Wie kann sowas passieren?

  • Wie kann so etwas passieren?

    Mauerwerk ist mit Sicherheit nicht mein Fachgebiet, also spekuliere ich einmal.

    Zuerst würde ich jetzt einmal an die niedrigen Temperaturen der letzten Tage denken. Steine frisch geklebt, auffrieren, und schon hat man eine Wand mit lose gestapelten Steinen. Ob dann der Wind ausreichend war um die Steine umzuwerfen? Die sind ja nicht gerade leicht. Andererseits, wenn so eine Wand an einer Stelle anfängt zu kippen, dann fällt der Rest mit hoher Wahrscheinlichkeit auch um.

    Ich habe das mal an einer Kellerwand gesehen, die wurde am Abend noch schnell bis nach "oben" gezogen, und am nächsten Morgen lagen die Steine auf dem Boden. Wenn ich mich richtig erinnere, dann hätte man nach x Lagen aufhören müssen, und die Wand dann am nächsten Tag fertigstellen können.


    Ich bin gespannt was es noch an möglichen Erklärungen gibt.

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  • Unter der Mauer ist eine gegossen Betonmauer. Da drauf wurde die Mauer mit Porenbeton gemauert. Die Porenbeton Mauer ist breiter als die gegossen Betonmauer. Sie hat nach außen ein Überstand gehabt. Ich vermute, dass dort noch eine Art Dämmung hingekommen wäre.

  • Wie kann so etwas passieren? Fehlende Aussteifung. Schauen wir in die KS-Maurerfibel Auflage 9, im Anhang Seite 275

    Zitat von Merkblatt für das Aufmauern von Wandscheiben

    1. Mauerwerk ist auch während seiner Ausführung nach DIN 1053-1 auszusteifen.

    2. Solange die für das fertige Bauwerk vorgesehenen Aussteifungen noch nicht zur

    Verfügung stehen, können zusätzliche Absteifungen gegen Kippen unter Windlast erforderlich werden.

    Ich sehe dort keine Aussteifungen. Der Betonpfeiler in Wandmitte scheint noch nicht betoniert. Auflast können wir auch ausschließen.
    In Anbetracht des weiten Trümmerfeldes scheint auch die maximal zulässige Höhe ohne Aussteifung im Fertigzustand überschritten worden zu sein. (höchste: Wanddicke 36,5 cm: 5 Steinschichten á 25cm = 1,25m)

    Grundsätzlich könnte man da noch an Anprall statt Wind als Ursache für das Kippen denken, das spielt im Ergebnis aber keine Rolle.

    Und wie pflegte mein Baustofflehre-Prof immer zu sagen: "Wenn man die Mörtelqualität im Nachgang zerstörungsfrei feststellen könnte, müsste man 90% alle Wände wieder abreißen".

    Während des Schreibens aktualisiert: Offenbar Porenbeton, das kann man nicht 1:1 auf KS ummünzen. Aber die Lasten und Grundthematik bleiben ja gleich bzw durch geringeres Eigengewicht verringert sich dann sogar die Standfestigkeit.
    Wenn dann sogar noch der Schwerpunkt weit genug außermittig ist, könnte ggf. auch Frosthebung die Wand zum kippen bringen. Ist halt nur im Bauzustand möglich (aber unwahrscheinlich).

    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: Zitat als solches formatiert und Umbrüche darin entfernt.

  • Der Wandfuß besteht i.d.R. aus Kalk-Zement-Mörtel. Der klebt bei weitem nicht so gut wie der Porenbetonkleber. Bei Porenbeton kommt noch verschärfend das geringe Eigengewicht dazu, außerdem die Ausmitte in Richtung der gekippten Wand. Ich tippe auf Windböen als finalen Vollstrecker.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Ich sehe da auch Teile eines Gerüstes. Das hat der Wind wohl alles um geblasen. Wahrscheinlich stand nur eine Wandscheibe und die hatte natürlich keine Aussteifung. Wo denn auch. Da war Feierabend bevor man den Rest machen konnte und dann kam der Wind. Dumm gelaufen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Also kann sowas bei Wind immer passieren?

    Sowas passiert nur, wenn das halbfertige Mauerwerk nicht ausreichend gesichert wird.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Sowas passiert nur, wenn das halbfertige Mauerwerk nicht ausreichend gesichert wird.

    Nicht nur, wenn das halbfertige Mauerwerk nicht susreichend gesichert ist, sondern auch, wenn das in der Höhe fertige Mauerwerk nicht ausreichend ausgesteift ist.

    Wandscheiben aus Mauerwerk sind erstaunlich anfällig für Windlasten. In der ganz alten DIN 1053 gab es mal eine Tabelle, in der in Abhängigkeit von der Wandstärke die zulässige Wandhöhe bei Windlast eingetragen war. Habe im Urlaub leider keinen Zugriff darauf, aber die zulässige Wandhöhe ist eigentlich nicht der Rede wert....

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)


    Rings um euch liegt die weite Welt: Ihr mögt euch einzäunen, aber euer Zaun wird sie nicht fern halten. (J.R.R. Tolkien, Derr Herr Der Ringe, Erster Teil: Die Gefährten)

  • Habe im Urlaub leider keinen Zugriff darauf, aber die zulässige Wandhöhe ist eigentlich nicht der Rede wert....

    Genau so ist es ;)


    mein Extremfall war 1995

    Der Gute hat die Mauer zweimal innerhalb einer Woche umfallen lassen und dann, beim dritten Versuch, die seitlichen Mauerwerkspfeiler nicht gesichert ;)


    P.S. Er baut schon lange nicht mehr ;)

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • ein paar kräftige Halbwüchsige schaffen das auch, so lange die aussteifenden Stützen nicht betoniert sind.

    Ich zähle 13 Schichten, also frei stehende Wandscheiben von rund 3,25m Höhe. Die zudem noch auf einem Sockel stehen, der augenscheinlich schmaler ist als das Mauerwerk...

  • Meines Wissens halten die Streichhölzer min. 20 kN Druck/Stück aus. So riesig sind die Windlasten jetzt auch nicht.


    Zur Verankerung am Fuß erkenne ich nichts auf dem Bild.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Meines Wissens halten die Streichhölzer min. 20 kN Druck/Stück aus. So riesig sind die Windlasten jetzt auch nicht.

    Sobald die Wand sich aus der Senkrechten bewegt kommen dann aber auch nicht unerhebliche Vertikallasten aus dem Wandmauerwerk dazu.

    Zur Verankerung am Fuß erkenne ich nichts auf dem Bild.

    Gerade die im weichem Boden sehe ich besonders kritisch!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Sobald die Wand sich aus der Senkrechten bewegt,

    haben die Steifen versagt. Bis dahin haben sie nur Druck aus Wind.

    Gerade die im weichem Boden sehe ich besonders kritisch!

    Ich kann nicht erkennen, ob da irgendwelche Verankerungen sind. Ich vermute es aber, da ansonsten die Steifen nur angelehnt wären. So blöd wird der Unternehmer hoffentlich nicht sein, die Wand wieder in den Dreck fallen zu lassen.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Haben die Jungs das bei Temperaturen < 5° C erneut verklebt / vermörtelt?


    :wall:

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Das mit den Schrägstützen ist regelmäßig ein gangbarer Weg.

    Es sollten nur ausreichend viele sein....

    öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Maurer- und Betonbauerhandwerk