Stuttgarter Corbusier-Häuser zum Weltkulturerbe ernannt

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  • Naja, die Wohnmaschine war ja der große Hype dieser Zeit. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich noch in der Schule war, da gab es so kleine Heftchen mit Kalender und allerlei Geschichten, die man als SchülerIn geschenkt bekam. Bei einer der Geschichten ging es darum, dass man orakelte, dass es in Zukunft keine Dörfer oder Kleinstädte mehr geben würde, weil man nur noch ein riesiges Gebäude bauen würde, wo dann alles drin sei. Vor dem Haus waren dann große Freizeitparks und teils auf ausladenden Terrassenkonstruktionen und auf dem Dach der Hubschrauberlandeplatz als Busersatz. Diese Visionen wurden damals sogar den Schülern eingeimpft.
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    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...
  • nettes häuschen....

    aber bei einigen visionen des Le Corbusier und
    seinen wohnmaschinen, muß ich schlucken....

    gigantisch, ohne bezug zum menschlichen maßstab.
    plattenbausiedlungen, cites, banlieue.....

    städtebaulich sehr fragwürdig seine visionen.
    - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
  • Jo. Das war schon etwas an menschlichen Bedürfnissen vorbei visioniert. Damals war man von der Idee besessen, dass der Mensch zu neuen Dimensionen aufbricht, atomkraftbetriebene Autos und Handtaschenwärmer (ein Stück angereichertem Uran in der Hosentasche, der auch immer schön warm hält...), jeder fliegt nur noch mit dem Hubschrauber durch die Gegend, statt mit dem Auto zu fahren, Urlaub auf dem Mond...und Wohnmaschinen, die alles zum Leben beinhalten, wohnen, arbeiten, Freizeit, alles im gemeinschaftlich im Haus.... Die Technikgläubigkeit kannte keine Grenzen.
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    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...
  • wenn du aber heute den stadtrand in paris genau anschaust, ist das ergebnis nicht weit von diesen visionen entfernt!

    bauhausarchitekten waren zu dieser zeit auch nicht anders, schau dir die megasiedlungen von Mies und Hilbersheimer an!
  • klar schauen die stadtränder von Paris fast 1:1 so aus.
    der gute mann wollte es aber auch auf die innenstadt
    ausweiten.

    die stadtränder nicht nur von Paris, bescheren aber
    einige probleme. man kann menschen nicht in
    gigantische wohnmaschinen beherbergen. das
    funktioniert nicht.

    wenn ich mir das rote wien betrachte, frage ich
    mich oftmals, weshalb es (immer noch) funktioniert.
    das mag aber auch daran liegen, dass die stadt in der
    stadt, immer etwas kleinteiliger war, als diese
    gigantisch-visionen.
    ---------- 26. Juli 2016, 07:56 ----------
    [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.]

    diese wohnanlage empfinde ich mit ca. 1500 wohnungen schon
    gigantisch. aber irgendwie verläuft es sich auf dem areal.

    es geht auch ohne punkthochhäuser.
    - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
  • Ich habe einen schönen Artikel zu Le Corbusier gefunden: [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.].

    Zitat: "Die Architekten, die nach Le Corbusier kamen, haben auch gelernt, handwerklich mit den Formen umzugehen, die er einführte. Flachdächer müssen nicht undicht sein, Sichtbeton muss nicht fleckig werden und krümeln. Dass dennoch zu den Folgen besonders der Spätphase Le Corbusiers eine Unzahl brutalistischer Betonklötze gehört, die nur zu ertragen sind, weil es ja auch eine Hoffnung namens Dynamit gibt, ist leider auch wahr."

    Sehr schön!
    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas
  • Thomas T. schrieb:

    Ich habe einen schönen Artikel zu Le Corbusier gefunden: [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.].

    Zitat: "Die Architekten, die nach Le Corbusier kamen, haben auch gelernt, handwerklich mit den Formen umzugehen, die er einführte. Flachdächer müssen nicht undicht sein, Sichtbeton muss nicht fleckig werden und krümeln. Dass dennoch zu den Folgen besonders der Spätphase Le Corbusiers eine Unzahl brutalistischer Betonklötze gehört, die nur zu ertragen sind, weil es ja auch eine Hoffnung namens Dynamit gibt, ist leider auch wahr."

    Sehr schön!
    Dynamit - Architekturkritik, die man tatsächlich sieht.
  • meiner meinung nach, hätte er sich bei den
    ein/-mehrfamilienhäuschen , sakralbauten.... austoben sollen.

    in der vertikalen planung hat er sich leider verrannt.

    da muß man nicht mal architekt sein, um zu verstehen,
    dass solche visionen nicht funktionieren.
    ---------- 26. Juli 2016, 12:43 ----------


    überbauung altstadt von Algier......

    hallo? gehts noch?
    ---------- 26. Juli 2016, 13:01 ----------



    so sähe Algier aus.
    ohne rücksicht auf verluste, kulturelle gegebenheiten, einwohner....

    Corbusier ist schon sehr kritisch zu betrachten.......
    - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
  • Naja, das war ja auch nur eine Phase von ihm. Jeder hat so Phasen wo er Sachen macht, die gerade voll IN sind und sich später als der totale Mist entpuppen.

    Wenn es um Verdichtung geht, dann ist für mich Ronald Rainer das Maß der Dinge.

    Wenn man aber die Entwicklung auf der Welt betrachtet, dann sind Corbusiers Visionen gar nicht mal so verkehrt. Man schaue sich die Entwicklung in den bevölkerungsstarken Ländern an, dann lassen sich diese Menschenmassen nur noch in solchen Wohnmaschinen unterbringen, wenn man noch genug landwirtschaftliche Fläche zu deren Ernährung übrig haben will. Da kommen schon die düsteren Visionen wie im Film Blade Runner hervor, mit extrem verdichteten Städten, wo die armen unten im Schatten wohnen und die Reichen oben an der Sonne, mit eigenen Straßen in Schwindel erregender Höhe, um nicht mit den Armen in Kontakt zu kommen...
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    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...