Kalter Schornstein im Neubau -> Wasserschäden durch Kondenswasser?

  • Hallo zusammen,


    ich habe ein Problem mit einem Wasserschaden und da ich persönlich niemanden kenne der mir helfen kann, versuche ich es hier mal bevor ich einen Bausachverständigen beauftrage =)


    Situation:

    Wir wohnen seit 2025 in einem Neubau mit einem Erdgeschoss und 1. OG. Darüber ein ungedämmter Dachboden. (Massivhaus mit Walmdach)

    Das Haus hat einen Schornstein an den aktuell kein Ofen angeschlossen ist.

    Das Loch dazu ist da und ist mit Glaswolle abgedichtet.


    Nun zum Problem:

    Bisher hat sich zu jeder kalten Jahreszeit, ca. ab Oktober, Wasser am Schornstein gebildet.

    Das war von außen in dem Teil der durch den Dachboden verläuft zu sehen (Fotos) der helle Stein wurde von Tag zu Tag Dunkler bis richtige Wassertröpfchen zu erkennen waren.

    Die Steine wurden immer dunkler und feuchter.


    Als es dann Frühling wurde ging alles weg langsam.


    Diesen Winter haben wir wieder das Problem und nun scheint das Wasser auch eine Etage tiefer gewandert zu sein und in der verputzen Wand im Ankleidezimmer (siehe Foto. Roter Rand das Zimmer in Grün der Schornstein) zu immer größeren Flecken geführt. Ich vermute durch googeln dass mittlerweile Salzausblühungen zu sehen sind.

    (weitere Fotos)


    Unsere Nachbarn haben exakt das selbe Haus vom selben Bauherren und aktuell keine Probleme - haben aber einen Kamin den die auch regelmäßig nutzen.


    Woher kommt das Wasser bei uns?

    Der Bauherr hat die Dampfsperre und das Dach überprüfen lassen letzten Winter, alles dicht.


    Kann das Kondenswasser im Schornsteinschacht sein - und man muss den Schornstein komplett dämmen damit nichts kondensiert?

    (wir wohnen im Norden Berlins und hatten einen recht kalten Winter bisher)


    Ich bin überfragt und habe Sorgen dass noch weitere Wasserschäden entstehen...

    Danke euch im Voraus!


    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: Bildvorschauen eingefügt

  • Das Loch dazu ist da und ist mit Glaswolle abgedichtet.

    Gibt es dazu auch Fotos?

    Mit Glaswolle ausgestopft kann es treffen, abgedichtet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

    Kann das Kondenswasser im Schornsteinschacht sein

    Wäre meine erste Vermutung.


    P.S.: Bauherr seit Ihr. Das andere ist der Bauunternehmer, ob nun als Bauträger, BU, GU oder GÜ ist in dem Fall egal.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Gibt es dazu auch Fotos?

    Mit Glaswolle ausgestopft kann es treffen, abgedichtet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

    Wäre meine erste Vermutung.


    P.S.: Bauherr seit Ihr. Das andere ist der Bauunternehmer, ob nun als Bauträger, BU, GU oder GÜ ist in dem Fall egal.

    Hi und danke dir für den Kommentar. Davon habe ich keine Bilder gemacht. Ich lade morgen mal welche hoch. BG

  • Kann das Kondenswasser im Schornsteinschacht sein

    Der Schornstein hat sicherlich eine Revisionsöffnung, da mal reinschauen.


    Bei einem ungenutzen Schornstein gibt es 2 Risiken:


    a.) (warme) Raumluft die in den Schornstein gelangt, dort nach oben steigt und spätestens am Schornsteinkopf abkühlt und kondensiert

    Lösung: Öffnungen verschließen und abdichten

    b.) Wangen des Schornsteins sind kalt und Raumluft kondensiert raumseits an den Wangen

    Lösung: Wangen raumseits wärmedämmen.


    In geringen Mengen kann auch Regenwasser in den Schornstein gelangen und diesen von innen durchfeuchten wenn er nicht genutzt wird. Das lässt sich durch eine Abdeckung verhindern.


    Ist in absehbarer Zeit ein Holzofen geplant? Dann könntest Du einmal den Schornsteinfeger anrufen, und fragen ob er sich das einmal anschauen könnte. Gleich abklären was die "Begutachtung" kosten wird. Ofenbauer o.ä. könnten auch helfen, aber ohne einen Auftrag dahinter werden die kaum vorbeischauen und begutachten oder gar Lösungen anbieten.

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    .

  • Hi R.B.
    Danke dir für die Rückmeldung! Das klingt einleuchtend.

    Ein Holzofen ist geplant nur kein Geld aktuell dafür da.

    Dazu 2 Fragen:


    a.) Öffnungen verschließen und abdichten - Öffnungen im Haus (EG und 1. OG ist ja nur eine Öffnung bisher) oder im Schornstein? (habe ich in dem Loch im Wohnzimmer getan. vllt muss ich mehr machen)


    b.) Wangen des Schornsteins sind kalt und Raumluft kondensiert raumseits an den Wangen

    Lösung: Wangen raumseits wärmedämmen.
    Im Wohnraum oder in dem Teil der durch den Dachboden geht?


    Danke im Voraus!

  • Es gibt vermutlich 2 unterschiedliche Probleme gleichzeitig:

    1. Es scheint eine Wärmedämmung des Schornsteinkopfes zu geben. Der Schornstein ist aber unterhalb davon auf mehreren Metern Höhe und damit überproportional durch den ungeheizten Dachraum geführt und nach oben offen. Er kühlt deshalb im Winter als Kühlrippe der geheizten Innenräume aus - vor allem die Mantelsteine - zumal er nicht benutzt wird. In der Ankleide wie der Effekt vermutlich dadurch verstärkt, dass dort weniger geheizt wird, die Oberfläche also noch um ein paar Grad C stärker abkühlt, als konstruktiv unvermeidbar.
      1. Deshalb kommt es in der Folge in der "Ankleide" auf der raumseitigen Oberfläche des Schornsteines zur Taupunktunterschreitung und Tauwasserausfall. Dieser ist als Fleck sichtbar. Durch den langen und starken aktuellen Winter hat sich das Problem überproportional vergrößert. Da der Schornstein nicht gelegentlich durchgeheizt wird, kann das Kondensat nicht wieder in den Raum zurück verdampfen. Im durchfeuchteten Bereich des Putzes ist die Wärmeleitung erhöht, die Abkühlung erfolgt damit noch stärker / schneller.
      2. Vermutlich dringt durch die wasserdampfdiffusionsoffene Faserverstopfung der Rauchrohranschlüsse auch warme Raumluft direkt in den Schornstein und kondensiert auch dort auf der kalten Innenseite des Schornsteines. Dies ist von außen nicht sichtbar.
    2. Durch die fehlende Regenabdeckung des Schornsteinkopfes kommt auch noch von außen wenig Niederschlagswasser in das Rauchrohr und sammelt sich dort, da es mangels starker Erhitzung nicht zum Verdampfen gebracht wird. Auch diese Feuchtigkeit ist nicht sichtbar.

    Mit der (Wasser-) Dampfsperre der Gebäudehülle dürfte das Problem nichts zu tun haben.

    Unsere Nachbarn haben exakt das selbe Haus vom selben Bauherren und aktuell keine Probleme - haben aber einen Kamin den die auch regelmäßig nutzen.

    Und deshalb haben sie euer Problem nicht.


    Was kann man tun?

    1. Fehlende Dämmung Schornstein:
      1. Den Schornstein im Dachraum mit einer nichtbrennbaren Wärmedämmung mit einem Hitzefestigkeit von 1000 °C dämmen - aber unbedingt nur in Abstimmung mit dem beauftragten Schornsteinfeger und am besten fachlich kompetent geplant. (Leider können das Schornsteinfeger meist nicht!)
      2. Die nicht genutzten Rauchrohranschlüsse mit zugelassenen Komponenten des Schornsteinsystem verschließen lassen. Die dürfen bei einer Inbetriebnahme des Schornsteins sowieso nicht offen bleiben.
    2. Die offene Schonsteinmündung dürfte vernachlässigt werden können. Vielleicht kann sie in Absprache mit dem beauftragten Schornsteinfeger mittelfristig haltbar provisorisch werden.

    Von wem ist was zu tun?


    Die Rechtsverhältnisse sind nach der bisherigen Schilderung unklar. Sollte es sich um ein vom Bauträger ("BT", in diesem Zusammenhang ein zentraler Begriff und wichtig zu überprüfen!) gekauftes Haus handeln, so könnten hier Mängel am Haus vorliegen, die der BT zu beseitigen hat - innerhalb der Gewährleistungszeit. Liegt eine schriftliche Abnahme des Schornsteins durch den beauftragten Schornsteinfeger vor?


    Generell: Bei allen Arbeiten an Feuerungsanlagen sind diese immer von der beauftragten Schornsteinfegerin zu überprüfen und abschließend mit schriftlicher Dokumentation abzunehmen!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • in dem Teil der durch den Dachboden geht?

    Dort. Stell Dir das ganze wie ein Bierglas im Sommer vor. Dort wo kalt auf warm trifft, kondensiert es (Wassertropfen am Glas).

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Es sieht nicht wie ein Fertigteilkamin aus, sondern eher handwerklich gemauert...


    Was auffällt ist, dass die Mantelsteine durchfeuchtet sind.

    Unterstellt man eine fachgerechte Ausführung, können diese durch von oben eindringenden Niederschlag ja gar nicht feucht werden, da das innere Keramikrohr ja soweit dicht ist.


    Ich könnte mir als Schadensmechanismus folgendes vorstellen:

    Sofern es ein hinterlüfteter Schornstein ist, könnte durch thermischen Auftrieb feuchtwarme Raumluft aus den Wohnräumen über die Hinterlüftung bis zum Kaminkopf transportiert werden. Dort trifft diese auf kalte Materialien, ggf. sogar Frost, was zu Kondensation/ggf. Reifbildung führt und so den Mantelstein durchfeuchten kann.


    Sicherheitshalber sollte man aber auch mal die Kaminverwahrungen am Dach unter die Lupe nehmen...

    Habt Ihre eine Lüftungsanlage oder irgendetwas, was Überdruck überzeugt? Beispielsweise regelmäßig auf der Westseite/Haupt-Windangriffsseite des Gebäudes gekippte Fenster? So könnte ggf. Luft in die Hinterlüftung gedrückt werden...

    Mit Rauch (oder auch der Flamme eines Teelichts) kann man an der unteren Hinterlüftungsöffnung mal sehen, ob hier nennenswert Luft einströmt...

  • Es sieht nicht wie ein Fertigteilkamin aus, sondern eher handwerklich gemauert...

    Für mich sieht das auf dem Foto

    zu sehende nach einem in Norddeutschland üblichen Systemschornstein aus, wie von Schiedel und anderen angeboten. Hier übersichtlich am Beispiel von Isomit zu sehen. Da könnten es bspw. die Systeme Standard, K, GW3, Universal oder LE sein.


    Und wie Thomas T. schon richtig schrieb, wir könnten sinnvoller agieren, wenn das vorliegende System bekannt wäre.

    Unterstellt man eine fachgerechte Ausführung, können diese durch von oben eindringenden Niederschlag ja gar nicht feucht werden, da das innere Keramikrohr ja soweit dicht ist.

    Korrekt!


    Ich könnte mir als Schadensmechanismus folgendes vorstellen:

    Sofern es ein hinterlüfteter Schornstein ist, könnte durch thermischen Auftrieb feuchtwarme Raumluft aus den Wohnräumen über die Hinterlüftung bis zum Kaminkopf transportiert werden. Dort trifft diese auf kalte Materialien, ggf. sogar Frost, was zu Kondensation/ggf. Reifbildung führt und so den Mantelstein durchfeuchten kann.

    Der kalte Bereich beginnt hier aber - anders, als von Systemanbieter gedacht - bereits mit der OK Decke über 1. OG bzw. DG, also max. 50 cm über dem sichtbaren Fleck. Und es ist auf beiden Seiten der Mantelsteine Kondensat möglich - innen und außen! Nur dass das Kondensat von der Innenseite erfahrungsgemäß (Betonsteine!) außenseitig nicht zu sehen sein wird - jedenfalls nicht schon nach zwei Wintern.

    Sicherheitshalber sollte man aber auch mal die Kaminverwahrungen am Dach unter die Lupe nehmen...

    Habt Ihre eine Lüftungsanlage oder irgendetwas, was Überdruck überzeugt? Beispielsweise regelmäßig auf der Westseite/Haupt-Windangriffsseite des Gebäudes gekippte Fenster? So könnte ggf. Luft in die Hinterlüftung gedrückt werden...

    Mit Rauch (oder auch der Flamme eines Teelichts) kann man an der unteren Hinterlüftungsöffnung mal sehen, ob hier nennenswert Luft einströmt...

    Wie schon geschrieben: Hier gibt es einen auf 1 - 3 Metern Länge von kalter Außenluft umgegeben Schornstein, der nur auf den letzten 0,5 m wärmegedämmt ist.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Und es ist auf beiden Seiten der Mantelsteine Kondensat möglich - innen und außen! Nur dass das Kondensat von der Innenseite erfahrungsgemäß (Betonsteine!) außenseitig nicht zu sehen sein wird - jedenfalls nicht schon nach zwei Wintern.

    Falls da keine Zuluft im Inneren verbaut ist, kann m.E. auch nichts innen kondensieren.


    Woher das Kondensat an der Außenseite kommt, ist für mich die Frage. Nur Wärmeleitung im Beton halte ich für wenig wahrscheinlich, wenn der Dachboden nicht besonders feucht ist. Solche Schornsteine wurden und werden in Massen verbaut ohne diese Erscheinungen.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas