Arbeitssicherheit und seine Folgen

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    • Arbeitssicherheit und seine Folgen

      Moin Moin,

      schöner Artikel aus unserer regionalen Tageszeitung:

      Lübecker Nachrichten schrieb:

      Wer trug die Verantwortung dafür, dass auf einer Baustelle in Lasbek die Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden? Das war die beherrschende Frage in einem Prozess gestern vor dem Ahrensburger Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung.


      Ahrensburg. Angeklagt war ein 50-jähriger Mann, der 2014 zu Dachdeckarbeiten gemeinsam mit zwei weiteren Männern als Vorarbeiter auf einer Baustelle in Lasbek eingesetzt war. Im Verlauf der Arbeiten rutschte einer der Männer ab, als er über den Dachfirst klettern wollte, brach durch die Abdeckfolie und stürzte fast acht Meter tief auf eine Betonplatte. Sein Tod hätte verhindert werden können, wenn die vorgeschriebenen Auffangnetze gespannt gewesen wären.

      „Ich war nicht die aufsichtführende Person“, wies der Angeklagte jegliche Verantwortung von sich. „Ich habe weder eine Einweisung bekommen noch einen Auftrag. Die Weisungen kommen aus dem Büro.“ Der Auftrag habe lediglich gelautet, dass sie das Dach decken sollten. Sie hätten sich untereinander abgestimmt, und da er Stapler fahren könne, habe er das gemacht. „Die Vorarbeiterrolle bei der Firma wird überbewertet.“ Zudem seien sie davon ausgegangen, dass die Folie, die über das Dach gespannt wurde, tragfähig sei. Dann erhob der Angeklagte schwere Vorwürfe gegen die Firma: Sie verwerte mangelhaftes Material, setze teils Leute ohne Ausbildung ein, alle würden gegeneinander ausgespielt, einer sei bekanntermaßen Alkoholiker und die erste Schulung zum Thema Sicherheit habe es erst direkt nach dem Unfall gegeben. „Vorher war schon eine Asbest-Entsorgungsfirma mit dem Dach beschäftigt“, schilderte der Angeklagte. „Der Entsorger hat erklärt, er würde erst weiter arbeiten, wenn es Netze gebe.“ Die wurden dann aufgehängt, aber nur dort, wo der Asbestentsorger tätig war.

      " Stellt ein Beschäftigter Sicherheitsmängel fest, muss er sie melden. Richter Paul Holtkamp"

      „Stellt ein Beschäftigter Sicherheitsmängel fest, muss er diese melden“, erklärte Richter Paul Holtkamp. Das gelte für alle Beteiligten, aber auch für den Angeklagten. Die Zeugenaussage eines technischen Aufsehers der Berufsgenossenschaft bestätigte, dass der Angeklagte Teil eines Gefüges war, das im Ganzen nicht funktioniert hatte. „Das Unfallopfer hatte seinen ersten Arbeitstag und war für einen erkrankten Kollegen eingesprungen“, so der Zeuge. „Bei dieser Firma gab es immer wieder Grund zur Beanstandung, weil die Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten wurden.“ Der richtige Weg für Mitarbeiter sei, ihn dann zu informieren. „Die Verantwortung geht von oben nach unten, vom Unternehmer über den Bauleiter zum Vorarbeiter. Die Pflichtenübertragung hat schriftlich zu erfolgen und muss dokumentiert werden.“ Im Falle des Angeklagten sei das aber nicht erfolgt. Dennoch wäre es seine Aufgabe gewesen, Stopp zu sagen, sobald ihm die mangelnde Sicherheit bewusst geworden wäre. „Es war zu erkennen, dass die Sicherheitsnetze Lücken hatten“, so der Zeuge. In der Realität hätten die Arbeiter aber oft Angst um ihren Arbeitsplatz und würden deshalb nichts sagen.
      Das Verfahren wurde schließlich vorläufig eingestellt mit der Auflage, dass der Angeklagte, der bei der Firma kündigen will und Geringverdiener ist, 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt. „Der Vorwurf trifft alle, warum sitze nur ich hier?“, fragte der Angeklagte. „Ein Ermittlungsverfahren gegen die Firma wird geprüft“, kündigte der Staatsanwalt an.

      Von Bettina Albrod

      Ist vermutlich ein ziemlich häufig vorkommendes Phänomen, was dort oben beschrieben wurde. Dennoch würde ich gerne die Aussage von Herrn Richter Holzkamp aufgreifen:

      Melden muss er sie wohl, was aber wird dafür getan dass er es auch ohne Konsequenzen tun kann?

      Insofern ist die Aussage doch etwas plakativ. Klar es gäbe den anonymisierten Anruf bei der BG Bau, um nicht im direkten Zusammenhang zu stehen. Geholfen hätte es in diesem Falle jedoch nicht. Ich finde es erstaunlich, dass hier der "Vorabeiter" vor den Karren gespannt wird, als dass die Firma entsprechend belangt wird. Denn als technisch versierter hatte ich mich schon beim Lesen gefragt, wie ein Mann durch eine zugelassene USB stürzen kann. Vermutlich hätte der Verarbeiter auch erst prüfen müssen ob das Produkt geeignet ist.

      Oben wurde in kürze Beschrieben was Geiz und Raffgier anrichten können.
      Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

      * Administrative oder moderative Beiträge in rot
    • Damit der Arbeitnehmer die Gefahrenquelle überhaupt melden kann muss er sie zuerst ( nicht als erster) erknnen. Dazu muss er Facharbeiter sein, also mit abgeschlossener Ausbildung oder unterwiesen sein - z.B. durch UVV- Schulungen. Oder die Gefahrenquelle muss sooo offensichtlich sein.
      Die Verantwortung trägt in erster Linie der Unternehmer. Ist er nicht selber vor Ort, muss er sicherstellen, dass eine verantwortliche Person vor Ort ist.
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • Mir hat mal ein Bekannter der im Rettungsdienst tätig ist , erzählt wo ein DD Durch das Dach einer Scheune gestürzt ist .
      Da ist ja der Rettungsdienst verpflichtet , sofort div Ämtern Meldung zu erstatten, da wird dann eine Lawine losgetreten , das wollte der Unternehmer dort auch gern verhindern, weil er wohl wusste , das da das Netz auch gefehlt hat.


      ---------- 1. Dezember 2016, 04:36 ----------

      Ich würde eher zweifeln an der Durchsturzsichehheit einer Unterspannbahn, zumal die dann vorher auch jemand verlegen muss .
      Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein
    • Ich denke hier waren eher die Auffangnetze unterhalb der Sparren gemeint . Das kommt eher hin bei 8 m Fallhöhe.


      ---------- 1. Dezember 2016, 06:59 ----------

      Wenn so etwas auf der Baustelle durch den Vorarbeiter oder wen auch immer festgestellt wird und er Angst hat, im Betrieb den Fehler zu melden, bleibt eigentlich nur der Anruf an BG oder Amt für Arbeitsschutz. Die sagen auch nicht: wir sind von Arbeitnehmer XYZ angerufen worden. Gerade bei der BG , die lassen bei einem Anruf mit schweren Verstößen schon alles stehen und liegen und sind innerhalb kurzer Zeit vor Ort, wenn sie im Zeitalter von Smartphones Bilder von der Baustelle/Fehlstelle haben und selbst keine Zeit haben, kurzfristig vorbeizukommen, schicken die auch schon mal die Polizei zum Arbeit einstellen. Aber soweit sollte es eigentlich nicht kommen. Jedem normal denkenden Betriebsinhaber sollte das Wohlergehen und die Gesundheit seiner Mitarbeiter ( das ist das eigentliche Kapital der Betriebe ) mehr Wert sein, als irgendwelche eingesparten Sicherheitsmaßnahmen. Zumal der Unternehmer bei dem obigen Fall auch noch belangt wird, da bin ich mir ziemlich sicher.
      Ist zwar schon ein paar Jahre her, aber bei mir ist auch schon ein Mitarbeiter abgestürzt. Gerüst wurde durch ein Gerüstbauer für eine Umdeckung erstellt, freigegeben und auch von mir abgenommen. Ein Mitarbeiter wollte vom Dach auf das Gerüst springen ( Höhe vom Gerüstbelag bis Traufe Dach ca. 1,20 m ), dabei ist dann die Gerüstbohle gebrochen ( er ist auf die Bohle von der Konsole gesprungen, da drunter war natürlich kein Gerüst mehr und dann ging es noch mal 7 m weiter nach unten, zum Glück war zwischendurch noch ein Vordach, was seinen Fall noch gebremst hat ) Er hat sich dabei ``nur`` die Ferse angebrochen, das hätte aber auch anders ausgehen können ( ohne Vordach ).
      Da kam es dann auch zur Gerichtsverhandlung mit Gutachter und was weis ich nicht alles. Lange Rede kurzer Sinn: Das Ergebnis der Verhandlung war, das nur der Mitarbeiter Schuld an dem Unfall hatte, weil er gesprungen ist. Seitdem werden immer die 3 Stufigen Klapptritte mitgenommen und der Gerüstbauer hat kpl. auf Alubeläge umgestellt.
      Passieren kann immer was, nur sollte man die verbleibende Restgefahr so weit wie möglich eindämmen, denn für 90 oder 95 % aller Unfälle gibt es irgendein Hilfsmittel, was den Unfall hätte vermeiden können, wenn es denn eingesetzt wird. Ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber wenn man wegen irgendwelchen zu teuren Schutzmaßnahmen einen Auftrag nicht bekommt, ist das zwar ärgerlich, bewahrt einen aber evtl. vor einem ( finde ich ) sehr schweren Gang zur Frau oder Eltern des Verunfallten, ich brauche so was nicht nochmal, auch wenn ich nichts für den Unfall konnte, ist man doch für seine Mitarbeiter verantwortlich, ich weiß aber auch, dass das manche vergessen.

      PS: Der Mitarbeiter arbeitet übrigens immer noch bei mir, hat aber deutlich abgenommen :yeah: :lol:
    • Elopant schrieb:

      bleibt eigentlich nur der Anruf an BG oder Amt für Arbeitsschutz. Die sagen auch nicht: wir sind von Arbeitnehmer XYZ angerufen worden. Gerade bei der BG , die lassen bei einem Anruf mit schweren Verstößen schon alles stehen und liegen und sind innerhalb kurzer Zeit vor Ort,
      :lol: :lol: :lol:

      Sorry Elopant, aber das ist entweder Wunschdenken oder die hessische BG ist deutlich besser als unsere hier.

      Ich bei verschiedenen BQÜ-Baustellen die BG über schwere Mängel informiert und um eine unverzügliche Stilllegung der Baustelle gebeten.
      Vor Ort erschienen sind die immer erst, wenn ich über die BG Leitung per Fax oder mail angedroht habe, ihre Mitverantwortung durch Unterlassen im Falle eines Falles zu bezeugen!

      Dabei waren Gerüste ohne jeden Seitenschutz, Zimmerer auf Decken mit Öffnungen ohne jede Sicherung, dafür aber mit Riesenmikado auf der Decke, absolut nicht standsichere Gerüste, Steinstapel auf Gerüstbohlen, die kurz vorm Brechen waren (über Durchgängen) usw.
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • @Ralf Dühlmeyer: Dafür gibt es nur 3 Erklärungen: Entweder sind in Hessen alle Betriebe so toll, dass die BG unterfordert ist und quasi nur auf einen Anruf warten oder maßlos überbesetzt. Ich glaube aber eher die haben Angst vor Ihnen :lol: :sarkasmus: Wir waren dieses Jahr im Januar auf einer Fortbildung von BG und Amt für Arbeitsschutz ( Nachweis der jährlichen Unterweisung ). Hier wurde ganz deutlich gesagt, dass die Hemmschwelle bei den Mitarbeiter von BG oder RP eine Baustelle, wegen Sicherheitsmängel an Gerüsten o.ä. still zu legen, deutlich heruntergesetzt worden sind und dass sie für Anrufe oder Hilferufe von Angestellten sehr wohl alles stehen und liegen lassen, weil sie Wort wörtlich gesagt haben, wenn ein Angestellter uns vor lauter Angst anruft, muß es was dringendes sein, wo wir gleich kommen. Kann ich verstehen.
      Wenn ich als Betrieb anrufe und will eine Baustelle melden, wo kaum Gerüst steht ( fehlendes Giebelgerüst bei einer Dachumdeckung ), hat es auch fast einen Tag gedauert, bis sie vor Ort waren. Aber prinzipiell sind die Kontrollen auf den Baustellen ( ich rede hier nicht von Großbaustellen, sondern von kleinen Neubaugebieten, einzelnen Umdeckungen im Ortsbereich ) deutlich mehr geworden. Wo man früher die Menschen mit dem nagelneuen weißen Helm alle 2 Jahre mal gesehen hat, bekommt man heute 5-6 mal pro Jahr Besuch und das nicht weil sie angerufen wurden, sondern weil sie vermehrt durch die Orte fahren und nach genau diesen Baustellen suchen. Vom Prinzip finde ich die Kontrollen nicht verkehrt, auch wenn manche Sachen übertrieben sind, aber wenigstens bin ich nicht mehr der einzige Depp, der bei einem Dachfensteraustausch Gerüst mit anbietet. Hierdurch findet schon ein Umdenken statt was letztendlich den Angestellten zu Gute kommt.
    • Das kann ich so nur bestätigen. Als bei mir die Dachdecker unter jeden 2ten Ziegel eine Sturmklammer setzen mussten (wurde damals nur jeder 10te gemacht beim Bau) sind diese trotz meinem Hinweis nur mit einer "Leiter" gekommen und oben auf dem Dach rumgelaufen (7h lang) und haben jeden Ziegel hochgeschoben und Klammern gesetzt.

      Fotos an die BG geschickt, Antwort "naja das ist ein Verstoss gegen die Regeln, ich solle doch die Hotline anrufen" Vorbeikommen wird man aber sicher nicht schaffen, da man personell nicht die Kapazitäten dafür hat. Frage auch von mir ob man nicht trotzdem mit der Firma mal reden möchte (Fotos hat man ja) wurde verneint.
      Da hatten die BG wohl auch kein Interesse überhaupt Unfälle zu verhinden.

      Klar, ich hätte den Arbeitern den Zutritt verweigern können, aber dann hätte mein Dach wohl nie die Klammern gesehen. Laut Arbeitern die morgens da waren, sei das alles kein Problem mit der Leiter. Das ist schon so korrekt.

    • @Kater432 das hätte bei uns wahrscheinlich keine Stunde gedauert und dann hätten die 2 Pause gehabt. Kommt aber auch immer auf die zu betreuende Gebietsgröße drauf an. Hier in der Ecke arbeiten die Leute von BG mit denen vom RP ( Amt für Arbeitsschutz ) schon Hand in Hand, wenn die von der BG keine Zeit haben, kommen die vom RP und umgekehrt.

      Kater432 schrieb:

      da man personell nicht die Kapazitäten dafür hat
      wobei ich das nicht so ganz verstehen kann, wenn ich mir meine jährlichen Beiträge so ansehe ?( :(
    • Blöde Frage,
      wie läuft das dann für einen Bauherren?

      Nehmen wir mal an bei unserem Neubau gefällt mir nicht wie die Dachdecker auf dem Dach "turnen" und es fehlen Teile vom Gerüst.
      Ich bringe das ganze bei der BG vor und die stellen die Baustelle wirklich ein (wohne in Hessen :D )
      Wer zahlt das ganze dann am Ende? Wahrscheinlich ich da die das Gerüst länger steht und größer werden muss, oder?

      Ist nur eine hypothetische Frage, wir bauen noch nicht und Gesundheit geht vor fianziellen Vorteil.

      Grüße
    • Thomas schrieb:

      Wer zahlt das ganze dann am Ende? Wahrscheinlich ich da die das Gerüst länger steht und größer werden muss
      In gewissem Maße schon, wenn Abrechnung nach Aufmaß vereinbart ist, bezahlst Du das (zusätzliche) Gerüst, nicht jedoch die längere Standzeit wegen Stilllegung oder extra Anfahrt für den Gerüstbauer ( er hätte es ja auch gleich richtig bauen können und im allgemeinen Wissen die auch, wie ein ordnungsgemäßes Gerüst erstellt wird, nur hapert es meistens am vorab Ausmessen und das passende/ausreichende Material dabei zu haben und dann reicht auf einmal ein Giebelgerüst ohne Konsolen obwohl der Dachüberstand schon 70 cm hat. =O
    • Moin,

      a) eine USB ist nie nicht durchsturzsicher! Offensichtlich waren wohl beim Zeitungsbericht auch noch keine Dachlatten vorhanden, denn wie sonst soll der Kollege dort hindurchgefallen sein? Es sei denn, es hätten Lattenabstände > 40 cm im Lichten vorgelegen.

      b) Ich habe versucht bei der Präventivabteilung der BauBG eine Antwort auf die Frage nach erforderlichen Maßnahmen zur Absicherung vorn Bereichen zu erhalten, die zwecks Wartung und Reinigung von Photovoltaikanlagen auf einem Flachdach begangen Werden müssen.
      Es fand dann auch ein gemeinamer Vororttermin statt. Dabei herausgekommen ist NICHTS :(
      Obwohl im Bereich der Prävention tätig, konnten/wollten/durften mir die Männder der BG keinen Hinweis/keinen Tipp für entsprechende Maßnahmen geben. Sagen wir es mal so: es scheint wohl wesentlich einfacher und weniger verantwortungsvoll zu sein, im Nachgang zu einem Unfall die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen aufzuzeigen als es im Vorfeld zu tun. Hinterher kann man natürlich über alles Mögliche Nachdenken, alle Eventualitäten durchspielen (meistens sind das weniger als VOR einem angenommenen Ereignis) und den Finger in die gefundene Wunde legen.
      Unterm Strich und nach diversen Nachfragen meinerseits kamen dann doch noch einige vage Hinweise, wie man sich es seitens der BG vorstellen könnte. Heisst für mich allerdings, dass der Bauherr, dessen Planer quasi fast ins Blaue planen und ggf. durchführen müssen, dann vielleicht eine erneute Besichtigung durchführen (lassen) und evtl. eine Freigabe erhalten. Das kostet wieder mehr Zeit und auch Geld.

      Auch die mittlerweile vielen Voraussetzungen, die ein Arbeigeber im Baubereich erfüllen muss, bevor ein Mitarbeiter überhaupt die Baustelle betreten darf, sind in Teilen geradezu irrwitzig. Dabei geht bei den Arbeitnehmern, die auf der Baustelle tätig sind irgendwann der 7. Sinn für Gefahrenstellen verloren. Ihnen wird das selbständige Denken vollkommen abgenommen.

      Ich habe vor längerer Zeit mal die BauBG zu verschiedenen Baustellen rufen lassen. Man hatte mir versprochen, die Hinweise von mir ohne Namensnennung zu verfolgen. Was passiert? Schön deutlich auf/in ein Formular geschrieben stand mein Name ebenso deutlich erkennbar zu lesen. Natürlich waren die betroffenen "Kollegen" solche der besonderen Art, die schon mal gute Kumpels aus dem zwielichtigen Milieu ihren Vorteil nennen.

      Mein Fazit: Sicherheit muss immer vorgehen, Eigenverantwortung darf aber nicht vernachlässigt werden. Mir wären saubere Lösungen im Vorfeld einer Maßnahme lieber, weil das meistens erheblich kostengünstiger geht, als wenn ständig nachgebessert werden muss. Und hier hapert es m. E. doch durchaus noch (gewaltig).

      Grüße

      si
      DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld
    • stefan ibold schrieb:

      a) eine USB ist nie nicht durchsturzsicher! Offensichtlich waren wohl beim Zeitungsbericht auch noch keine Dachlatten vorhanden, denn wie sonst soll der Kollege dort hindurchgefallen sein? Es sei denn, es hätten Lattenabstände > 40 cm im Lichten vorgelegen.
      Moin Stefan,

      mir war so - kann es jetzt aber nicht belegen weil ich die Stelle nicht finde - dass auf Absturzsicherungen nach innen verzichtet werden kann, wenn eine intakte und den Anforderungen entsprechende USB verwandt worden ist. Ich bin mir da ziemlich sicher, das mal in einem Baustein der BG oder im Fachlehrbuch (10. Auflage) gelesen zu haben. Bei den hochwertigen - die Rote z. B. - brauchts ja schon einiges um da ein Loch rein zu bekommen. Aber bitte nicht falsch verstehen im Zweifel würde ich darunter immer abnetzen lassen, besonders bei großen Höhen (Scheune, Lagerhalle usw.)

      Off-Topic:
      Ich weiß ja, dass Du immer schwer beschäftigt bist aber wärst Du mal so lieb und wirfst ein Blick in dein Postfach hier im Forum oder in Dein Emailfach auf Arbeit. ;) :bier:



      Elopant schrieb:

      Jedem normal denkenden Betriebsinhaber sollte das Wohlergehen und die Gesundheit seiner Mitarbeiter ( das ist das eigentliche Kapital der Betriebe ) mehr Wert sein, als irgendwelche eingesparten Sicherheitsmaßnahmen.
      Das sagst Du, wenn ich mich so umsehe gibt es eher wenige mit dieser Einstellung. Ich könnt mich auch jedes Mal in den Arsch beißen, nicht die Eier gehabt zu haben und zu sagen "mach ich nicht". Ich habe eigentlich auch schon zu oft mein Glück provoziert. Ich glaube auch die Kollegen haben da einen nicht unerheblichen Einfluss. Wer lässt sich schon gerne als "pussy" bezeichnen, auch wenn das eigentlich egal sein sollte.

      In wie vielen Fällen ist der Chef/Meister auch regelmäßig da? Meißt sind doch die Gesellen unter sich, bekommen das nötigste an Infos und sollen schnell fertig machen. Ich bin mir sicher, dass diese Denke - eigentlich Krankheit - noch ziemlich lange so bleiben wird.

      Der Fall von @Kater432 beschreibt und zeigt es doch ganz gut. Die Verklammerung passt nicht. Wo dran liegt das? Weil die Gesellen zu faul waren oder weil Schriftsätze/ Verlegeschema nicht bis zu denen durchgekommen ist? Ich tippe auf letzteres. Nun kostet das Geld, mit Gerüst mag das wohl sogar richtig aua in der Brieftasche machen, also wird gespart. Ganz ehrlich? Würde der Auftrag morgen so vom Chef kommen wäre ich wohl auch da oben und würde es machen.

      Es beginnt doch schon daran, diese Lage erst zu provozieren, in dem man als Chef den Auftrag an seine Leute verteilt. Wie viel Prozent stehen da wie der Fels und sagen sich "kannst mich mal Kreuzweise"? Da wird eher gezetert und dann wird es doch gemacht.
      Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

      * Administrative oder moderative Beiträge in rot
    • Kalle schrieb:

      stefan ibold schrieb:

      a) eine USB ist nie nicht durchsturzsicher! Offensichtlich waren wohl beim Zeitungsbericht auch noch keine Dachlatten vorhanden, denn wie sonst soll der Kollege dort hindurchgefallen sein? Es sei denn, es hätten Lattenabstände > 40 cm im Lichten vorgelegen.
      Ganz ehrlich? Würde der Auftrag morgen so vom Chef kommen wäre ich wohl auch da oben und würde es machen.
      nicht nur du würdest das machen.
      ganz ehrlich, die meisten "unfälle passieren im haushalt",
      nicht auf großbaustellen.

      wenn da mal ein sturmschaden am efh häuschen zu beheben ist, rückt
      der dachdecker nicht mit einem gerüst und dachfangschutz an,
      sondern mit der anlegeleiter. das ist traurig, dass man seine
      gesundheit aufs spiel setzt für einen job, aber es ist leider so.
      - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
    • Da haben SiGeKos doch ihren Sinn. Nur dort wo diese Leute zum Einsatz kommen, wird von Seiten der Unternehmen eh schon von selbst an Sicherheit gedacht, spätestens bei der Bauleitung. Die Große Gefahr sind heute eher diese Kleinbaustellen, wo man meint sich ein Gerüst sparen zu können.

      Als ich damals (vor Jahrhunderten) meine Lehre gemacht habe, da wurde ich in Sachen Sicherheit eingewiesen. Ich dachte, das bekommt heute eh jeder mit. Aber anscheinend nicht. Was man da so an Merkbefreiten auf Baustellen sieht...
      -

      Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...
    • Das Problem ist eher umgekehrt @Frau Maier So wie Stefan das schon beschrieben hat - einem wird das Denken abgenommen. Für jeden Scheiß gibt es doch ein Regularium - man schauen sich mal die BG-Bausteine an. Das ist realitätsfern alles umzusetzen. Genau dann setzt aber der Prozess "mir egal" ein. Schleicht sich quasi ins eigene Handeln ein, noch mit einem gewissen "Druck" seinen Job los zu sein wenn man sich zu sehr anstellt.
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      * Administrative oder moderative Beiträge in rot
    • Kalle schrieb:

      ....Genau dann setzt aber der Prozess "mir egal" ein.
      als auszubildernder hatte ich auch in hohen höhen herumzuklettern.
      egal war mir manches nicht mehr, da hatte ich nur noch zittrige knie.
      heutzutage würde ich solche aktionen nie und nimmer machen.

      irgendwann setzt auch mal der prozess ein, doch nichts alles egal.
      - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
    • Einen Lehrling harakiri Aktionen machen zu lassen ist ja noch fahrlässiger. Ebenso ungelernten, ungeschulten. Früher gabs mal ein Winter, da konnte man das "schlechte" Wetter für Schulungen nutzen. Das wird wohl auch zunehmend weniger, bei unseren milden Wintern. Ich kann wie gesagt den AN schon verstehen - bin ja selber in der Situation.
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    • .... aber sobald es mehr als 5 Dachplatten zu bearbeiten gilt wird ein Dixi aufgestellt.

      Ich hab absolut kein Verständnis wenn auf Sicherungsmaßnahmen wie Fangnetze verzichtet wird.
      Da gehts "nur" um den Aufwand - und irgend ein Klemmfurz hat mal wieder vermeindlich "clever" gespart.

      Der Vorarbeiter - die arme Sau - springt dafür über die Klinge.
      Er soll die Suppe auslöffeln - zumindest kriegt er voll eingeschenkt.

      Stinken tut der Fisch aber am Kopf !
      Da fängts beim Bauherrn an, geht bei der Bauleitung weiter (so es eine gibt) und hört bei den Firmen nicht auf ... je weiter oben an einem Bauvorhaben Scheisse ins System gekippt wird, desto breiter streut der Mist. Blos wenns dann daneben geht, stehen alle wie die begossenen Pudel da und geben den Jammerlappen ...
      und an dem Bauvorhaben waren die Sicherheitsmängel BEKANNT !
      Keine Ausrede, keine Gnade ... und kein Bauernopfer.
      Eine Etage höher gehört rassiert und kräftig eingeseift dafür.

      Zum Skat spielen im Bau brauchts min. 3 ... ich wette die wären an dem BV auch zu finden !

      Gruß
      Achim Kaiser
    • Kalle schrieb:

      Bei den hochwertigen - die Rote z. B. - brauchts ja schon einiges um da ein Loch rein zu bekommen. Aber bitte nicht falsch verstehen im Zweifel würde ich darunter immer abnetzen lassen, besonders bei großen Höhen (Scheune, Lagerhalle usw.)
      Ich glaube von Dö.... gibt es so eine angeblich Durchsturzsichere Ich hab da malimOrdner gekramt , Del..Maxx und auch die mit Plus , da steht BG zertifizierte Durchsturzsicherheit auf dem Produktmuster . Sorry mein Ordner ist aber etwas älter, auch möglich das es schon wieder anders ist.
      Aber ich würde mich da auch nicht 100% drauf verlassen wollen.
      Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein