Veränderter Grundwasserspiegel - rechtliche und bauliche Einschätzung

    • Veränderter Grundwasserspiegel - rechtliche und bauliche Einschätzung

      Hallo zusammen,

      in meinem Elternhaus herrscht derzeit etwas Ratlosigkeit. Der Keller hat eine Bodenplatte und ist mit Betonsteinen gemauert. Die Abdichtung dichtet nicht so richtig ab, also wenn das Grundwasser zu hoch steigt drückt es durch die Wände rein. In der Bodenplatte befindet sich ein Kontroll- und Pumpschacht, um den Grundwasserspiegel beobachten zu können und bei Bedarf mit Pumpen lokal etwas senken zu können. Bis vor einigen Wochen lag der Grundwasserstand im Normalfall unterhalb des Schachtbodens. Soviel zur Ausgangssituation.

      Nun wurde in den letzten Wochen der ca. 25m vom Haus entfernt liegende Kanal saniert, der u.a. das Sägewerk antreibt. Dabei wurden die Ufer jetzt mit Gabionen befestigt u.ä. Seit nun wieder Wasser durch den Kanal läuft ist der Grundwasserpegel massiv angestiegen, ca nen halben Meter, und befindet sich vom Niveau her jetzt IN der Bodenplatte des Hauses. Im Kanal ist noch deutlich Luft nach oben für den Wasserspiegel (mind. 1m)

      Der Grundwasseranstieg steht im direkten zeitlichen Zusammenhang mit dem Fluten des Kanals.

      Heute habe ich nun mal die Höhen nivelliert, der Wasserpegel im Kanal ist ca. 5cm höher als der Grundwasserpegel im Kontrollschacht.

      Jetzt steht natürlich ein massives bauliches Problem an, da der Keller so nicht so einfach zu sanieren ist, und jetzt auch kleinere Pegelsteigerungen massive Auswirkungen haben werden, die bis dato nur bei größeren Hochwasserereignissen Folgen hatten.

      Meiner Einschätzung nach war der Wasserpegel im Kanal VOR der Sanierung höher, das kann ich aber nicht durch Daten oder Meßwerte nachvollziehen.

      Ich habe den Eindruck, daß der Kanal vorher relativ dicht war (verschlammte Ufer, jahrzehntelang bewachsen) und jetzt ziemlich offen ist, und das Grundwasser in der näheren Umgebung steigen hat lassen.

      Hier gehts mir um eine grobe Einordnung der Sachlage aus Erfahrungswerten heraus. Gibt es Chancen da vom Verursacher (Wasserwirtschaftsamt) was zu bekommen? Lohnt sich da anwaltliche Hilfe? Wenn ja, welches Fachgebiet? Oder ist das eher unter "Pech gehabt" zu verbuchen und als allgemeines Betriebsrisiko eines Gebäudes zu werten?

      Die Sanierung wäre wohl recht aufwendig, da die Kellerwände an zwei Gebäudeseiten durch Terasse und Eingangstreppe und -podest komplett verbaut sind. Die anderen beiden Seiten wären relativ frei zugänglich. Oder gibts eine Abdichtungstechnik, die auch als dauerhafte Abdichtung gegen Grundwasser von innen funktioniert?

      Mir gehts hier hauptsächlich um eine grobe Einordnung, die den Weg aufzeigt. Und wer wäre der richtige Ansprechpartner für eine Sanierungsplanung? Das dürfte ja nicht die Kernkompetenz von Architekten sein.

      Vielen Dank,
      Martin
    • du solltest auf jeden fall dem wasserwirtschaftsamt schreiben, dass der grundwasserspiegel gestiegen ist.

      ob du aussicht auf erfolg hast und die kosten zur abdichtung getragen werden - eher unwahrscheinlich - kann dir jedoch nur ein anwalt darlegen.

      architekt und bauingenieur mit erfahrung im grundbau und bauwerksabdichtung können planung, ausschreibung und objektüberwachung übernehmen.
      das leben ist ein bauhaus - Fritz Kuhr 1929
    • ZeroM schrieb:

      Gibt es Chancen da vom Verursacher (Wasserwirtschaftsamt) was zu bekommen?
      Just my 50 cents als jemand der 20 Jahre auf einem Kleinwasserkraftwerk gelebt hat.

      Verursacher dürfte der Besitzer des Wasserrechts und Betreiber des Triebwerkskanal sein.
      Vermutlich der Sägewerkbesitzer.
      Das Wasserwirtschaftsamt (untere Wasserbehörde am Landratsamt) ist die Genehmigungsbehörde.
      Dies führt ein Wasserbuch in dem die Unterlagen und Genehmigungen zu dem Wasserrecht sich befinden.
      Bei Änderungen werden normalerweise die Anlieger beteiligt.
      Stauhöhen sind normalerweise exakt festgelegt.
      Eine Erhöhung des Staus ist ein aufwendigiges Genehmigungsverfahren.

      Also mein erster Ansprechpartner wäre der Triebwerkskanalbetreiberund/ oder Bauherr, das muss nicht gleich dem Grundstückbesitzer sein.
      Dieser ist auch im zweifel der haftende bzüglich Schäden die aus dem Betrieb seiner Anlage bestehen.

      Bzgl der Gabionen sollten die sich auf der Innenseite des Triebswerkkanals befinden haben eher mit ökologischen Verbesserung zu nach einer EG-Richtlinie zu tun.

      Mein damaliger Nachbar und Unterlieger staunte nicht schlecht als in das, frisch vollkommen ausbetonierte, Kanalbett Steine einbringen musste.
    • Stimmt nicht ganz. Genehmigungsbehörde ist (zumindest in Bayern) das Landratsamt. Das Wasserwirtschaftsamt fungiert im Verfahren als amtlicher Sachverständiger.
      Erster Schritt wäre für mich eine Anfrage ans Landratsamt, in welchem Verfahren die Änderung genehmigt wurde (Planfeststellungsverfahren oder Erlaubnisverfahren), ob die Öffentlichkeit beteiligt war und warum ggf. Du nicht beteiligt wurdest.

      Schadensverursacher ist - wir oben richtig steht - der Wasserrechtsinhaber und Betreiber der Wasserkraftanlage. Es kann tatsächlich sein, dass der Kanal durch die Baumaßnahme undicht wurde - z.B. wenn er eine natürliche Bachsohle hatte und diese beschädigt wurde oder wenn eine Betonrinne umgebaut oder beseitigt wurde. Wenn der Schaden erheblich ist, würde ich mir auf jeden Fall mal eine Beratung bei einem Anwalt für Zivilprozessrecht einholen, der sich möglichst auch ein bisschen im öffentlichen Recht auskennt.
      Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!
    • ich bin mir absolut sicher daß der Kanal undicht ist. die haben die alten Ufer komplett abgetragen, die Sohle ebenfalls, die sind da ewig mit Bagger und Radlader rumgefahren und mit Gabionen neu befestigt. Dann kommt nur noch Vlies (Wurzelschutz?) und Sand.

      Vorher war halt Ufer und Sohle wasweißich wieviele Jahrzehnte gewachsen.

      Ist es üblich daß ein Triebwerkskanal "dicht" ist? betoniert o.ä. ist und war da nix.
    • In der mir vorliegenden Kopie einer Genehmigung Umbau KWK steht

      "Die Triebswerksbesitzerin und ihre Rechtsnachfolger haften für alle Schäden, die aus dem bestand, dem Betrieb und der Unterhaltung der genehmigten Anlage Dritten allenfalls erwachsen"

      Hast du die Grundwasseranstieg, der durch die Inbetriebnahme der Triebwerkskanals enstanden ist, schon dem Betreiber mitgeteilt?

      Parallel würde ich mich wegen dem Grundwasseranstieg ans Landratsamt wenden, allerdings gleich mein Glück bei der unteren Wasserbehörde versuchen.
    • morgen hat mein Vater erstmal den Auftrag einen Anwalt anzuheuern. Bevor man da jetzt offiziell irgendwas anleiert muß das richtig gemacht werden...

      Auf kurzem Weg hat die Gemeinde ans Wasserwirtschaftsamt verwiesen, und da kann man sich das überhaupt nicht vorstellen, daß das Grundwasser gestiegen sein soll. Die messen das wohl auch gelegentlich.
    • Sind allerdings mit äußerster Vorsicht zu genießen.

      Ich werde hier auch noch ausführlich zu der Frage schreiben, habe aber gerade keine Zeit dazu.

      Grundsätzliches Vorgehen des TE ist aber richtig: es macht Sinn, jetzt erst mal zu klären, wie man richtig an die Sache herangeht. Bitte keine Schnellschüsse.
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
    • habe heute nochmal nivelliert, jetzt ist der Kanal auf angeblichem Betriebsniveau, das befindet sich ca. 25cm über unserem Kellerfußboden.

      Die ersten Stellen sind schon bis innen sichtbar naß (98 Digits gemessen)

      Keller ist erstmal soweit ausgeräumt daß außer Regalen nix mehr am Boden steht, damit sich der Schaden bei Wassereinbruch in Grenzen hält.

      Ich hab an den Außenmauern überall Meßpunkte markiert (insgesamt 60 Stück in unterschiedlichen Höhen) um den Feuchtigkeitsverlauf dokumentieren zu können. Natürlich konnte ich erst jetzt mit Messen beginnen, eine komplett trockene Wand kann ich folglich nicht mehr nachweisen.

      Ausgehend vom momentanen Wasserspiegel ist von einem Pegelanstieg von guten 90cm auszugehen.

      Derartige Situationen gabs bisher immer nur bei Hochwasser-Großereignissen (ca. alle 8-10 Jahre)
    • ist schon klar daß das kein absoluter Meßwert ist. Aber Tendenzen (Mauer oben trocken unten feucht; wird immer feuchter) kann man damit durchaus nachvollziehen. Und momentan ist es so, daß die Mauern weiter oben 40-60 Digits liegen, am Wandfuß bei 90-98

      Zementputz kann ich am Gerät als Untergrund nicht einstellen, damit ein %-Wert gemessen wird. Daher bleibt mir nur das Messen in Digits.
    • der Kanal (wurde wohl in den 30ern gebaut). Haus wurde Anfang der 80er gebaut.
      ---------- 28. Juli 2016, 20:48 ----------
      es geht um das Haus mit der Sat-Schüssel aufm Dach links im Bild. Der Kiesweg und der Grünstreifen gehören dem Nachbarn, mein Vater steht an der Grenze.

    • hattet ihr euch zum bau des hauses in den 80-ern nach dem grundwasserstand erkundet und die bauweise darauf eingerichtet?

      irgendwie habe ich da momentan ein problem, euch zu folgen in sachen schadensersatz - der kanal ist älter und der wasserstand im kanal beeinflusst den grundwasserstand im umfeld. aus meiner sicht hätte in den 80-ern beim neubau der keller mit abdichtung auf den grundwasserstand eingestellt werden müssen!
      das leben ist ein bauhaus - Fritz Kuhr 1929
    • na beim Bau war der Grundwasserstand natürlich unterhalb der Bodenplatte. Es baut ja keiner ein Haus ohne ausreichende Abdichtung INS Grundwasser. Wie weit genau lässt sich nicht mehr nachvollziehen, mein Vater weiß es nicht genau, unter der BoPla ist eine Schicht Rollkies, vermutlich ca. 20cm, die auf jeden Fall über dem Grundwasser war. Und alle am Bau beteiligten die einigermaßen fachkundig wären sind mittlerweile tot.

      Natürlich ist der Kanal älter, allerdings hatte er bis dato eben keinen oder wenn dann nur minimalen Einfluss auf den Grundwasserstand!

      Der Schaden bzw. stark erhöhte Grundwasserpegel tritt ja erst seit der gerade erfolgten Sanierungsmaßnahme des Kanals auf.

      Oder sollte man sich grundsätzlich auf Grundwasserpegel = OK Gelände einstellen, wenn man was baut?
    • dann vermute ich, dass ein schadensersatzanspruch wenig bis null aussicht auf erfolg hat. wenn der kanal aufgrund von verschlammung den grundwasserspiegel im umfeld nicht erhöht hat, dann ist klar, dass der grundwasserspiegel immer als hoch anzusehen ist.

      in den 80-ern ist ein keller aus wu-beton oder als schwarze wanne immer möglich gewesen. ihr hättet von anfang an mit einem dichten keller bauen müssen. den maximalen grundwasserstand hätte das wasserwirtschaftsamt auch in den 80-ern herausgegeben.

      entweder schreibt Ralf Wortmann hier noch etwas zur rechtlichen lage oder du suchst einen anwalt zur rechtsberatung auf.

      rein aus den technischen randbedingungen und aus der historie gesehen lautet mein rat: keine auseinandersetzung wegen einer schadensersatzforderung, denn du wirfst mit einem saftigen schinken nach einer scheibe trockenwurst, mit wenig aussicht zu treffen.
      das leben ist ein bauhaus - Fritz Kuhr 1929
    • Pemu schrieb:

      Bemessungswasserstand - und der dürfte beim Bau schon auf ca. OK Kanalufer gelegen haben - wie Hochwasserereignis.
      Der Bemessungwasserstand ist das wichtige der dürfte ungleich Hochwasserstand sein.
      Da eine bestimmte Entnahme menge genehmigt wird.
      Am meinen Beispiel
      Entnahmemege 117l/sec
      mittleres Sommerhochwasser 2,5 cbm/sec
      die mehr Menge muss schadlos über das Wehr abgeleitet werden

      Die zulässige Wasserhöhe ist bei meinem Beispiel an einem Eichpfahl markiert.

      Der Bemessungswasserstand sollte beim Wasserwirtschaftsamt raus zu finden sein,

      allerdings vermute ich das Ralf richtig liegt,
      auch weil schon ein Kontrol /Pumpschacht vorhanden ist und damit das Problem beim Bau schon bekannt war.
      ---------- 29. Juli 2016, 12:53 ----------

      weisduwas schrieb:

      allerdings vermute ich das Ralf richtig liegt,
      ich meinte natütlich Rolf
      bei den ganzen Ralfs hier kommt man durcheinander
    • wie ich vorgehen würde:

      Erster Schritt
      • Einfaches Schreiben deines Vaters an Landratsamt mit Kopie an Wasserwirtschaftsamt. Ohne Anwalt, aber Zustellung sollte nachweisbar sein, vielleicht auch um kurze Eingangsbestätigung bitten, klappt meist
      Etwa wie folgt
      Sehr geehrte Damen und Herren,ich bin Eigentümer des Hauses xxx, welches etwa xxx m vom xxxKanal entfernt liegt. Wie bekannt, wurden am xxxKanal in den letzten Wochen Bauarbeiten durchgeführt. Ich musste mit Erschrecken feststellen, dass es nach diesen Arbeiten zu einer Vernässung meines Kellers kommt. Ich führe dies unmittelbar auf die Bauarbeiten am xxxKanal zurück und bitte um kurzfristige Aufklärung zum Sachverhalt. Insbesondere gehe ich davon aus, dass durch die Bauarbeiten die ehemals vorhandene Abdichtung des xxxKanals zerstört wurde und es hierdurch zu einem erheblichen Anstieg des Grundwassers auf meinem Grundstück kommt.
      Nach meinem aktuellen Wissensstand ist eine erhebliche Beschädigung meines Eigentums zu erwarten. Ich bitte Sie daher, sich der Sache unverzüglich anzunehmen und zur Dokumentation des Vorgangs um eine kurze schriftliche Eingangsbestätigung.
      Mit freundlichen Grüßen


      Zweiter Schritt, parallel
      • Anwalt einschalten und Informationen sammeln.
      • Unterlagen zum Hausbau raussuchen, gibt es ein Baugrundgutachten, gibt es eine Statik? Findet sich irgendwo eine Aussage zum Bemessungswasserstand? Wird oft mit anderen Worten beschrieben.
      • Informationen zum Kanal sammeln: alte Dokumentationen, alte Heimatbücher etc. Evtl. findet sich irgendwo eine Aussage, dass es sich um einen abgedichteten Kanal handelt. Meist waren das Abdichtungen durch eine dicke Tonschicht
      • Informationen zur Umbaumaßnahme sammeln: wer ist der Bauherr, gibt es eine Planung? gibt es einen Planer? Kann man die Planung einsehen? Gibt es eine wasserrechtliches Genehmigungsverfahren und einen Genehmigungsbescheid? Letztendlich geht es um die Frage, ob aus den Unterlagen, die der Planung zugrunde gelegt wurden erkennbar wird, dass vor dem Umbau eine Dichtung vorhanden war.
      • Informationen zum Grundwasser sammeln: gibt es Grundwassermessstellen, Ganglinien der Messstellen finden, bei uns in NRW findet man diese Daten im Internet, finden aber nur die Fachleute.


      Gesamteinschätzung:
      • Chance auf Schadensersatz nur, wenn erstens nachweisbar, dass der Kanal vor der Baumaßnahme gedichtet war und wenn nachweisbar ist, dass das Grundwasser durch die Maßnahme signifikant erhöht wurde.
      • Schadensersatz gegen öffentliche Hand oftmals extrem schwierig durchsetzbar, die hinter den Verwaltungen stehenden Gemeindeversicherungsverbände wehren in der Regel sämtliche Ansprüche (erfolgreich) ab.
      • Besser sind die Chancen, die öffentliche Hand zu zusätzlichen Maßnahmen zu bewegen, durch die ein Schaden an dem Haus verhindert wird.
      • War der Kanal nicht gedichtet und hat man sich beim Bau nur auf die eigenen Feststellungen vor Ort verlassen wird es extrem schwer bzw. dann muss man sich zu Recht an die eigene Nase packen.



      Wen würde ich mir an die Seite holen:
      • guter Anwalt ist klar, zumindest wenn es Chancen gibt
      • guten Tiefbauingenieur, der sich vor Ort auskennt
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
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