Entlüftungsanlage Einfamilienhaus 60er Jahre - welche Technik

  • Hallo,


    ich habe schon viel im Forum über Lüftungen gelesen und habe mich jetzt angemeldet, um meine Fragen loszuwerden, damit ich letztendlich nichts falsch mache.


    In meinem 60er-Jahre Haus benötige ich eine Lüftung im Bad und in der Küche und habe bereits eine Deckenkernbohrung in den Speicher nach oben gemacht. Der Dachboden ist von oben mit Glaswolle gedämmt (das ist aber schon die einzige Dämmung des Hauses) und beim Dach sieht man von innen die Dachlatten und die Ziegel.

    Jetzt stehen also zwei 100mm Lüftungsrohre in den Speicher. An beiden Giebeln gibt es jeweils drei 100mm Belüftungslöcher wie es die Häuser damals oft hatten. Meine Idee war, hierdurch die Luft abzuleiten. Es sind 6m vom ersten Belüftungsrohr bis zum zweiten und dann noch 4m bis zum Giebel.


    Ich möchte eine reine Entlüftungsanlage mit 3 Stufen einbauen, also ohne Wärmetauscher.


    Die folgenden Fragen habe ich. Vielleicht kann mir jemand gute Tipps geben:

    • Was für ein Lüfter ist denn am besten geeignet? Ein Rohrlüfter? In Frankreich gibt es sogenannte VMCs (ventilation mecanique controlée), die mit Seilen am Dachgebälk befestigt sind. Was meint Ihr? Schließlich muß die Luft 10m bzw. 6m abtransportiert werden. Wenn Ihr mir ein Modell empfehlen könntet wäre klasse.
    • Welche Leitungen sollte ich am besten verwenden? Die weißen starren Belüftungsrohre oder die flexiblen mit Isolierung?
    • Ich denke alles sollte gut isoliert werden, damit kein Wasser in der kalten Jahreszeit entsteht, oder?
    • Brauche ich eigentlich einen Filter? Also in der Verkleidung der Abluftöffnungen?

    Macht das Sinn??


    Vielen Dank für Eure Tipps. Wenn Themen schon mal im Forum diskutiert wurden bitte gerne den Link schicken


    Danke

    Gruß

    Wolfgang

  • damit ich letztendlich nichts falsch mache.


    habe bereits eine Deckenkernbohrung in den Speicher nach oben gemacht.

    Andersherum wäre es sinnvoller gewesen: Erst fragen und dann bohren.

    Warum willst Du mit der Abluft einen 10m langen Weg durch den Dachboden nehmen und d wo soll die Luft herkommen, die Du zum Dach rausblasen willst?


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  • Hallo Thomas,


    stimmt natürlich - die beiden Bohrungen sind gemacht :)


    Die erste Bohrung in der Küche war eigentlich für die Dunstabzugshaube gedacht, aber der Schornsteinfeger hat mir davon abgeraten weil ein Holzofen in kurzer Entfernung steht. Die zweite Bohrung habe ich im guten Glauben :) letzte Woche gemacht. Mein Badezimmer ist sehr klein (3.5m2) und bis unter die Decke gefliest. Die Feuchtigkeit kann nirgendswo aufgenommen werden.
    So sieht es aus. Meinst Du ich sollte mir so einen Spezialziegel mit Abzugsöffnung besorgen? Wird bestimmt nicht so einfach bei den alten Ziegeln bei mir.

  • Was meint Ihr? Schließlich muß die Luft 10m bzw. 6m abtransportiert werden.

    Dein Badezimmer hat einen Luftinhalt von ca. 9m³, runden wir einmal auf 10m³ auf. Ein typ. Luftwechsel für Badezimmer von 5-10 1/h bedeutet, dass du zwischen 50m³/h und 100m³/h Luft aus dem Bad transportieren musst.

    Verwendest Du ein Rohr mit 100mm Durchmesser, dann ergibt das auf 10m einen Druckverlust von ca. 5-10Pa, je nachdem ob das Rohr eine glatte Innenwand hat oder ob es sich um Flexrohr (geriffelt) handelt. Maximal wäre der Druckverlust bei 100m³/h etwa 20-30Pa, wobei dann eine Strömungsgeschwindigkeit im Rohr von ca. 3,5m/s auftreten wird, was bereits zu erheblichen Geräuschen führen kann. Zudem wird man in dem kleinen Badezimmer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Luftzug spüren.

    Wo Luft raus soll, muss auch Luft wieder rein. In einfachsten Fall durch einen Spalt unterhalb der Tür, dann würde die Luft aus anderen Räumen/Flur geliefert. Bei so einem kleinen Raum lohnt sich eine Variante mit Zu- und Abluftöffnungen in der Wand wohl kaum.


    Ich würde nach einem Lüfter schauen, der die 50m³/h schafft und dabei den Druckverlust (max. 10Pa) überwinden kann. Diese Daten findet man üblicherweise in den technischen Datenblättern. Ideal wäre eine Geschwindigkeitregelung, zumindest in mehreren Stufen, damit man diese dem Bedarf entsprechend anpassen kann. Der hohe Luftwechsel ist ja nur während bzw. nach dem Duschen notwendig, ansonsten könnte der Lüfter in einer Grundstufe laufen oder ganz abgeschaltet werden. Das lässt sich manuell steuern oder halt per Automatik, je nach Aufwand den man betreiben möchte.


    Das Lüftungsrohr sollte man im kalten Dachboden von der kalten Außenluft isolieren indem man eine Wärmedämmung anbringt. Trotzdem besteht immer die Gefahr, dass es zu Kondensatbildung kommt. Hier kann ein Kondensatablauf Abhilfe schaffen. Das würde ich vor allem bei einer Deckendurchführung in Erwägung ziehen, da es ansonsten passieren kann, dass Kondensat von der Decke tropft.


    Ob man den Lüfter irgendwo im Rohrverluf montiert oder direkt an/in der Wand/Decke im Badezimmer, das kann man frei entscheiden. Ich würde ihn so montieren, dass man leicht wieder ran kommt, falls man reinigen möchte oder reparieren muss. Grundsätzlich gilt, dass auch bei der Elektroinstallation eine fachgerechte Montage sicherzustellen ist, also bitte nicht irgendwo, irgendwie ein bisschen Kabel anklemmen, Hauptsache es rauscht. Gerade im Dachstuhl wo man nur sehr selten mal vorbei schaut, ist Brandschutz sehr wichtig. Für die Dachdurchführung gibt es universelle Ausführungen die man für so ziemlich jede Dacheindeckung passend machen kann.

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  • Hallo R.B.,


    vielen Dank für Deine ausführlichen Erklärungen. Danke auch für den Tipp mit der universalen Dachdurchführung.
    Ich werde das so machen und mir einen Lüfter dieser Dimension holen. Wenn ich die Dachdurchführung in unmittelbarer Nähe des installierten Abluftrohres installiere ist ja auch der Druckverlust dann nicht mehr so hoch, wenn ich richtig verstanden haben.
    Meine alte Badezimmertür hat einen großen Spalt unten und hier kann die Luft dann nachströmen!

    Und klar: Kondensatablauf und Isolierung werden gemacht :)

    Vielen Dank für die wertvolle Hilfe - echt toll

    Gruß

    Wolfgang