Ereignisse in der Türkei

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    • Ereignisse in der Türkei

      Moin Moin,

      was haltet Ihr derzeit von der Lage in der Türkei? Seit gestern Abend/Nacht versuchte ja das Militär einen Putsch. War/ ist dieser gerechtfertigt, in Folge der Politik seitens Erdogan. Oder ist das absolut inakzeptabel gerade in Anbetracht der vielen Toten?

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      Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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    • Erinnert mich stark an den Röhm Putsch. Auch was bereits im Zuge der "Säuberungen" in der Türkei vollstreckt wurde.
      - Annähernd 3000 Richter entlassen
      - Premier Yildirim denkt laut über die Wiedereinführung der Todesstrafe nach
      - die am Putsch beteiligten werden vom Mob teilweise schwer misshandelt, angeblich wurde ein Soldat enthauptet.

      Jetzt hat Erdogan im Grunde alles um die Türkei nach seinem Gusto umzuarbeiten, mit Gülen hat man auch bereits einen Hauptverdächtigen geliefert und der Weg in die Präsidialregierung ist quasi geebnet. Damit dürfte es die Opposition noch schwerer haben. Ich kann den Militärputsch (der vierte wohlgemerkt) nicht gutheißen, aber die bisherige Entwicklung in der Türkei hat nur noch wenig mit den Vorstellungen von Atatürk gemein.
    • Doubtfire schrieb:


      Jetzt hat Erdogan im Grunde alles um die Türkei nach seinem Gusto umzuarbeiten, ....

      Das ist zwar richtig, aber letztendlich der Wille des Volkes. Es wäre möglich gewesen ihn abzuwählen, das ist gescheitert.....an sich schon mehrfach.

      Demokratie bedeutet ja nicht, dass in einem Land eine Partei herrscht die uns oder anderen Ländern genehm ist, sondern die Partei die von ihrem Volk gewählt wurde. Es kann nicht sein, dass eine kleine Gruppe meint mit Waffengewalt Demokratie herstellen zu müssen. Das lässt sich mit Demokratie nicht vereinbaren.

      Man muss sich nur mal vorstellen, dass morgen früh bei uns so etwas passieren würde. Die Bundeswehr putscht gegen unsere Regierung, nur weil sie der Meinung ist, dass die Politik irgendeiner anderen Partei besser für unser Land wäre.
    • R.B. schrieb:

      Man muss sich nur mal vorstellen, dass morgen früh bei uns so etwas passieren würde. Die Bundeswehr putscht gegen unsere Regierung, nur weil sie der Meinung ist, dass die Politik irgendeiner anderen Partei besser für unser Land wäre.
      In der Türkei ging es aber doch um Verrat von Grundideen, die Erdogan freudig zelebriert in seiner Amtszeit. Außerdem, wer so reagiert, wie er es tut dem traue ich auch zu "freie" Wahlen zu türken.

      Natürlich hätte es nicht gegen die Bevölkerung gehen dürfen. Ein Putsch hätte eigentlich die Inhaftierung des Oberhauptes zur Folge. Ich frage mich nur, was dann gekommen wäre. Es ist ja schon bezeichnend, dass das Land 4 Versuche hinter sich hat und immer wieder zu keinem Ergebnis kommt.

      Und die Entscheidung der vergangenen Zeit (Brexit) hat gezeigt, dass die "Wahl" auch nicht immer die freie Meinung ist sondern oftmals auch geleitet aus Motivationen jedweder Art.
      Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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    • Das Militär sieht sich als Wahrer der kemalistischen Ordnung in der Türkei, schliesslich war Kemal Atatürk selber Offizier.

      Und das, was Erdogan an Politik angestrebt, durchgesetzt und betrieben hat, widersprach in weiten Bereichen eben dieser kemalistischen Ordnung. Von daher war zumindest absehbar, dass das Militär nicht glücklich mit ihm und seiner Politik war. Zumal er wohl, wenn die Infos stimmen, türkisches Militär in Gebiete ausserhalb der Staatsgrenzen entsenden wollte (Syrien), was den Militärs noch weniger passte.

      Und es ist nicht das erste Mal, das in der Türkei das Militär seine Sicht der Dinge und des Erbes Atatürks per Putsch durchzusetzen versucht hat. Nur sind sie damit meines Wissens nach bisher immer durchgekommen, nun aber wohl gescheitert.

      Was wird daraus erwachsen? Ich fürchte, eine weitere Spaltung des Landes. Seine Anhänger, oft wohl eher Verehrer werden ihn noch höher heben, weil er den Putsch unbeschadet überstanden hat.
      Seine Gegner werden noch mehr gegen ihn haben, weil er wieder einmal mit seinem eisernen Besen durchkehren wird.

      Die Frage, ob es angemessen war, einen demokratisch gewählten Präsidenten wegzuputschen, kann man für diesmal den Philosophen überlassen, die Nummer ist gelaufen und nicht revidierbar.

      Ich fürchte eher die Folgen. Ein Land, das so schon in innere und äussere politische und religiöse Konflikte stark eingebunden war, wird weiter zerreissen, es wird mehr Terror aller Seiten gegen vermeintliche oder auch echte Gegner geben und wie immer werden die die Dummen sein, die einfach nur ihr Leben leben wollen.
      Und "der Westen" wird zusehen (müssen), weil Erdogan ihr Bollwerk gegen die Folgen verfehlter westlicher Machtpolitik im nahen und mittleren Osten ist und sich so unabkömmlich und unersetzbar gemacht hat.
      Ein Einwirken, wie man es in anderen Konflikten versucht und getan hat, um Parteien einander näher und an den Verhandlungstisch zu bringen, wird hier nur im Sinne Erdogans erfolgen, um ihn nicht zu brüskieren.

      Immer völlig unabhängig von der Meinung zu dem, was er tut und läßt.
      ---------- 16. Juli 2016, 16:24 ----------
      PS:

      Die Einschätzung einer solchen Aktion solten wir den Historikern der Zukunft überlassen.

      Wir feiern die Putschisten des 20 Juli 44 als Helden und Opfer einer Diktatur. Damals waren es Terroristen, die hingerichtet wurden.
      Hier kann man genauso hinterfragen, ob die Tat nun gut oder schlecht, gerecht oder zwingend erforderlich, dumm oder sonstwas war.

      Ich denke, wir kennen viel zu wenig der inneren Vorgänge in der Türkei, um hier ein Urteil über die beiden Seiten und deren Motive und Handlungen vorzunehmen.
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • Kalle schrieb:

      R.B. schrieb:

      Man muss sich nur mal vorstellen, dass morgen früh bei uns so etwas passieren würde. Die Bundeswehr putscht gegen unsere Regierung, nur weil sie der Meinung ist, dass die Politik irgendeiner anderen Partei besser für unser Land wäre.
      In der Türkei ging es aber doch um Verrat von Grundideen, die Erdogan freudig zelebriert in seiner Amtszeit. Außerdem, wer so reagiert, wie er es tut dem traue ich auch zu "freie" Wahlen zu türken.

      Das ist alles richtig, aber darf man mit "nicht demokratischen" MItteln kämpfen, nur weil die regierende Partei die Demokratie beugt? Rechtfertigt das den Einsatz von Waffengewalt?
      Damit würde man doch auch gewalttätige Demonstrationen rechtfertigen können.

      Ob er Wahlen manipuliert, das kann ich nicht sagen. Denkbar wäre es, aber das müsste man auch beweisen (können). Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass er eine Mehrheit in der Bevölkerung hat, die ihn so akzeptiert. Das ist für uns vielleicht schwer vorstellbar, aber ich würde mal behaupten, dass es uns auch sehr schwer fällt uns in die Lage und Denkweise dieser Menschen zu versetzen.
    • R.B. schrieb:

      Rechtfertigt das den Einsatz von Waffengewalt?
      Nein, in keinem Falle und auch nicht wie es gestern geschehen ist. Das wollte ich damit aber auch nicht sagen. Ich heiße grundsätzlich keine Gewalt gut.
      Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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    • Da wird sicherlich munter spekuliert, und meist ist auch ein Fünkchen Wahrheit dabei.

      Ich glaube wir überschätzen die Türkei bzw. die Demokratie in der Türkei. Da ist vieles noch in der Entwicklung, und wie überall, gibt es da auch mal Irrwege die gegangen werden. Den richtigen Weg muss aber die türk. Bevölkerung finden, das kann man nicht diktieren, und man sollte auch damit rechnen, dass dieser Weg vielleicht anders aussieht als wir es uns vorstellen.

      Schaut man sich den Putsch an, dann hat man zumindest den Eindruck, dass die Bevölkerung nicht hinter den Putschisten stand. Ich möchte mal bezweifeln, dass die Putschisten eine Mehrheit hinter sich versammeln können, denn das Milität ist anscheinend nicht besonders beliebt. Eine Militärregierung hätte der Bevölkerung nicht mehr Demokratie gebracht, sondern primär versucht ihre eigene Position im Staat zu stärken. Das wäre meilenweit von unseren Vorstellungen von Demokratie entfernt.
    • ich habe auch meine zweifel an der ganzen geschichte .

      und das ein putsch genau dann losgeht , wenn das statsoberhaupt zufällig an einem unbekannten sicheren ort weilt .

      und dass ein noch so durchorganisierter staatsaparat in der lage ist innerhalb von wenigen stunden alle sympatisanten an schlüsselstellen der justiz und anderer institutionen ergreifen kann finde ich zu mindest "bewudernswert "...
    • Ich finds auch komisch. Wenn ich einen Putsch plane, mache ich mich doch vorher schlau wo der "Chef" und seine engsten Verbündeten sind und die sind mein Hauptziel. Ein paar Gebäude besetzen ist doch witzlos - vor allem ist das ziemlich witzlos wenn ich nur eine handvoll Leute hinter mit habe - bei > 4000 Panzern und >600k aktiven Soldaten in der Türkei.... klingt alles irgendwie komisch.... Nun kann er jedenfalls walten und schalten - und er sagt ja selber der Putsch war ein "Geschenk Gottes"...
    • Vielleicht haben sie auch einfach die Situation unterschätzt, und sich selbst überschätzt.
      Man hatte den Eindruck, dass weder die Politik noch die Polizei, geschweige denn die eigene Bevölkerung ein Interesse an diesem Putsch hatten, nicht einmal das Militär stand geschlossen da. Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass das nicht funktionieren kann.

      Das wäre genau so, wie wenn ich und der Kalle uns auf's Fahrrad setzen würden, um nach Berlin zu fahren und gegen unsere Regierung zu putschen, damit wir die Partei der Forianer an die Macht bringen. :lol: