Fairer Architektenvertrag?

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    • Fairer Architektenvertrag?

      Hallo in die Runde!

      Wir haben nun den Architektenvertrag vorgelegt bekommen. Dieser erscheint mir auf den ersten Blick soweit in zwei Punkten diskussionsbedürftig.

      Der Archi möchte Honorarzone 3 bei einem Dreiviertelsatz abrechnen, und das für einen einfachen Anbau an ein Bestandshaus. Wohlgemerkt, er hat mit dem Bestandshaus nichts zu tun! Keine Umbauorganisation für ihn!

      Die anrechenbaren Kosten beziffert er auf 60000€ netto, laut denen berechnet er seine Gebühr und kommt damit auf 11800 netto.

      Diese 60.000 entsprechen zwar den tatsächlichen anrechenbaren Kosten, jedoch liegt er damit 25% über dem vereinbarten Budget.
      Er hat also nicht das zugrundegelegt was vereinbart war, sondern das was tatsächlich an Kosten entsteht.

      1. Müsste er die anrechenbaren Kosten nicht anhand des von uns vorgegebenen Budgets berechnen, auch wenn er darüber liegt?
      2. Ein DreiviertelSatz ist m.E. nach doch nur gegeben wenn es " besonders schwierig" ist, oder?

      Merci!
    • Es könnte sein, dass der Archi gemäß § 4 Absatz 3 HOAI den Umfang der mitzuverarbeitenden Bausubstanz (Bestandsgebäude) bei den anrechnbaren Kosten mitberechnet hat. Frag ihn , wie die anrechnbaren Kosten sich zusammensetzen.

      Wenn du eine Baukostenobergrenze hast, sollte diese auf jeden Fall im Vertrag mit aufgenommen werden. Zudem sollte der gesamte Umfang der beabsichtigten Bauleistung mit allen von dir gewünschten Ausstattungsmerkmalen des Anbaus im Vertrag beschrieben werden.
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      Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
    • Anrechenbare Kosten:

      Ihr habt (irgendwann mal) gesagt -> Budget 45.000 €, der Entwurf, den Ihr wolltet, kostet aber 60.000 € (+ MWST).
      Dann sind die 60.000 die anrechenbaren Kosten.

      Und 3/4-Satz ist bei einem Anbau nicht überzogen. Genau sollte er Euch das ggf. an Hand der Punktebewertung erläutern können.

      Zum Thema - hat mit dem Altbau nix zu tun - Das kann so nicht stimmen. Ein Anbau für 60 k€ hat keine eigene Heizung, Bad, WC, Küche usw.
      Also gibts irgendwie schon Anbindungen an den Altbau. AUsserdem muss ja an den Anbau auch baulich angeschlossen (= gegengebaut) werden. Usw usw.

      Es ist halt kein gleichgrosser Kubus auf der grünen Wiese.
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • Ralf Dühlmeyer schrieb:

      Ihr habt (irgendwann mal) gesagt -> Budget 45.000 €, der Entwurf, den Ihr wolltet, kostet aber 60.000 € (+ MWST).

      Wenn das so ist, solltet ihr von dem Projekt einfach Abstand nehmen. Lasst es sein und gut ist.

      Wenn ihr mehr als 45.000 € nicht habt oder partout nicht ausgeben wollt, dann solltet ihr auch einen Architektenvertrag, der von vornherein von höheren Baukosten, nämlich von 60.000 € ausgeht, auf keinen Fall unterschreiben.
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    • VomAltenBau schrieb:


      Diese 60.000 entsprechen zwar den tatsächlichen anrechenbaren Kosten, jedoch liegt er damit 25% über dem vereinbarten Budget.
      Er hat also nicht das zugrundegelegt was vereinbart war, sondern das was tatsächlich an Kosten entsteht.
      Anbau einfach um 35% schrumpfen lassen .... dann klappts auch mit den Kosten.
      Könnte blos sein dass dann des Bauherrn Aussage ist : Mist, die angekofferte Hundehütte gefällt mir ja nun gar nicht an meiner Residenz.

      Bei manchen Budgetvorgaben braucht man sich auch überhaupt keinen Kopf machen, solange man nicht Gebäude aus gekantetem Pappdeckel bauen kann ... der Bayer sagt dann gleich im Vorgespräch : Ah geh weida ....

      Ein Anbau für 45 kTeuros .... ich hab in dem Bereich ernste Schwierigkeiten nicht vom Glauben abzufallen !
      Was dabei allerdings HZ3 dreiviertel rechtfertigt ....

      Gruß
      Achim Kaiser
    • Achim Kaiser schrieb:

      Ein Anbau für 45 kTeuros .... ich hab in dem Bereich ernste Schwierigkeiten nicht vom Glauben abzufallen !
      Was dabei allerdings HZ3 dreiviertel rechtfertigt ....
      Die "mitzuverarbeitenden Bausubstanz (Bestandsgebäude)" ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit berechtigt. Und ein Umbauzuschlag könnte für die Anbindung des Bestandsgebäudes in begrenztem Umfang auch berechtigt sein.

      Für die Höhe der anrechenbaren Kosten ist entscheidend, ob ihr die Leistung in diesem Umfang tatsächlich ausführen lassen wollt, nicht ob ihr sie gerne günstiger gehabt hättet.
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • Ersteinmal Danke für die Antworten.

      Hier ist so einiges durcheinander gekommen, da sieht man mal wie sich sowas verselbstständigt ;-)....Also..
      von 45.000 € war keine Rede. Es steht hier auch nicht zur Diskussion, ob mit dem Budget x oder y ein Anbau realisierbar wäre oder nicht. Dies war und ist Aufgabe des Architekten, dafür haben wir ihn ins Boot geholt. Er hat die vergangenen 6 Monate immer gesagt...das klappt.
      Insofern..haben wir darauf vertraut, schliesslich sollte er als Fachmann dies wissen. Das Budget lag bei 80T all in. Es ist im Moment um 25% überschritten, all in.

      Das das vollständige Budget nicht identisch ist mit den anrechenbaren Kosten dürfte bekannt sein.
      Die anrechenbaren Kosten laut HOAI betragen derzeit 68.000 ( er hat 60T als Grundlage genommen), netto .

      Auf dieser Grundlage , als auf 60T , hat er seine Rechnung erstellt, wie oben genannt. Dies ergibt eine Summe von 11800 netto.

      Wenn ich jetzt mal ganz grob darüber nachdenke...Budget von 80T all in..und eine Archi Abrechnung von 11800 ( ergibt gute 14T brutto). Das passt schon nicht zusammen. Wenn man doch weiss..das Budget ist denkbar knapp...nimmt man dann noch Dreiviertelsatz?

      Dazu kommt...Budget wurde nicht eingehalten. Und um einiges überschritten. Und Archi hat keine Gewissensbisse auf das überzogene Budget noch seine Rechnung drauf zu packen, die dann auch noch nach den ( bereits schon überzogenen ) Kosten erstellt wird.

      Bei letzterem dachte ich eigentlich ( so habe ich das in der HOAI verstanden), dass dir Grundlage für die Berechnung die Kostenvorgabe ist, also das Budget. Danach wird berechnet. Oder kann man einfach überziehen wie man möchte und dann darauf die Berechnung machen?
    • Grundlage für das Architektenhonorar sind die Kosten, die in der Leistungsphase 3 (Entwurf) ermittelt werden. Nicht Eure "Vorstellung".

      Wenn die Kosten dafür schon zu hoch sind, dann müsst Ihr abspecken.
      80T€ all in haut doch hin, oder habe ich etwas überlesen.

      Der Dreiviertelsatz kann durchaus gerechtfertigt sein, bzw. ein Umbauzuschlag oder die Anrechnung der mitzuverarbeitenden Bausubstanz. Um das beurteilen zu können, müsste man etwas mehr wissen.
      Das Thema ist hier ganz gut erklärt:
      [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.]
      Viele Grüße von Liesl
    • irgendwie kapier ich das nicht:
      laut dem Eingangsbeitrag wurde dem Bauherrn nun der Architektenvertrag vorgelegt, die Parteien stehen also zeitlich vor der Erbringung der Planungsleistung
      gleichzeitig sollen die tatsächlichen anrechenbaren Kosten - die sich ja erst aus der Planungsleistung ergeben - bereits feststehen

      Oder gab es gar keinen Vertrag/schriftliche Honorarvereinbarung und jetzt liegt eine Rechnung vor

      und wenn die 68.000 den tatsächlichen A.K. entsprechen dann steht da ja auch wohl ein abgestimmter Entwurf dahinter

      60.000 /1,25 = 48.000

      warum soll man keinen Dreiviertelsatz nehmen nur weil das Budget knapp ist
      knappes Budget erfordert halt intensivere Planung, die bezahlt werden will/muss
      Es grüßt

      Manfred Abt
      Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
    • bauliesl schrieb:

      Grundlage für das Architektenhonorar sind die Kosten, die in der Leistungsphase 3 (Entwurf) ermittelt werden. Nicht Eure "Vorstellung".

      Der Dreiviertelsatz kann durchaus gerechtfertigt sein, bzw. ein Umbauzuschlag oder die Anrechnung der mitzuverarbeitenden Bausubstanz. Um das beurteilen zu können, müsste man etwas mehr wissen.

      Das Thema ist hier ganz gut erklärt:
      [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.]
      Liesl, die erste Kostenaufstellung bekamen wir nach guten 3 Monaten, die lag um ein vielfaches zu viel über dem Budget. Die zweite Kostenaufstellung kam dann einige Wochen später, nachdem abgespeckt wurde, auch diese noch viel zu viel. Die dritte ist nun gerade erst fertig und ist bereits die Version bei der alles abgespeckt wurde was geht. Diese liegt bei 25% drüber. Man könnte noch verhandeln mit den Gewerken und noch runterhandeln, dann liegen wir aber immer noch 20% über dem Budget.

      Die Vorgabe war von Anfang an klar. Klar einzuhaltendes Budget. Es kam immer ein..schaffen wir, geht schon, klappt schon, lass mich mal rechnen.
      Die Kostenvorgabe war also klar, absolut klar!

      Kann mir jemand erklären was Umbauzuschlag bedeutet, wenn der Architekt damit nichts zu tun hat? Sprich..er plant nichts und es wird auch nichts von einem Gewerk ausgeführt, sondern wird komplett in Eigenleistung erbracht?
    • VomAltenBau schrieb:


      Wenn ich jetzt mal ganz grob darüber nachdenke...Budget von 80T all in..und eine Archi Abrechnung von 11800 ( ergibt gute 14T brutto). Das passt schon nicht zusammen. Wenn man doch weiss..das Budget ist denkbar knapp...nimmt man dann noch Dreiviertelsatz?


      Dazu kommt...Budget wurde nicht eingehalten. Und um einiges überschritten. Und Archi hat keine Gewissensbisse auf das überzogene Budget noch seine Rechnung drauf zu packen, die dann auch noch nach den ( bereits schon überzogenen ) Kosten erstellt wird.

      Bei letzterem dachte ich eigentlich ( so habe ich das in der HOAI verstanden), dass dir Grundlage für die Berechnung die Kostenvorgabe ist, also das Budget. Danach wird berechnet. Oder kann man einfach überziehen wie man möchte und dann darauf die Berechnung machen?
      Der Honorarsatz hängt weder von den Budgetvorstelliungen des AG noch von wie auch immer entstandenen Überschreitungen desselben ab, sondern von objektiven Kriterien.
      Nachzulesen in §§ 6 und 35 HOAI 2013!

      Bei der Budgetüberschreitung wäre erstmal zu klären, WARUM das überschritten wurde. Hat der Kollege also Mörtel mit Goldstaub und handgeklöppelte Seidentapete vorgesehen oder passte das Budget nie zur Aufgabe.
      Je kleiner das Budget, um so schwerer ist das im Vorhinein abzuschätzen.
      Bei einem Budget von 150 k€ und 400 m² Wohnfläche ist leicht festzustellen, dass das nicht in Deckung zu bekommen ist.

      Bei den hier kursierenden Zahlen sieht das klar anders aus.

      Wenn ich aber Textpassagen wie Archi hat keine Gewissensbisse und Oder kann man einfach überziehen , dann sehe ich schon jetzt ein massives chemikalisches Problem in der zwischenmenschlichen Beziehung.
      Entweder Ihr klärt das ganze VOR der Unterschrift oder Ihr schaut Euch schon mal nach einem RA um!
      Denn ohne Klärung ist das ein perpetuum mobile des Aufschaukelns bis zum vollen Überschlag mit Rolle rückwärts!
      Wers mag ...........
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • Manfred Abt schrieb:

      irgendwie kapier ich das nicht:
      laut dem Eingangsbeitrag wurde dem Bauherrn nun der Architektenvertrag vorgelegt, die Parteien stehen also zeitlich vor der Erbringung der Planungsleistung
      gleichzeitig sollen die tatsächlichen anrechenbaren Kosten - die sich ja erst aus der Planungsleistung ergeben - bereits feststehen

      Oder gab es gar keinen Vertrag/schriftliche Honorarvereinbarung und jetzt liegt eine Rechnung vor

      und wenn die 68.000 den tatsächlichen A.K. entsprechen dann steht da ja auch wohl ein abgestimmter Entwurf dahinter

      60.000 /1,25 = 48.000

      warum soll man keinen Dreiviertelsatz nehmen nur weil das Budget knapp ist
      knappes Budget erfordert halt intensivere Planung, die bezahlt werden will/muss
      Manfred , das ist der Punkt den ich nicht verstehe, bzw. nachvollziehen kann.

      Wenn ich Architekt wäre..und es käme jemand zu mir der ein denkbar knappes Budget hat....und ich meine...man kennt doch die eigenen Preise!....dann kann man überschlägig rechnen...Budget ist 80 all in...ich nehme knapp 14 T brutto...rechnet man das runter ergibt das noch eine Summe von 66T brutto...dafür kann man nicht bauen. PUNKT.

      DAS wäre fair gewesen.

      Er hat aber gesagt...schaffen wir schon, lass mich mal machen, kriegen wir hin..

      Ein halbes Jahr lang.

      Jetzt, wo alles fertig ist und wir die Aufträge vergeben wollen, da kommt er mit dem Vertrag...und rechnet nun solche Sätze ab..und das OBWOHL er das Budget nicht eingehalten hat .

      Wenn ich ein bischen Ehre im Leib hätte ( als Architekt), dann würde ich doch jetzt sagen..ok, ich habe mich vertan, die Leute kommen mit dem Budget nicht hin, ich mache einen fairen Preis.

      Aber nein..Dreiviertelsatz muss ein. DAS verstehe ich nicht.
    • Ralf...das ist ja genau der Punkt. Wir wollen eigentlich keinen Ärger. Ich bin verärgert, keine Frage, aber eigentlich möchte ich das vernünftig klären. Eigentlich hatte ich gehofft mit ihm nochmal über die Kosten sprechen zu können, das wir uns da einigen können. Er ist aber der Meinung, alles ist fair gelaufen und fachgerecht hinzu.

      Bei letzterem sehe ich das etwas anders. Und menschlich sowieso. Ich möchte einfach wissen ob das alles vollständig richtig ist was er da macht oder nicht. Und ob das so üblich ist. Ich brauche ja auch eine Grundlage für eine Diskussion, vor der ich ehrlich inzwischen etwas Angst habe, schliesslich haben wir ja auch schon Geld bezahlt ( Vermesser, Statiker, Gutachten etc.), einfach aussteigen ist nicht.

      Und ich denke das weiss er ganz genau.


      Und zur Frage..Budget und passen...Ich denke, dass er hätte wissen müssen das unser Budget nicht zum Projekt passt. Zumindest wenn man berücksichtig was er alleine kostet. Er hat uns aber hingehalten und immer vertröstet und um Vertrauen gebeten.
    • VomAltenBau schrieb:

      Liesl, die erste Kostenaufstellung bekamen wir nach guten 3 Monaten, die lag um ein vielfaches zu viel über dem Budget. Die zweite Kostenaufstellung kam dann einige Wochen später, nachdem abgespeckt wurde, auch diese noch viel zu viel. Die dritte ist nun gerade erst fertig und ist bereits die Version bei der alles abgespeckt wurde was geht. Diese liegt bei 25% drüber. Man könnte noch verhandeln mit den Gewerken und noch runterhandeln, dann liegen wir aber immer noch 20% über dem Budget.
      Die Vorgabe war von Anfang an klar. Klar einzuhaltendes Budget. Es kam immer ein..schaffen wir, geht schon, klappt schon, lass mich mal rechnen.
      Die Kostenvorgabe war also klar, absolut klar!

      Wenn ich das so lese, scheint es so zu sein, dass bereits erhebliche Planungsleistungen vor der noch ausstehenden Unterschrift unter den Architektenvertrag erbracht wurden, die nicht mehr als kostenlose Aquisetätigkeit anzusehen sind. Das kommt immer wieder vor, aber damit schießt sich der Architekt, wenn er später mit Abschluss eines schriftlichen Vertrags ein über den Mindestsätzen liegendes Honorar durchsetzen möchte, stets ein Eigentor.

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      § 7 Absatz 5 HOAI lautet:
      „(5) Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, wird unwiderleglich vermutet, dass die jeweiligen Mindestsätze gemäß Absatz 1 vereinbart sind.“
      ----------------------------------------------------------------------

      Die Auftragserteilung ist bei Lichte betrachtet also schon erfolgt, eben nur nicht schriftlich, sondern konkludent.

      Wenn der Archi in seinem beabsichtigten Vertrag jetzt einen Dreitviertelsatz hineinschreibt, wäre das keine Vereinbarung „bei Auftragserteilung“ mehr und er bekäme trotzdem nur den Mindestsatz.

      Kehrseite der Argumentation: für seine bisherigen Planungsleistungen kann der Archi eine Vergütung nach dem Mindestsatz auch dann beanspruchen, wenn zwischen den Parteien kein schriftlicher Vertrag zustande kommt und eine Folgebeauftragung unterbleibt, es sei denn seine Planungsleistung wäre für den AG vollkommen unbrauchbar, wofür es derzeit keine Anhaltspunkte gibt.
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      Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
    • VomAltenBau schrieb:

      Und zur Frage..Budget und passen...Ich denke, dass er hätte wissen müssen das unser Budget nicht zum Projekt passt. Zumindest wenn man berücksichtig was er alleine kostet. Er hat uns aber hingehalten und immer vertröstet und um Vertrauen gebeten.
      Das ist die G R O S S E Frage. Musste er das wissen? Werden wir hier nicht beantworten können!

      Ich sagte doch - je kleiner die Maßnahme, um so schwerer ist manchmal eine Prognose von Budget und Kosten - Verhältnis.
      Und was man selber an Honorar hat, weiß man da auch noch nicht genau.

      Das einzige, was Du, wenn Du (noch) nicht R.W.s Karte ziehen willst, machen kannst, ist Dir von ihm an Hand der Punkte vorrechnen lassen, wie er auf den 3/4 Satz kommt.
      Wenn er das dann sauber belegt, wirds ganz eng. Denn R.W.s Karte hat noch eine Kehrseite. SIe wird den Arbeitseifer des Kollegen nicht befeuern.
      Kann also sein, dass er dann pampig sagt OK, dann bis hierher 3 Mindestsatz und ab da mit wem anders. Und dann???? ;(
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • Ralf Wortmann schrieb:

      VomAltenBau schrieb:

      Liesl, die erste Kostenaufstellung bekamen wir nach guten 3 Monaten, die lag um ein vielfaches zu viel über dem Budget. Die zweite Kostenaufstellung kam dann einige Wochen später, nachdem abgespeckt wurde, auch diese noch viel zu viel. Die dritte ist nun gerade erst fertig und ist bereits die Version bei der alles abgespeckt wurde was geht. Diese liegt bei 25% drüber. Man könnte noch verhandeln mit den Gewerken und noch runterhandeln, dann liegen wir aber immer noch 20% über dem Budget.Die Vorgabe war von Anfang an klar. Klar einzuhaltendes Budget. Es kam immer ein..schaffen wir, geht schon, klappt schon, lass mich mal rechnen.
      Die Kostenvorgabe war also klar, absolut klar!
      Wenn ich das so lese, scheint es so zu sein, dass bereits erhebliche Planungsleistungen vor der noch ausstehenden Unterschrift unter den Architektenvertrag erbracht wurden, die nicht mehr als kostenlose Aquisetätigkeit anzusehen sind. Das kommt immer wieder vor, aber damit schießt sich der Architekt, wenn er später mit Abschluss eines schriftlichen Vertrags ein über den Mindestsätzen liegendes Honorar durchsetzen möchte, stets ein Eigentor.

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      § 7 Absatz 5 HOAI lautet:
      „(5) Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, wird unwiderleglich vermutet, dass die jeweiligen Mindestsätze gemäß Absatz 1 vereinbart sind.“
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      Die Auftragserteilung ist bei Lichte betrachtet also schon erfolgt, eben nur nicht schriftlich, sondern konkludent.

      Wenn der Archi in seinem beabsichtigten Vertrag jetzt einen Dreitviertelsatz hineinschreibt, wäre das keine Vereinbarung „bei Auftragserteilung“ mehr und er bekäme trotzdem nur den Mindestsatz.

      Kehrseite der Argumentation: für seine bisherigen Planungsleistungen kann der Archi eine Vergütung nach dem Mindestsatz auch dann beanspruchen, wenn zwischen den Parteien kein schriftlicher Vertrag zustande kommt und eine Folgebeauftragung unterbleibt, es sei denn seine Planungsleistung wäre für den AG vollkommen unbrauchbar, wofür es derzeit keine Anhaltspunkte gibt.
      Mindestsatz plus 20% Umbauzuschlag wenn nichts schriftlich vereinbart ist, oder nicht?
      Viele Grüße von Liesl
    • Was wollt Ihr denn genau bauen? Wenn man mal eine ungefähre Vorstellung davon hätte, was Ihr vorhabt, dann könnte man das besser beurteilen.
      Den Umbauzuschlag bekommt der Architekt für den erhöhten Planungsaufwand, wenn er im Bestand umbaut bzw. an einen Bestand anbaut. Ist ja aufwendiger als ein Neubau auf der grünen Wiese.
      Viele Grüße von Liesl
    • bauliesl schrieb:

      Mindestsatz plus 20% Umbauzuschlag wenn nichts schriftlich vereinbart ist, oder nicht?
      Ja, § 6 Absatz 2 Satz 4 HOAI 2013.
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      Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
    • VomAltenBau schrieb:

      Manfred Abt schrieb:

      irgendwie kapier ich das nicht:
      laut dem Eingangsbeitrag wurde dem Bauherrn nun der Architektenvertrag vorgelegt, die Parteien stehen also zeitlich vor der Erbringung der Planungsleistung
      gleichzeitig sollen die tatsächlichen anrechenbaren Kosten - die sich ja erst aus der Planungsleistung ergeben - bereits feststehen

      Oder gab es gar keinen Vertrag/schriftliche Honorarvereinbarung und jetzt liegt eine Rechnung vor

      und wenn die 68.000 den tatsächlichen A.K. entsprechen dann steht da ja auch wohl ein abgestimmter Entwurf dahinter

      60.000 /1,25 = 48.000

      warum soll man keinen Dreiviertelsatz nehmen nur weil das Budget knapp ist
      knappes Budget erfordert halt intensivere Planung, die bezahlt werden will/muss
      Manfred , das ist der Punkt den ich nicht verstehe, bzw. nachvollziehen kann.
      Wenn ich Architekt wäre..und es käme jemand zu mir der ein denkbar knappes Budget hat....und ich meine...man kennt doch die eigenen Preise!....dann kann man überschlägig rechnen...Budget ist 80 all in...ich nehme knapp 14 T brutto...rechnet man das runter ergibt das noch eine Summe von 66T brutto...dafür kann man nicht bauen. PUNKT.
      Na ja, wenn man das Vorhaben für 66 nicht verwirklichen kann, dann wird es für 70 wahrscheinlich auch nicht klappen... oder? Insofern machen die 1-2T€ am Honorar nicht viel aus.
      Viele Grüße von Liesl
    • Ralf Dühlmeyer schrieb:

      VomAltenBau schrieb:

      Und zur Frage..Budget und passen...Ich denke, dass er hätte wissen müssen das unser Budget nicht zum Projekt passt. Zumindest wenn man berücksichtig was er alleine kostet. Er hat uns aber hingehalten und immer vertröstet und um Vertrauen gebeten.
      Das ist die G R O S S E Frage. Musste er das wissen? Werden wir hier nicht beantworten können!
      Ich sagte doch - je kleiner die Maßnahme, um so schwerer ist manchmal eine Prognose von Budget und Kosten - Verhältnis.
      Und was man selber an Honorar hat, weiß man da auch noch nicht genau.

      Das einzige, was Du, wenn Du (noch) nicht R.W.s Karte ziehen willst, machen kannst, ist Dir von ihm an Hand der Punkte vorrechnen lassen, wie er auf den 3/4 Satz kommt.
      Wenn er das dann sauber belegt, wirds ganz eng. Denn R.W.s Karte hat noch eine Kehrseite. SIe wird den Arbeitseifer des Kollegen nicht befeuern.
      Kann also sein, dass er dann pampig sagt OK, dann bis hierher 3 Mindestsatz und ab da mit wem anders. Und dann???? ;(
      Genau! ;( Das wäre ja das was wir eigentlich nicht wollen. Er steckt ja im Projekt, und er hat ja auch nicht schlecht gearbeitet, ausser der Tatsache das er die Kosten nicht im Blick hat(te) . Wir wollen ja auch eigentlich keinen anderen, wir fühlen uns an der Stelle nun einfach aber etwas verarscht. Wie gesagt, ich brauchte Gewissheit dass, das was er da macht fachlich in Ordnung ist. Menschlich ist es eine andere Sache, da bin ich der Meinung das er uns ruhig etwas entgegen kommen könnte angesichts der Tatsache das er das Budget so gesprengt hat...
    • VomAltenBau schrieb:

      ........angesichts der Tatsache das er das Budget so gesprengt hat...
      bedenke bitte, nicht er hat das budget gesprengt. Sein einziger Fehler war, dass er nicht rechtzeitig die Reissleine gezogen hat. Es wäre besser gewesen, wenn er von vornherein gesagt hätte, "das wird nichts". Vielleicht hatte er aber den Ehrgeiz und wollte es trotzdem versuchen, wer schon was da in den letzten Monaten kommuniziert wurde.
      Es wird so laufen wie oben schon beschrieben wurde, und da bleibt Lehrgeld auf der Strecke, so oder so.
    • R.B. schrieb:

      VomAltenBau schrieb:

      ........angesichts der Tatsache das er das Budget so gesprengt hat...
      bedenke bitte, nicht er hat das budget gesprengt. Sein einziger Fehler war, dass er nicht rechtzeitig die Reissleine gezogen hat. Es wäre besser gewesen, wenn er von vornherein gesagt hätte, "das wird nichts". Vielleicht hatte er aber den Ehrgeiz und wollte es trotzdem versuchen, wer schon was da in den letzten Monaten kommuniziert wurde.Es wird so laufen wie oben schon beschrieben wurde, und da bleibt Lehrgeld auf der Strecke, so oder so.
      Wenn nicht er es gesprengt hat, wer dann?
      Wir? Das würde ich mir gefallen lassen wenn wir irgendwelche Wünsche geäußert hätten, wenn wir Sonderwünsche gehabt hätten oder sonstwas. Hatten wir nicht.
      Wir haben nur zwei Vorgaben gemacht.

      So groß wie möglich es für das Budget zu bekommen ist.
      Und.
      Das Budget muss eingehalten werden.

      Aber ok. Ja, Lehrgeld passt dazu. Wir haben gelernt. Sollten wir nochmal bauen, dann wissen wir Bescheid.

      Dank für die Antworten, ich denke ich habe nun genug Input für eine Verhandlung. Hoffen wir das es klappt.