Zellulose offen im Dachstuhl und in tiefen Passivhauswänden

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  • Zellulose offen im Dachstuhl und in tiefen Passivhauswänden

    Hallo,

    Hier in Kanada wird Zellulose offen in den Dachstuhl geblasen (standard), >35cm ueber der obersten Geschossdecke (einfach auf die Gibsfaserplatten, und einer PE-Dampfbremse). Unter anderem in Passivhaeusern bis zu 60cm offen. Jeder deutsche Zimmerer hat mir davon abgeraten. Ich habe mich immer dem Experten-Knowhow angeschlossen, habe dafür aber noch nie einen bauphyikalischen Grund bekommen. Kann mir da jemand weiterhelfen?

    Ähnliches Thema: Zellulose in Passivhauswand: 30cm tief, max 60cm breit, und 2,5-3m hoch. Davon wird mir von einem Zellulosehersteller hier in Kanada abgeraten, ich sehe aber, dass es in Deutschland gemacht wird (mit 55kg/m3). Der Hersteller rät mir, dass ich nochmal auf halber hoehe eine Zwischenwand einziehe, das verkompliziert aber natuerlich das einblasen der Zellulose. Was sagt ihr dazu?

    VG, HaJo
  • vermutlich sorgt man sich um Setzungen.
    Beim offenen Aufblasen muss man mit Setzungen rechnen, ganz normal. Ich weiß nicht, wieviel Prozent offen aufgeblasene Wolle sich setzt, ich würde aber mal grob von 10% ausgehen...

    In Wänden und Gefachen allgemein ist die Setzungsneigung ganz wesentlich von der Verdichtung abhängig. Dabei ist aber anzumerken, dass sich da die einzelnen Produkte unterscheiden. Ein Verarbeiter erläuterte mir, dass sich manche Zellulose nur schwer in hohen Dichten einblasen lässt und bei großen Dicken zu Setzungen neigt.

    Eine gute Verdichtung bedeutet Qualität und ist der Grund, warum ich den Verarbeiter an unserem Haus vorgeschlagen habe, nach Gewicht abzurechnen. So war er nicht versucht,am Material zu sparen.
  • Kurz zum offen aufblasen. Bei Dämmstärken um die 60 cm kann es passieren, das das Rücktrocknungspotential nicht mehr ausreicht und es zu dauerhafter Feuchte kommt. Den Aufbau sollte man in Grenzfällen genau durchrechnen, eine einfache PE Dampfbremse kann hier schon grenzwertig werden.( taugt eh nichts)
    Beim offen aufblasen ist immer ein Setzungsfator zu berücksichtigen, liegt oft um die 20%. Der Faktor kann sich noch steigern, wenn man die Oberfläche mit Wasserbel verfestigt.
    Beim verdichten Einblasen in Wandgefache gibt es entsprechende Tabellen. Je nach Dämmstärke und den Begleitmaterialien gibt es entsprechende Verdichtungszuschläge. Hier spielt die Rauhigkeit der umgebenden Materialien eine Rolle. Maximale Gefachhöhe im Wandbereich liegt bei gut 3 m, dann sollte ein Schott eingebaut werden. Die Gefachbreite von 60 cm ist gut, bei breiteren Gefachen kann es notwenig werden mit 2 Schläuchen einzublasen. Im Wandbereich ist bei heutiger Maschienentechnik bei gut 50 cm Dämmstärke langsam Schluß. Es kommen aber viele extrem leistungsstarke Maschienen auf den Markt mit denen man mühelos über 2000Kg pro Stunde verarbeiten kann.
    Verdichtung im Wandbereich liegt je nach Fabrikat zwischen 48 und 60 Kg/m³, bei Brandwänden auch höher.
  • Beim offenen Blasen habe ich auch schon mehr Setzung gesehen (bei uns im Dachboden hier sind es bestimmt um die 30-40%). Ich habe aber jetzt auch von einem Schweizer hier in Kanada gehört, dass das eigentliche Problem die unregelmäßige Verdichtung ist. Man kann wohl nicht davon ausgehen, dass das Material gleichmäßig aufgetragen ist.

    Bzgl. unterschiedlicher Qualität der Zelluloseherstellung und der Setzunggefahr, mache ich jetzt erstmal selber ein paar Tests. Es muss unterschiede geben, und trotzdem sagen viele unter vorgegebener Hand, es sei doch alles das Gleiche. Ich bin mir da aber nicht so sicher, weil alleine schon der Staubgehalt zwischen den verschiedenen Herstellern unterschiedlich ist. Das alleine sollte schon Unterschiede in der Setzung bei gleichem Gewicht verursachen. Staub setzt sich natuerlich und hat bei weitem nicht die gleiche Struktur wie lange Fasern. Ich gehe also davon aus, dass eine sehr staubreiche Zellulose nicht so formstabil ist. Weiterhin ist aber auch noch fraglich, ob die "Nichtstaubanteile" bei einer staubigen Zellulose evtl laenger sind als bei der nichtstaubigen Zellulose, und ich einen schlechten Rückschluss mache. Leider habe ich hier nur 2 ernst zu nehmende Hersteller.

    Aus dem Grund werde ich nun erstmal in einen Prüfkörper einsprühen und sehen wie sich das Produkt beider Hersteller unterscheidet. Ich werde den Prüfkörper auch Schocks aussetzen, um zu sehen wie sich die Zellulose verhält. Leider weiss ich nicht, wie sich die Zellulose langfristig verhalten wird.

    Danke für Euren Input.
  • [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.]: Laut Zulassung muß vor beginn des einblasens eine Gitterbox mit definierten Volumen vollgeblasen und gewogen werden. Das ist ein Passus den alle Einblasdämmstoffe haben, denn sonst kann die genaue Verdichtung nicht ermittelt werden.
    In der Praxis wird das kaum gemacht, denn dansch ist der Stellplatz erstmal vollgestaubt. Ich nehme mir meist ein Randgefach bei dem die Maße bekannt sind und rechne mir für dieses Gefach den genauen Bedarf aus und gleiche dies mit der eingeblasenen Menge ab. Schlimmstenfalls muß ich nachverdichten, das kam aber noch nie vor.
    Die Prüfbox wurde eingeführt um für lose Dämmstoffe eine prüfbare Einheit zu erhalten.
    Ganz repräsentativ ist dies jedoch nicht, denn Schlauchlänge, Durchmesser und Steighöhe sowie die Beschaffenheit des Gefachs, können eben ein anderes Ergebenis liefern. Auch die Kabellänge, der Querschnitt der Leitungen( auch im Haus), können die Leistung der Einblasmaschine beeinflussen( sogar die Tageszeit).
    Die größtmögliche Sicherheit bietet hier ein erfahrenes Unternehmen mit einer gesunden Referenzliste an Einblasobjekten.


    ---------- 2. April 2018, 19:40 ----------

    [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.]: Deine Bemühungen in Ehren, aber ich denke es führt zu nichts. Setzungen von ca 40% habe ich selber noch nicht erlebt und ich bin seit über 20 Jahren aktiv mit Einblasdämmung unterwegs. Leider kommt ab und an der leise Verdacht auf, das es sich hier um einen Troll handelt, sorry. Vielleicht hast Du auch nur kontakt zu den falschen Fachleuten, aber an sich sind die Verfahren weltweit sehr ähnlich. Einblasdämmung gibt es seit über 50 Jahren, der Dämmstoff ist an sich bereits aus den Kinderschuhen gewachsen.
    Ich weiß ja nicht mit welchen Fabrikaten Ihr zu tun habt, das beschriebene aber bekommt man selbst mit den schlechtesten Flocken hier einfach nicht hin

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