Artikel - Darf ein Angebot Geld kosten?

  • Artikel - Darf ein Angebot Geld kosten?

    Moin Moin,

    aus aktuellen Anlass und angeregt durch folgenden Artikel: [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.] Wollte ich mal nachfragen wie Ihr eine "Angebotspauschale" findet?

    - Soll das Angebot weiterhin eine kostenlose Leistung sein für die Akquise?
    - Ist der Betrag von 49 Euro realistisch? Sollte man mehr nehmen?

    Was meint Ihr?
    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot
  • pfffft, schwieriges Thema!

    Angebote auf vollständige Ausschreibungen (Leistungsbeschreibungen + Pläne) zu bezahlen, würde ich vorerst meinen Bauherrn nicht empfehlen. "Freie Angebote" hingegen, die eine eigene Planung des Anbietenden erfordernn, mit einer "Schutzhonorierung" zu versehen, die bei Beauftragung verrechnet wird, finde ich nicht unangemessen. 50,- € sind dabei nicht völlig abwegig.
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Gibt es doch bereits vereinzelt im Einzelhandel anzutreffen.
    Ein Artikel kostet 50,- Euro mehr, die jedoch erstattet werden, wenn der Kunde das Gerät auch direkt vor Ort kauft. Quasi eine Beraterpauschale. Ist auch nicht unüblich, wenn ich in meinem Bekanntenkreis herum frage, holen sich einige professionellen Rat, lassen sich ausgiebig beraten und kaufen dann den Artikel günstiger bei Amazon.

    Von daher, bin ich generell mit dem Gedanken einverstanden. Die Höhe des Betrages, nun, die ist natürlich hoch diskutabel. Ist er zu niedrig, verpufft der Effekt, zu hoch angesetzt schreckt er selbst die Kunden ab, die - so wie ich - mit dem Grundgedanken "Guter Lohn, für gute Arbeit" konform gehen. "Glücklicherweise" bin ich in diesem Fall auf der angenehmeren Seite, ich konsumiere.
  • In meiner Branche wäre das nicht durchsetzbar.
    Als Kunde von Handwerkern würde ich mir sehr gut überlegen, ob ich unter diesen Bedingungen ein Angebot einhole. Ich würde das vom Aufwand abhängig machen. Erfordert die Angebotserstellung viel Vorarbeit, dann wäre ich bereit das zu honorieren. Müssen "nur" Zahlen in ein LV eingetragen werden, dann wurde die meiste Vorarbeit schon erledigt, und ich würde dafür nicht bezahlen.
  • Gerade das Handwerk hat hier meiner Meinung nach einen massiven Missstand - was das Thema anbelangt. Klar das sagt sich so leicht, wenn man die Bande hinter einem nicht satt bekommen muss, trotzdem geht mir rein von der Logik das Verhalten Deutschlandweit nicht auf. Ich gehe sogar so weit, dass ich die 50 Euro pauschal für zu niedrig halte - natürlich immer am Aufwand gemessen.

    60 Euro die Std. für einen Unternehmer ist ja eher so der Mindestsatz, zu mindestens was ich kennen lernen durfte. Gerade bei kleinen Betrieben ist die Ressource "Angebotsphase" ein ziemlicher Zeitverschlinger. Neben der Zeit blockt es halt auch andere Prozesse, Prozesse die schleifen gelassen werden und die sich negativ auf die Betriebsstruktur auswirken.

    Wenn am Ende die Zeit auch noch verschenkt war, dann ist das natürlich doppelt bitter. Ob das am Ende ein Zugewinn an Qualität für den Endkunden ist mag ich mal bezweifeln. Am Ende kommt die Planung "delight" raus und entweder die Nachtragsschublade geht auf, wenn es vernünftig werden soll oder aber der Pfusch wird schnell in ein "tolles" optisches Kleid gepackt.

    Ich sehe zu mindestens keinen Unterschied zwischen gedanklicher und körperlicher Arbeit.
    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Kalle schrieb:



    Ich sehe zu mindestens keinen Unterschied zwischen gedanklicher und körperlicher Arbeit.
    Der haptische Unterschied. Und da wird's eben kniffelig. Einer meiner besseren Bekannten ist Zeichner, Portraits, Karikaturen, Comic Strips etc pp. So oft wie er mir schon erzählt hat, dass ihn die Leute jedes Mal schräg anschauen wenn er "für die paar Striche" 50,- Euro haben möchte, dann kann ich schon verstehen, wieso es viele Kunden gibt, die für eine Angebotserstellung kein Geld bezahlen möchten.
  • Doubtfire schrieb:

    Kalle schrieb:

    Ich sehe zu mindestens keinen Unterschied zwischen gedanklicher und körperlicher Arbeit.
    Der haptische Unterschied. Und da wird's eben kniffelig. Einer meiner besseren Bekannten ist Zeichner, Portraits, Karikaturen, Comic Strips etc pp. So oft wie er mir schon erzählt hat, dass ihn die Leute jedes Mal schräg anschauen wenn er "für die paar Striche" 50,- Euro haben möchte, dann kann ich schon verstehen, wieso es viele Kunden gibt, die für eine Angebotserstellung kein Geld bezahlen möchten.
    Als anbietender Handwerker muss ich die gleiche Vorarbeit leisten als wäre ein Architekt damit beauftragt. Letzterer verdient seine Brötchen mit geistiger Arbeit.

    Wenn du zu einem Architekten gehst, gehst du dann dort hin mit der Annahme etwas "kostenlos" zu bekommen? Erstberatung mal ausgenommen - ich rede von Entwicklung harter verlässlicher Fakten. Ist es also eher ein Aufklärungsfehler der Innungen und Handwerkskammern? Der Zentralverbände? Du sagst ja selber, du würdest für ehrliche Arbeit bezahlen. Du bist Laie und dennoch blickst du über den Tellerrand, warum?

    Das Lied vom mündigen "unwissenden" Endkunden wurde schon so oft gesungen - besser wird es davon auch nicht.
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  • leider ist es nicht wirklich durchsetztbar .

    der "mündige" verbraucher erwartet vom handwerker nicht nur kostenloses angebot , er meint , ihm stünde auch als service zu , dieses umfassende (praktisch eine komplette planung enthaltende ) angebot gefälligst innerhalb von 48 stunden abzuliefern .

    die grösten sparfüchse versuchen dann natürlich zehn oder mehr angebote einzuholen , die sie dann sowieso nicht vergleichen können ,regen sich auf , wenn einer nicht liefert , weil er sich die chance auf einen auftrag ausrechnen kann ..................

    und dann versucht mal , eine angebotsgebühr durchzusetzen - ein ziemlich aussichtsloses unterfangen .
  • Hängt vielleicht mit meiner persönlichen Grundeinstellung zusammen. Womöglich gehöre ich zu der aussterbenden Art der Philanthropen und unterstelle meinem Geschäftspartner erst einmal mir gute Arbeit angedeihen zu lassen. :D

    Die Sau wird zwar gefühlt schon ewig durchs Dorf getrieben, aber seit Geiz ist geil im Elektronikmarkt angekommen ist, scheint das in den Köpfen der Menschen zementiert zu sein.
  • ich war früher mal im handwerklichen Holzhausbau tätig und wir haben auch überlegt, so eine Pauschale einzuführen. Wir hatten damals überlegt, 50 Mark zu nehmen.
    Ein ausführliches, individuelles Angebot kostet schließlich schon mal einTag Arbeit, manchmal mehr und wir wollten uns vor Kunden schützen, die sich durchaus schon mal 10-15 Angebote machen liesen.

    Letztlich haben wir eine andere Variante durchgesetzt: von uns hat kein Interessent ein Angebot bekommen, der sich nicht die Mühe gemacht hat, zu einem ausführlichen Beratungsgespräch zu uns in die Firma zu kommen und sich damit wenigstens mit unserem Produkt und der Firma zu beschäftigen
  • Bald muss man noch Eintritt zahlen im Supermarkt um die Ecke, der dann verrechnet wird, sollte man was kaufen....... :wall:
    Nee, also ganz ehrlich, Wirtschaftlichkeit hin und investierte Zeit her, sowas gehört eben zu diesen (fast allen) Berufen dazu, der Supermarkt muss auch sein Obst wegschmeißen, wenn es keiner gekauft hat.
    Und wenn ich dann immer noch den seit Jahren ewig gleichen Spruch ,,Geiz ist geil-Mentalität" lese, also da hebt sich bei mir der Hut. Warum soll sich ein Interessent nicht ein paar Angebote holen und das für ihn günstige nehmen? Die meisten arbeiten ja nun mal auch täglich für Ihr Geld, soll man nun blindlings bezahlen für irgendwas, damit man nicht als Abgebotsjäger gilt???
  • Bei 3-5 Angeboten pro Gewerk oder Teil davon, da kommen schon ein paar Euro zusammen bis die Hütte bezugsfertig ist. Andererseits, wenn ich 3-4 Stunden in ein Angebot investieren muss, dann kann es passieren, dass ich voll ausgelastet bin, und am Ende des Jahres trotzdem pleite bin.

    Bisher ist es doch so, dass ein Unternehmer diese Kosten in seinem Jahresumsatz verschwinden lässt, die Kunden die einen Auftrag erteilen zahlen diesen Aufwand für die anderen mit. Es wäre schon überlegenswert, dass man diese Kosten dem Verursacher belastet.
    ---------- 10. Juli 2016, 09:11 ----------
    Steve, Du hast einerseits Recht, andererseits, was würde wohl ein angestellter Mitarbeiter sagen, wenn man ihm am Ende des Monats mitteilt,dass es dieses mal kein Gehalt gibt, da er nur unproduktive "Angebote "getippt hat?

    In großen Firmen sind ganze Abteilungen damit beschäftigt, die Leute müssen vom Rest mitfinanziert werden. Halten sich Aufwand und Auftragseingänge die Balance,dann ist alles gut.
    Kippt die Waage in Richtung Aufwand, dann hat man als Chef ein Problem.
  • Ich finde eine Honorierung eines Angebot unter dem Gesichtspunkt in Ordnung, dass es halt auch ganz besonders große Schlaumis gibt, die das Angebot nehmen, die Preise rausnehmen und dann "mit der Planungsleistung" über den Markt gehen.
    Für solche "Kunden" kann ein Angebot gar nicht teuer genug sein.
  • JamesTKirk schrieb:

    Für solche "Kunden" kann ein Angebot gar nicht teuer genug sein.
    genau da ist der hund begraben .

    die angebotssammler freuen sich , ein detailiertes angebot zu bekommen . und genau dieses macht viel arbeit .
    der aufwand ist dann irgendwo im preis eingerechnet . das macht das angebot etwas teuerer . und schon ist man aus dem rennen .

    heisst im umkehrschluss , einer der in die angebotserstellung wenig bis ganz wenig investiert , kann automatisch billiger anbieten .

    und angebotssammelnde sparfüchse regen sich über nicht ausreichend detailierten angebote - und so wird es so gelöst , der chancenlose ordenlichangebotsersteller dient mit seinem angebot als LVersteller , geht am ende daran zu grunde und die absahner reiben sich die hände .....
  • Vertrieb kostet Geld, dessen ist sich wohl jede Firma bewusst. Eine Angebotspauschale wird nicht dazu führen, dass der Vertrieb plötzlich kostendeckend arbeitet, auch das dürfte jedem klar sein.

    Ich sehe eher den psychologischen Effekt, denn sobald etwas Geld kostet, überlegt man sich genau, ob man großflächig Anfragen streut. Man überlegt sich auch zweimal, wie man die Anfragen gestaltet. Unter'm Strich wird das für beide Seiten effizienter.
    Die Kunden müssten dann auch nicht mehr jammern, weil sie kein Angebot bekommen haben, denn man wird ja schon im Vorfeld abklären, ob es überhaupt sinnvoll ist, der Firma X eine Anfrage zu schicken.
    Diese wiederum kann sich nicht mehr auf 08/15 zurückziehen und muss sich intensiver mit der Anfrage befassen.
  • SteveMartok schrieb:


    Warum soll sich ein Interessent nicht ein paar Angebote holen und das für ihn günstige nehmen?
    Das ist wie bei meinen Großhändlern ... mehr als 3 brauchts nicht wirklich.
    Natürlich kriegt auch hin und wieder ein 4. oder 5. eine Anfrage.

    Spezialisten die bei 10 oder mehr Firmen rumeiern - weiche von mir.

    Auf *Hier haste mal ein paar Plänchen, mach mal Angebot* reagiere ich schon sein 15 Jahren nicht mehr.
    Soll das Angebot was taugen, brauchts umfangreiche Vorarbeiten und Berechnungen.
    Will ich nen Planungsauftrag ... oder kein Interesse.

    Bei fertigen Leistungsverzeichnissen genügt kurzes durchblättern.
    Passen Ausführungszeitraum und die gewünschten Materialien ins Programm kann man über ein Angebot nachdenken ...
    Passts nicht ... Standardabsagescheiben nach 5 Minuten.

    Im Moment reden wir über Ausführungsfristen ab ca. in 6 Monaten ... vorher - no Chance für einen *Nichtkunden*.
    Bestandskunden erhalten wie immer eine bevorzugte Behandlung ....

    Gruß
    Achim Kaiser
  • ich hatte die tage ein paar ähnliche gespräche.

    hintergrund: bauherren gehen mit plan hausieren und suchen den günstigen anbieter, da ich aktuell keine zeit habe eine ausschreibung zu machen und dazu auch noch keine notwendigkeit sehe, da erst mal der bauantrag im amt ist.

    verschiedene BUs haben für angebot einen obolus (200-400€) eingefordert, wenn sie die massenermittlung selbst machen sollen.
    daraufhin waren Bh ganz erschüttert bei mir, ...was die sich erlauben!

    ich hatte dann diese firmen angerufen, ... also eine auschreibung mit massen ausfüllen, kostet natürlich nix, aber ein angebot erstellen, für das sie selbst die massen ermitteln sollen, das muß inzwischen bezahlt werden, das es eine modeerscheinung geworden ist verschiedene angebote einzuholen.

    ... es kocht ja ein jeder nur mit wasser und ihr geld verdienen gerade die kleinen BU in der ländlichen gegend eben nicht im büro. das habe ich dem BH erklärt. er soll warten bis ich die baugenehmigung habe, dann brauchen wir eine statik, dann mache ich eine werkplanung, massenermittlung und ausschreibung, und dann gibts angebote ohne kosten von den BU .

    aus meiner sicht ist das auch fair, weil... warum sollen die BU die massen selbst ermitteln, und ich depp muß dann auch noch lauter verschiedene angebote mit differierende massen und produkten vergleichen, ne danke!

    ich glaube das problem sind die BH, die meinen im computerzeitalter geht das alles von alleine.
    wenn das CAD 3d kann, dann kanns auch massen. daß man dazu jeden scheiß definieren muß, das wissen die doch gar nicht.
    ich brauche im plan keine stürze oder rollokästen, also macht mein 3d da wand. 3d ist es auch wurscht ob die wand gemauert oder gerigipst ist.
    Alles ist möglich - auch das Gegenteil. (Thomas Mayer)
  • R.B. schrieb:

    Vertrieb kostet Geld, dessen ist sich wohl jede Firma bewusst. Eine Angebotspauschale wird nicht dazu führen, dass der Vertrieb plötzlich kostendeckend arbeitet, auch das dürfte jedem klar sein.
    das ist so .

    wenn man aber bedenkt , wieviel geld , gerade wenn man seinen job ordentlich macht , verbrannt wird mit ausichtslosen angeboten , kann man sich nur über das gejaule der angebotssammler ärgern .
    und dann wundert sich der "mündige verbraucher" der sich bei bedarf immer schön auf seinen laienstatus zurückzieht , dass er auf eine massenmailanfrage garkeine reaktion bekommt ......
  • Bei uns sieht die Sache so aus:

    Bei vielen unserer gewerblichen Kunden, wo ich genau weis daß, sollte der Auftrag vergeben werden, er ziemlich sicher auch bei uns landet, gibt es ein ordentliches Angebot, in das auch mal Hirnschmalz investiert wird. Zahlt sich dann bei Auftrageingang auch wieder aus, wenn schon Massen vernünftig ermittelt sind.

    Bei allen anderen gibt es ein Wischi Waschi schnell schnell Ding, möglichst schwer vergleichbar, beauftrage es oder lass es.
  • Alfons Fischer schrieb:



    Letztlich haben wir eine andere Variante durchgesetzt: von uns hat kein Interessent ein Angebot bekommen, der sich nicht die Mühe gemacht hat, zu einem ausführlichen Beratungsgespräch zu uns in die Firma zu kommen und sich damit wenigstens mit unserem Produkt und der Firma zu beschäftigen
    Ich war ja auch mal im Hausvertrieb tätig für ein paar Jahre und dort habe ich niemals ein Angebot zugeschickt. Ich erwarte bei sowas das man mich zu Hause empfängt für einen Abend für ein Gespräch und auch das man sich die Zeit nimmt das Angebot gemeinsam durchzugehen.
    Alle Anderen habe ich nicht kalkuliert...
  • Mit der Zeit kennt man ja seine Pappenheimer und ich merke aus einem kurzen Gespräch meist schon, ob es einer Ernst meint mit dem Angebot oder nicht.

    Wenn ich den Eindruck habe, dass mein Angebot als Grundlage für eine Abfrage des Marktes dienen soll, sage ich höflich, dass ich z.Z. keine Kapazitäten mehr frei habe und empfehle gerne "besonders nette Marktbegleiter" weiter ... :D