Bewertung feuchte Kellerwand (Altbau 1911)

  • Hallo zusammen, wir waren am Wochenende eine DHH ansehen. Baujahr 1911.
    Im Keller scheinen sind fast alle Aussenwände feucht zu sein. Das Mauerwerk besteht soweit ich in Erfahrung bringen konnte aus 42 cm dicken Wänden. Der Aufbau ist mir unbekannt.


    Lässt sich anhand der Bilder abschätzen ob es sich hier um aufsteigende oder um drückende Feuchtigkeit handelt?

    Raum 1:
    Hier scheint zusätzlich ein Rohr in der Ecke undicht zu sein.



    Raum 2:
    Heizungskeller - Die Wand Links auf dem Foto ist die Trennwand zum Nachbarn.



    Verzeiht mir die laienhafte Fragerei. Falls noch Infos fehlen, sagt mir gerne welche :)


    Danke, froder1k

  • froder1k

    Hat den Titel des Themas von „Bewertung feuchte Kellerwand“ zu „Bewertung feuchte Kellerwand (Altbau 1911)“ geändert.
  • Unstrittig: diese Wand ist feucht.


    Aber: Ist das von herausragender Wichtigkeit?


    Denn: Früher waren Keller vor allem eines: Keller. Da wurden Kartoffeln (dunkel) gelagert, die Einweckgläser standen in Regalen, denen die Feuchtigkeit ebenfalls egal war, ein Spaten rostete vor sich hin; Weine erfreuten sich eines guten Mikroklimas. Letztendlich war der Keller früher einfach ein Lagerraum. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass dieser Wohnraumqualität haben müsste.


    Ich weiß tatsächlich nicht, ob es damals überhaupt schon Abdichtungssystem gab. Aber selbst 3-fach-Kaltantriche aus den frühen 70er Jahre sind mittlerweile irgendwie abgebaut worden und man sieht nur noch einen schwachen Rest einer -natürlich-- nicht mehr funktionierenden Abdichtung. Was mag man also von einem nochmals über 50 Jahre älteren Gemäuer erwarten können?


    Nach was sieht es aus? Ich würde vermuten, dass es sich um kapillar nach oben beförderte Feuchte handelt. Man könnte das Haus (abschnittsweise!!!) ringsherum aufgraben und abdichten und hoffen, dass es weniger wird. Aber wenn es über das Fundament von unten kommt, dann hilft das nur wenig...also...ggf. gar nichts.


    Die Frage ist nun: was tun mit dem Raum? Als Wohnraum ohnehin nicht geeignet (zu niedrig, zu dunkel, zu feucht, kein 2. Rettungsweg). Warum nicht dafür nutzen, wofür er gedacht war. Siehe weiter oben.

  • aufsteigende oder um drückende Feuchtigkeit handelt?

    Drückende Feuchte gibt es als Fachbegriff nicht, nur drückendes Wasser. Und das wird hier nicht vorliegen.


    Ich tippe auf eine Mischung aus defekter Horizontalsperr UBER der ersten Mauerschicht und maroder bis fehlender Vertikalsperre.


    Letztere könnte man/frau mit viel Kapitaleinsatz sanieren bzw. herstellen, erstere eher nicht. Ist halt ein echter Keller zum Lagern von Kartoffeln, Obst, Konserven etc.


    Kondensat könnte noch dazukommen, wäre aber leicht abstellbar

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Danke für eure Antworten.
    Als Wohnraum würde er auch nicht verwendet werden. Wir wollten noch mal eine grobe Einschätzung haben mit was wir es hier zu tun haben.

    Könnte man hier ggf. mit Sarnierputzen arbeiten um weiteres Ausblühen zu verhindern oder macht dies das ganze nur schlimmer?

  • Sanierputz ist ein Opferputz und muss dann alle x Jahre erneuert werden. Damit wird nur die Optik für eine Weile kaschiert, aber es kommt dann doch immer wieder raus. Der Raum kann nur als Keller dienen zu nix anderen sonst. Und was nutzt einem da die Optik? Den sieht man nur wenn man mal was raus holt oder abstellt.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Man könnte also sagen, es besteht in diesem Zustand aktuell (vermutlich) kein aktuer Handlungsbedarf?

    Definitiv, denn akut ist da gar nichts.


    Je nach eigenen Anforderung reicht eventuell schon trocken abbürsten und übermalern.

    Eine Trockenlegung, die den Namen verdient und funktioniert, ist vermutlich wirtschaftlich nicht vertretbar.


    P.S.: Bei der Wasseruhr sollte man mal genauer nachschauen. Es kann einfach nur Schattenwurf sein, es ist aber auch ein Kellerschwamm möglich. (Konnte ich auf dem Bild nicht genauer deuten.)

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Als ich die Leitung der Wasseruhr nähe betrachtete, fiel just in dem Moment ein Tropfen herunter (siehe gekennzeichnete Stelle).
    Das Zeug in der Ecke hatte ich laienhaft eher als nasses Ziegelpulver von irgendwelchen Bohrungen identifiziert.

    Ich danke euch für die Hilfe!

  • klar, ein Gebäude aus 1911 ist nicht mehr taufrisch. Und: damals hat man andere Maßstäbe angelegt, als das viele heute tun.


    Die scharfen Ränder der Schadstellen deuten schon darauf hin, dass da irgendwie nennenswert Feuchtigkeit im unteren Bereich der Wand/Bodenplatte ansteht.


    Ich persönlich würde erst mal hinterfragen, wie es um den Zustand der Grundleitungen bestellt ist. Sprich: Kamerabefahrung durch jemanden, der die Bilder auch bewerten kann.

    Dann: Was passiert dort mit dem Oberflächenwasser? Wird es ggf. (ggf. räumlich begrenzt) konzentriert an dieser Stelle versickert?


    Ich persönlich würde dann, wenn vorheriges instandgesetzt ist, bei solch einem alten Haus prüfen, ob man die Vertikalabdichtung der Wände instandsetzen kann und auch prüfen, ob man aufstauendes Sicherwasser irgendwie ableiten kann. Horizontalsperre würde ich persönlich bei einem Haus ohne hochwertige Nutzung der Kellerräume eher nicht umsetzen. Das wäre mir für den zu erwartenden Erfolg zu teuer. Innen natürlich Putz bis ausreichend hoch über die letzte Schadstelle abschlagen und durch einen geeigneten (ich schreibe dieses Wort bewusst, weil man aus der Ferne nicht beurteilen kann, was hier geeignet ist) Putz ersetzen.

    Dann noch die Raumluftfeuchtigkeit kontrollieren (und qualifiziert bewerten) und dann ggf. ein Raumluftfeuchtemanagement (auch hier gibt's unterschiedliche Systeme) betreiben.

    Damit würde ich für mich über viele Jahre Ruhe erwarten.


    Das wäre aber nur das, was ich machen würde...


    Hast Du Fotos von außen (Übersichtsfotos, keine Details)?

  • Ich habe heute Früh mal flott ein Foto geschossen.

    Hier befindet sich die lange Wand aus dem ersten Beitrag.


    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: Bildvorschauen eingefügt

  • Ich kenne mich mit den regionaltypischen Bauweisen nicht so aus. Aber die Fassade sieht für mich deutlich neuer als 1911 aus.

    Ist das eine Mauerschale oder sind das dünne aufgeklebte Platten? Ich vermute schon Mauerwerk.

    Ich weiß nicht, wie dort das Gewicht abgelastet wird, aber irgendeine Konsole/Auskragung muss da ja vorhanden sein? Ist anzunehmen, dass dies bauzeitlich (1911) auch schon so gewesen ist? Wie hat man das üblicherweise abgedichtet?


    Außerdem kann ich die Innenaufnahmen nicht den Außenaufnahmen zuordnen.

    Die Innenaufnahmen scheinen zumindest teilweise an ganz anderen Stellen aufgenommen worden zu sein. Die Fensterformate passen jedenfalls nicht zueinander.


    Auf den Außenaufnahmen sehe ich nur ein Regenfallrohr. Ist das das einzige Fallrohr? Welches der Fotos innen ist an dieser Stelle?


    Handelt es sich um ein Reihenhaus? wenn Reihenhaus? Hast Du auch mal mit dem Nachbarn gesprochen? Hat dieser von ähnlichen Problemen zu berichten?

    Und wenn Reihenhaus: eine Beseitigung der Schäden ist ggf. mit dem Nachbarn zu koordinieren (was auch immer damit verbunden sein könnte).


    Insgesamt gilt mein Post oben nach wie vor, aber hier sollte noch jemand beteiligt werden, der sich mit den regionaltypischen Bauweisen auskennt.

    Man könnte auch mal hinterfragen, auf welchem Niveau dort in der Gegend der Grundwasserstand liegt...

  • Es handelt sich um ein Doppelhaus, dessen beiden Hälften jedoch sehr unterschiedlich gebaut sind.

    Der Eigentümer der anderen Haushälfte ist offenbar seit etwa zwei Jahren nicht mehr vor Ort und daher nur schwer zu erreichen.


    Wir wohnen in unmittelbarer Nähe; laut unserer Pumpe beginnt der Grundwasserspiegel bei etwa sieben Metern Tiefe.


    Die Fassade wurde irgendwann einmal erneuert, allerdings liegen dazu bei der Stadt keine Informationen vor (die Stadt ist übrigens auch Verkäuferin).
    Generell ist es dort nahezu unmöglich, verlässliche Auskünfte zu erhalten.

    Erkennen kann man die Fassadenerneuerung unter anderem am Hauseingang – dieser wurde dabei scheinbar ausgespart.





    Bei dem Bild von der Fassade handelt es sich um diese Seite

    (Linke Seite des Kellers bzw. Rechte Seite auf dem Bild der Fassade)



    (Rechte Seite des Kellers; dort wo das (ich glaube einzige) Fallrohr an der Fassade zu finden ist.)



    Danke,

    froder1k