Elastisch gebundene Splittschüttung - Unterschiede zwischen verschiedenen Systemen? (Köhnke/GEMA)

  • Hallo zusammen,


    in unserem Fußbodenaufbau im OG sind aus Schallschutzgründen 40mm elastisch gebundene Splittschüttung auf der Holzbalkendecke eingeplant (drunter OSB, drüber Floorrock).
    Angeboten war ursprünglich mal Köhnke K102 Splittbinder auf Latexbasis, aber GEMA der elastifizierte Splittbinder (lila).
    Der Ausführende ist wohl nur zu GEMA gewechselt, weil er Restmengen davon wieder los wird.
    Daran soll es aber mal nun nicht scheitern, wir wollen natürlich das Optimum an Schallschutz haben und nicht die günstigste Alternative.


    Schon die Korngrößen der beiden Systeme sind unterschiedlich (Köhnke 4-8, GEMA 2-5), aber auch das Material ist komplett verschiieden (Köhnke Latexbasis, GEMA Zementbasis).

    Mir fehlt da etwas die Phantasie, dass da am Ende das gleiche rauskommt - für mich sind das erst mal komplett unterschiedliche Dinge.
    Und ich habe leider auch keine gut vergleichbaren Aussagen zum Schallschutz der beiden Systeme gefunden.


    Hat jemand Erfahrungen mit diesen oder ähnlichen Systemen, bietet eines davon effektiv besseren Schallschutz?

    Oder fallen euch vielleicht noch alternative, eher empfehlenswerte Produkte ein?


    LG

  • Beide Produkte sind mir nicht vertraut. Die Links zu den Produkten "verraten" ebenfalls nichts.


    Produktberatung ist hier unerwünscht.

    Was bleibt an Fragen?


    PS.: Frage den, der den Aufbau empfohlen hat.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Ob ein zementbasierter Splittbinder akustisch gleichwertig zu einer Latexbindung ist zum Beispiel.
    Woher soll der Verarbeiter das wissen? Der bekommt nach dem Einbau wohl eher kein Feedback mehr.

  • Es gibt unterschiedlichste gebundene Schüttungen. Die beiden hier genannten sind mir nicht bekannt, aber die gemessenen bauakustischen Kennwerte sollten veröffentlicht sein und ließen sich damit vergleichen. Das würde ich als erstes tun. Bei oberflächlichem Vergleich geben beide hier genannten Systemanbieter eine „elastische Bindung“ an. Da ich keine Ahnung habe, was das heißen soll, würde ich deshalb die (möglichst unabhängig erstellten)

    bauakustischen Kennwerte … vergleichen

    !


    Sollten solche Kennwerte nicht verfügbar sein, so würde ich erstmal Produkte vergleichen, deren Kennwerte bekannt sind.


    Grundsätzlich verbessern elastisch oder schwach gebundene Schüttungen als eine (sehr) leichte elastische Schicht die Trittschalldämmwirkung von Bodenaufbauten und können sich zusammen mit einer klassischen Faserdämmung durch eine andere dynamische Steifigkeit und Dämpfung eines anderen Frequenzbereichs als diese zu einem bauakustisch sehr leistungsstarken Bodenaufbau ergänzen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung. Beiträge und Beitragsteile als Moderator ab 04/23 kursiv gesetzt.

  • Mir fehlt da etwas die Phantasie, dass da am Ende das gleiche rauskommt - für mich sind das erst mal komplett unterschiedliche Dinge.

    Das Ergebnis kann schon vergleichbar sein, weil dieses nur bedingt von der Bindung abhängt. Viel mehr Einfluss haben Schichtdicken und der gesamte Aufbau. In den Datenblättern finden sich keine exakten Daten zur Schalldämmung, weil diese ja von der Schichtdicke und Korngröße (Masse) abhängt. Man kann also nicht so einfach ein Schalldämm-Maß von x dB angeben, oder ein Verbesserungs-Maß von y dB.


    Geht es hier um einen Neubau, oder eine Holzbalkendecke im Bestand die modernisiert werden soll?


    wir wollen natürlich das Optimum an Schallschutz haben und nicht die günstigste Alternative.

    In diesem Fall würde ich mit den Handwerkern nicht irgendwelche Materialien vereinbaren, deren Verarbeitung ich sowieso nicht kontrollieren kann, sondern bereits in der Planung das Ziel festlegen das erreicht werden soll. Beispielsweise Schallschutzstufe x nach VDI4100 o.ä. Das hat den Vorteil, dass man das Ergebnis relativ einfach messtechnisch überprüfen kann.

    Vereinbarst Du nur "gebunde Schüttung Hersteller abc in Stärke x cm" dann ist der Auftrag erfüllt, wenn diese x cm eingebracht wurden, unabhängig davon, was an Schalldämmung letztendlich erreicht wurde. Wie Du ja schon festgestellt hast, gibt es in den Datenblättern keine "Zahl in dB" an der Du den Erfolg festmachen könntest.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Bei oberflächlichem Vergleich geben beide hier genannten Systemanbieter eine „elastische Bindung“ an. Da ich keine Ahnung habe, was das heißen soll

    Bei Latex im K102 ist das ja noch einigermaßen einfach, da klebt der Splitt elastisch zusammen.
    Nur eine elastische Bindung auf Zementbasis kann ich mir eben beim besten Willen nicht vorstellen.
    Das mag man nach irgendeiner Definition vielleicht elastisch nennen können, wird aber kaum das Gleiche sein.

    Da ich keine Ahnung habe, was das heißen soll, würde ich deshalb die (möglichst unabhängig erstellten)

    bauakustischen Kennwerte … vergleichen!
    Sollten solche Kennwerte nicht verfügbar sein, so würde ich erstmal Produkte vergleichen, deren Kennwerte bekannt sind.

    Da habe ich nun tatsächlich eine passende Studie gefunden: https://www.irbnet.de/daten/rswb/17059017176.pdf
    Die enthält zumindest mal das Köhnke System und noch einige weitere Alternativen sowie wilde Experimente.

    Was mir jetzt fehlt, ist eigentlich "nur noch" das Wissen, welches der Mittelchen am nähesten an den GEMA Splittbinder rankommt.


    Es ist in der Studie die Rede von einer "zementgebundenen Schüttung (QuickBalance)", die ist dann aber in der Definition der Studie nicht mehr elastisch sondern steif - und schneidet von allen Versuchsaufbeuten auch deutlich am schlechtesten ab.


    Ich bin deswegen jetzt erst mal ein wenig verunsichert.

  • in unserem Fußbodenaufbau im OG sind aus Schallschutzgründen 40mm elastisch gebundene Splittschüttung auf der Holzbalkendecke eingeplant

    ... und woran scheitert

    PS.: Frage den, der den Aufbau empfohlen hat.

    "empfohlen" kann man gern auch durch "geplant" ersetzen ;)

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Was mir jetzt fehlt, ist eigentlich "nur noch" das Wissen, welches der Mittelchen am nähesten an den GEMA Splittbinder rankommt.

    An sich steht alles auf den Seiten 72-89. Für Deinen Vergleich würde ich auf S.80 bzw. 81 die Varianten 2.1 und 2.3 heranziehen, und Du wirst feststellen, dass der Unterschied marginal ist, denn die Gesamtschalldämmung der Decke hängt von sehr vielen Faktoren ab. Ob da nun ein bisschen mehr oder weniger Bindemittel beigemischt wird, das spielt keine Rolle, zumal in beiden Fällen ein "elastisches Bindemittel" zum Einsatz kommt.

    Zu Deinem gesamten Aufbau hast Du aber noch nichts geschrieben, so dass man die bei Dir geplante Schüttung, die ohnehin nur 40 mm Dicke haben soll, sowieso kaum bewerten kann. Fakt ist, es wird sich durch die Schüttung eine Verbesserung einstellen. Diese wird, soweit man das anhand der mageren Infos überhaupt abschätzen kann, irgendwo zwischen 5 und 10 dB liegen. Ob nun Variante A vielleicht 1 oder 2 dB besser ist (Latex ver. elastifizierte Zementmischung), das spielt bei der Gesamtbetrachtung nur noch eine untergeordnete Rolle. Ich gebe zu Bedenken, dass bei solchen Aufbauten und Messergebnissen, alleine schon aufgund der Messunsicherheit, vor allen Dingen aber aufgrund der Toleranzen der einzelnen Schichten, eine exakte Angabe der Schalldämmung kaum möglich ist. Hier über 1 oder 2dB zu philosophieren ergibt keinen Sinn.


    Abgesehen davon, wenn es Dir primär um Trittschall geht, dann würde ich mir vor allen Dingen Gedanken um die niedrigen Frequenzen machen. Unnötig zu erwähnen, dass hier auch die einzelnen Holzbalken bzw. deren Abstände und Spannweiten eine Rolle spielen, aber bisher ist noch nicht einmal bekannt, ob es sich um einen Neubau oder Bestand handelt, und wie die Decke am Ende aussehen soll.


    Mir ist irgendwie noch nicht klar was Du mit Deinem Handwerker vereinbart hast, denn davon hängt ab was Du an Leistung erwarten kannst. War ein bestimmtes Bindemittel vereinbart dann hat er das auch zu liefern und zu verbauen. Damit wäre die obige Diskussion überflüssig.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Ok, ich hatte befürchtet, dass es in Richtung 2.4 gehen könnte.
    Ich habe mittlerweile Köhnke K102 mit meinem Estrichleger vereinbart, das bestellt er nun auch

    Es ist ein Neubau, der samt Zwischendecke auch schon steht.

    Auf die Splittschüttung kommen noch 30mm Floorrock Acoustic CP3, eine dünne Hohlkammer Tackerplatte und darauf der Heizestrich und Fliesen.