Veränderter Grundwasserspiegel - rechtliche und bauliche Einschätzung

    • Ja - die von Manfred Abt beschriebene Vorgehensweise halte ich für richtig (bin selbst seit fast vier Jahren im LRA bei der unteren Wasserrechtsbehörde tätig).

      Ich sehe es aber so, dass die Abdichtung des Kanals auch über die Jahrzehnte gewachsen sein kann. Ein Bachbett hat auch eine natürliche Abdichtung.
      Wir wohnen hier neben einem Bach, der ein paar Meter unterhalb zum Mühlkanal wird. Der Fehlbach fällt immer wieder trocken und hat keine dichte Sohle, denn die wird beim Trockenfallen rissig. Der eigentliche Bach/ Mühlkanal hat eine dichte Sohle, die nachweislich nicht mit dem Grundwasser korrespondiert (Grundwasserstand unmittelbar am Bach ca. 6,00 m unter Gelände). Nur bei einem hundertjährlichen Hochwasser kommt es aufgrund des hier vorherrschenden reinen Kiesbodens zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels auf Hochwasserniveau. Deshalb sollte man hier auch mit weißer Wanne bauen, wenn man denn einen Keller braucht.

      Liegt das Grundstück des TE nicht gleichzeitig in einem Überschwemmungsgebiet (dazu muss das LRA Auskunft geben), dann ist eine weiße Wanne vermutlich nicht erforderlich gewesen und durch die Zerstörung der Kanalabdichtung (Aufreißen der Sohle und der Uferwände) wurde möglicherweise der Schaden am Haus verursacht.
      Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!
    • Ergänzend noch der Hinweis, dass es ohne wirklich genaueste Kenntnisse der Rahmenbedingungen vor Ort hier nur allgemeine Hinweise geben kann.
      Es gibt auch Fälle, in denen es durchaus erwünscht ist, den durch frührere Baumaßnahmen künstlich abgesenkten GW-Spiegel wieder auf ein früher mal vorhandenes natürliches Niveau wieder anzuheben.

      Bzgl. der selbst abgedichteten Bachsohle ist das korrekt dargestellt. So etwas gibt es, aber auf diese kolmatierten Schichten hat man sicher keinen Anspruch und sie können auch bei einem Hochwasserereignis gestört werden.

      Ich betreue aktuell auch ein BV unmittelbar neben einem Mühlengraben, der keinerlei Einfluss auf das GW hat.

      Hinweis auf Lage im amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebiet ist gut.
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
    • nun, mittlerweile haben sich drei Nachbarn gemeldet, bei denen mittlerweile auch Probleme aufgetreten sind. Möglicherweise werden es noch ein paar.

      Wir waren heute beim Anwalt, der macht das mit dem Schreiben ans Wasserwirtschaftsamt.

      Gewünscht kann eine Anhebung des Grundwasserspiegels hier nicht gewesen sein, da der Sachbearbeiter vom WWA, der heut übrigens am Sägewerk war und die Stauhöhe kontrolliert hat, gesagt hat, daß sich der Grundwasserpegel seit Jahren nicht verändert habe.

      Laut meinem Vater wurde damals die Höhe der Kellersohle vom Landratsamt vorgeschrieben, weitere Informationen habe ich derzeit noch nicht.

      Der Schacht wurde nachträglich aufgrund von Problemen mit großen Hochwasserereignissen angelegt, der wurde nicht beim Bau erstellt.

      Danke erstmal für die zahlreichen Hinweise.
      ---------- 29. Juli 2016, 17:35 ----------
      unabhängig von der rechtlichen Bewertung, wenn der Wasserstand so bleibt, wie könnte eine Sanierung aussehen?

      Mit der Vergelung bin ich eher skeptisch, ob das dauerhaft funktioniert.

      Eine Abdichtung von außen (Dickbeschichtung o.ä.) wäre extrem aufwendig, weil mit Abriss von 13m betonierter und überdachter Terasse und Eingangsbereich mit Treppe verbunden.

      Sonst würde mir nur noch einfallen, eine zweite Wand von innen zu errichten, die dann mindestens die abdichtende Funktion erfüllt. Die tragende wird vermutlich statisch nicht funktionieren, weil relativ zu den Außenwänden gesehen nach innen versetzt!? Ist eine im Wasser stehende Mauer aus Betonsteinen dauerhaft tragfähig?
    • ZeroM schrieb:


      ---------- 29. Juli 2016, 17:35 ----------
      unabhängig von der rechtlichen Bewertung, wenn der Wasserstand so bleibt, wie könnte eine Sanierung aussehen?
      mein Ansatz wäre wie schon mal oben angedeutet ein anderer:
      • vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass der GW-Stand im Bereich der Gebäude trotz eines höheren GW-Standes neben dem Kanal wieder abgesenkt werden kann.
      • Voraussetzung: der GW-Stand wurde durch den Umbau am Kanal in einer den Anwohnern nicht zumutbaren Weise erhöht. Dafür müssen aber die von mir im Beitrag 24 beschriebenen Schritte abgearbeitet werden.


      Meine Empfehlung oben bestand nicht nur aus einem Textvorschlag.
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
    • Den Ausführungen unseres Wasserpapstes Manfred ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen....dennoch...mich würde ja schon interessieren wie der Grundwasserspeigele an so einem Kanal plötzlich signifikant ansteigen kann!

      Denn: der Kanal führt Wasser. Tat er auch bisher. Wenn nun ein großer Teil plötzlich ins Erdreeich abwandert, versickert und dies nicht nur örtlich, sondern eben auf großer Länge ( es sind ja wohl mehrere Gebäude mittlerweile betroffen) müssen es ja ungeheure Wassermassen sein, die da verloren gehen. Der Kanal müsste dann ja eigentlich ruckzuck leer sein. Gerade bei einem Kanal, also einem eher nicht fließenden (nachfließenenden) Gewässer, müsste sich dann doch ein (Schleusen)abschnitt alsbald entleeren. Schließlich wird das Erdreich da ja nicht nur lokal befeuchtet, sondern über große, flächige Abschnitte....ich kann dem noch nicht so ganz folgen...
    • der kanal wird von der Ilm abgezwackt und liesst nach einer kurzen strecke wieder in die Ilm. der höhenunterschied wird nicht so gewaltig sein und dazwischen liegt das wohnhaus des TE. der grundwasserspiegel fällt mit steigender entfernung von fluss und kanal, dazwischen ist der grundwasserstand meist konstant.
    • rein aus dem Lageplan und den Fotos erlaube ich mir keine Einschätzung eines natürlichen oder durch die Gewässer veränderten Grundwasserspiegels.

      Kleiner Nachtrag: Allerdings ist richtig, dass sich aus der Lage beim Bau des Hauses schon aufdrängt, dieses Thema intensiv beleuchten zu müssen.
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
    • Es ist schon möglich, dass der Wasserspiegel eines vom Fluss abzweigenden Kanals deutlich über dem des verbleibenden Flusses liegt. Ich habe z.B. mal ein Wasserkraftwerk in Rechtenstein besichtigt, wo die Fallhöhe des Wassers am Endes des Kanals (kurz vor dem Wiedereintritt in den Flusslauf) ca. zweieinhalb bis 3 Meter beträgt.

      Ich kann mir auch (theoretisch - ohne Ortskenntnis) vorstellen, dass derartige Kanäle zumindest soweit mit "dichten" Baumaterialien hergestellt werden, dass der Wasserverlust gering gehalten wird, denn der Mühler will ja so viel wie möglich von dem Wasser verwenden und nicht die Hälfte ins Grundwasser versickern lassen. OT: bei uns am Mittellandkanal stehen Häuser direkt neben dem Kanal mit First unterhalb des Kanal-Wasserspiegels. ist was gaaanz anderes, aber geht.
      Ungefähr [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.] .

      Ideal wären Fotos vom Kanalbau (Archiv der Mühle, Gemeindearchiv, Heimatmuseum, ...) auf denen z.B. erkennbar ist, ob mit Ton/Lehm o.ä. ausgekoffert wurde. oder eben n nicht.
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • Kater432 schrieb:

      also für mich wär das nichts, mit meinem Haus UNTER dem Kanal zu liegen. Das wär mir echt zu risikobehaftet.
      Ein kleines Erdbeben :lol: und schon schwimme ich in meinem Haus oder sehe aus wie ein Goldfisch im Glas.
      Der Teltowkanal müsste eigentlich teilweise auch ein künstliches Bett haben. Die Schleuse Kleinmachnow hat einen Höhenunterschied (Ober- zu Unterwasser) von 2,86 m. Der muss sich irgendwie in der Umgebung abbilden.

      Dass Kanäle höher liegen als ihre direkte Umgebung, ist seit hunderten von Jahren Usus. Die kanalisierte Oder liegt auch höher als das Oderbruch, Bei der Donau unterhalb von Regensburg ist es nicht anders (bin ich letztes Jahr erst langgeradelt).
      __________________
      Gruß aus Oranienburg
      Thomas
    • SirSydom schrieb:

      Main-Donau-Kanal
      1979


      Mir ging es nur um vorschnelle, ohne Ortskenntnisse der Geologie, getroffene Aussagen zu vermeiden.
      Auch weil ich gemerkt habe das meine Vostellungen zu sehr von dem mir Bekannten geprägt sind.

      ?Manfred hat ja schon die Punkte beschrieben die abzuarbeiten sind.


      Noch ein Beispiel kleine Ursache große Wirkung
      Beitreiber staut 10cm höher und damit über die mal ursprungliche Dammkrone, welche aber inzwischen einen halben Meter unter der heutigen Oberfläche liegt.
      Nach einigen Tagen ist dann in 40m Entfernung eine Stelle vernässt und Wasser tritt aus.
      Was war passiert
      Der ursprüngliche Damm war dicht. Das Material oberhalb war das material vom Ausputzen und dem entsprechend sandig.
      Das Wasser sickerte durch bis es auf eine wasserunduchlässige Lehmschicht traf
    • Thomas T. schrieb:

      Kater432 schrieb:

      also für mich wär das nichts, mit meinem Haus UNTER dem Kanal zu liegen. Das wär mir echt zu risikobehaftet.
      Ein kleines Erdbeben :lol: und schon schwimme ich in meinem Haus oder sehe aus wie ein Goldfisch im Glas.
      Der Teltowkanal müsste eigentlich teilweise auch ein künstliches Bett haben. Die Schleuse Kleinmachnow hat einen Höhenunterschied (Ober- zu Unterwasser) von 2,86 m. Der muss sich irgendwie in der Umgebung abbilden.
      Dass Kanäle höher liegen als ihre direkte Umgebung, ist seit hunderten von Jahren Usus. Die kanalisierte Oder liegt auch höher als das Oderbruch, Bei der Donau unterhalb von Regensburg ist es nicht anders (bin ich letztes Jahr erst langgeradelt).
      Ich meine mit meiner Aussage, nicht so dicht wie in SirSydom verlinkten GoogleMaps Eintrag. Direkt neben dem Kanal bauen und trotzdem tiefer liegen.
      Schleuse kenne ich, da dürfen wir vom THW unsere Großpumpen testen und üben :thumbsup: