Wärmepumpe erreicht Vorlauf-Solltemperatur nicht

  • Guten Tag, neuer Benutzer hier und Laie. Bitte deshalb, Unschärfen in der Sprache mit Nachsicht zu behandeln.


    Folgende Situation: Wir haben vor ein paar Jahren ein Haus von ca. 1880 im Erhaltungssatzungsbereich einer brandenburgischen Kleinstadt gekauft. Das Haus haben wir übernommen, nachdem der Vorbesitzer seit 2018 ca. 80% der Sanierungsleistungen erledigt hat. Das Haus selbst ist in eine Häuserzeile eingebaut und so gut es geht saniert, d.h. Dachgeschoss, oberste Geschossdecke sind isoliert, neue Fenster eingebaut usw. Das Haus selbst hat ca. 145m2 Wohnfläche auf drei Etagen, bei Außenmaßen von ca. 10m Tiefe und 6m Breite.


    Der Vorbeseitzer hat die Heizverteilung komplett erneuern lassen. Im EG befindet sich im Esszimmer und in der Küche auf ca. 35m2 Fläche eine FBH, in den restlichen Räumen sind Plattenheizkörper installiert, insgesamt 6 an der Zahl. Die alte Heizanlage mit 24kW-Niedertemperaturkessel von Junkers und 80L-WW wurde drin gelassen. Es war klar, dass wir diese früher oder später austauschen müssen. Nachdem wir in den vergangen zwei Wintern damit experimentiert haben, wie weit wir den VL herunterstellen konnten, ohne dass es uns kalt wird, waren wir der Meinung, dass wir das Haus mit einer LW-WP beheizen können.


    Seit Anfang November läuft jetzt hier eine Vaillant Arotherm Plus 55/8 VWL 8.1, also das neueste Modell incl. entsprechender Hydraulikstation und externem 100L Pufferspeicher. Ich nehme an, der ist als Parallelspeicher eingebaut, durch die oberen Anschlüsse läuft jedenfalls der VL, unten der RL. Hinten dran hängt eine Wilo Yonos Pico, die z.Zt. mit einer Förderleistung von ca. 500-700L (variabel) läuft. Dazu ein 200L WW-Boiler, der auf 50°C läuft und bei 42° anfängt aufzuheizen. Die Zirkulationspumpe läuft von 6.30-22h. Die WP läuft ohne Nachtabsenkung, die HK-Ventile sind fast immer offen, die Heizkurve ist auf eine Steigung von 7,5 eingestellt, mit einer Wunschtemperatur (bei Vaillant heißt die Parallelverschiebung so) von 22°C. Raumaufschaltung ist aus, die Steuerung erfolgt rein über die Außentemperatur. Wir hatten natürlich einen Energieberater, raumweise Heizlastberechnung liegt vor, und die Heizkörper wurden vom Installateur hydraulisch abgeglichen. Nicht jedoch die Fußbodenheizung. Dazu später noch.


    Soweit so gut. Wir haben hier aktuell -6°C, die VL-Solltemperatur liegt entsprechend bei ungefähr 48°C. Die Bedingungen sind ideal, weil die Luft heute extrem trocken ist, und das Außengerät der WP kein bisschen vereist.


    Mein Problem ist, dass die WP ewig lang braucht, bis die Solltemperatur annähernd erreicht wird. Vor zwei Stunden war der letzte Aufheizvorgang abgeschlossen, und aktuell eiert sie bei 41,5°C VL-Ist-Temperatur rum. Vor 10 Minuten waren es auch schon mal 42. Unter normalen Umständen, also, so um den Gefrierpunkt rum, taut das Ding zweimal die Stunde ab. Dann besteht hier keine Chance, dass man an die VL-Solltemperatur rankommt, und entsprechend wird das Haus nicht so warm wie es sein sollte. Die WP selbst schafft es, das Haus auf eine angenehme Temperatur zu bringen. Heute morgen schnurrte sie bei -8°C mit 47°C VL und einem Momentanverbrauch von knapp unter 2600W friedlich vor sich hin. Alles schön also. Bis das Warmwasser aufgeheizt wurde.


    Was ist hier also los? Die WP scheint die für das Haus nötige Heizleistung bringen zu können, also muss das Problem wohl in der Hydraulik liegen.


    Hier ist mein Verdacht: ich fürchte dass die Anschlüsse der FB-Heizung vertauscht sind. Ich hatte versucht, die Tacosetter nach Maßgabe des Energieberaters einzustellen und bin gescheitert (weil ich nichts an den Dingern erkennen konnte) Hier ist ein Foto des Heizkreisverteilers, wie ich ihn vorgefunden habe und bevor ich irgendwas an den Einstellungen verändert habe.



    Das Haus hat einen einzigen Heizkreis. Soweit ich weiß, das lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen (weil ich im Zuge des WP-Einbaus den Installateur gewechselt habe), ist die FB-Heizung in den Rücklauf der alten Heizanlage eingebaut. Das könnte soweit sinnvoll gewesen sein, da der alte Niedertemperaturkessel mit einem VL von 70°C betrieben worden ist. Nun habe ich hier die jeweiligen Temperaturen mit dem Infrarot-Thermometer gemessen und von der Temperatur die ankommt, könnte das auch hinkommen. Jetzt kommts aber: der wärmere Anschluss (Differenz ist ca 5K) ist der untere, also der blaue, der eigentlich der Rücklauf der FB-Heizung sein sollte, oder? Das hätte ja nun, wenn ich mich nicht täusche, den Effekt, dass die Pumpe an der FB-Heizung kühles Wasser in den eigentlichen Vorlauf der Heizanlage bzw., wenn Warmwasser bereitet wird, in den Pufferspeicher reindrückt. Könnte das der Grund sein warum, die Wärmepumpe den Heizkreis nur so langsam aufgeheizt kriegt?


    Noch ein par Zusatzinfos bei der Gelegenheit: die Verrohrung der Heizung ist größtenteils (ich entnehme das der Rechnung des alten Installateurs, die mir vorliegt) mit Rohren mit 12mm Innendurchmesser erfolgt. Die Tacosetter sind voll auf. Die Pumpe schaltet sich in Abhängigkeit vom Auflegethermometer und einer der beiden Thermostatregelungen der FBH an.


    Heute Nachmittag wird, wenn ich Glück habe, der Installateur nochmal vorbei kommen und sich das Ganze nochmal ansehen, aber ich wollte die Frage auch nochmal in die Runde stellen, da ich heute, wo mir keine Abtauvorgänge reingrätschten wirklich erstmals die Gelegenheit hatte, das Ganze unverfälscht zu beobachten.


    Falls noch Informationen benötigt werden liefere ich die gern nach. Einstweilen bedanke ich mich schon mal für alle sachdienlichen Hinweise.

  • Vaillant Arotherm Plus 55/8 VWL 8.1,

    Das ist doch das 5kW Modell, richtig?

    Wurde die Heizlast korrekt ermittelt?


    Bei 5kW Heizleistung kann es schon sehr lange dauern, bis die Solltemperatur erreicht ist, zumal bei den aktuellen Außentemperaturen auch die Heizlast entsprechend hoch ist. Muss die WP dann zusätzlich 200 Liter Wasser auf 50°C erhitzen, dann fehlt diese Zeit. Das sind sicherlich ca. 1,5-2h die alleine für die WW-Erzeugung benötigt werden, je nachdem wie stark der WW-Speicher "entladen" ist.


    Wie hoch die Heizlast Deiner 142m² ist das kann man nicht einmal abschätzen, ich würde aber davon ausgehen, dass diese höher ist als 5kW. Das würde bedeuten, dass die WP bei -6°C AT und Solltemperatur Pufferspeicher (VL Temperatur 48°C + Übertemperatur) schon sehr zu kämpfen hat. Um hydraulische Probleme zu diagnostieren müsste man sich das Hydraulikschema anschauen.

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  • Das ist doch das 5kW Modell, richtig?

    Wurde die Heizlast korrekt ermittelt?

    Beides ja. Energieberater und Heizungsbauer haben das 5,5kW Modell vorgeschlagen nach Ermittlung der Heizlast.


    Danke für deine weiteren Kommentare. Gerade war auch der Heizungsbauer da und hat meine Beobachtungen im Verteiler der FBH bestätigt. Und dann war auch noch das Ventil falsch eingestellt und hat vorzeitig geschlossen. Er hat jetzt vorgeschlagen, die Pumpe da rauszunehmen, da es sich um eine "Altlast" aus der Zeit handelt, als der VL noch mit 70° lief. Dann mal weiter beobachten.


    Nach meinen Erfahrungen hier würde ich aber auch überlegen, selbst wenn die WP auf dem Papier die Heizlast erfüllen kann, auf das nächststärkere Modell zurückzugreifen, hier also die 7,5er. Ich habe den Verdacht, dass sich die Heizlastberechnung auf einen "Steady-State" bezieht. Wenn du bei ständigem Abtauen aber 20x am Tag wieder aufheizen musst, stellt sich die Frage, was diese Berechnung eigentlich wert ist... Das würde deinen Kommentar mit dem "kämpfen" bestätigen. Aber mal gucken, wie sich das weiter so entwickelt

  • Die Heizlastermittlung (EN12831) bezieht sich auf statische Verhältnisse, je nach Region bei einer Auslegungstemperatur -10°C oder -12°C und Raumtemperatur von 20°C. Temperaturwechsel oder Auswirkungen der Heizungsanlage (Masse Wasserinhalt etc.) werden dabei nicht berücksichtigt.


    Er hat jetzt vorgeschlagen, die Pumpe da rauszunehmen, da es sich um eine "Altlast" aus der Zeit handelt, als der VL noch mit 70° lief. Dann mal weiter beobachten.

    Das war auch mein Gedanke, aber die gezeigte Schaltung könnte trotzdem sinnvoll sein, wenn die FBH mit geringerer Temperatur betrieben werden kann als die Heizkörper. Man würde dann beispielsweise für die Heizkörper eine Vorlauftemperatur von 45°C aus dem Puffer bereitstellen, und für die FBH auf 35°C reduzieren. Bei Deiner Heizkurve würde die FBH ansonsten mit sehr hoher Wassertemperatur betrieben.

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  • Die Heizlastermittlung (EN12831) bezieht sich auf statische Verhältnisse, je nach Region bei einer Auslegungstemperatur -10°C oder -12°C und Raumtemperatur von 20°C. Temperaturwechsel oder Auswirkungen der Heizungsanlage (Masse Wasserinhalt etc.) werden dabei nicht berücksichtigt.


    Das war auch mein Gedanke, aber die gezeigte Schaltung könnte trotzdem sinnvoll sein, wenn die FBH mit geringerer Temperatur betrieben werden kann als die Heizkörper. Man würde dann beispielsweise für die Heizkörper eine Vorlauftemperatur von 45°C aus dem Puffer bereitstellen, und für die FBH auf 35°C reduzieren. Bei Deiner Heizkurve würde die FBH ansonsten mit sehr hoher Wassertemperatur betrieben.

    Danke, wie gesagt, die FBH scheint in den Rücklauf des Heizkreis eingebaut zu sein. Damit sollte die Gefahr der Überhitzung eine relativ geringe sein. Wir haben vorhin mal gemessen, und die Temperatur im VL der FBH ist so bei 34°C.


    Tatsächlich scheint der Knackpunkt das Ventil (oben im Bild mit der schwarzen Kunststoffkappe) gewesen zu sein. Es war noch auf die Verhältnisse der alten Heizung eingestellt. Der Installateur hat das jetzt geändert (muss übermorgen nochmal fragen, wie genau jetzt, ging vorhin zu schnell) und die WP erreicht jetzt tatsächlich die VL-Solltemperatur. Das war in dieser Form noch nie da. Es scheint jedenfalls so, dass das Ventil die Strömungsverhältnisse im Heizkreis versaut hat, um es mal flapsig auszudrücken. Zweite Maßnahme war: die Warmwasserzubereitung war im ECO-Modus (ist mir wohl durchgegangen). In der Folge hat die Aufbereitung dann zu lange gedauert, das Haus ist abgekühlt etc.


    Wie gesagt, das scheint's gewesen zu sein. Falls sich noch etwas ergibt, poste ich das. Bis dahin nochmal vielen Dank für die hilfreichen Kommentare.

  • Tatsächlich scheint der Knackpunkt das Ventil (oben im Bild mit der schwarzen Kunststoffkappe) gewesen zu sein. Es war noch auf die Verhältnisse der alten Heizung eingestellt.

    Das hat aber nichts damit zu tun, dass die VL Temperatur der WP so langsam ansteigt.

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  • Da fällt mir noch eine Frage ein: wenn die Pumpe und das Thermostatventil rausgenommen werden, wäre es da nicht ggf. sinnvoll einen Bypass mit Überströmventil einzubauen, für den Fall dass die Stellantriebe der FBH schließen? Ich weiß, die Theorie sagt, die sollten eigentlich immer voll offen sein...

  • Wenn ein Parallelpuffer vorhanden ist dann übernimmt der diese Aufgabe. Es braucht dann kein Überströmventil. Die WP hat durch den Puffer immer Durchfluss, und auf der Heizkreisseite können die Ventile öffnen oder schließen wie sie wollen.

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  • Ich wollte ja Rückmeldung geben: Jetzt 10 Tage nachdem der Heizungsbauer da war das Ergebnis: das Problem war tatsächlich der HK-Verteiler der Fußbodenheizung. Der Bypass mit Pumpe zwischen Vor- und Rücklauf wurde rausgenommen und seitdem läuft das Ding. Vor- und Rücklauf der Fußbodenheizung waren tatsächlich vertauscht (vom vorigen Heizungsbauer), damit hat die Umwälzpumpe, um es mal laienhaft auszudrücken, einen Gegendruck in das System reingeblasen und damit die Hydraulik versaut. Ich habe gleich noch neue Tacosetter einbauen lassen und die dann eingestellt wie vom Energieberater vorgeschlagen. Damit ist das System dann abgeglichen. Es kommt jetzt tatsächlich erstmals auch im 2. OG genügend Wärme an, und ich konnte die Heizkurve sowohl in der Parallelverschiebung um 1K sowie auch in der Steigung zurücknehmen. Auch nach den Abtauvorgängen kommt das System jetzt deutlich schneller wieder auf Temperatur. Also: Problem gelöst.

  • Das freut mich sehr!!

    Es ist unglaublich was gelegentlich zusammen geschraubt wird…

    Bei mir waren mal alle Ventile der Thermostate vertauscht - und anstatt 220 v Ventile 24 v verbaut, welche sich nach und nach innerhalb von 24 Stunden im ersten Winter durch lautes Knallen verabschiedeten..


    Freut mich dass es nun geht und danke für das Update !


    Lg