Unterschiede Statik - Terrasse & Carport

  • Hallo zusammen,


    ich bin gerade dabei, ein Solarcarport aus Metall (Alu oder Stahl) mit Glas-Glas-Modulen anzufragen. Von der Form her entspricht es einer typischen, freistehenden Terrassenüberdachung (5,50m x 3,50m, längs am Haus, Gefälle zur langen Seite).

    Es gibt viele Anbieter, die sowohl Terrassenüberdachungen als auch Carports anbieten und auf Grund der Bauform ist es leichter, es als freistehendes Terrassendach zu konfigurieren.


    Zu meinen Laien-Frage:

    - Werden Carports statisch anders bemessen, berücksichtigen sie z.B. auch Anpralllasten?

    - Falls nein, gibt es andere Gründe, dass man eine Metall-Terrassenkonstruktion nicht auch als Carport einsetzen kann?


    Falls wichtig:

    - Windzone 1, Schneelastzone 1

    - Nur Solarmodule mit DIBt-Zulassung für Überkopfmontage


    Danke für eure Einschätzung!

    Alx

  • Ja.

    echt? Wir haben grad einen Carport für Mülltonnen gebaut. Da steht in der 100-seitigen Statik nichts über Horizontallasten aus Anprall und so ein 1.100-Liter Container mit Hausmüll wiegt ja auch schon etwas - rollt aber zugegebenermaßen nicht so arg schnell. Anprallschutz haben wir aber sowieso auf dem Boden verübeln lassen, damit die Tonnen alle schön grade aufgereiht stehen. Die Bauherrn sind schließlich etwas pedantisch ... ;) nein, wir nicht :lach:

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • echt? Wir haben grad einen Carport für Mülltonnen gebaut. Da sind in der 100-seitigen Statik nichts über Horizontallasten aus Anprall und so ein 1.100-Liter Container mit Hausmüll wiegt ja auch schon etwas - rollt aber zugegebenermaßen nicht so arg schnell. Anprallschutz haben wir aber sowieso auf dem Boden verübeln lassen, damit die Tonnen alle schon grade stehen. Die Bauherrn sind schließlich etwas pedantisch ... ;)

    Siehe DIN EN 1991-1-7, 4.3.1 (1) in Verbindung mit DIN EN 1991-1-7/NA NDP zu 4.3.1(1), Anmerkung 1 und Tabelle NA.2-4.1.


    Bei Einzel-/Doppel-Garagen und Carports für Pkw bis 3 t sind Anpralllasten in Höhe von 10 kN sowohl in Fahrtrichtung als auch rechtwinklig zur Fahrtrichtung anzusetzen, allerdings nur dann, wenn bei Ausfall der stützenden Bauteile die Standsicherheit des Carports gefährdet ist. Plant man den Carport allerdings so, dass der Carport den Ausfall einer Stütze überlebt, braucht keine Anpralllast berücksichtigt werden.


    Bei einem Carport könnte man das z. B. dadurch erreichen, dass je Seite drei Stützen angeordnet werden und die darüber liegenden Bauteile so ausgelegt werden, dass sie den Ausfall einer der drei Stützen vertragen - wenn man die Anpralllast nicht direkt berücksichtigen möchte, was zu großen Stützen führen kann.

    Beides wird bei einer Terrassenüberdachung nicht gemacht. Dort wird weder eine Anpralllast noch der Ausfall einer Stütze berücksichtigt, weil es hierfür in der Regel keinen Anlass gibt. Ausnahme wäre hier eine Terrassenüberdachung, die unmittelbar neben einer befahrenen Fläche liegt. Dann müsste auch hier eine Anpralllast bzw. ein Stützenausfall berücksichtigt werden. Allerdings glaube ich nicht, dass man eine entsprechende Überdachung bei einem Anbieter frei konfigurieren kann. Das wäre eher eine individuelle Anfertigung mit individueller Statik...

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Siehe DIN EN 1991-1-7, 4.3.1 (1) in Verbindung mit DIN EN 1991-1-7/NA NDP zu 4.3.1(1), Anmerkung 1 und Tabelle NA.2-4.1.


    Bei einem Carport könnte man das z. B. dadurch erreichen, dass je Seite drei Stützen angeordnet werden und die darüber liegenden Bauteile so ausgelegt werden, dass sie den Ausfall einer der drei Stützen vertragen - wenn man die Anpralllast nicht direkt berücksichtigen möchte, was zu großen Stützen führen kann.

    Okay, Du hast mir meine Sorgen genommen: Unser Müllcontainer-Port hat 9 + 4 Stützen!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Okay, Du hast mir meine Sorgen genommen: Unser Müllcontainer-Port hat 9 + 4 Stützen!

    Trotzdem müssen die Dachbalken und auch die Stützen dafür ausgelegt sein, den Ausfall einer Stütze aufnehmen zu können. Bei den Dachbalken ändert sich das statische System bzw. es vergrößern sich die Stützweiten, bei den verbleibenden Stützen vergrößern sich durch den Wegfall einer Stütze die Normalkräfte.


    Ich würde Dich eher dahingehend beruhigen, dass es sich bei der Überdachung des Stellplatzes von Müllcontainern nicht um einen Carport im Sinne der Norm handelt - vorausgesetzt, er befindet sich nicht unmittelbar neben einer befahrenen Fläche.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Ich würde Dich eher dahingehend beruhigen, dass es sich bei der Überdachung des Stellplatzes von Müllcontainern nicht um einen Carport im Sinne der Norm handelt - vorausgesetzt, er befindet sich nicht unmittelbar neben einer befahrenen Fläche.

    An der anfahrbaren Seite hat er 7 Stützen auf rd. 9 m Länge!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • M.E. gilt das nur für Bauwerke an Straßen.

    Begründest Du womit?

    Zeilen 9 und 10 der Tabelle gelten ganz allgemein für Parkgaragen für Pkw bis 3 t. Die für Einzel-/Doppelgarage und Carports angegebene Last von 10 kN entspricht gem. den Auslegungsfragen zur "alten" DIN 1055-9 etwa einer Geschwindigkeit von maximal 10 km/h, also der Geschwindigkeit, die gefahren wird, wenn in einer Garage/ einem Carport rangiert wird.

    Für entsprechende Bauwerke an Straßen gelten die Zeilen 1 bis 4 der Tabelle, für Bauwerke an für Pkw befahrbaren Verkehrsflächen (z. B. ein großer Parkplatz) die Zeilen 6 und 7. Die Lasten der Zeiten 1 bis 4, 6 und 7 sind im Vergleich deutlich höher.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • An der anfahrbaren Seite hat er 7 Stützen auf rd. 9 m Länge!

    Also Spannweiten von ca. 1,5 m. Macht bei Ausfall einer Stütze eine Spannweite von rund 3,0 m, was auch für ein Carport ordentlich ist...

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Begründest Du womit?

    DIN ... 4.3.1, (1): " Die ... Anpralllasten auf stützende Unterbauten (z.B. Stützen und Wände von Brücken oder Hochbauten) an Straßen unterschiedlicher Kategorie sind zu spezifizieren. ..."


    Tab. 4.1 heißt "... Anprallkräfte ... an und über Straßenverkehrswegen"

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • DIN ... 4.3.1, (1): " Die ... Anpralllasten auf stützende Unterbauten (z.B. Stützen und Wände von Brücken oder Hochbauten) an Straßen unterschiedlicher Kategorie sind zu spezifizieren. ..."


    Tab. 4.1 heißt "... Anprallkräfte ... an und über Straßenverkehrswegen"

    Grundsätzliche Zustimmung zu Deinem Argument bzgl. DIN EN 1997-1-7, 4.3.1 (1).

    Widerspruch aber, was Tab. 4.1 angeht. Diese wird durch DIN EN 1997-1-7/NA, NDP zu 4.3.1(1), Anmerkung 1 durch Tabelle NA.2-4.1 ersetzt, deren Überschrift wiederum lautet ganz allgemein "Statisch äquivalente Anprallkräfte aus Straßenfahrzeugen". Wie Du bei Blick in den Nationalen Anhang feststellen wirst, ist die Tabelle dort deutlich differenzierter als die Tab. 4.1 im "Hauptdokument".

    Tab. NA.2-4.1 entspricht im Wesentlichen der Tab. 1 der DIN 1055-9, deren Überschrift ebenfalls ganz allgemein "Ersatzlasten für Anprall von Kraftfahrzeugen" war und die für Einzel-/doppel-Garagen und Carports ebenfalls eine Anpralllast von 10 kN in Fahrtrichtung und rechtwinklig zur Fahrrichtung vorgab. Und wie gesagt, eine Anpralllast von 10 kN infolge Pkw bis 3 t entsprechen gem. den Auslegungsfragen zur DIN 1055-9 einer Geschwindigkeit von maximal 10 km/h. Diese Angaben deckt sich auch mit DIN EN 1991-1-7, Anhang C, Tabelle C.1, wobei Anhang C in Deutschland "nur" informativ eingeführt ist. Nach Anhang C, Tabelle C.1 beträgt die Fahrzeuggeschwindigkeit für die probabilistische Berechnung der Anpralllast 5 km/h mit einer Standardabweichung von 5 km/h.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Widerspruch aber, was Tab. 4.1 angeht. Diese wird durch DIN EN 1997-1-7/NA, NDP zu 4.3.1(1), Anmerkung 1 durch Tabelle NA.2-4.1 ersetzt...

    Vor der Tabelle steht:

    "Sind stützende Bauteile ... für den Anprall ... zu bemessen, ...". Dieser Satz impliziert, dass eben nicht alle stützenden Bauteile für Anpralllasten zu bemessen sind.


    In meiner Berufspraxis (im vereinigten D seit 1990) mit der Prüfung zahlreicher Standsicherheitsnachweise für Garagen und Carports in Berlin und Brandenburg ist es mir nicht ein einziges Mal passiert, dass einer der Prüfing. den Nachweis von Anpralllasten nachgefordert hat.


    Lagen die alles daneben?

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Keine Ahnung warum die das nicht gemacht haben. Ist für mich aber das denkbar schlechteste Argument. Einem Handwerker auf der Baustelle lässt Du ein "Haben wir schon immer so gemacht" oder ein "Haben wir noch nie so gemacht" ja auch nicht durchgehen.


    Und die Norm sagt doch selbst, dass bei Parkgaragen für Pkw bis 3 t die Anpralllasten nur angesetzt werden müssen, wenn "bei Ausfall der stützenden Bauteile die Standsicherheit von Gebäude/Überdachung/Decke gefährdet ist" (Fußnote "b" zu Tabelle NA.2-4.1. Man muss die Stützen eines Carports also nicht für Anprall auslegen. Wenn dies nicht geschieht, müssen die darüber liegenden Bauteile des Carports, also die "Pfetten" auf den Stützen, aber für den Ausfall einer Stütze bemessen sein. Ist der Carport wiederum so gestaltet, dass der Ausfall einer Stütze nicht möglich ist, z. B. weil nur zwei Stützen und ein auskragendes Dach angeordnet sind, ist der Anprall zu berücksichtigen. Man will ja nicht, dass das Dach auf dem Auto liegt, wenn Sohnemann beim ersten Parkversuch im Carport die gegen die Stütze fährt.


    Mit Carports kenne ich mich nicht im speziellen aus, habe selbst noch keinen nachgewiesen, weiß daher auch nicht, ob beim handelsüblichen Baumarkt-Carport die Bauteilabmessungen grundsätzlich so ausgelegt sind, dass ein Stützenausfall kein Problem ist. Die Norm ist in meinen Augen hier aber eindeutig. Oder für welche Situationen sollen die Zeilen 9 und 10 der Tabelle NA.2-4.1 Deiner Meinung nach gedacht sein.


    Bei der letzten Tiefgarage, die ich geprüft habe, hat der Aufsteller die Anpralllast nach Tab. NA.2-4.1, Zeile 10 im übrigen selbstverständlich und ohne Diskussion berücksichtigt...

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Oh, da habe ich aber eine Diskussion ausgelöst :eek:

    Gibt es denn noch Unterschiede in der Auslegung von Metall-Terassendächern (Windschatten des Hauses etc.) und Carports? Mit 6 gleich verteilten Stützen wäre man ja einigermaßen sicher, dass der Anbieter dann Terassendach und Carport gleich auslegt.

  • Gibt es denn noch Unterschiede in der Auslegung von Metall-Terassendächern (Windschatten des Hauses etc.) und Carports? Mit 6 gleich verteilten Stützen wäre man ja einigermaßen sicher, dass der Anbieter dann Terassendach und Carport gleich auslegt.

    Das bezweifle ich. Ich hatte schon mehrfach mit angeblich örtlich angepassten "Typenstatik"en zu tun. Diese waren in keinem der knapp einem Dutzend Fälle angepasst und in rund einem Drittel der Fälle auch noch an sich schon falsch aufgestellt oder entsprechen seit einem Jahrzehnt nicht mehr den a.R.d.T. Aufgefallen ist dies in allen Fällen nur dadurch, dass die Systemanbieter auch nach mehrfacher Aufforderung vom Aufsteller der Statik keine Original-Unterschrift zur Übereinstimmung der jeweiligen angepassten Ausführungsunterlagen mit der Typenstatik / beibringen konnten. In zwei Fällen war die Unterschrift gefälscht. Es war immer sehr aufschlußreich, bei den Ingenieurbüros direkt anzurufen!


    Off-Topic:

    Also Spannweiten von ca. 1,5 m. Macht bei Ausfall einer Stütze eine Spannweite von rund 3,0 m, was auch für ein Carport ordentlich ist...

    Es ist ja wie geschrieben kein Carport, sondern nur ein offener Sichtschutz für Müllcontainer ohne geschlossenes Dach.

    ...einen Carport für Mülltonnen gebaut. Da steht in der 100-seitigen Statik nichts über Horizontallasten aus Anprall und so ein 1.100-Liter Container mit Hausmüll wiegt ja auch schon etwas - rollt aber zugegebenermaßen nicht so arg schnell. Anprallschutz haben wir aber sowieso auf dem Boden verübeln lassen ..


    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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