Antennenmast ohne Antenne erden?

  • Hallo, ich wäre sehr dankbar für einen Rat, da ich meinen Fall noch in keinem Forenbeitrag gefunden habe: Auf das Dach einer Doppelhaushälfte Bj. 95 soll ein Antennenmast mit einer üblichen Dachsparrenhalterung gesetzt werden - jedoch ohne Antenne, es gibt also keine Leitungen, die in das Haus führen. Der Mast muss jedoch hoch angebaut werden, da er 50 cm über die Dachkante hinausragen soll. Das würde einer Gesamthöhe von c.a. 10 m entsprechen. An diesem Mast soll später waagerecht ein Kunststoffseil besfestigt werden, das über die Dachkante hinweg nach hinten Richtung Garten gespannt werden soll und dann nach etwa 3-5 m in einen max 2 qmm starken Antennendraht übergeht, der eine ca. 30 m lange Amateurfunkantenne bilden soll. Meine Frage: Muss dieser Mast nach den gängigen Normen blitzstromtragfähig geerdet werden? Dumme Zusatzfrage: Würde sich an der Situation etwas ändern, wenn nur der Sparrenhalter aus Metall wäre und der Mast selbst aus GFK? Vielen Dank schon mal im Voraus.

  • Zu diesem Thema kann Dir Dipol sicherlich einen ganzen Roman schreiben, bei den Normen bin ich jetzt nicht auf dem aktuellen Stand. ;)


    Gibt es am Haus eine Blitzschutzanlage? (also das was man umgangssprachlich als "Blitzableiter" bezeichnet).

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  • Hallo und Willkommen im Forum!

    Auf das Dach einer Doppelhaushälfte Bj. 95 soll ein Antennenmast mit einer üblichen Dachsparrenhalterung gesetzt werden - jedoch ohne Antenne, es gibt also keine Leitungen, die in das Haus führen. Der Mast muss jedoch hoch angebaut werden, da er 50 cm über die Dachkante hinausragen soll.

    Wenn das Gebäude eine Blitzschutzanlage hat, wäre die Reihe IEC 62305 zu beachten. Ohne LPS gilt für die Montage von Empfangsantennen primär die IEC 60728-11 und für Funksende-/-empfangsantennen derzeit noch die nationale Sondernorm DIN VDE 0855-300.


    Kurioserweise müsste der Dachsparrenhalter auf Gebäuden ohne LPS auch dann nicht blitzstromtragfähig geerdet werden, wenn an ihm z. B. eine Wetterstation angebracht wäre. Wegen einem Kunststoffseil muss ein metallischer Dachsparrenhalter nicht blitzstromtragfähig geerdet werden.


    EDIT: Roman-Ende. :)

  • Und jetzt sollten wir den TE noch darauf hinweisen, dass er die Antennenleitung in´s Gebäude absichern soll, damit er nach dem nächsten Unwetter nicht seine Gerätschaften reparieren muss. ;)

    Ich weiß, das wird oft nicht gemacht, aber es ist immer ärgerlich, wenn man die Kiste einschaltet und sie ist taub, und man dann von der Antennebuchse bis zum Mischer alles austauschen darf. :lach:

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  • Danke für die Antwort. Das Gebäude hat keine Blitzschutzanlage. Das scheint die Sache günstig zu machen. Dann lege ich mal los.

  • Würdest Du mir (uns) noch erzählen, was für eine Langdraht Du aufbauen möchtest?


    Übrigens:


    und der Mast selbst aus GFK?

    Ich bin ein Fan von GFK und nutze die schon seit Jahrzehnten für alle möglichen Antennenanwendungen.

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  • Die Antenne soll ein nichtresonanter Dipol (Doublet, Doppelzepp, wie auch immer genannt) werden mit einer Länge von etwa 2 x 10 m + Hühnerleiterspeisung. Höhe etwa 9 ... 10 m. Angeschlossen an einen symmetrischen Tuner Marke Eigenbau. Die Längen von Antenne und Hühnerleiter muss ich mir noch überlegen, damit des Strahlungsdiagramm nicht zu sehr aufzipfelt, aber auch die Eingangsimpedanz der Hühnerleiter bei keiner Frequenz zu hochohmig wird. Meine XYL und ich haben ein eher schmales längliches Grundstück, das soll ausgenutzt werden.

  • Ah, dann also symmetrische Speisung. Mich hatte zuerst der folgende Satz verwirrt:


    und dann nach etwa 3-5 m in einen max 2 qmm starken Antennendraht übergeht,

    Ich dachte zuerst Du möchtest an dem Punkt einspeisen, also bei etwa 1/10 Länge. Beim zweiten Lesen habe ich dann meinen Fehler bemerkt.


    Ja, lang ist´s her. Ich sollte vielleicht mal wieder meinen alten Rothammel aus dem Regal holen. Richtig old school, nix pdf. ;)

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  • Und jetzt sollten wir den TE noch darauf hinweisen, dass er die Antennenleitung in´s Gebäude absichern soll, damit er nach dem nächsten Unwetter nicht seine Gerätschaften reparieren muss. ;)

    Ganz meiner Meinung, aber siehe die (noch) aktuelle Normausgabe:

    Zitat von DIN VDE 0855-300:2008-08

    12.3.1 Ausführung von Erdung und Potentialausgleich


    Die Forderung nach 12.3.1 (Einbeziehung der metallenen Kabelschirmen der Antennenspeiseleitungen in den Potentialausgleich) gilt nicht für Drahtantennen des CB- und Amateurfunks.

    Diese mit der Reihe DIN VDE 0100 und IEC 60728-11 unvereinbare Befreiung kam durch Lobby-Einfluss in die Norm, demzufolge sich Blitzströme nach Aufschmelzung von Langdrähten anscheinend in Wohlgefallen auflösen. In E DIN VDE 0855-300:2025-01 wurde dieser m. E. physikalisch unverantwortliche Humbug gestrichen


    Viele OMs fürchten sich ja selbst bei Vertikalantennen mehr vor statischen Aufladungen als vor atmosphärischen Entladungen.

    Ja, lang ist´s her. Ich sollte vielleicht mal wieder meinen alten Rothammel aus dem Regal holen. Richtig old school, nix pdf. ;)

    Der ist wie die Lehrgangsbücher von Moltrecht oder die Lichtblicke von Lindemann hf-technisch top. Aber in Sicherheitsfragen verstrahlen die Publikationen alle den Charme längst abgelöster Normen aus Ost und West. Meine 12. Rothammel-Ausgabe, 4. Druckausgabe von 2006, macht da leider keine Ausnahme.

  • Den Oldies ging es primär um HF, ich habe hier noch die 9. Auflage, Druckdatum 1988 im Schrank, die habe ich mir nach dem Studium gegönnt. Als Schüler konnte man sich das ja nicht leisten.

    Da steht noch "Durchgesehen und eingerichtet für die Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland" (von Dipl. Ing. A. Stark)

    Das musste damals noch vom Militärverlag der DDR (VEB) - Berlin genehmigt werden.


    Pflichtlektüre zusammen mit dem Nührmann oder dem HF Arbeitsbuch von Eric T. Red. Die haben alle einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal. Auch wenn teilweise schon veraltet, an den Grundlagen hat sich ja nicht viel geändert, Physik ist und bleibt eben Physik.

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  • Naja, es hindert einen keiner eine Blitzschutzsicherung zu integrieren. Als ich damals beim Jobben in den Semesterferien Schaltschränke zusammengebaut habe, war das in der Firma Standard. Die paar Euro würde ich mir gönnen um meine Anlage zu schützen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Das sollte man wirklich in Erwägung ziehen. Antennenports werden nur mit 500V (1,2/50µs) geprüft (EN61000-4-5 / EN55035), da steckt kaum Energie dahinter. Gerade auf Langdrahtantennen kann eine Menge Energie aufkoppeln, selbst wenn es nicht zu einem direkten Blitzeinschlag kommt. Da zerlegt es die (oftmals genutzten) Schutzdioden schon bevor die Hauptenergie am Antenneneingang ankommt.

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  • ... an den Grundlagen hat sich ja nicht viel geändert, Physik ist und bleibt eben Physik.

    Die Physik der Natur hat sich nicht geändert, die Erkenntnisse darüber aber schon.


    Wenn man bei Blitzschutzanlagen vergleicht wie die Berechnung der Trennungsabstände nach Altnormen noch ohne das Wissen aus Hochspannungslaboren von den aktuellen Formel abweichen, gerät man unwillkürlich ins Grübeln. Die Normen für Antennensicherheit wurden nur moderat geändert, was sie vor skurrilen Aussagen nicht bewahrt hat.


    3 Beispiele, warum man bei Fragen zu Blitzschutz, Erdung und Potentialausgleich den Rothammel an seinem Ehrenplatz im Regal lassen sollte:

    Zitat von Rothammels Antennenbuch, Drucklegung 2006

    Für die Funkamateure existiert momentan keine umfassende Vorschrift.

    ...

    Ist eine Blitzschutzanlage vorhanden, so müssen die Antenne bzw. der Antennenträger auf kurzem Wege mit einer Potentialausgleichsleitung von mindestens 4 mm² Querschnitt aus Kupfer blank oder isoliert (grün-gelb) mit der Blitzschutzanlage verbunden sein.

    ...

    Von einem Gebäude abgesetzt errichtete Antennenanlagen sind mit einer Ableitung von ausreichendem Querschnitt (16 mm² Cu, 25 mm² Al, 50 mm² Stahl verzinkt) mit einem Staberder aus verzinktem Stahl von mindestens 1,5 m Länge oder einem Banderder aus verzinktem Stahl von mindestens 3 m Länge, der mindestens 0,5 m tief im Erdreich verlegt ist, verbunden sein.

    Die Fehler wurden dem Verlag gemeldet. Ob sie wenigsten in der letzten Ausgabe vom Autor Krischke (Jahrgang 1936) beseitigt wurden, weiß ich nicht.


    Noch ein Nostalgie-Knaller:

    Zitat von Amateurfunk-Lehrgang A, DJ4UF von 2021

    Erdungsleitungen innerhalb von Gebäuden dürfen bis zu 1 m aus dem Gebäude herausgeführt werden.

    Der Stuss ist noch auf der DARC-Homepage in der Moltrecht-Schulung zu alten Prüfungsfragen nachzulesen. Das wurde aus der DIN VDE 0855-1:1971-07 abgeschrieben und galt damals auch nur für blanke Erdungsleiter aus bis 1984 zulässigem Erdungsleiter-Querschnitt aus 10 mm² Cu.

  • Ich muss gestehen, ich bin jetzt seit ca. 47 Jahren Mitglied beim DARC und habe noch nie auf die Webseite geschaut.


    Mit den Grundlagen der Physik meinte ich natürlich die Berechnungen der verschiedenen Antennenstrukturen. Auch die HF Schaltungen von Red funktionieren heute noch so wie damals. Natürlich sind einige Schaltungen heute überholt weil man bessere Bauteile zur Verfügung hat. Ich habe damals für meine Dipl. Arbeit ja auch schon integrierte Mischer oder ZF Bausteine verwendeten, anstatt das alles konventionell aufzubauen, oder MMICs anstatt Dual Gate FET mit einer Unmenge an Induktivitäten.

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  • Danke für die weiteren Tipps. Den Antennentuner im Garten, wo die Hühnerleiter von oben hineingeht, wollte ich über einen richtigen V4A-Staberder nach Norm erden. Da wäre dann auch der Schirm aufgelegt. Und die Koaxialleitung ziehe ich vom Transceiver erstmal ab, wenns gewittert oder keiner zu Hause ist. Das müsste erstmal reichen, oder?


    Aber möglicherweise hat sich eh alles erstmal erledigt, denn ich bekomme (Nagold, 50 km von Stuttgart entfernt), keinen Handwerker, der mir den Mast auf dem Dach anbringt. Habe schon 15 (!) Firmen angeschrieben (Dachdecker, Elektriker, sogar eine große Blitzschutzfirma). Zwei Absagen, sonst keine Antworten. 1 x von einem MyHammer-Handwerker nach Terminvereinbarung versetzt worden (Ich weis, MyHammer ist ein Kapitel für sich). Ziemlich enttäuschend.


    Und selbst kann ich nicht aufs Dach, dafür bin ich zu alt. Alles andere kriege ich ja selbst hin.


    Meine letzte Hoffnung ist, die Antenne am Firstbalken zu befestigen. Der steht nämlich schön old-fashioned aus dem Giebel raus. Aber auch da muss man erstmal rankommen. Da müsste mir ein Fensterbauer eine Scheibe aus einem Fenster raus- und wieder einsetzen, habe schon einen angeschrieben, aber wenig Hoffnung. Und von aussen wäre das viel zu hoch, etwa 9 m.


    VG

  • Kommst Du von innen an die Dachfläche ran? Dachfenster o.ä.?

    Vielleicht findest Du damit nicht die ideale Position, aber besser ein Kompromiss als gar nichts.


    (Dachdecker, Elektriker, sogar eine große Blitzschutzfirma). Zwei Absagen, sonst keine Antworten.

    Für Handwerker lohnt sich das nicht. Gibt es niemanden im Ortsverband der hier helfen könnte? Bei uns waren das immer Gemeinschaftsprojekte, da fanden sich fast immer ein paar helfende Hände.


    Ergänzung:

    Achte darauf, ob Du den kleinen Mast evtl. in eine Richtung abspannen musst, falls Du durch die Antenne zu viel Zug auf den Mast bekommst. Bei der Langdraht könnte es an sich ohne funktionieren, aber Du hast halt ständig Zug auf der Halterung, und wenn im Winter ordentlich Eis an der 30m Strippe hängt, ist das nicht gerade wenig.

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  • Den Antennentuner im Garten, wo die Hühnerleiter von oben hineingeht, wollte ich über einen richtigen V4A-Staberder nach Norm erden. Da wäre dann auch der Schirm aufgelegt. Und die Koaxialleitung ziehe ich vom Transceiver erstmal ab, wenns gewittert oder keiner zu Hause ist. Das müsste erstmal reichen, oder?

    Das klingt stark nach einem netzgespeisten Betrieb in einer Gartenhütte?


    Nicht nur Krischke hat im Rothammel die damals noch für Afu zuständige DIN EN 50083-1 (VDE 0855-1):1994-03 als auch die erste DIN VDE 0855-300:2000-04 verschlafen, sondern auch Moltrecht.


    Als ich DJ4UF am 18.09.2013 darauf hingewiesen hatte, dass die Mindestlänge von Vertikalerdern von 1,5 m auf 2,5 m und von Horizontalerdern von 3 auf 5 bzw. 2 x 2,5 m Strahlenerder vergrößert wurde, war ihm das in seinem spanischen Alterswohnsitz neu. Seitdem ist noch eine Anpassung an die Blitzschutznormen hinzugekommen, wonach Tiefenerder mit 2,5 m Mindestlänge (oder auch 2 x 1,5 m) um 0,5 m unter Grund versenkt oder für oberdirdischen Anschluss von Erdungsleitern entsprechend länger sein müssen. Ob NIRO bei dir wirklich Pflicht ist, ist noch fraglich.


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