Zwischensparrendämmung im Altbau - genereller Aufbau, Unterspannbahn nachträglich einbauen etc.

  • Guten Tag,

    ich habe mehrere Fragen zur korrekten Ausführung einer Zwischensparrendämmung im Altbau. Ich bin Hobbyhandwerker und habe bereits einen ganzen Dachstuhl selbst gebaut, stehe aber vor der Herausforderung, mich erstmals an einer Zwischensparrendämmung zu versuchen und möchte hier nicht aus Unkenntnis irgendwelche Fehler machen.


    Situation:
    - Altbau mit Tonziegeleindeckung
    - Sparren sind teilweise sehr krumm und für die gewählte Dämmstärke (12cm) auch zu dünn
    - keine Unterspannbahn vorhanden
    - Dach ist dicht, Ziegel allesamt in Ordnung
    - mehrere Dachfenster sind vorhanden
    - Material bereits weitestgehend vorhanden: Unterspannbahn Ventia Titanium Plus (190g/m2), Glasfaser 12cm, Dachlatten, Damfsperrfolie, Klebeband für Dampfsperrfolie, Rigipsplatten, Schrauben
    - noch nicht vorhanden: Nageldichtband, Dachlatten für "fliegende Latte" zur Bildung einer Kehle für Wasser


    Ziel:
    - Ausbau zu Wohnzwecken, darunter Schlafzimmer und Bad
    - vernünftige Dämmung zu Wohnzwecken, aber definitiv keine Erreichung von EnEV-Vorgaben
    - fachgerechter Ausbau zu vertretbaren Kosten (Mietobjekt - das Geld muß am Ende wieder reinkommen!), also kein Abdecken des Daches oder größere Investitionen in Material

    Im Netz finden sich viele Anleitungen, die aber immerzu von einem unrealistischen Idealzustand ausgehen: gerade Sparren, die allenfalls zur Erreichung der gewünschten Stärke aufgedoppelt werden müssen, Unterspannbahn bereits vorhanden usw. Es finden sich hier und da ein paar Videos (z.B. Youtube: Der Fachwerker) oder Anleitungen, die auf die realen Probleme hinweisen, aber hierfür leider keine Lösungen anbieten und insofern völlig unbrauchbar sind.

    Zum Aufbau habe ich folgende Darstellung gefunden, welche grundsätzlich nachvollziehbar ist: https://wissenwiki.de/Unterdeckung_vonen_nachr%C3%BCsten

    Aber auch diese Darstellung scheitert bei mir an der Realität! Hier eine Auflistung der Probleme:

    1) Ich muß die Sparren vergrößern, da diese unterschiedliche und meist zu geringe Stärken aufweisen. 12cm sind benötigt, die Sparren haben oft nur 10 oder 11cm Stärke bzw. sogar teilweise eine unregelmäßige Stärke. Geplant war hier das Anbringen von Brettern an den Sparren, was auch eine gerade Anlegefläche für die Dämmung bringen würde und eine sauber ausgelotete Anlegefläche für die Lattung und die Rigipsplattenoberfläche. Das Problem ist aber, daß die Sparren nicht gerade sind, sondern nach links oder rechts weglaufen, die Bretter also an einigen Stellen nicht an den Sparren anliegen sondern "in der Luft hängen" würden.

    2) Die Abstände zwischen den Sparren sind extrem unregelmäßig, sodaß es "Felder" gibt, die extrem schmal sind. Ich denke, daß es hier zu Problemen mit der "fliegenden Latte" kommen könnte, da diese mutmaßlich eine gewissen Mindestabstand zum linken und rechten Sparren benötigen dürfte.

    3) Wenn ich eine Dachlatte als "fliegende Latte" anbringen möchte, um etwaiges Wasser von den Sparren nach unten hin abführen zu können, habe ich in Bodennähe das Problem, daß das Wasser ja irgendwie an der Fußpfette vorbei nach draußen gelangen muß - hier ist aber leider, von einem winzigen Spalt abgesehen, überhaupt kein Platz bzw. "alles dicht"!

    4) Normalerweise würde beim Anbringen der Unterspannbahn diese von den seitlichen Brettern an den Sparren fixiert werden, was aber wegen der schiefen Sparren nicht funktioniert. Ein Festtackern an den Brettern könnte hier Abhilfe schaffen, aber dann wären die verbleibenden Leerräume zwischen Brett und Sparren (also dort, wo der Sparren schief vom Brett wegläuft) nicht von der Unterspannbahn vor eindringender Feuchte geschützt, was ja dem gesamten Sinn der Unterspannbahn zuwider läuft, da hier dann das eingestopfte Dämmaterial vor eindringender Feuchtigkeit ungeschützt wäre. Eine Nichtdämmung in diesem Bereich, also das Auslassen dieser Hohlräume, wäre ebenfalls nicht sinnvoll (Wärmebrücke).

    5) Ich hatte angedacht, die Unterspannbahn einfach komplett über die Sparren zu führen, diese also einfach vollständig darin "einzupacken". Das funktioniert aber nicht vollflächig über das gesamte Dach hinweg, da ich mit der Unterspannbahn dann nicht an den Mittelpfetten vorbeikomme. Ich bräuchte also, sofern diese Lösung überhaupt sinnvoll ist, zumindest für den Bereich der Mittelpfetten und der Firstpfette, eine andere Lösung.

    Im zweiten Beitrag lade ich noch Bilder vom Dachstuhl hoch, damit man sich eine bessere Vorstellung von der Situation machen kann.

    Für Tipps, egal ob als Zeichnung oder in Worten, wäre ich sehr dankbar! Toll wäre es, wenn diese so geschrieben würden, daß ich sie auch als Laie verstehen kann. Vielen Dank schon einmal vorab!

  • Du erwartest also allen Ernstes, dass sich hier jemand, der sein Fachwissen in langjähriger Ausbildung erworben und in langer Praxis bewiesen hat, sich in seiner/Ihrer Freizeit hinsetzt und Dir haarklein das erzählt und darlegt, womit der/sie normalerweise seine Brötchen verdient?


    So a la BastelWastl hilft Wonka wills wissen


    DAS ist nicht Sinn dieses Forums

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Du erwartest also allen Ernstes, dass sich hier jemand, der sein Fachwissen in langjähriger Ausbildung erworben und in langer Praxis bewiesen hat, sich in seiner Freizeit hinsetzt und Dir haarklein das erzählt und darlegt, womit der normalerweise seine Brötchen verdient?


    So a la BastelWastl hilft Wonka wills wissen


    DAS ist nicht Sinn dieses Forums

    Ich "erwarte" gar nichts. Ich bitte um Hilfe bei einem konkreten Problem, was meines Erachtens auch genau der Sinn solcher Foren ist: nämlich der Austausch von Wissen und das Einholen von Rat bei Problemen.

    Sollte ich zu dem Schluß kommen, daß das Verlegen der Unterspannbahn mich vor nicht zu schulternde Herausforderungen stellt, werde ich den Auftrag gerne an einen Profi vergeben. Da ich jedoch mein gesamtes Dach am selbst bewohnten Haus selbst geplant, gebaut und mit einer Aufsparrendämmung versehen habe (lediglich das Eindecken habe ich einem Dachdeckerbetrieb überlassen), gehe ich aber nicht davon aus, daß ich an einer Unterspannbahn scheitern werde und mir eine kleine Skizze und/oder ein paar erläuternde Worte hier schon ausreichend weiterhelfen werden.

    Da hier kein Auftrag für Sie zu holen ist, ist mir allerdings gerade nicht klar, welchen Sinn und Zweck Sie jedoch mit Ihrem Beitrag verfolgen - zumal ich nicht auf der Suche nach einem Architekten bin und sich meine Immobilie noch nicht einmal in Ihrer Nähe befindet. Gerne können Sie ja Ihre Kompetenz mit einem zielführenden Beitrag unter Beweis stellen und sich auf diesem Wege einen lukrativen Auftrag bei jemandem aus Ihrer Nähe ergattern, damit sich ihre langjährige Ausbildung und Praxis am Ende doch noch bezahlt macht.

  • Meinst Du wirklich den nachträglichen Einbau einer Unterspannbahn oder den einer Wasserdampfsperre / -bremse?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Da hier kein Auftrag für Sie zu holen ist, ist mir allerdings gerade nicht klar, welchen Sinn und Zweck Sie jedoch mit Ihrem Beitrag verfolgen - zumal ich nicht auf der Suche nach einem Architekten bin und sich meine Immobilie noch nicht einmal in Ihrer Nähe befindet. Gerne können Sie ja Ihre Kompetenz mit einem zielführenden Beitrag unter Beweis stellen und sich auf diesem Wege einen lukrativen Auftrag bei jemandem aus Ihrer Nähe ergattern, damit sich ihre langjährige Ausbildung und Praxis am Ende doch noch bezahlt macht.

    Nice try - ;)


    Aber ohne von Erfolg getrönt zu sein

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Meinst Du wirklich dennachträglichen Einbau einer Unterspannbahn oder den einer Wasserdampfsperre / -bremse?

    Ja, ich meine tatsächlich den nachträglichen Einbau einer Unterspannbahn (ohne hierfür das Dach abzudecken). Die Dampfbremse ist natürlich auch vorgesehen, aber eben an entsprechender anderer Stelle.

  • also dich einzige fachgerechte Lösung die ich kenne ist, dass Dach neu machen.

    und bei dem ausbau zur Mietwohnung würde ich mal vermuten das die GEG mindestanforderungen einzuhalten sind

  • Da die Unterspannbahn nach meinem Verständnis der Fachregeln die Dacheindeckungen (also den a.R.d.T.) die Funktion einer behelfsmäßigen Wasserableitung gewährleisten muss, ist diese Ausführung unzulässig - und funktioniert einfach nicht. Wie das bei einer Verlegung von unten gehen soll, ist mir nicht vorstellbar, denn es kann Wasser von der Oberseite der Folie in den seitlichen Spalt zu den Sparren oder auf diese drauf laufen und kommt dort nur sehr langsam wieder heraus. Das führt zu nassem Sparren und damit zur Biotopbildung für holzzerstörenden Pilze und Insekten.


    Eine meiner Mitarbeiterinnen hat mir zufälligerweise gerade eben eine Skizze auf den Tisch gelegt, die einem AG exakt das Problem erläutern soll:



    Die digital dick und kräftig blau ergänzten Linien zeigen den möglichen Wasserzulauf und die Punkte den Bereich fehlender Unterdeckung.


    Aktueller Stand unserer Büro-Diskussion und abschließende Ansage von mir: Nachträgliche Verlegung von unten ohne Abdeckung des Daches ist unmöglich, da die vom "Merkblatt für Unterdächer , Unterdeckungen und Unterspannungen" des Zentralverbandes des dt. Dachdeckerhandwerks geforderten Überlappungen zwischen benachbarten Bahnen nicht erreicht werden können. Außerdem fehlt eine ausreichende Hinterlüftung der Lattung! (anderes Merkblatt bzw. DIN)


    Die Mindestanforderungen des GEG (ENEV gilt schon lange nicht mehr!) sind bei wesentlichen Umbauten immer einzuhalten. Das trifft hier eindeutig zu!

    Da ich jedoch mein gesamtes Dach ... mit einer Aufsparrendämmung versehen habe (lediglich das Eindecken habe ich einem Dachdeckerbetrieb überlassen), ...

    Moment, geht es hier um das selbe Dach? Eine Aufsparrendämmung und eine Unterspannbahn gehören nicht zusammen - ich kann mir zumindest nicht vorstellen, wie das gehen soll!

    Off-Topic:

    ... einzige fachgerechte Lösung die ich kenne ist, dass Dach neu machen. und bei dem ausbau zur Mietwohnung würde ich mal vermuten das die GEG mindestanforderungen einzuhalten sind

    Dominik war schneller! :bier:

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

    2 Mal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: Bier für Dominik und Zitat TS + Antwort ergänzt!

  • Du hast da augenscheinlich ein älteres Gebäude. Wenn ausgebaut wird, muss auch baurechtlich alles stimmen, also brauchst Du eh eine Person, die den Bauantrag unterschreibt. Alte Häuser zu ertüchtigen ist nicht ohne. Da gehört schon Erfahrung dazu. Ändert man eine Komponente, dann kann eine andere zu Problemen führen. Bevor Du jetzt an so Details heran gehst wie Unterspannbahn und dergleichen, müssen erst mal die anderen Dinge geklärt werden. Du brauchst dort z.B. auch einen zweiten Fluchtweg, was Du da machst muss auch mit sonstigen Anforderungen des Brandschutzes und sonstige Auflagen erfolgen. Einfach mal so loslegen und umbauen ist nicht. Das Dach muss auch das Gewicht der zusätzlichen Konstruktion erwiesenermaßen abkönnen. Dazu braucht es eine Statik und die ist Teil des Baugesuches. So steil wie das Dach aussieht dürfte es keine Probleme geben was die Beziehung zwischen Gesamtfläche und Fläche über 2 Meter angeht einzuhalten. Du wirst evtl. andere Dachfenster brauchen, die breit genug sind um als zweiter Rettungsweg verwendbar zu sein. Wenn man mit der Feuerwehrleiter locker hin kommt ist es OK. Wenn nicht dann brauchst Du außen noch Gedöns, also Plattform und evt. Treppe bis Traufe. Usw usw... Du siehst, da kommen viel mehr Themen auf als man vorher gedacht hat.


    Wir hier dürfen und wollen Dir nicht helfen Dir selbst zu schaden. Mein Vorschlag wäre also zu einem Planer vor Ort zu gehen, der Erfahrung in der Sanierung von Altbauten hat. Dort bist Du bestens aufgehoben. Der wird Dir dann auch erklären was und wie Du selber was machen kannst und wo Du besser die Finger von lassen solltest, wenn Du da möglichst viel Eigenleistung rein stecken willst.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Das Dach muss auch das Gewicht der zusätzlichen Konstruktion erwiesenermaßen abkönnen.

    Das wäre für mich ein kritischer Punkt bei den Sparren.


    Das Problem ist, dass Du schon alles Material gekauft hast, ohne vorher wirklich durchzuplanen. Jetzt ist es so, dass es auf die Art und Weise, wie Du gedacht hast, leider nicht geht. Tut mir leid.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung


  • Inzwischen habe ich doch ein Beispiel von einem Folienanbieter gefunden, dass zu Deiner Beschreibung passt: Dieses hier.


    (für's Archiv:)



    Das oben von mir genannte Merkblatt

    "Merkblatt für Unterdächer , Unterdeckungen und Unterspannungen" des Zentralverbandes des dt. Dachdeckerhandwerks

    kennt diese Ausführung in seinen Anlagen jedenfalls nicht. Sie sieht eindeutig besser aus, als die obige Skizze der Mitarbeiterin, aber sowohl der Umlenkpunkt auf der Lattenunterseite wie auch der Oberseite der Sparren bleiben meines Erachtens sehr problematisch.


    Vermutlich deshalb empfiehlt der Hersteller bzw. die dafür werbende Firma diese Ausführung auch nur für einen zeitlich begrenzte Nutzung von 5 Jahren bis zur dann erforderlichen Umdeckung! Das sagt doch eigentlich alles, oder? Kurz: Das ist keine dauerhafte Lösung - und entspricht nicht den a.R.d.T.!


    Was denken die Meister vom Dach MeisterF und Elopant ?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Ich habe vor vielen Jahren auch vor dieser Aufgabe gestanden, ein altes Dach - in nahezu allen Details mit Deinem vergleichbar - zu ertüchtigen. Nach langer Abwägung ist es ein neues Dach geworden. Und ich bin sehr froh, damals zu dieser Entscheidung gekommen zu sein.

    Das war damals das selbstgenutzte EFH. Auf die besonderen Anforderungen bei vermieteten Objekten haben Dich die Experten hingewiesen.

  • Inzwischen habe ich doch ein Beispiel von einem Folienanbieter gefunden, dass zu Deiner Beschreibung passt

    Berufliches Interesse geweckt?


    Das Thema der traufseitigen Belüftung UND Entwässerung wird von dem Anbieter vermutlich bewusst ausgeblendet ;)

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Berufliches Interesse geweckt?

    Jein: längere Diskussion mit der Mitarbeiterin, die rein zufällig eh grad an dem Thema war und die Frage ob die „fliegende Latte“ ein feststehender Fachbegriff ist - ist sie nur bei diesem Hersteller. Die Bauherrn wollen halt sparen - so aber nicht mit uns!

    Das Thema der traufseitigen Belüftung UND Entwässerung wird von dem Anbieter vermutlich bewusst ausgeblendet ;)

    Nein, er weist zwar explizit auf die Existenz des Problems hin, nennt aber nicht die geeignete praktische Umsetzung!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Ich persönlich halte nicht viel von der Variante eine Unterspannbahn nachträglich von innen einzuziehen. Zum einen entspricht es nicht den a.R.d.T. zum zweiten kann ich mir kaum vorstellen, das jemand wegen einer Dämmmaßnahme ein Gerüst stellt, in jedem Sparrenfeld eine Entwässerungsöffnung über den gesamten Zwischensparrenraum schafft ( mal ganz davon abgesehen, dass man hier durch die Traufschalung/Dachüberstand nicht wirklich gut drankommt ) nur um 12 cm Zwischensparrendämmung mit einer Unterspannbahn von innen anzubringen.

    Ein weiterer Punkt ist, die Dacheindeckung aus Tonziegel haben zwar jetzt keine Hinterlüftung, sind jedoch luftumspült. ( jeder Tonziegel nimmt Feuchtigkeit auf, die er aber immer gerne wieder durch die Hinterlüftung loswerden möchte ), wenn man jetzt alles ausdämmt ( bis an die Traglattung ) nimmt man der Eindeckung die Möglichkeit, die aufgenommene Feuchtigkeit kurzfristig wieder abzugeben, das kann zur vorzeitigen Zerstörung der Eindeckung führen, deßhalb würde ich von so einer Variante gänzlich abraten.

  • Mal angenommen, die Raumhöhe wäre kein Problem: Könnte man dann den ganzen Aufbau unterhalb der Sparren durchführen? Also statt einer Zwischen- eine Untersparrendämmung und die Unterspannbahn also in einer Ebene(!) unter statt über den Sparren?


    Ich vermute, üblicherweise kommt diese Variante schon wegen der Raumhöhe nicht in Betracht. Welche Herausforderungen gibt es da noch?

  • Die Einleitung des Niederschlagswasser in die Traufe dürfte schwierig werden, der Versprung in der Wärmedämmebene auch problematisch.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Zunächst erst einmal vielen Dank für die rege Beteiligung und den fachkundigen Input! Ich werde im Folgenden zu allen Beiträgen kurz schreiben und auch das Eine oder Andere noch richtigstellen.

    Dach neu machen:
    Das habe ich beim selbstbewohnten Eigentum genau so gemacht (komplett neuer Dachstuhl mit Aufsparrendämmung), weil es auch meines Erachtens die einzig saubere Lösung darstellt. Aber hier kommt es definitiv nicht in Betracht, da die Aufwände dafür zu groß und der Ertrag viel zu gering wäre. Es bedarf also (leider!) einer schnellen "Schmalhans-Lösung", auch wenn ich davon beileibe kein Freund bin. Hier auch nochmal kurz zur Klarstellung, da Skeptiker hier womöglich etwas mißverstanden hatte: In dem kleinen Häuschen möchte ich definitiv lediglich eine Zwischensparrendämmung machen (also auch ohne zusätzliche Untersparrendämmung) - die Aufsparrendämmung habe ich nur bei meinem eigenen Wohnhaus gemacht.

    Rechtliche Anforderungen:
    Sind insofern kein Thema, daß ich keine Umwidmung der Fläche vornehme, sondern es (auch wenn man es anhand der Bilder kaum glauben mag) offiziell bereits Wohnraum war. Ich verbessere also nur auf freiwilliger Basis den Bestand. Im Zweifelsfalle würde ich die die paar Quadratmeter lieber als Nutz- statt als Wohnfläche ausweisen, um mir hier rechtlich kein Bein zu stellen und höhere Anforderungen erfüllen zu müssen. Bei einem Speicher kann mir ja, allem grünen Wahnsinn zum Trotz, zum Glück noch niemand vorschreiben, wie ich den zu dämmen habe. Die eigentliche und sinnvoll vermietbare Wohnfläche des kleinen Häuschens liegt ohnehin im EG.
    Was den Brandschutz angeht, ist das ebenfalls kein Thema, da einerseits Bestand und es zudem ein ausreichend großes Fenster im Giebel gibt. Ich muß also keinen zusätzlichen Fluchtweg über die Dachfläche herstellen.

    Wasserableitung:
    Das Probleme sehe ich ebenfalls. Ich dachte allerdings, daß ich mit der "fliegenden Latte" zumindest ausreichend sicher verhindern kann, daß sich Nässe an den ungeschützten Sparren "einnistet", da durch die Latte ja das Gefälle der Unterspannbahn von diesen weg laufen würde. Ist das nicht der Fall?
    Das nächste Problem folgt natürlich auf dem Fuße: Die Entwässerung über die Fußpfette hinweg. Diese könnte man ggf. durch Kaschierung mit einem zusätzlichen Stück Unterspannbahn zumindest ein Stück weit noch schützen. Man kommt hier von innen noch einigermaßen bei, um hier etwas "zu friemeln", aber die Abführung von etwaigem ablaufendem Wassers nach draußen ist natürlich trotzdem, positiv gesprochen, eine Herausforderung, die noch zu lösen wäre.

    Gewicht / Tragfähigkeit:
    Ich habe hierzu nicht vorab einen Statiker befragt, gehe aber davon aus, daß die von mir gewählte Dämmung diesbez. kein Problem darstellen wird. Es handelt sich um leichte Glaswolle in geringer Stärke (12cm). Die Beplankung erfolgt mit Rigips und es wird keine zusätzliche Untersparrendämmung geben. Das Holz der Sparren ist zwar alt und krumm, aber gesund. Der Altbestand, der vor meinem Abriß vorhanden war (mehrere Schichten "Füllmaterial" plus enge Lattung und noch eine recht dicke und schwere Schicht von Gipsputz darüber), war im Übrigen schwerer als die jetzt geplante Dämmung. Insofern wird der Dachstuhl jetzt sogar noch entlastet.

    Zeithorizont:
    Nichts hält so lange wie ein Provisorium! :grinning_squinting_face: Aber klar, das ist natürlich keine Lösung für die Ewigkeit. Mein Ziel wäre es, daß die ganze Sache einmal eine mehrjährige Vermietung aushält, ohne daß ich größere Feuchteprobleme bekomme - Zeithorizont etwa 10 Jahre. Danach wäre der Kredit abbezahlt und dann auch ein neues Dach mit geringerem Gefälle und großzügig dimensionierten Gauben wieder bezahlbar. Das wäre ohnehin das langfristige Ziel. Und natürlich auch mit einer vernünftigen Aufsparrendämmung und einer neuen Eindeckung. So habe ich es auch bei meinem selbst bewohnten Haus gelöst und dadurch sehr viel "echten" Wohnraum gewonnen. Fünf Jahre, wie von diesem Hersteller angeführt, wäre für den hier betriebenen Aufwand selbstverständlich zu kurz. Aber ich gehe mal davon aus, daß der hier auch doppelt sicher kalkuliert und man durchaus davon ausgehen kann, daß dieses Provisorium nicht nach fünf Jahren in sich zusammenfallen wird.

    Hinterlüftung der Tonziegel:
    Ist definitiv ein Thema. Ich habe hier die Info gefunden, daß 1-2cm als Hinterlüftung ausreichend sein sollen. Da die Dämmung nicht "preß" auf die Tonziegel geschoben wird und die Unterspannbahn durch die "fliegende Latte" und die bestehende Lattung einen gewissen Abstand zwischen Dämmung und Ziegel sicherstellt, wäre das ja gegeben, wenn ich es so mache, wie auf dem von Skeptiker verlinkten Merkblatt bzw. der von mir im ersten Beitrag verlinkten Skizze ausführe. Im Bereich der fliegenden Latte wären es dann tatsächlich mehr als 2cm Abstand zwischen Unterspannbahn/Dämmung und Ziegel, im Bereich zu den Sparren hin immerhin noch immer gut 1cm.

    Aufbau unterhalb der Sparren:
    Das wäre natürlich die deutlich "schönere" Variante, aber würde den Raum so weit minimieren, daß er kaum noch sinnvoll nutzbar wäre. In diesem Falle würde ich dann tatsächlich eher noch eine Geschoßdeckendämmung machen. Das wäre aber für mich nur dann eine Option, wenn ich das Dach wirklich auf gar keinen Fall auch nur halbwegs ordentlich gedämmt bekäme. Da die frühere Variante der "Dämmung" (erstaunlicherweise!) Jahrzehnte ohne Probleme überstanden hat - und das ganz ohne Unterspannbahn und Hinterlüftung - gehe ich aber davon aus, daß das nicht erforderlich sein wird.

    Ich hoffe, ich habe nichts vergessen zu erwähnen und freue mich weiter über Ihren Input!

  • und wenn Du stattdessen mit der Mineralwolle die oberste Geschossdecke dämmst?

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung


  • Hinterlüftung der Tonziegel:
    Ist definitiv ein Thema. Ich habe hier die Info gefunden, daß 1-2cm als Hinterlüftung ausreichend sein sollen. Da die Dämmung nicht "preß" auf die Tonziegel geschoben wird und die Unterspannbahn durch die "fliegende Latte" und die bestehende Lattung einen gewissen Abstand zwischen Dämmung und Ziegel sicherstellt, wäre das ja gegeben, wenn ich es so mache, wie auf dem von Skeptiker verlinkten Merkblatt bzw. der von mir im ersten Beitrag verlinkten Skizze ausführe. Im Bereich der fliegenden Latte wären es dann tatsächlich mehr als 2cm Abstand zwischen Unterspannbahn/Dämmung und Ziegel, im Bereich zu den Sparren hin immerhin noch immer gut 1cm.

    und woher soll die Luft kommen bzw. wie soll sie abgeleitet werden? An sich bräuchtest Du noch traufseitig für jedes Gefach einen Belüftungsmöglichkeit und im Firstbereich je eine Entlüftung.

    Abgesehen davon halte ich selbst bei der gezeigten Dachneigung die 2cm für grenzwertig, über 1cm braucht man erst gar nicht reden, aber ich weiß, das ist ein Punkt über den man lange streiten könnte. Besonders ärgerlich wird es jedoch, wenn die Hinterlüftung später nicht funktioniert. Dann hat man viel Zeit und Geld investiert und darf noch einmal von vorne anfangen.


    Deine "Konstruktion" käme im Idealfall bei 60cm Sparrenzwischenraum auf ca. 90cm², das ist nicht viel. Hinzu kommt, dass die Dachlatten die Strömung "behindern", d.h. die Strömungsverhältnisse kann man nicht als laminar ansetzen, die Druckverluste steigen. Da fragt man sich, woher die Energie kommen soll, damit sich hier eine funktionierende Hinterlüftung einstellt. Normalerweise geht man davon aus, dass Wind und/oder eine hohe Temperatur der Dacheindeckung durch Sonneneinstrahlung ausreichen, um die Hinterlüftung in Gang zu setzen. Wenn das aber aufgrund der o.g. Bedingungen nicht ausreicht, was dann? Ich wüsste jetzt nicht wie ich das abschätzen soll wenn die Hinterlüftung nicht oder nur für wenige Stunden im Jahr funktioniert.


    Mein Tipp: Vorsicht bei solchen Sonderlösungen

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Den langen Text lese ich erst später.


    Das GEG ist unabhängig von baurechtlichen Nutzungsänderungen bei allen wesentlichen baulichen Veränderungen von Bauteilen zu beachten, also immer dann, wenn Bauteile wesentlich umgebaut werden. Dabei ist sowohl der Flächenanteil wie auch die Intensität des Eingriffs relevant. Vielleicht kann Anda dazu mehr schreiben.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Es hilft nix. Alles ausschließlich von innen zu machen geht nicht, bzw ist Pfusch. Sicher, kannst machen. Evtl. hält die Dachkonstruktion 10 oder 20 Jahre. Aber dann ist das Dach definitiv kaputt und dürfte zur Gefahr für Leib und Leben werden und muss komplett neu gemacht werden. Weitere Diskussionen erübrigen sich IMHO. Entweder Gerüst aufstellen, Dach abdecken und von außen alles machen und neu eindecken, oder bleiben lassen und nur die Decke für die Räume darunter dämmen. Dachraum dann als Lagerraum nutzen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Nochmals vielen Dank an alle, die hier fleißig kommentiert haben! Das Credo fiel ja - leider! - sehr eindeutig aus: Es gibt letztendlich wohl einfach keine fachgerechte und langlebige Lösung, die ohne das Aufstellen eines Gerüsts im Nachbarhof und das Abdecken (und ggf. sogar noch weitere Arbeiten) auskommt.
    Da das Dach ohnehin alt und die Sparrenstärke unzureichend ist und auch der potentielle Wohnraum im DG, zumindest bei der aktuellen Konstruktion als gaubenloses Satteldach, sehr begrenzt ist, wird es hier keine aus finanzieller Sicht vernünftige Lösung geben. Ich werde mich also auf jeden Fall mit dem unschönen Gedanken anfreunden müssen, den Dachstuhl in einigen Jahren komplett neu zu machen, so wie ich es auch in meinem selbst bewohnten Haus gemacht habe.
    Bis dahin wird es auf eine Minimax-Lösung hinauslaufen - entweder als einfache und günstige Geschoßdeckendämmung oder eben doch in der etwas abenteuerlichen Variante mit der "fliegenden Latte". Für Erstere spräche die Möglichkeit einer fachgerechten Ausführung, allerdings zum Preis des vollständigen Verlusts des DG für Wohnzwecke. Für Letztere sprächen der zusätzliche nutzbare Raum und auch der Umstand, daß das Dach in all den Jahrzehnten tatsächlich sehr trocken war, sodaß das Provisorium durchaus eine Weile halten sollte. Zumindest so lange, bis der Dachstuhl dann ohnehin abgerissen und (mit einer anständigen Aufsparrendämmung und großzügigen Gauben) vollständig neu aufgebaut wird.
    Ich werde diesbez. noch einmal in mich gehen und dann, zwar ohne überzeugende Lösung, aber nunmehr immerhin mit dem notwendigen Hintergrundwissen ausgestattet, die für meine Zwecke bestmögliche Lösung auswählen. Danke für den wertvollen fachlichen Input, der mir bei meiner Entscheidungsfindung sehr geholfen hat!