton, Pumpe, auf der Decke liegender Baustahl etc. alles inkludiert?

    Ansonsten würde ich mir überlegen ob ich nicht eine Ortbetonvariante auch mal durchrechnen würde.

    Jochen

    Jein.

    Nach der Entwurfszeichnung des Anbieters der Ziegeldecke ist ein System ohne Aufbeton geplant. Also nur Gitterträger und Ziegel und dann der Fußbodenaufbau. Es wird also nur Beton und Bewehrungsstahl für die zur Aussteifung erforderlichen Querriegel benötigt. Das ist mengenmäßig jetzt nicht soviel, dass man dafür eine Pumpe benötigen würde.

    Die Kosten für den Beton sind aber im Angebot vermutlich nicht enthalten. Wir reden da aber dann tatsächlich von Kleinstmengen

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)


    Rings um euch liegt die weite Welt: Ihr mögt euch einzäunen, aber euer Zaun wird sie nicht fern halten. (J.R.R. Tolkien, Derr Herr Der Ringe, Erster Teil: Die Gefährten)

  • Da jedwede Zeichnung (ausser dem Bestandsgrundriss) fehlt, nehme ich mal frech an, die Träger sollen in den Aussenwänden aufliegen und bei dem Gewicht (4 -6 Leute nötig!) einteilig sein.

    Wie sollen die ins Haus kommen? Löcher stemmen und von aussen reinschieben? Anders? Wie?

    Die Träger der Stoltedielendecke würden - der Erklärung des Maurers zufolge - in den Außen- und Zwischenwänden aufliegen und die alten Träger 1:1 ersetzen - nur die Dimensionierung müsste noch statisch berechnet werden, aber die Einbaupositionen wären die gleichen.


    Stichwort "einteilig": Kann man die Träger unter dieser Voraussetzung sinnvoll mehrteilig ausbilden? Könnte die Montage vielleicht wesentlich erleichtern.


    Bei der Ziegeldecke (Angebotszeichnung habe ich auch gepostet) würden die Träger in den gleichen Wänden aufliegen, nur mehr Träger in geringerem Abstand und an ein paar Stellen mit Wechseln.


    Ins Haus gelangen würden die Träger durch ein Kellerfenster. Das "Rangieren" im Keller wird natürlich anspruchsvoll. Deshalb wären mir auch Teile lieber, die zumindest nicht ganz so schwer sind.


    ich könnte mir vorstellen, dass die Kelleraußenwände dicker sind als im EG, das wurde bei den Kappendecken oft so gemacht. Die Mauerstärke im Keller spricht auch dafür. Dann wäre das kein Riesenproblem. Transport und Montage im Haus ist aufwendig, für Firmen mit Sicherheit unrentabel. Bei weitestgehend kostenfreier Helferleistung könnte das gehen, das ist ein Rechenexempel.

    Jochen

    Die Mauern sind im Keller ca. 10-15cm dicker als im EG. Könnte das das Manövrieren etwas erleichtern, wegen mehr "Ellenbogenfreiheit"?


    PS. Ich hatte beim Hersteller ausdrücklich eine Variante ohne Aufbeton angefordert, aber die Betonkosten für das Ausbetonieren der Träger hatte ich tatsächlich noch nicht eingerechnet.

  • Ich kenne solche Deckensysteme zwar einigermaßen, habe sie aber selbst bisher weder geplant, noch realisiert. Deshalb als Frage: Ist evtl. in der Bauphase eine zusätzliche Unterstützung erforderlich?


    Und noch ein Punkt der mir auffiel:

    Ins Haus gelangen würden die Träger durch ein Kellerfenster. Das "Rangieren" im Keller wird natürlich anspruchsvoll. Deshalb wären mir auch Teile lieber, die zumindest nicht ganz so schwer sind.


    Die Mauern sind im Keller ca. 10-15cm dicker als im EG. Könnte das das Manövrieren etwas erleichtern, wegen mehr "Ellenbogenfreiheit"?

    Dir ist sicherlich bewusst, dass zuerst der jeweilige Raum im EG vollständig geräumt und darin die Decke zumindest teilweise abgebrochen sein muss, damit es losgehen kann. Dann könnte aber eventuell auch die Anlieferung über das EG sinnvoll sein, zumindest für die Einhangelemente.


    Mir sind wegen des deutlich geringeren Gewichts die Ziegeldecken sympathischer, aber erklären kann ich das nicht.


    Bei der Decke sollte von vornherein auch über den Schallschutz und über die Wärmedämmwirkung nachgedacht werden!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Bei der Ziegeldecke müssen die Träger unterstützt werden, bis die Betonfüllung ausgehärtet ist. Das ist natürlich auch ein zusätzlicher Aufwand, den ich aber gering einschätze. Das Risiko etwas kaputtzumachen wenn man zB falsch auftritt ist sicherlich höher, das sagte auch der Maurer, wäre ihm schon passiert (Er sagte allerdings nicht "falsch aufgetreten" sondern "Fehlbrand" :rulez: ). Das Prädikat "idiotensicher" kommt wahrscheinlich eher den Stoltedielen zugute?


    Schallschutz halte ich für nicht so wichtig (Keller wird höchstens als Lagerraum genutzt), aber die Wärmedämmung dürfte wohl bei der Ziegeldecke besser sein, das bespreche ich auch noch mit meinen Dämmungsfachleuten.