Untersparrendämmung ergänzen ja oder nein?

  • Hallo zusammen,

    ich will demnächst mein Elternhaus (BJ 1957) beziehen. Dort wurde das Dach vor knapp 20 Jahren erneuert. Allerdings wurden weder die Sparren aufgedoppelt, noch wurde eine Aufsparrendämmung verbaut.

    Aufbau ist Ziegel, Dwd-Platten (16 mm - oder haben die einen zusätzlichen dämmert?), Zwischensparrendämmung 120 mm 035, Dampfsperre / bremse (??), dann alt schilfmatten als Putzträger und Putz.

    Da nur 120 mm Dämmung verbaut wurden, bin ich am überlegen, ob ich es mir antue, den putz inkl Schilfmatten komplett zu entfernen und 30mm Untersparrendämmung und darauf Rigips zu ergänzen.


    Aber ich bin mir nicht schlüssig, ob das wirklich in Bezug auf den Dämmwert lohnenswert / mess-/ fühlbar ist. Oder kann ich mir den Aufwand sparen? Dann würde ich einfach nur neu tapezieren (und zwei Dachfenster erneuern) 😉.

    Daher mal die Frage an euch, wie die Meinungen dazu sind. Lohnt sich? Lohnt sich nicht?


    Danke im Voraus

  • Lohnt sich? Lohnt sich nicht?

    Rein rechnerisch würde sich der U-Wert um ca. 0,1W/m²K verbessern. Das ist jetzt nicht die Welt. Die Oberflächentemperatur wird leicht ansteigen, ca. +2K, und das Einsparpotenzial liegt bei ca. 8-10kWh/m²*a, je nach Region und Dachfläche, nehmen wir einfach mal 100m²an, also um die 800-1.000kWh pro Jahr. Ob sich das lohnt oder nicht das liegt im Auge des Betrachters.


    Ich würde mir halt überlegen, ob man jetzt den Aufwand betreibt, wenn sowieso (anscheinend) modernisiert wird, oder ob man in ein paar Jahren denkt "hätte ich nur damals......". Sicher ist, billiger wird das Material in Zukunft wohl kaum, ganz im Gegenteil. Ob das Einkommen mit den steigenden Baupreisen mithalten kann, und wie sich die Energiepreise entwickeln werden, das kann niemand vorhersagen.


    Zwischensparrendämmung 120 mm 035, Dampfsperre / bremse (??), dann alt schilfmatten als Putzträger und Putz.

    Wurde die Dampfsperre von außen eingebracht? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man vor 20 Jahren noch mit Schilfmatten als Putzträger gearbeitet hat.

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  • Wurde die Dampfsperre von außen eingebracht? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man vor 20 Jahren noch mit Schilfmatten als Putzträger gearbeitet hat.

    Das sehe ich auch so. Im besten Fall liegt eine "Sub-and-top"-Verlegung vor, im schlechtesten Fall einfach :pfusch: !

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Moin. Danke für eure Meinungen.


    Da auch die Zeit bis zum Umzug ein Faktor ist, würde ich dann eher auf den Aufwand verzichten.


    Ja, die scheinen von außen die dampfsperre eingebracht zu haben, die ist nämlich zwischen den Sparren jeweils und nicht komplett plan drüber gezogen.


    Habe ein Foto vom Dachboden.

    Es ist ein sehr rauhes Material, fühlt sich an wie eine Unterspannbahn, kann auch nur den Hersteller lesen (Rockwool), habe aber nirgendwo die Bezeichnung genau gesehen.


    Edit: da aber auch nur überlappend verlegt wurde, frage ich mich, kann das denn überhaupt eine Dampfbremse sein??


    Genau, ich würde vermuten, dass es diese sub and top Variante ist. Ich kann es nur auf dem Dachboden sehen, würde aber davon ausgehen, dass es hinter diesem putzträger aus Schilf und Draht genauso aussieht

  • Edit: da aber auch nur überlappend verlegt wurde, frage ich mich, kann das denn überhaupt eine Dampfbremse sein??

    Da die Stöße nicht verklebt oder anders luftdicht gemacht wurden, ist das auf jeden Fall keine Dampfsperre.

    Ausserdem wurden Schilfrohrmatten als Putzträger mit Nägel oder Drahtstiften meist an Sparschalung befestigt und DIE durchstoßen jedwede Folie. ;(


    Ausserdem bedenken: Schilfrohrmatten haben auch einen U-Wert. Welchen = ?, aber sie haben einen

    30mm Untersparrendämmung

    Könnte energetisch also ne 0 Nummer werden. :face_with_tongue:

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  • Mir stellt sich eine Frage:

    Wenn man die Konstruktion so belassen muss/möchte aber dennoch energetisch was verbessern will, wäre es nicht eine Möglichkeit die Geschossdecke, also den Boden zu dämmen? Das ist je nach Dämmstoff bauphysikalisch unkritisch und so niedrig wie die Geschichte ist, soll da auch nichts gelagert werden oder groß begehbar sein, oder?

  • Hmm, wie würden sich denn eventuelle Schäden äußern, die auf diese ja offensichtlich mangelhafte Art des Aufbaus der Dämmung zurückzuführen sind?

    Schimmel? Feuchtigkeit irgendwo?


    Weil seit 2006 ist das jetzt schon der Status quo (habe die Rechnung gefunden).


    Die Dämmung ist ja bist ganz nach oben gezogen worden, also auch auf den ungenutzten Dachboden. Normalerweise würde man doch die Geschossdecke dämmen, wenn ich den Dachboden nicht mit Dämmung versehen hätte, oder?


    Aber nochmal zur Verklebung. Da ja von außen die dampfsperre verlegt wurde, wird ja wenn dann auch von dort verklebt worden sein? 🤷

  • und so niedrig wie die Geschichte ist, soll da auch nichts gelagert werden oder groß begehbar sein, oder?


    Das Bild zeigt wohl nur den Spitzboden, weil nur dort die Dämmung und Folie sichtbar sind. Der eigentliche Dachboden ist vermutlich ausgebaut, deswegen dort auch die Schilfmatten und Putz.

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  • Da ja von außen die dampfsperre verlegt wurde, wird ja wenn dann auch von dort verklebt worden sein?

    Theoretisch - Ja. Aber meine Erfahrung sagt mir, dass das nicht erfolgt ist.

    Du kannst ja "spasseshalber" mal die Hand/den Arm duch die "Tasche" auf dem Bild schieben. Wenn die Finger die Mineralwolle spüren, ist da nix verklebt ;)

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  • Die Dämmung ist ja bist ganz nach oben gezogen worden, also auch auf den ungenutzten Dachboden. Normalerweise würde man doch die Geschossdecke dämmen, wenn ich den Dachboden nicht mit Dämmung versehen hätte, oder?

    Beides ist möglich. Ich gehe davon aus, dass die gewählte Variante (Dämmung und Folie bis zum First) für die Dachdecker einfacher war, da beides ja von außen eingebracht wurde.

    Wird eine Dampfbremse/-sperre raumseits angebracht, dann wäre es einfacher wenn man den Spitzboden von der Dämmung ausklammert. Die Folie liegt dann unterhalb des Bodens.

    Wie so oft steckt der Teufel im Detail.

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  • Wird eine Dampfbremse/-sperre raumseits angebracht, dann wäre es einfacher wenn man den Spitzboden von der Dämmung ausklammert. Die Folie liegt dann unterhalb des Bodens.

    Ja, genau so habe ich es in meinem jetzigen Haus gemacht. Spitzboden nicht gedämmt, Dampfbremse im og an den Balken an der Decke entlang verlegt und verklebt und die Geschossdecke gedämmt.


    Interessehalber werde ich mal fühlen, ob was verklebt wurde von außen. Aber ändert ja nix. Toll ist das nicht gemacht worden, wenn ich da jetzt mal die Antworten hier auf einen Nenner bringe 😉

  • Ich vermute man hat das so ausgeführt, um das ursprünglich ausgebaut DG nicht zu beeinträchtigen. Das sagt mir die Schilfrohrmatte, weil das heute keiner mehr macht, eigentlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. So ist es auch verständlich, dass man von außen die Folie eingelegt hat und diese auch gleich bis ganz oben durchgezogen hat. Jetzt bleibt die alles entscheidende Frage, ob die Folie auch von außen verklebt wurde.


    Aber wenn man eh das DG komplett saniert, kann man ja gleich das Dach mitmachen und es richtig machen, mit Zwischensparrendämmung und noch etwas Aufdachdämmung und durchgezogene Folie darunter. 50er Häusle haben oft das Problem etwas wenig Platz zu haben und wenn man unter dem Sparren dämmt, dann fehlt Kopfhöhe bzw der Bereich über 2 Meter Höhe wird kleiner, evtl zu klein für einen Wohnraum.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Das Bild in #4 zeigt eine Dampfbremse und keine Dampfsperre. Sie wurde von der Dachoberseite schlaufenförmig eingebaut und danach die Dämmung in Sparrenhöhe eingelegt. Wie das auszuführen war, siehst Du hier im Video von Isover.


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    Von Rockwool, dem Hersteller der vorhandenen Dampfbremse, habe ich auf Anhieb keine Anleitung zur " Zwischensparrendämmung von außen " im Internet gefunden, die Verlegung ist jedoch wie im Video von Isover auszuführen.


    Das Video zeigt auch die Verklebung der Folienstöße, die von außen zu erfolgen hatte. Geht auch nicht anders, da anders keine Luftdichtheit herzustellen ist. Das sollte auch bei Deinem Haus so erfolgt sein. Aber kannst es ja von der Innenseite im Spitzboden mit der Hand - wie bereits gesagt - testen.


    Von Deinen Eltern wurde vermutlich deswegen eine " Zwischensparrendämmung von außen " ausgeführt, weil sie sich den erheblichen Aufwand und Dreck bei der Entfernung der Schilfmatten und des Putzes ersparen wollten. Vielleicht war es auch nur eine Frage des Budget, dass diese Dämmvariante gewählt wurde.


    Man hätte, wenn die Statik es hergegeben haben sollte, die Sparren aufdoppeln und damit mehr dämmen können. Aber vielleicht war auch das eine Frage des Budgets.

  • Ja, ich denke auch, dass das finanzielle Gründe hatte, dass keine Aufsparrendämmung gemacht wurde bzw. Ich kann mich erinnern, dass damals von meinem Vater nur der Preis verglichen wurde, aber nicht danach gegangen wurde, was bei einem teureren Angebot vielleicht noch zusätzlich drin ist.


    Und dass nur von außen gedämmt wurde, ist definitiv so, weil man drinnen nichts machen wollte, also putz und Schilf entfernen.


    Ich habe die alte Rechnung (von 2007) gefunden, da steht

    Zitat

    Dachfläche mit einer Klimamenbran Dampfsperre Sd-Flexx auslegen und an Überdeckungen und Gebäudekanten anschließen

    Ich würde also demnach schon denken, dass es verklebt wurde. Fühle aber die Tage mal, wenn ich wieder dort bin.


    Im übrigen eine Komplettrechnung von 18000 Euro inkl Entsorgung, Schornstein abtragen, neu eindecken, Dachrinne usw.. Da würde mich mal interessieren, wie weit man damit heute kommt

  • Gleicher Leistungsumfang wie vor 20 Jahren. So genau lässt sich das sowieso nicht ermitteln, ohne den Leistungsumfang genau zu kennen, deswegen smiley. ;)

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  • Gleicher Leistungsumfang wie vor 20 Jahren.

    Du meinst also, die Preise hätten sich seit 2005 (so grob) verdoppelt?

    Meiner Erfahrung nach sind das mehr als Faktor 2

    BKI

    IV Q 2025 =135

    2021 = 100

    IV Q 2015 (weiter gehts nicht zurück) = 79

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Die Daten gehen bis I/2006 zurück:

    I/2006 = 79,5 (bruttoreihe)

    2015 = 100

    IV/2025 = 171,6 (bruttoreihe)

    Faktor 2,15

    Also lag R.B. mit seiner groben Verdoppelung gar nicht so falsch...

    Wenn man sich die Nettoreihe anschaut, ergibt sich der Faktor zu 171,6/81,6=2,10

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)


    Rings um euch liegt die weite Welt: Ihr mögt euch einzäunen, aber euer Zaun wird sie nicht fern halten. (J.R.R. Tolkien, Derr Herr Der Ringe, Erster Teil: Die Gefährten)