Verständnis zwischen Körper- und Luftschall, wenn die an ein inhomogenes Bauteil treffen...oder so ähnlich

    • Verständnis zwischen Körper- und Luftschall, wenn die an ein inhomogenes Bauteil treffen...oder so ähnlich

      Hallo.

      Habe ein paar Verständnisfragen zur Schallleitung.

      Es gibt Körper und Luftschall.

      Luftschall dämpft man mit schweren Bauteilen (Stahl, Beton, schwere Vollsteine…). Die längswelle/longituale Welle in der Luft läuft darauf zu und wird quasi von der Wand reflektiert und ein anderer Teil versetzt die Wand in Schwingungen (wie kleine diese auch sein) und diese werden an der anderen Wandseite/anderem Raum wieder in Luft eingespeist und werden so hörbar.


      Körperschall leiten die schweren Bauteile gut. Körperschall sind Schwingungen die im Bauteil drin sind, z.B. der Luftschall der auf der Wand trifft. Da dieser „rel. schwach“ ist, fängt die schwere Wand an kaum zu schwingen und leitet es kaum weiter an die andere Wandseite.
      Wenn man jedoch in die Wand bohrt, leitet die schwere Wand den Schall gut weiter zum Raum hinter dieser Wand.


      Was passiert, wenn man an leichten Dämmstoff bohrt/dranklopft? Nehmen wir den harten Styropor XPS, PIR , Glasschaum. Leiten diese im Vgl. zu Beton den Körperschall wesentlich schlechter?



      Ich habe meine Schwierigkeiten mit dem Rw Wert, bewertetes Schalldämmmaß?

      Je nach Wandaufbau, Gips, KS usw. stehen da Werte von ca. 5x bis 6x db in den Herstellervorgaben was man erreichen kann.

      Auf der Schaumdose steht auch was von 60db=Rw.

      Für welchen Schall gilt das, Luft oder Körperschall, bzw. ich frage mal so:


      Wenn ich eine Wand aus Bauschaum und Gips baue, sagen wir Trockenbau 2 Gipsplatten links und rechts und die dann komplett ausschäume. D.h. ohne Metallständer die beide Platten verbindet, also der Bauschaum verklebt und hält das irgendwie:

      • Wenn jemand davor steht und spricht, wie gut wird es gedämmt? Der schwere Gips (1 oder 2 fach beplankt) „schluckt“ die Schallwelle aus der Luft und leitet nur wenig an den Bauschaum, der es wiederum gut weiterleitet an die Gipsplatte auf der anderen Seite? Oder addiert sich das "Schalldämmmaß" Gipsplatte + Schaum irgendwie?
      • Wenn jemand nur in den Gips bohrt? Der Gips leitet den Körperschall gut, und der Bauschaum dämmt es mit 60db, bevor der Rest Körperschall an der anderen Gipsplatte ankommt?
      • Was passiert mit dem Körperschall wenn man tiefer bohrt, in den Bauschaum hinein? Dieser leitet/dämpft wie gut den Körperschall?
      (idealisieren wir die Wand, groß und ringsrum mit supi dupi Bauschaum in den Bunker eingebaut, also toll entkoppelt vom schweren Beton drumherum)
    • Warum sollte der Schaum in einem Sandwich Element besser schalldämpfen als ein gleichdickes schweres Bauteil.

      Und was meinst Du, warum Rockbands so gern in Deinem Bunker Probenräume nehmen und nicht in der eigenen Wohnung aus Schaum-Gipskarton Sandwichplatten? Weil die alle keine Ahnung haben?
      Schon mal vor nem Bunker gestanden, wenn da drinnen wortwörtlich der Punk abgeht?
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • So, jetzt habe ich etwas mehr Zeit.

      Gleich vorweg, das pdf das baumal eingestellt hat ist wirklich lesenswert.

      AHA schrieb:



      Was passiert, wenn man an leichten Dämmstoff bohrt/dranklopft? Nehmen wir den harten Styropor XPS, PIR , Glasschaum. Leiten diese im Vgl. zu Beton den Körperschall wesentlich schlechter?
      Das ist richtig. Die Schallausbreitung in Stoffen ist von den Materialeigenschaften abhängig. "Weiche" Materialien absorbieren Schallwellen (setzen diese in Bewegung bzw. Wärme um). "Harte" Materialien leiten den Schall weiter. Ein bekanntes Experiment aus dem Physikunterricht, Schallausbreitung in Wasser und in Luft.


      AHA schrieb:


      Ich habe meine Schwierigkeiten mit dem Rw Wert, bewertetes Schalldämmmaß?

      Je nach Wandaufbau, Gips, KS usw. stehen da Werte von ca. 5x bis 6x db in den Herstellervorgaben was man erreichen kann.

      Auf der Schaumdose steht auch was von 60db=Rw.

      Für welchen Schall gilt das, Luft oder Körperschall, bzw. ich frage mal so:

      Hier geht es um Luftschall, der zusätzlich noch "bewertet" wird. d.h. man betrachtet nur einen Teil des Frequenzspektrums (siehe Bezugskurve). Im o.g. pdf steht auf S.21 auch ein Satz zur Resonanzfrequenz, und der Grund, warum sich diese unterschiedlich auf Rw auswirkt.

      "Der Grund für die Verschlechterung des bewerteten Schalldämm-Maßes besteht darin, dass die Resonanzfrequenz in diesem Fall in einen bauakustisch maßgeblichen Frequenzbereich fällt, und dort die Dämmung massiv herabsetzt".

      d.h. für die Luftschalldämmung sind die Materialeigenschaften von Bedeutung, sowie deren Schichtdicke und Kombination (bei mehreren Materialien).

      Liegt die Resonanzfrequenz in einem Frequenzbereich der für die Ermittlung des Schalldämm-Maßes herangezogen wird, dann wirkt sich diese negativ auf Rw aus. Liegt die Resonanzfrequenz beispielsweise deutlich tiefer, dann wird nur der Bereich berücksichtigt, der zu einer Verbesserung von Rw beiträgt.

      In der Praxis kann sich das so auswirken, dass tieffrequenter Schall deutlich schwächer gedämpft wird, und ein Mensch der darauf empfindlich reagiert, nimmt dies als Verschlechterung der Schalldämmung wahr.


      AHA schrieb:



      Wenn ich eine Wand aus Bauschaum und Gips baue, sagen wir Trockenbau 2 Gipsplatten links und rechts und die dann komplett ausschäume. D.h. ohne Metallständer die beide Platten verbindet, also der Bauschaum verklebt und hält das irgendwie:

      • Wenn jemand davor steht und spricht, wie gut wird es gedämmt? Der schwere Gips (1 oder 2 fach beplankt) „schluckt“ die Schallwelle aus der Luft und leitet nur wenig an den Bauschaum, der es wiederum gut weiterleitet an die Gipsplatte auf der anderen Seite? Oder addiert sich das "Schalldämmmaß" Gipsplatte + Schaum irgendwie?


      Fast richtig. Zuerst muss man wissen, wie der Schall auf die äußere Schale auftriff (senkrecht oder in einem Winkel x). Die Gipsplatte dämpft den Schall um einen Faktor x, der Rest wird weitergeleitet and die nächste Schicht. Diese hat andere Materialeigenschaften, d.h. der Schall wird sich in dieser Schicht anders ausbreiten als in der Gipsplatte. Auch diese Schicht trägt zu der Schalldämmung bei, aber ihr Frequenzverhalten ist anders. Der gleiche Übergang ergibt sich dann auf der anderen Seite.

      Die Schalldämmung wird nicht einfach addiert, weil sich ja die Materialeigenschaften unterscheiden.

      Nebenbei bemerkt, das ganze wird noch komplizierter, sobald weitere Schichten mit im Spiel sind. Man bekommt dann mehrere Resonanzstellen.



      AHA schrieb:


      • Wenn jemand nur in den Gips bohrt? Der Gips leitet den Körperschall gut, und der Bauschaum dämmt es mit 60db, bevor der Rest Körperschall an der anderen Gipsplatte ankommt?


      Jepp, so könnte man sich das vorstellen. Man versetzt die Gipsschale in mechanische Schwingungen, die sich ausbreiten. Deswegen ist auch die Entkopplung an den Rändern so wichtig.


      AHA schrieb:


      • Was passiert mit dem Körperschall wenn man tiefer bohrt, in den Bauschaum hinein? Dieser leitet/dämpft wie gut den Körperschall?
      (idealisieren wir die Wand, groß und ringsrum mit supi dupi Bauschaum in den Bunker eingebaut, also toll entkoppelt vom schweren Beton drumherum)

      Jetzt wird´s kompliziert, denn es werden beide Schichten gleichzeitig angeregt. Hier wird die Schallausbreitung im Dämmstoff stärker gedämmt als in der Gipsschale. in einem Abstand x von der Bohrstelle können sich die Schallwellen, aufgrund der unterschiedlichen Schallausbreitung (Schallgeschwindigkeit) überlagern.
    • Ok danke. Hat keine Eile das Thema, eher so was lernen wollen...

      Naja, mitm Bunker und Schall...ja, klar, dicke Wände.
      Aber wenn man nun direkt in die Wand bohrt (oder die Bassbox auf dem Boden steht) ist es wohl schlechter, als wenn man die Wand mit 2 Teile trennt und dazwischen Schaum, MiWo einbaut (bzw. die Bassbox auf Gummi stehlt).... denke ich mir mal.
      Aber lese das pdf mal durch, wenns so gut ist und denke dann erstmal darüber nach :D
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