Veränderter Grundwasserspiegel - rechtliche und bauliche Einschätzung

    • Kater432 schrieb:

      also für mich wär das nichts, mit meinem Haus UNTER dem Kanal zu liegen. Das wär mir echt zu risikobehaftet.
      Ein kleines Erdbeben :lol: und schon schwimme ich in meinem Haus oder sehe aus wie ein Goldfisch im Glas.
      Die Häuser am Kanal standen nur beim Elbehochwasser 2002 und 2013 im Wasser. Und das kam nicht aus dem Kanal. Unter dem Mittellandkanal hat man in den 90ern sogar die neue B189 drunterher durchgebudelt. Ohne Wasseraustritt.
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • zwischenzeitlich hat sich ein bisschen was getan.

      Als Reaktion auf das Schreiben des Anwalts war das WWA kurzfristig im Beisein unseres Anwalts zu einem Ortstermin hier.
      Seitens des WWA wurde eingeräumt, daß der Kanal natürlich gedichtet war, baulich abgedichtet war er offenbar nicht. Zumindest ist dazu nichts rauszufinden gewesen. Die Planungsunterlagen haben wir noch nicht eingesehen. Grundlage der ganzen Maßnahme war der Hochwasserschutz, der im Zuge eines Planfeststellungsverfahrens genehmigt wurde, Bauherr das Wasserwirtschaftsamt.

      Logischerweise hat das WWA auch den gemauerten Keller bemängelt, eine Klärung der Frage ob man anders bauen hätte müssen ist noch nicht erfolgt.

      Baugrundgutachten gibts keines, eine berechnete und schriftlich festgehaltene Statik ebenso nicht. Das einzige, das über den Baugrund gesagt werden kann, ist daß der Grundwasserspiegel im Normalfall ca 60 cm unter Kellerfußboden war, dies konnten wir ja aufgrund des Schachtes über zig Jahre beobachten. Unabhängig nachzuweisen ist das natürlich nicht. (wie auch)

      Das WWA ist aufgrund der sich häufenden Beschwerden versucht, eine Lösung zu finden. Am Kanal werden nach deren Aussage aber wohl keine Änderungen mehr vorgenommen werden und aufgrund der Urlaubszeit wird das auch etwas dauern, bis da möglicherweise eine Rückmeldung kommt.

      Eine dauerhafte Grundwasserabsenkung über mehrere Grundstücke dürfte wohl kaum eine Lösung sein. Wie sollte das auch gehen? Dauerhafter Pumpenbetrieb? Irgendwo muß das Wasser ja auch hin...

      Demnächst wird es noch einen Beratungstermin mit einem SV geben.

      Der Geschäftsführer einer großen örtlichen Baufirma war ebenfalls mal da, nach dessen Meinung ist der Keller immer Bauherrensache, und wenn sich an den Umgebungsbedingungen was ändert (egal wodurch verursacht) sei das Eigentümerrisiko, und von daher überhaupt nichts zu holen.

      Unabhängig von dem Vorgehen mit dem WWA machen wir uns natürlich auch Gedanken über eine mögliche Sanierung/Gebäudeinstandsetzung. Hier würde ich auch mal gerne drüber diskutieren, um bei Vorgesprächen mit Planern vorbereitet zu sein, um die ungeeigneten aussieben zu können.

      -Eine Dickbeschichtung ist vom Aufwand her enorm, da zwei Gebäudeseiten verbaut sind, und ein Abriss auch mit Abstützung des Dachüberstands verbunden ist.
      -Verpressung/Vergelung ist mir zu risikobehaftet

      Meiner Meinung nach muss das wenn dann baulich gelöst werden. Ich hab mir da jetzt erstmal meine eigenen Gedanken gemacht, dass hier keine Planung gemacht werden kann ist mir klar. Die Ausführung MUSS in dem Fall zwangsläufig geplant und überwacht werden. Erstmal gehts mir nur um die Realisierbarkeit oder ob das ein Hirngespinst ist oder eine Lösung sein könnte. Oder ob ein anderer Weg einfacher/sinnvoller wäre.

      Ich würde erstmal annehmen, daß die Bodenplatte dicht ist, bzw. bei Bedarf verpresst werden kann. Die vorhandenen Wände bleiben alle wie bestehend. Innen im Keller wird entlang der Außenwände die Bodenplatte freigelegt (Estrich abstemmen, Treppe abreißen, Innenwände ein Stück abreißen, daß die Außenwand rundherum komplett frei liegt.
      Dann nachträglich ein Fugenband in die Bodenplatte einbauen (ist das realisierbar?) und eine Betonmauer innen errichten, Höhe z.B. bis Fensterbrüstung (oberirdisch), das dürfte technisch problemlos machbar sein. Leitungsdurchführungen natürlich auch entsprechend mit ertüchtigen auf WU.
      Dann wäre noch zu klären ob die jetzige Mauer dauerhaft standfest ist wenn sie im Wasser steht. Diese könnte ggf. von innen durch Aufmauern auf die zu errichtende Betonwand unterstützt werden (Anschluss an die Kellerdecke mit Quellmörtel?)
      Wäre sowas realisierbar? Alle anderen Varianten erscheinen mir wesentlich aufwendiger bzw. nicht sinnvoll.
    • ZeroM schrieb:

      naja, die Kosten einer Außenabdichtung dürften sich auch im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich liegen.

      Da dürfte m.E. schon was zu realisieren sein, oder?
      ja, aber ich vergaß: Die Bodenplatte musste in dem veröffentlichten Fall komplett neu erstellt werden. Der nachträgliche Anschluß ist extrem schwierig und die Bodenplatte müsste dafür komplett als weiße Bidenplatte gerechnet und gebaut sein. Das sind die wenigsten.

      Ich habe etwas vergleichbares mal mit einem Teil einer Bestandstiefgarage gemacht, die zum Rechenzentrum werden sollte. Da spielte Geld nur eine untergeordnete Rolle und selbst der Bauherr hat zeitweise am Sinn der von ihm anfangs aus Sicherheitsgründen ausdrücklich gewünschten Aktion gezweifelt. Und dann war da noch das Thema des mögliche Aufschwimmens bei steigendem Grundwasser ...
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • naja, sollte man auch eine neue Bodenplatte einbauen wird das natürlich noch eine ganz andere Hausnummer, dann wäre m.E. durchaus ein Ersatzneubau zu überlegen.

      Weil DANN ja in Abschnitten die Innenwände abgerissen werden müssen und die Bodenplatte in mehreren Teilen mit geplanten Fugen auf der vorhandenen BoPla erstellt werden muss.
    • Auf die vorhandene Bopla zu gehen ist meist wegen der dann noch weiter reduzierten Raumhöhe nicht gewünscht, so dass in den veröfféntlichten Fällen und meinem eigenen Fall die alte Bodenplatte jeweils herausgenommen wurde. Ich käme nicht auf den Gedanken, es anders machen zu wollen.
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • Die Raumhöhe ist sekundär, hier wäre auch ein Raumverlust zu akzeptieren.

      Die alte Bodenplatte zu entfernen ist ja auch ein nicht ganz unerheblicher Aufwand (Abriss, Abtransport, Wasserhaltung, massiver Eingriff in die Standsicherheit des Gebäudes, noch aufwendigeres abschnittsweises Arbeiten). Ich denke spätestens dann ist der Punkt erreicht wo eine Sanierung nicht mehr sinnvoll ist.

      Da wäre vermutlich ein Umbau der Gebäudetechnik und Komplettverfüllung des Kellers wirtschaftlicher!?
    • Jetzt kommen wir allmählich in den Bereich :glaskugel: der Glaskugel. Für eine seriöse Einschätzung müsste man das Haus mit eigenen Augen und zusammen mit einem Tragwerksplaner anschauen. Aber weshalb so radikal? Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, die Kellernutzung an den erhöhten Feuchteeintritt anzupassen, ohne den Keller deswegen gleich verfüllen zu müssen.
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • hmmm, naja, meistens funktionieren nur radikale Maßnahmen. Zumindest nach meiner Erfahrung.

      Kellernutzung anpassen wäre jetzt nicht problematisch, der Keller wird auch als Keller genutzt, höherwertige Räume sind da keine.

      Aber dann müsste man trotzdem das Loch des Pumpenschachts dicht bekommen und die Wände und der Estrich sind halt dauerhaft nass, die Ziegelinnenwände werden dann auch nass, das wird dem Gebäude auch nicht direkt gut tun.

      Man kann mittlerweile die Feuchtigkeit sowohl an Wänden als auch am Fußboden (Sichtestrich, Fliesenfugen) auch deutlich sehen.
    • ZeroM schrieb:


      Logischerweise hat das WWA auch den gemauerten Keller bemängelt,
      Wieso bemängeln die einen Keller, der die letzten xx Jahre, auch bei Starkrgenereignissen, innen immer trocken war ?

      ZeroM schrieb:

      Das einzige, das über den Baugrund gesagt werden kann, ist daß der Grundwasserspiegel im Normalfall ca 60 cm unter Kellerfußboden war, dies konnten wir ja aufgrund des Schachtes über zig Jahre beobachten. Unabhängig nachzuweisen ist das natürlich nicht. (wie auch)
      naja, wenn Grundwasser innerhalb des relevanten Zeitraumes eingedrungen wäre, würde man sicherlich Spuren davon noch sehen.

      Wenn jetzt, nach dem Umbau des Kanales, der Grundwasserspiegel generell höher ist, ist anzunehmen, dass der natürliche Grundwasserspiegel tiefer liegt und der erhöhte Grundwasserspiegel von Kanal "verursacht" wird. Dann wäre es kein Grundwasser sondern eher Sickerwasser aus dem Kanal. Dann müsste der Kanal aufgrund der undichten Ufer/Böschungen Wasser in Größenordnungen verlieren.

      Prüfen kann man das, indem auf einer Strecke, senkrecht zum Kanalverlauf, in regelmäßigen Abständen die Grundwasserstände gemessen werden. Ggf. mehrfach über einen längeren Zeitraum, um Regenereignisse herausfiltern zu können. Mit steigender Entfernung vom Kanal müsste dann der Grundwassersoiegel sinken.
      Wenn dem so ist, muss geprüft werden, ob das ausströmende Wasser aus dem Kanal den Baugrund ggf. negativ beeinflusst, weil Feinanteile ausgespült werden.
      Gruß
      Holger
      --
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      (Andreas Marti; Schweizer)
    • aus meinem Beitrag Nr. 24

      Manfred Abt schrieb:



      Gesamteinschätzung:
      • Schadensersatz gegen öffentliche Hand oftmals extrem schwierig durchsetzbar, die hinter den Verwaltungen stehenden Gemeindeversicherungsverbände wehren in der Regel sämtliche Ansprüche (erfolgreich) ab.
      • Besser sind die Chancen, die öffentliche Hand zu zusätzlichen Maßnahmen zu bewegen, durch die ein Schaden an dem Haus verhindert wird.

      weil inzwischen ja mehrere Häuser betroffen sind mal so als Idee:
      gemeinsame Forderung gegenüber dem Verursacher der GW-Erhöhung, den Grundwasserstand wieder auf das vor dem Umbau des Kanals vorhandene Niveau abzusenken.

      Technisch möglich wäre dies z.B. durch eine unterirdische Wand im Boden, Ausführung als Spundwand oder Schlitzwand
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
    • mal so als Zwischenstand: die Gemeinde hatte zwischenzeitlich ebenfalls mit dem Wasserwirtschaftsamt Kontakt aufgenommen.

      Momentan wird lt. Gemeinde und Wasserwirtschaftsamt eine nachträgliche Abdichtung des Kanals geplant, voraussichtlich mit Bentonit (?)

      Ausführung möglicherweise noch dieses Jahr.

      Bleibt zu hoffen daß das klappt.
    • so, nun sind einige Monate ins Land gezogen und ich bin echt sprachlos.

      Mittlerweile bin ich aus dem Haus ausgezogen und in meine eigenes eingezogen, bekomme also alles nicht mehr direkt mit.

      Vergangene Woche wurden Abdichtungsmaßnahmen durchgeführt.

      Als Material wurde Bentonit als Sackware verwendet, ursprünglich sollte das wohl mittels einer Putzmaschine aufgespritzt werden, zumindest war in der Zeitung ein Bild wo ein paar Arbeiter ratlos am Ufer um eine Putzmaschine rumstehen. Ausführende Firma war laut meinen Eltern der Landschaftsbauer der auch die Gabionen eingebaut hat.

      Der bauleitende Ing. vom Planungsbüro hat dann wohl festgestellt daß sich das Material in der Putzmaschine nicht mischen lässt!?

      Ende vom Lied war dann, daß die das Zeug eimerweise ins Wasser gekippt haben, und sich das dann alles selbst regelt :hä: Wasser aufgestaut und dann die Schleuse dichtgemacht, daß nicht alles weggeschwemmt wird.


      Und die Leute sollen weiter pumpen, damit das Bentonit gut abdichtet...

      Meine :glaskugel: sagt, daß hier nur Dilettanten am Werk sind, und man das Geld für das lt. Ingenieur sauteure Material genausogut verbrennen hätte können. Dann wärs wenigstens kurzzeitig warm gewesen. :bomb:
    • Interessante Reparaturmethode... Wobei sich so ein Bachufer tatsächlich auch selbst abdichten kann.

      Wir hatten letzten Sommer am Bach einen Sohlbruch. Ursache waren ein großer Ast auf der Fehlbachmauer und Starkregen.

      Folge: das Wasser im Bach stieg oberhalb der Fehlbachmauer ungewöhnlich stark an und in der Bachsohle bildetet sich eine tiefe Rinne. Dadurch stieg der Wasserspiegel bei uns im Brunnen um fast zwei Meter (!) an. Lustigerweise war diesen Winter die gerichtliche Beweisaufnahme für unsere Erdwärmeheizung - und oh Wunder - die ging so gut wie nie, weil die Erdwärmekörbe nun plötzlich unten im Wasser lagen.

      Seit kurzem ist nun der Wasserspiegel im Brunnen wieder rückläufig. Die Bachsohle hat sich also selbst wieder abgedichtet (es sind ja dank der beginnenden Güllesaison im Moment jede Menge Schwebstoffe im Wasser :( ). Der Grundwasserstand ist - nachdem er lange konstant war - nun um 1,10 Meter gesunken. Man kann das so genau messen, weil im Brunnenschacht an der Wand (die aus Beton-Schachtringen besteht) deutlich zu sehen ist, wo das Wasser über Monate stand.

      Jetzt sind wir mal gespannt, was der gerichtlich bestellte SV da draus macht - wir hatten ihm beim Ortstermin im Oktober das Wasser im Brunnen gezeigt (vorher war die Brunnensohle trocken - das Wasser haben wir aus einem darin befindlichen KG-Rohr gepumpt, aus dem wir mit einem Erdbohrer innen den Kies herausgeholt haben).
      Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!
    • rolf, ich meinte das Geld verbrennen, nicht das Bentonit. Das werden sicher einige Scheinchen gewesen sein.

      Rose, aber wenn man auf die Selbstabdichtung spekulieren würde, dann könnte man sich das Geld fürs Bentonit doch auch sparen, oder? Oder hofft man darauf, daß das den Vorgang etwas beschleunigt!? Wobei von den Ufern ja nix mehr übrig ist, da sind ja nur noch die Gabionen...

      Wir warten jetzt mal die zwei bis drei Wochen ab die uns angetragen wurden.

      Dann wird man sehen, obs was bringt...
    • in dem Zeitungsartikes stand doch: "... und die Ufer wurden von ... und Lehm befreit." Dann wäre es doch vielleicht eine gute Idee diesen Zustand wieder herzustellen. Zum Beispiel mit nichtgebrannten Lehmziegeln. In der Sohle dicht an dicht auslegen und am Ufer als Vormauerung stapeln. Danach den Kanalabschnitt langsam wieder mit Wasser befüllen.
      Gruß
      Holger
      --
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      (Andreas Marti; Schweizer)
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