Architekt kann nicht mehr...

  • Architekt kann nicht mehr...

    Servus,

    heute ist endlich offiziell geworden, was wir uns schon längst gedacht haben: Unsere Architektin hat sich zu viel aufgehalst, kommt nun an allen Fronten nicht mehr hinterher und muss dem drohenden Burn-Out vorgreifen (gabs wohl schon einmal vor einigen Jahren).

    Es sei wohl (u.a.) ein größeres Bauvorhaben im vergangenen Jahr behördlich stillgelegt worden und dies müsse nun in diesem Jahr vorrangig behandelt werden. Da sie obendrein aktuell keinen Bauleiter hat und den Job scheinbar selbst erledigt, hat sie uns heute eröffnet, dass sie in diesem Jahr keine Kapazitäten hat, um unser Bauvorhaben bis zum Ende zu begleiten. Sie hat uns nun vorgeschlagen mit einem Architekturbüro, mit dem sie bisher wohl hauptsächlich in SV-Sachen kooperiert hatte, weiterzumachen. Sie hätte das mit denen schon besprochen (ein relativ junges 2-Mann-Büro) und die hätten halt Zeit.

    Wir hatten ursprünglich bei ihr beauftragt:

    LP 1-8
    KFW-Gedöns
    Bestandsaufnahme und Pläne
    Wärmeschutznachweis

    Wir sind "offiziell" Stand heute mit LP 4 durch, es fehlt allerdings noch eine Kostenberechnung und eine zusammenfassende Dokumentation/Beschreibung. Außerdem sehen die aktuellen Pläne noch ziemlich wild aus und enthalten fehlende und mitunter falsche Maße, die aus den damals eher hektisch aufgenommenen Bestandsplänen resultieren (die waren insgesamt etwa 2h vor Ort). Die müssten zur weiteren Verwendung also noch einmal "ins Reine" gebracht werden.
    Außerdem, wie schon in einem anderen Thread angesprochen, ärgern wir uns derzeit noch mit dem Wärmeschutznachweis herum. Je mehr ich mich mit der Materie befasse, desto mehr Fehler fallen mir auf (falsche U-Werte, vergessene/zu kleine oder große Flächen, fehlerhafte Berechnungen als Ergebnis des vorgenannten etc.)

    Sie stellt sich das nun scheinbar folgendermaßen vor:

    Wir rechnen mit ihr auf Basis des heutigen Leistungsstandes ab (also wie oben, aber eben bloß mit LP 1-4) und machen dann für LP 5-8 mit ihren Kollegen aus der Kooperation weiter. Das Honorar soll insgesamt bei der ursprünglich vereinbarten Summe bleiben. Wir haben zunächst einmal zugestimmt uns die beiden mal in natura anzusehen und treffen uns in 14 Tagen alle zusammen auf der Baustelle, um dann weiterzusehen.

    Wir sind nun einerseits etwas zweigespalten, weil wir uns damals natürlich schon bewusst für unsere Architektin entschieden haben (gute Reputation, generell unheimlich qualifiziert und auf Altbauten spezialisiert), aber natürlich auch gemerkt haben, dass unter Druck bei ihr kaum etwas Brauchbares rumkommt und wir obendrein auch ziemlich viel Zeit vertrödeln. So gesehen ist natürlich alles besser als ein "Weiter so!".

    Andererseits kennen wir die beiden Neuen nicht und fragen uns natürlich auch, wie das Ganze rein vertraglich laufen soll. Ist das als "Kündigung durch die Architektin" zu werten, oder schließen wir eine Art Aufhebungsvertrag. Wer haftet in Zukunft wofür? Kann man das Honorar tatsächlich so festschreiben, oder machen wir uns damit am Ende angreifbar. Und wie sollen wir mit den ausstehenden Leistungen verfahren - sie "nötigen" das noch fertig zu bringen, oder besser die neuen Architekten nacharbeiten lassen und das Honorar entsprechend kürzen? Beides keine angenehme Situation...

    Über Tipps und Hinweise, wie wir das am Besten angehen sollen, würde ich mich sehr freuen.
  • Thomas B schrieb:

    Und wenn die Mist bauen, hängt man sie?
    Besser sie als Rekham ;)

    Im Ernst. Versicherung dürfte keine Probleme machen, muss "nur" gemeldet werden und kostet ein paar € extra.
    Man entgeht all dem hinundher nach einem fliegenden Auftragnehmerwechsel und hat den Vorteil, auf ihre Erfahrung bei einem jungen Büro rückgreifen zu können.
    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
  • Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich einräumen, dass wir auch schon drüber nachgedacht haben mit ihr abzurechnen und anschließend ohne Architekt weiter zu machen - die eigenen Erfahrungen und auch die aus dem Bekanntenkreis waren bisher leider eher bescheiden (siehe auch die arme Isabell hier).

    Wenn ich mir überlege, dass wir bis dato schon einen fünfstelligen Betrag für ein paar CAD-Zeichungen (ausschließlich unserer "Ideen") und eine Kostenschätzung ausgegeben haben, die ich mit entsprechender Software auch für <1000 Euro und vermutlich am Ende sogar weniger persönlichem Zeiteinsatz realisieren hätte können, frage ich mich schon, ob wir nicht in Eigenregie und mit Unterstützung eines SV auf Stundenbasis am Ende zumindest kaum schlechter fahren werden...

    Ich weiß, blöde Frage in diesem Forum, aber wie seht ihr das? Mal abgesehen vom Anbau, gibt es neue Fenster, ein paar statische Eingriffe (Wände weg), für die wir aber auch den Statiker haben, neue Fußböden (inkl. Estrich und FBH ) und ansonsten halt Haustechnik/Sanitär, die der Architekt ohnehin nicht selbst plant. Muss so ein Vorhaben tatsächlich rundum betreut werden?

    Denkt bitte nicht, dass es dabei nur ums Geld ginge - selbstverständlich wäre es schön den Betrag zumindest teilweise einsparen zu können (budgetiert ist er ja bereits), aber primär ist es eher das (mittlerweile) fehlende Vertrauen in die Zunft...
  • Ralf Dühlmeyer schrieb:

    Im Ernst. Versicherung dürfte keine Probleme machen, muss "nur" gemeldet werden und kostet ein paar € extra.
    Man entgeht all dem hinundher nach einem fliegenden Auftragnehmerwechsel und hat den Vorteil, auf ihre Erfahrung bei einem jungen Büro rückgreifen zu können.
    So würde ich das auch machen, aber mit einer schriftlichen Vereinbarung, dass die Architektin verpflichtet ist, Rekham binnen zwei Wochen durch Vorlage einer Bestätigung ihrer Versicherung nachzuweisen, dass trotz der Einschaltung der Subunternehmer-Architekten ihr Versicherungsschutz fortbesteht.

    Einfach nach dem jetzigen Leistungsstand abrechnen würde ich nicht. Wenn, dann müsste da ein erheblicher Honorarabschlag gemacht werden, da sich Folgearchitekten erst mal einarbeiten müssen. Das machen die üblicherweise auch nicht umsonst.
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    Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
  • ich muss ehrlich sagen: ich find's löblich, dass die Kollegin so offen darüber spricht...
    Ganz ehrlich: ich würde sie nicht hängen, wie hier schon vorgeschlagen wurde...

    ich kenne einen Fall, da is der Architekt weggestorben. Was soll man da machen?

    ja, klar, das tut weh, das ist nicht gut.
    Aber sind wir mal ehrlich: wir alle sind Menschen, mit allen Wirrungen und Fehlungen. Wer hier ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!
    (wobei das Wort Sünde in obigem Zitat sicher nicht angebracht ist)
  • Ralf Wortmann schrieb:

    Wenn, dann müsste da ein erheblicher Honorarabschlag gemacht werden, da sich Folgearchitekten erst mal einarbeiten müssen. Das machen die üblicherweise auch nicht umsonst.

    Das sei, lt. ihrer Aussage, kein Problem, weil es insgesamt bei ihrem (also dem ursprünglichen) Honorar bleiben soll. Aber es stellt sich natürlich ab einem gewissen Grad des Aufwands die Frage, wie motiviert die beiden die Sache noch angehen werden.

    Ich finde den Vorschlag von R.D. auch erstmal bedeutend attraktiver, allerdings hat sie bereits angedeutet, dass sie das nicht möchte (angeblich buchhalterisch nicht möglich ;) ).



    Alfons Fischer schrieb:

    ich muss ehrlich sagen: ich find's löblich, dass die Kollegin so offen darüber spricht...

    Finde ich grundsätzlich auch gut und mal abgesehen von der Möglichkeit, dass uns das andernfalls nicht zum Vorteil gereichen würde, können wir uns ja durchaus vorstellen da mitzuspielen, anstatt sie schlimmstenfalls unter Androhung rechtlicher Schritte zum Einhalten des Vertrages zu zwingen.
    Andersherum müssen wir aber nun mit möglichen Nachteilen leben (Verzögerung, Stress, ggf. weniger kompetenter AN mit allen Problemen die da dranhängen und natürlich die potentiellen Unsicherheiten bzgl. des Übergangs), für die wir absolut nichts können. Im Gegensatz zu einem plötzlichen Todesfall hat sich die Architektin in unserem Fall selbst in diese Lage gebracht (und hätte im Übrigen auch schon viel früher die Notbremse ziehen können).

    Ich stehe momentan eher auf dem Standpunkt, dass wir uns in den vergangenen 10 Monaten schon sehr nachsichtig gezeigt haben und bin keinesfalls bereit weitere Zugeständnisse zu machen, wenn dafür im Gegenzug bloß die Rechnung kommt.

    Wie könnte ein fairer Deal in diesem Fall aussehen, wenn wir einmal davon ausgehen, dass uns die "Ersatzspieler" nicht zusagen?


    ---------- 11. Januar 2018, 22:52 ----------

    Und was mir gerade noch einfällt:

    Bevor sie uns das heute eröffnet hat, hat sie uns noch den Bauantrag unterschreiben lassen. Haben wir mit Unterschrift durch konkludente Handlung die bisherigen LP "abgenommen"?
  • 1. Bei welchen Versicherungen die besorgten Kollegen versichert sind, würde mich mal interessieren, denn so viele gibt es doch nicht mehr. Bei meiner Vers. ist die Prämie an das Honorar gekoppelt. Nachunternehmer und Mitarbeiter sind mitversichert. Projekte werden nicht einzeln angezeigt. Besondere Bestätigungen über das Bestehen der aktuellen Police hinaus stellt meine Versicherung nicht aus, den es steht alles in der Police. Insofern verstehe die Bestätigungswünsche der Kollegen nicht einmal ansatzweise.

    2. Gelegentlich arbeite ich als Nachunternehmer für Kollegen, dann wieder umgekehrt, also sie für mich. Der Auftraggeber erfährt das meist nicht einmal, weshalb auch? Er hat einen Vertrag mit dem Hauptauftragnehmer, der eine Haftpflicht. Wenn die den Nachunternehmer in Regress nehmen will, berührt das den Auftraggeber in seinen Rechten nicht. In einem Fall habe ich derartiges erlebt, da haben die beiden Versicherer die Haftung außergerichtlich bilateral geregelt und eine dann einem Vergleich zugestimmt.

    Als Hauptplaner würde ich verlangen, dass der gesamte Schriftverkehr mit dem Subplaner über mich geht, wie soll ich ihn sonst prüfen und das Ergebnis verantworten? Will man das als Auftraggeber?

    3. Auch im Direktaufttrag für einzelne abgeschlossene Leistungsphasen tätig zu werden, ist doch Alltagsgeschäft, bei einigen großen Auftraggebern wie der Bahn sogar die Regel. Weshalb das Geziere? Ist die Entwurfsplanung lücken- oder fehlerhaft, so muss nachgeliefert werden. Erfahrungsgemäß ist ein Schnitt nach LP 4 gut umzusetzen, geradezu ideal.

    Im Direktauftrag würde ich vom AG einen Teilbeauftragungszuschlag verlangen, muss mich ja extra einarbeiten.

    Mir scheint der Vorschlag der Kollegin deshalb ganz sinnig: Klarer Schnitt nach vollständiger Erbringung der LP 4, neuer Vertrag mit anderen Architekten, fertig. Zu den anderen Überlegungen kann ich wenig schreiben, außer der Wert einer guten Ausführungsplanung regelmäßig unterschätzt wird.
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Skeptiker schrieb:

    Der Auftraggeber erfährt das meist nicht einmal, weshalb auch?

    Wenn ich mir als AG gezielt einen Architekten suche, weil ich ob seiner Kompetenz besondere Erwartungen an die Qualität seiner Arbeit hege, sollte ich doch erwarten dürfen, dass mir auch besagter Architekt zur Verfügung steht (zumindest in allen Belangen, die gerade jene Kompetenz und Erfahrung erfordern). Sonst könnte die zuständige Kammer ja auch einfach auf Bestellung den nächsten freien Architekten zuteilen.
    Es ist ja schön und gut, wenn die Frage der Haftung geklärt ist, aber unter der Prämisse, dass es am Ende bloß darauf ankäme, reicht auch ein versicherter Schimpanse ;)

    Wie würdet ihr denn so einen Fall regeln? Einfach heimlich den Auftrag outsourcen kanns doch nicht sein.
  • Rekham schrieb:

    Bevor sie uns das heute eröffnet hat, hat sie uns noch den Bauantrag unterschreiben lassen. Haben wir mit Unterschrift durch konkludente Handlung die bisherigen LP "abgenommen"?
    Nein, keine Sorge, das ist nicht der Fall, zumindest nicht, wenn ihr im Architektenvertrag keine Teilabnahmen vereinbart habt.
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    Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
  • Ralf Wortmann schrieb:

    Nein, keine Sorge, das ist nicht der Fall,
    Das, lieber Ralf, verstehe ich nicht!

    Die Arbeit eines A. mündet ja irgendwann in einen Bauantrag. Er fasst das Entworfene planrechtlich zusammen. Er dokumentiert mit der Unterschrift des BH den Wunsch das Gebäude so und in dieser Art und Weise umgesetzt sehen zu wollen.

    M.E. löst dies dann (nach erfolgter Baugenehmigung, denn der A. schuldet ja eine genehmigungsfähige Planung) schon einen Honoraranspruch aus. Was sollte/ müsste der Kollege noch leisten um diesen Anspruch zu haben?

    Oder anders: Wenn die bisherigen LP (Entwurf) nicht gut waren, so dass diese nicht "abgenommen" werden, wieso reicht man dann einen Bauantrag ein, der auf eben dieser Vorleistung fußt?

    Ich habe meine Leistung noch niemals "abnehmen" lassen....
  • ich gliedere es nochmal als separates Thema aus aber mit den Teilabnahmen ist das nicht ganz ohne. Habe gerade von meinem Versicherungsmakler einen Newsletter bekommen, in dem darauf hingewiesen wird, dass das Herbeiführen von Teilabnahmen von den Versicherungen ggf. als Obliegenheit des Planers zur Schadensminderung angesehen werden könnte. Eine Obliegenheit, die der Planer auch vorsorglich zu erbringen hätte, also ohne dass bereits ein Schaden vorliegt.

    Und abnehmen lasse ich unsere Leistung inzwischen schon, Ralf Wortmann hat da mal einen schönen Vorschlag gemacht, wie man das durch einen eleganten Satz unter der Schlussrechnung geschmeidig machen kann. Denn auf Fragen nach einer konkreten Abnahme reagieren öffentliche AGs schon mal mit der Gegenfrage, ob man noch jemals für sie arbeiten wolle.
    Es grüßt

    Manfred Abt
    Ingenieurbüro AQUA-Bautechnik GmbH
  • Ralf Dühlmeyer schrieb:

    Ich würde sie nicht aus dem Vertrag entlassen, sondern ihr vorschlagen, sie solle doch die Kollegen als Subunternehmer beschäftigen.

    So kann keiner der beiden auf den anderen zeigen um Fehler abzuwälzen.
    Das würde ich nicht machen. Wenn die Kollegin kurz vor dem Zusammenbruch steht, macht es wenig Sinn Sie weiter im Boot zu halten.

    Ich hatte vor zwei Jahren einen ähnlichen Fall, da waren wir der "Nachfolge"Architekt.
    LP4 ist wohl die beste Schnittstelle, auch wenn ich mir den Bauantrag nicht hätte freizeichnen lassen, wenn ich wüßte, dass ich aufhören will...

    Wir haben damals eine genaue Bestandsanalyse der LP1-4 gemeinsam mit Arch und BH gemacht, gerechnet was fehlt, gerechnet was man zur Einarbeitung benötigt. Alles vom "Alt"Honorar abgezogen und uns eine Bestätigung der Versicherung zur Nachhaftung geben lassen (kurz gefasst). Außerdem einen Haftungsausschluss für LP1-4 vom BH unterzeichnen lassen. Wurde alles ganz transparent gelöst. Aber dann müssen sich wirklich alle ganz tief in die Augen gucken und alle Karten auf dem Tisch liegen, sonst würde ich das nicht machen. Es ist schließlich immer noch ein gutes Stück Vorschussvertrauen was beide Seiten aufbringen müssen!
  • Thomas B schrieb:

    Das, lieber Ralf, verstehe ich nicht!

    Die Arbeit eines A. mündet ja irgendwann in einen Bauantrag. Er fasst das Entworfene planrechtlich zusammen. Er dokumentiert mit der Unterschrift des BH den Wunsch das Gebäude so und in dieser Art und Weise umgesetzt sehen zu wollen.

    M.E. löst dies dann (nach erfolgter Baugenehmigung, denn der A. schuldet ja eine genehmigungsfähige Planung) schon einen Honoraranspruch aus. Was sollte/ müsste der Kollege noch leisten um diesen Anspruch zu haben?

    Wenn jemand Abnahme schreibt, verstehe ich darunter die rechtsgeschäftliche Abnahme der Werkleistung (auch Architektenleistungen sind ein Werk). Sofern im Architektenvertrag keine Teilabnahmen vereinbart sind, kann der Architekt erst nach Fertigstellung aller vereinbarten Leistungsphasen die Abnahme verlangen und eine Schlussrechnung stellen.

    Was du meinst, sind Abschlagzahlungen nach
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    § 15 Absatz 2 HOAI:
    (2) Abschlagszahlungen können zu den schriftlich vereinbarten Zeitpunkten oder in angemessenen zeitlichen Abständen für nachgewiesene Grundleistungen gefordert werden.
    ----------------------------------------------------------

    Für die Fälligkeit solcher Abschlagszahlungen ist keine rechtsgeschäftliche Abnahme der bis dahin erbrachten Teilleistung des Architekten erforderlich. Die Bezahlung einer Abschlagsrechnung des Architekten stellt auch kein Anerkenntnis des Kunden dar. Überzahlte Beträge können zurückgefordert werden und auch Mängel der bis dato erbrachten Leistungsphasen können gerügt werden.


    Thomas B schrieb:

    Ich habe meine Leistung noch niemals "abnehmen" lassen....

    Das solltest du vielleicht mal ändern. So etwas geht nur solange gut, bis es doch einmal wegen irgendeiner Sache Ärger gibt.
    Grundsatz: Ohne Abnahme der Architektenleistung beginnt die Verjährung der Gewährleistungsansprüche des Kunden nicht zu laufen.

    Aber: der BGH hat eine Ausnahme entwickelt. (Konkludente Abnahme)
    Wenn der Architekt nach Abschluss der letzten vereinbarten Leistungsphase seine Schlussrechnung stellt und der Kunde sie (trotz der mangels Abnahme fehlenden Fälligkeit) anstandslos bezahlt und dann ein halbes Jahr lang nach der Zahlung keine Mängel rügt, gilt das Werk des Architekten als konkludent abgenommen. Wenn der Kunde (schriftlich oder mündlich) in dieser 6-Monatsfrist doch einen Mangel rügt, beginnt die Verjährung der Gewährleistung für die Architektenleistung nicht zu laufen.

    Nachteil dieser Variante:
    a) deine Gewährleistungszeit läuft nicht fünf Jahre, sondern im besten Fall mindestens 5 ½ Jahre
    b) das mit der konkludenten Abnahme steht weder im Gesetz, noch in der HOAI, sondern beruht auf der Rechtsprechung des BGH. Da das Prinzip der richterlichen Unabhängigkeit gilt, kann es sein, dass ein Richter in der ersten Instanz beim Landgericht oder in der zweiten Instanz beim OLG davon nicht wissen will und – völlig legitim - zu diesem Thema eine andere Meinung vertritt („Was kümmert mich der BGH?“).

    Die Sache mit der konkludenten Abnahme kann dir also selbst im Ruhestand noch einen vielleicht 10-jährigen Rechtsstreit über drei Instanzen hinweg bis zum BGH bescheren.

    Tue dir einen Gefallen und mache es dir künftig zur Gewohnheit, am Ende deiner vereinbarten letzten Leistungsphase eine Abnahme zu verlangen.

    (P.S.: zwei Mustertext dazu, ein normaler für Altverträge und Gewerbekunden und einer mit den nun ab 2018 nach dem neunen Bauvertragsrecht obligatorischen Hinweisen für Verbraucher, wirst du in einigen Tagen auf meiner Homepage finden)
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    Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
  • Rekham schrieb:

    Skeptiker schrieb:

    Der Auftraggeber erfährt das meist nicht einmal, weshalb auch?
    Wenn ich mir als AG gezielt einen Architekten suche, weil ich ob seiner Kompetenz besondere Erwartungen an die Qualität seiner Arbeit hege, sollte ich doch erwarten dürfen, dass mir auch besagter Architekt zur Verfügung steht (zumindest in allen Belangen, die gerade jene Kompetenz und Erfahrung erfordern). ...

    Wie würdet ihr denn so einen Fall regeln? Einfach heimlich den Auftrag outsourcen kanns doch nicht sein.
    Wenn ein Architekt(urbüro) mit einer Werkleistung (=Planung) beauftragt ist, wird in den allermeisten Fällen die beauftragte Person nur einen (Bruch-) Teil der Leistungen persönlich erbringen und sich bei den anderen der Mitarbeit seiner / ihrer angestellten oder freiberuflichen MitarbeiterInnen bedienen. Sonst gäbe es nur Ein-Personen-Büros. Mies van der Rohe hat die neue Nationalgalerie auch nicht alleine gezeichnet! Es gibt in der Regel keine rechtliche Verpflichtung, dieses bestehende Vertragsverhältnis dem Auftraggeber gegenüber offenzulegen. Selbstverständlich wird der / die entwerfende, planende, ausschreibende, bauleitende Kollege die zugearbeiteten Leistungen anleiten und überprüfen, bevor er sie an seinen Auftraggeber weitergibt. Insofern hat die fertiggestellte Leistung dann im Regelfall auch die erwartete Qualität.

    Andersherum hat die beauftragte Person vielleicht auch einmal einen schlechten Tag und liefert eventuell gerade heute höchstpersönlich eine mangelhafte Arbeit ab.

    Doch zurück zu Deiner Frage: Ich würde als Nachfolger (gegen Bezahlung) eine Bestandsaufnahme der vorliegenden Planung machen, ggf. eine Liste noch zu liefernder Planungen und zu beseitigenden Planungsmängel erstellen und dem Auftraggeber empfehlen, die Werkleistung der Vorgängerin erst abzunehmen, wenn vorgenannten Punkte abgearbeitet wurden. Und ja, bei Übernahme einer Planung aus LP 4 würde ich bei der momentanen Marktlage ein einmaliges Einarbeitungshonorar wegen Teilbeauftragung verlangen, wie es die HOAI auch vorsieht.

    Also wird es für den Auftraggeber wahrscheinlich teurer als bei einem durchlaufenden Vertrag.
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Ponte schrieb:

    auch wenn ich mir den Bauantrag nicht hätte freizeichnen lassen, wenn ich wüßte, dass ich aufhören will...

    Wärst du so nett, das vielleicht etwas näher auszuführen?


    Ralf Wortmann schrieb:

    Sofern im Architektenvertrag keine Teilabnahmen vereinbart sind, kann der Architekt erst nach Fertigstellung aller vereinbarten Leistungsphasen die Abnahme verlangen

    Interessanter Hinweis. Wir haben nichts dergleichen vereinbart, sie hat dennoch darauf bestanden, dass wir zwischenzeitlich den Entwurf abnehmen (O-Ton: Kostenberechnung und Wärmeschutznachweis werden wir erst nach erfolgter Abnahme des Entwurfs erstellen).


    Skeptiker schrieb:

    Insofern hat die fertiggestellte Leistung dann im Regelfall auch die erwartete Qualität.

    Das sind imho aber zwei paar Schuhe. Selbstredend bedient sich ein Architekt wohl im Regelfall auch diverser Mitarbeiter und insbesondere bei unkritischen "Fleißaufgaben" (wie z.B. CAD-Zeichungen erstellen) spielt die Qualifikation auch nur eine untergeordnete Rolle. In unserem Fall soll es aber eben gar nicht mehr über unsere Architektin laufen und somit wäre die gewünschte Qualität auch nicht mehr gewährleistet - und zwar ständig und unabhängig von der Tagesform.


    Skeptiker schrieb:

    Und ja, bei Übernahme einer Planung aus LP 4 würde ich bei der momentanen Marktlage ein einmaliges Einarbeitungshonorar wegen Teilbeauftragung verlangen, wie es die HOAI auch vorsieht.

    In diesem Zusammenhang fand ich den Vorschlag von [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.] sinnvoll, diese Mehrkosten bei der Abrechnung mit der ersten Architektin in Abzug zu bringen. Dass wir unter diesen Umständen nicht bereit sind zusätzliches Honorar zu zahlen, sollte verständlich sein.
    Das Thema "Nacharbeiten" wird sicherlich noch interessant, aber wohl unumgänglich. Danke dir für deine Einschätzung!

    Auch wenn ich den Fokus auf die Sicht des Architekten verstehen kann, wie sieht es denn seitens BH aus? Uns entstehen allein durch die Verzögerung (Zeit, bis wir mit den neuen Architekten tatsächlich wieder Fortschritte machen) Kosten und Mühen, von der oben angesprochenen Tatsache, dass wir auf die von uns gewünschte und bezahlte Leistung zugunsten einer "Unbekannten" verzichten sollen einmal ganz abgesehen.
    Schließlich ist die Kollegin ja nicht AU/tot/verrentet, sondern hat sich einfach nur entschieden, dass unser Bauvorhaben weniger wichtig/lukrativ ist, als andere, die sie ja weiterhin bearbeitet.

    Was wäre hier ein angemessener Ausgleich?
  • Rekham schrieb:

    (O-Ton: Kostenberechnung und Wärmeschutznachweis werden wir erst nach erfolgter Abnahme des Entwurfs erstellen).
    Wie bitte?????

    Das Schätzen/ Berechnen der Kosten ist doch neben der Gestaltung des Gebäudes eine ganz zentrale Aufgabe des Planers und für den AG ein ganz entscheidendes Kriterium. Was nützt es wenn der Entwurf gefällt aber leider nicht umsetzbar, weil zu teuer, ist?

    Insofern ist die LP 2/ 3 nicht vollständig erbracht.

    Auf dieser Grundlage nicht einschätzbarer Kosten hätte ich aber einen Entwurf weder freigegeben, noch als Bauantrag eingereicht.
  • Rekham schrieb:

    (O-Ton: Kostenberechnung und Wärmeschutznachweis werden wir erst nach erfolgter Abnahme des Entwurfs erstellen).
    :eek:
    Genau umgekehrt wird ein Schuh draus. Ich kann doch einen Entwurf erst gutheissen, wenn ich weiß, dass er mein Budget nicht sprengt (siehe Isabellwe) und meine Energievorgaben/die der KfW erfüllt.
    Neuschweinstein mit Glitzer und Feenstaub zu zeichnen ist einfach, nur wird daraus meist Aschenbrösels Schuppen, wenn der Bauherr die Kosten sieht.
    Wer haftet für all die Gebühren und Kosten, wenn Du jetzt reduzieren musst. Die Kollegin sicher nicht, denn die wird sich auf Deine Freigabe berufen und Teilleistungen von LP 2 und 3 sowie LP 4 mehrfach berechnen!
    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
  • Thomas B schrieb:

    Wie bitte?????

    Eine Frage, die ich mir desöftern ungefähr so gestellt habe ;)

    Der Punkt ist: Irgendwann hast du einfach keine Lust mehr zu "streiten". Das war schon bei der Kostenschätzung ein einziger Kampf, als sie uns "Neuer Anbau ~60k" aufgeschrieben hat und das partout nicht weiter aufschlüsseln mochte.

    Wir haben in dem Moment unsererseits das energetische Niveau von KFW 55 auf KFW 100 zusammengestrichen, um den Puffer auf die üblichen 30% Abweichung zu vergrößern. Und wenn ich schreibe, dass wir bisher lediglich ein paar (wilde) CAD-Zeichnungen und ne Schätzung erhalten haben, dann meine ich das exakt so. Wir hatten weder eine LP1 (dass ein Planer für ne Heizlastberechnung und Auslegung der KWL keine schlechte Idee wäre, hat sie uns vor ein paar Tagen erst mitgeteilt), noch hat sie entworfen oder auch nur auf entsprechende Fragen unsererseits reagiert (wurde dann ohne Rückmeldung eingezeichnet). Im Gegenteil, wir mussten letztenendes immer wieder selbst vor Ort überlegen und Maße nehmen und ihr diese dann fertig präsentieren, damit das Eingang in die Entwürfe hält.

    Ein "running gag" ist bei uns mittlerweile die Treppe ins DG. Wir hatten ganz zu Anfang mal vorgehabt das DG auszubauen, bis sich dann etwa gegen Mitte Juno herausgestellt hat, dass das einfach zu aufwändig wird und wir die entsprechende Planung ersatzlos gestrichen haben. Seither taucht die Treppe aber immer mal wieder in aktualisierten Unterlagen auf, manchmal ist sie drin, manchmal nicht :D
  • Rekham schrieb:

    Hast du natürlich vollkommen recht mit! Was soll ich sagen, unser Seelenheil war uns in dem Moment das Risiko wert (wir sanieren ja auch nur und bauen kein Schloss). Dumm, naiv? Vielleicht. Wird sich zeigen...
    Wie lautet denn die genaue „Abnahme“-erklärung, die ihr diesbezüglich unterschrieben habt?

    Vielleicht kann ich euch hier im Forum etwas formulieren, womit ihr die Abnahmewirkungen, wenn sie denn überhaupt welche hatte, erstmal rückgängig machen könnt.
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  • Ralf Wortmann schrieb:

    „Abnahme“-erklärung"

    Unterschrieben haben wir nichts. Ich hatte sie via Mail gebeten vor dem Bauantrag bitte noch die Kostenberechnung zu erstellen. Daraufhin kam dann einige Tage später, ebenfalls per Mail, folgendes zurück:


    anbei senden wir Ihnen die aktuellen Planungsunterlagen für den Bauantrag.

    Nach Ihrer Freigabe geben wir dann die Unterlagen für die Entwurfsplanung zur statischen Berechnung zu Herrn X, dieser kann dann die statisch notwendigen Punkte berechnen und wir anschließend die Kosten schätzen.
    Die KfW-Anträge können Sie dann parallel zur KfW-Bank einreichen wenn wir den Wärmeschutz neu gerechnet habe, das werden wir erst erledigen wenn Sie die Planung freigegeben haben!


    Wir hatten daraufhin eine längere Mail geschrieben, in der es um Details der zuletzt übersandten Entwürfe ging, die noch nicht passten. In dieser Mail haben wir dann auch folgendes geschrieben:

    "Ansonsten ist der Entwurf aus unserer Sicht freigegeben."
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