Dampfsperrfolie oder nicht?

  • Hallo liebes Forum,


    hier mein Rauspundboden aus den Fünfzigern. Darunter Sand und eine dünne Betondecke. Darunter wiederum der eigentlich unbeheizte Keller. Warum eigentlich? Weil die derzeit noch verbaute Anlage den ganzen Keller durch Abwärme heizt. Wird sich noch ändern.

    Über diesen Boden und den angrenzenden, welcher sich widerum als Beton Estrich präsentiert, wird Fertigparkett gelegt.

    Meine Frage: Dampfsperrfolie über alles?

    Ich bekomme zum Fertigparkett gratis 5mm Holzfaser-Trittschalldämmung dazu. Mit dieser hab ich bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Die würde ich über die Folie legen. Nun war vorher Laminat verlegt und darunter diese dampfbremsende, trittschalldämmende, ich sag mal "Schaumfolie" verlegt. Ich denke ihr wisst welche ich meine. Hat scheinbar auch gut funktioniert. Was würdet ihr mir empfehlen?

    Ich kann am den Rändern nicht sauber an die Wände anarbeiten, da Vor- und Rücklauf Aufputz nah am Boden liegen. Was glaube ich nix macht. Kommt Holzverkleidung drüber. Würde gerne sagen Leisten. Aber es sind fast Kästen :grinning_squinting_face:

  • Bei Dampfbremsen und Dampfsperren stellt sich immer die Frage, in welcher Richtung sie eine Wasserdampfdiffusion von Warm nach Kalt unterbinden können und sollen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Bei Dampfbremsen und Dampfsperren stellt sich immer die Frage, in welcher Richtung sie eine Wasserdampfdiffusion von Warm nach Kalt unterbinden können und sollen.

    Und die Frage stellt sich mir. Wenn ich es richtig verstanden habe, lege ich auf einen kalten, mineralischen Boden eine Dampfsperrfolie, damit die feuchte, warme Raumluft nicht unter meinem Fertigparkett abkondensiert. Und wenn jetzt da Sand und Holz sind? Und auch noch, wie im Bild erkennbar mit dem Estrich aufeinandertreffen?

    Da wird mir der bauphysikalische Sachverhalt zu kompliziert. Mach ich was falsch da Folie drauf zu schmeißen? Ich will mir definitiv keine Schäden am teuren Fertigparkett einfangen, aber auch keine Champignons unter dem Rauspund züchten...

  • Ich habe mangels Rückmeldung meine KI befragt. Die sagt: auf dem Holzboden KEINE Dampfsperre, unbedingt diffusionsoffen bleiben. Also nur die HF Trittschalldämmung.

    Auf dem Estrich Folie, dann Trittschalldämmung.

    Übergang ist halt so wie er ist.

    Falls jemand Einwände hat,möge er diese nennen oder für immer schweigen. :nerd_face:

  • Ob hier eine Dampfsperre/-bremse sinnvoll oder gar notwendig ist, ergibt sich erst einmal aus den Raumklimabedingungen des Kellers. Ein unbeheizter Kellerraum, der größtenteils im Erdreich steckt, wird kaum eine Raumtemperatur unter 0°C aufweisen, Tiefsttemperatur vermutlich irgendwas zwischen 0°C und 5°C. Ist dieser Keller zudem "trocken" und es wird durch Nutzung keine Feuchtigkeit eingebracht, dann kann so ein Deckenaufbau auch ganz ohne Folie funktionieren, insbesondere dann, wenn die Kellerdecke raumseits etwas (wärme)gedämmt wird.


    In Deinem Fall ist es doch so, dass die Feuchtigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Luftfeuchtigkeit der darüber liegenden Räume resultiert (Annahme: Keller ist trocken). Eine Folie auf der Betonschicht würde bedeuten, dass mangels Dämmung die Feuchtigkeit in Deinen Holzschichten kondensiert, was diese schädigen kann. Man würde also die "Dampfsperre" möglichst nah an der Raumluft platzieren, damit der Bereich darunter trocken bleibt. Die Strategie, den Rauspund als Feuchtigkeitsspeicher zu missbrauchen, halte ich für gefährlich.


    ICH würde eine andere Strategie wählen. Mein Favorit wäre eine Kellerdeckendämmung, wobei wenige cm ausreichen sollten, damit im Deckenaufbau keine Raumluft mehr kondensieren kann (Annahme: Räume darüber ausreichend beheizt, Keller 0°C mit 60% und Raum darüber 22°C mit 60%). Damit würde die Situation drastisch entschärft, eine Folie mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar entbehrlich.


    Man könnte dann noch darüber philosophieren, ob die Folie einen weiteren Zweck erfüllen soll, also unabhängig von der Dampfdiffusion. Beispielsweise als "Gleitschicht" für den Oberbelag (Fertigparkett schwimmend verlegt). In meinen Augen wäre das bei einem dünnen Oberbelag vielleicht noch eine Überlegung wert, ansonsten eher uninteressant.

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  • Vielen Dank für die Antwort!

    Das mit dem Rauspund als Feuchtigkeitsspeicher verstehe ich nicht ganz. Wenn dann wäre doch die HF Trittschalldämmung der erste Feuchtepuffer unter dem Parkett?


    Also der Keller ist jedenfalls trocken. Tatsächlich geht es hauptsächlich, wie du sagtest um die Raumfeuchte oberhalb die kondensiert sobald der Keller kalt ist - und somit die Betondecke unter Rauspund/Sand. Wobei ich nicht weiß wie der Sand sich hier feuchtemäßig auswirkt.


    Der Hersteller weist halt explizit auf die Verlegung einer Dampfsperrfolie o.ä. bei der Verlegung auf Estrich hin, aber mir leuchtet deine Erläuterung auch ein.

    Werde wohl komplett nur HF Trittschalldämmung verlegen.


    Feuchtepuffer wäre dann der Estrich, oder?

  • Der Hersteller weist halt explizit auf die Verlegung einer Dampfsperrfolie o.ä. bei der Verlegung auf Estrich hin, ...

    Weil der typische "Verbraucher" als (Selbst-) Verleger bzw. Verlegerin von Laminat bzw. Fertigparkett kaum auf die Idee kommt, im Neubau die Feuchte des frischen Estrich zu messen, geschweige denn in der Lage ist, dies selbst zu tun. Es besteht also die Gefahr der Verlegung des Materials auf zu feuchtem Estrich. Was tut man also als Parkett- / Laminathersteller? Man empfiehlt pauschal und immer die Unterlage einer Dampfsperre, denn sicher ist sicher. Und wenn man die einfache PE-Folie noch auch noch mit ordentlicher Marge weiterverkaufen kann ... legen 9 von 10 Selbstverlegern eine unnötige PE-Folie und eine allenfalls eingeschränkt funktionierende "Gehschalldämmung" unter ihren Einweg-Bodenbelag und das Wirtschaftswachstum dankt.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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