Vergleich Passivhaus vs Enev im MFH

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    • Vergleich Passivhaus vs Enev im MFH

      Habe gerade beim Arztbesuch einen spannenden Artikel angelesen:

      Eine Wohnungsbaugesellschaft testete Passivhäuser – mit ernüchterndem Ergebnis DER SPIEGEL 2016/31

      Zwei identische 14 Familienhäuser nebeneinander, einmal Passivhaus-Standard (26cm WDVS , 3fach-Verglasung, KWL,...) einmal EnEV-Standard (14cm, 2fach, einfache Lüftung,...)

      Quintessenz war: Die eingesparten Heizkosten beim Passivhaus werden durch den Stromverbrauch der aufwendigen Haustechnik so gut wie aufgefressen. Die Investition amortisiert sich also nie.

      Leider konnte ich den Artikel nicht fertiglesen, aber vielleicht hat ja jemand den Spiegel und kann genauere Details berichten.
      Ich finde das ist jedenfalls ein spannendes Projekt.
    • War jetzt nicht so ergiebig der Artikel. Im weiteren Verlauf äußert sich noch jemand vom "Passivhaus Institut Darmstadt", der das auf eine falsche Einstellung der Lüftungsanlage und Fehlverhalten der Mieter zurückführt. Dann wird noch ein wenig die Sinnhaftigkeit des Standards für verschiedene Gebäudenutzungen diskutiert (EFH Hui, Schulen Pfui) und am Ende noch erwähnt, dass die zusätzliche Technik im Passivhaus-Gebäude ganze 67qm mehr Nutzfläche benötigt, was - auf das gesamte Wohngebiet hochgerechnet - dann knapp 40 Wohnungen weniger ergäbe, würde man konsequent mit Passivhaus-Standard bauen.

      Daten:

      Heizenergie - 33%
      Strom: 19.000 kWh (Passivhaus) vs. 4.500 kWh ( EnEv 2009)
    • Dino15 schrieb:

      Quintessenz war: Die eingesparten Heizkosten beim Passivhaus werden durch den Stromverbrauch der aufwendigen Haustechnik so gut wie aufgefressen. Die Investition amortisiert sich also nie.

      Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Selbstverständlich benötigt Technik auch el. Strom, keine Frage, aber gerade bei einem MFH ist die Heizkosteneinsparung absolut gesehen relativ hoch, dafür kriegt man eine Menge Strom.

      Was bei solchen Vergleichen immer schwierig zu beurteilen ist, das Nutzerverhalten und der Wohnkomfort. Hier kann man bei 14 Familien zwar unterstellen, dass das Nutzerverhalten durch Mittelung eher vergleichbar ist als bei einem EFH, aber der Wohnkomfort ist kaum in Zahlen zu fassen. Ich denke hierbei insbesondere an das Lüftungsverhalten, denn eine KWL hat schon einen entsprechenden "Stromverbrauch". Dieser liefert im Gegenzug aber auch Wohnkomfort, der bei manueller Lüftung kaum erreicht wird.

      Normalerweise brechen die Investitionskosten solchen PH-Konzepten das Genick. Das liegt weniger an der Technik- bzw. den Materialkosten, sondern vielmehr an den Arbeitskosten für die Montage. Mein Lieblingsbeispiel, WDVS , was da teilweise angeboten wird, da kann man nur den Kopf schütteln.
      ---------- 23. August 2016, 12:14 ----------

      Rekham schrieb:


      Daten:

      Heizenergie - 33%
      Strom: 19.000 kWh (Passivhaus) vs. 4.500 kWh ( EnEv 2009)

      Danke für die Info.

      Da frage ich mich, wozu um alles in der Welt hatte das PH einen Mehrverbrauch an el. Strom von 14.500kWh?

      Mit der Lüftungsanlage ist das nicht zu erklären, höchstens da kam noch ein el. Heizregister zum Einsatz, und die Nutzer wünschten eine entsprechend hohe Raumtemperatur.
    • Ich habe einen ähnlichen Artikel in einer Fachzeitschrift über die gleichen Gebäude gelesen und fand ihn auch recht interessant.

      Ich denke für den Geschosswohnungsbau Vermietung sind solche Konzepte (Passivhaus mit WP-Technologie) noch mit Vorsicht zu geniessen, da die Bewohner es gerne möglichst schnell sehr warm haben möchten, auch die WW-Zirkulation (wenn nicht mit Wohnungsstationen gearbeitet wurde) hat in der Vermietung immer eine andere "Taktung" als im EFH-Sektor.

      Der Häuslebauer mit WP-Technik passt sein Heizverhalten eher der Technik an als ein Mieter dem die Haustechnik erstmal recht egal ist solange die eigenen Bedürfnisse nach Wärme und WW schnell befriedigt werden.
    • Genauso ist es. Wir lassen beim Neubau die Finger konsequent vom Passivhaus und Wärmerückgewinnung.
      Mieter und generell Mehrfamilienhausbewohner sind selten bereit, sich der Witterung und der Vernunft anzupassen.
      Die wollen irgendwas abschalten, wenn sie einkaufen gehen und es ruckzuck mollig warm haben, wenn sie heimkommen.
      Dass die Wohnung nach zwei Wochen Winterurlaub nur 18 Grad hat, ist nicht vermittelbar.
      Das einzige Passiv-Mehrfamilienhaus hier macht seinen Besitzern nichts als Ärger.




      Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.

      ]M.G.Wetrow
    • Dem stimme ich zu. Als Mieter hat man schnell das Gefühl, dass man die Heizkosten sowieso kaum beeinflussen kann, oder dass man nur für die "Anderen" spart. Daraus folgt dann ein anderes Heiz-/Nutzerverhalten als in einem EFH. Wenn ich während der Übergangszeit Abends nach Hause komme, und es hat vielleicht nur 19°C oder 20°C RT, dann überlege ich, ob ich die Heizung einschalten soll, und lasse sie dann meist aus. In einem MFH muss der Wärmeerzeuger Heizenergie bereitstellen, wenn auch nur eine Person aus den 14 Familien mit der RT nicht zufrieden ist. Das mag vielleicht selten vorkommen, aber über das Jahr gesehen summiert sich das.

      Zudem muss bei Vermietung immer mit einer Änderung des Nutzerverhaltens durch Mieterwechsel gerechnet werden. Das erschwert die Planung zusätzlich.
    • Genau,
      das Thema genau dieser beiden Häuser wurde doch irgendwo schon einmal abgehandelt, Quintessenz;
      Ein Passivhaus funktioniert nur wenn die Besitzer das Konzept auch leben und verinnerlichen.

      Wenn ich einen Porsche wie einen Traktor pflege, warte und fahre werde ich weder was aus der Kiste rau holen können noch Freude daran haben ;)

      Grüße
    • Thomas schrieb:

      Genau,
      das Thema genau dieser beiden Häuser wurde doch irgendwo schon einmal abgehandelt, Quintessenz;
      Ein Passivhaus funktioniert nur wenn die Besitzer das Konzept auch leben und verinnerlichen.

      Wenn ich einen Porsche wie einen Traktor pflege, warte und fahre werde ich weder was aus der Kiste rau holen können noch Freude daran haben ;)

      Grüße

      Achtung OT: Es sei denn den Traktor ist von Porsche :P
    • Thomas schrieb:

      Ein Passivhaus funktioniert nur wenn die Besitzer das Konzept auch leben und verinnerlichen.
      ich würde sogar noch einen Tick weiter gehen und sagen: der Nutzer ist ein Teil des Konzepts.


      ein bisschen Philosophiererei meinerseits:
      Ich denke, das "Konzept Passivhaus" ist bald überholt. Wenn es dies nicht sogar schon ist. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen...
      Das Passivhausinstitut wird massiv um seine Existenzberechtigung ringen müssen...

      Das Passivhauskonzept war gut, um die Entwicklung von hochwärmedämmenden Bauteilen, Komponenten und effizienten Techniken sowie integraler Planung voranzutreiben.
      Haben wir jetzt, ein Hauskonzept mit sehr geringem Heizwärmebedarf kann man ohne Weiteres mit jederzeit am Markt verfügbaren Materialien bauen.

      Und die 15 kWh /m²a müssen wir ja ohnehin in den seltensten Fällen erreichen, weil es ja selbst bei den Passivhäusern kaum eines gibt, welches auf die Zuluftnachheizung als alleiniges Heizkonzept setzt. Nahezu jedes hat neben diesem passiven Heizsystem auch noch ein zweites, wasserführendes Heizsystem. Ist also im ursprünglichen Sinne schon kein "Passiv-" Haus mehr.
      Und damit sind auch die 15kWh/m²a im physikalischen Sinn gar keine echte oder zwingende Grenze mehr (und waren es auch noch nie, eigentlich ging es um die bei "normalen" Luftwechsel transportierbare Heizleistung von ca. 10 W/m²).

      Das Passivhaus hatte seine Existenzberechtigung ohnehin nur, weil Feist gesagt hatte, man könne doch den Wärmeschutz so weit verbessert, dass man auf das kostenintensive wasserführende Heizsystem verzichten kann und sich so unter dem Strich die Mehrkosten unter Berücksichtigung der zusätzlich zu erwartenden Energieeinsparung wirtschaftlich vertretbar darstellen...

      Wer will den heute noch ein echtes Passivhaus ohne Zusatzheizsystem, ohne Fußboden- oder sonstige Zuheizung und vielleicht sogar mit gelegentlichen Behaglichkeitseinbußen, wenn grad mal die Sonne nicht ausreichend scheint oder ich auch mal mehr als 20°C Raumtemperatur will? Ja, wir sind ein Luxusvolk geworden, was den Behaglichkeitsanspruch angeht.
    • Alfons Fischer schrieb:

      Wer will den heute noch ein echtes Passivhaus ohne Zusatzheizsystem
      warum "heute"?
      die 15er-story hat noch nie befriedigend funktioniert, luftheizung in kombination
      mit gerade-eben-genug dämmung ist schon immer viel zu sensibel gewesen - aber
      irgendeine zahl und eine kalkulatorische versuchung musste feist schon bringen ;)
      welche idee ist so robust, dass sie nicht bis zur unkenntlichkeit verschlechtert
      und verbilligt werden kann? dass nicht jeder -pardon- depp ein passivhaus planen
      kann, gehört zum markt: selbstregulierung, strafe muss sein.
    • mls schrieb:

      Alfons Fischer schrieb:

      Wer will den heute noch ein echtes Passivhaus ohne Zusatzheizsystem
      dass nicht jeder *piep* ein passivhaus planen
      kann, gehört zum markt: selbstregulierung, strafe muss sein.
      zur Planung gehört aber auch Grundlagenermittlung. Und da wäre es auch gut zu erkennen, dass so ein Konzept unter Umständen nicht zu meinem Bauherrn passt ;)
      nein, ein (echtes) Passivhaus ist nichts für jeden Anspruch!

      Ich sehe aber draußen aber häufig den unreflektierten Glauben (sowohl in der "kleinen" als auch in der "großen" Politik), das "Passivhaus" wäre das Baukonzept der Zukunft und sollte unbedingt angestrebt werden.