Schallschutz nach DIN 4109, Beiblatt 2 Prüfung

    • Ich erlaube mir, noch einmal einzuwerfen, dass der erste Schritt zur vernünftigen Bewertung der Probleme eine Messung wäre. Dann kann man sich mit der Differenz von Soll und Ist beschäftigen und schließlich ggf. die Herstellung des Solls einfordern.

      Wenn man aber generell Auseinandersetzungen scheut, kann man sich auch gleich die Messungen sparen. Es gibt aber tatsächlich auch immer wieder einzelne Handwerker und Bauträger, sogar Planer, die ihre Mängel und Schäden einfach so beseitigen. Man muss es nur probieren!
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • Roth schrieb:

      Gelten nicht im Mehrfamilienhaus von vorne herein erhöhte Anforderungen an den Schallschutz - auch wenn nicht ausdrücklich vereinbart?
      Sieht so aus. ;)

      Bei genauerer Betrachtungen sind aber diese erhöhten Anforderungen noch lange kein Garant dafür, dass man seine Ruhe hat, zumal diese nur geringfügig von den eigentlichen Anforderungen der 4109 abweichen.

      Wenn man wirklich höhere Ansprüche an den Schallschutz stellt, dann kann man jedem nur empfehlen, Normen, Richtlinien oder Empfehlungen wie beispielsweise die VDI4100 zu vereinbaren, bzw. eine Schallschutzklasse daraus. Es könnte zwar sein, dass de Anbieter dann dankend abwinkt, aber dann kann man immer noch Prioritäten setzen.


      ---------- 23. Dezember 2017, 12:23 ----------

      Um den Mitlesern einmal zu verdeutlichen, was ich hier meine.

      Oben wurde vom TE bemängelt, dass er den Fernseher aus der Etage darüber "hört". HIerfür ist die Schalldämmung durch die Geschossdecke relevant. Vereinbart war DIN4109 (also die alte Ausführung) und in Teilen Beiblatt 2. Man kann nun unterstellen, dass er Anspruch auf den Grenzwert nach Beiblatt 2 hat, zumindest haben Gerichte schon diesbezüglich geurteilt.

      Was bedeutet das im Klartext?

      Nach DIN4109 muss die Luftschalldämmung durch die Decke min. 54dB betragen
      Beiblatt 2 steigert den Grenzwert auf sagenhafte 55dB, immerhin 1dB mehr

      Beide Werte entsprechen aber gerade mal der niedrigsten Schallschutzstufe (I) nach VDI4100.

      Hätte man VDI4100 vereinbart, dann wären die Grenzwerte beispielsweise

      Schallschutzstufe II -> 57dB
      Schallschutzstufe III -> 60dB

      Das wären 2dB bzw. 5dB mehr als das was nach Beiblatt 2 der DIN4109 als "erhöhte Anforderungen" bezeichnet wird.

      Das ist jetzt nur 1 Beispiel, man könnte das für Wände, Türen, Haustechnik usw. fortsetzen.
      Die DEGA Empfehlungen können wir gerne auch noch betrachten, aber dann wird es vielleicht zu unübersichtlich.
    • Roth schrieb:

      Gelten nicht im Mehrfamilienhaus von vorne herein erhöhte Anforderungen an den Schallschutz - auch wenn nicht ausdrücklich vereinbart?
      Gelten die Schallschutzforderungen, so sie vor Nachbarschaftslärm schützen sollen, nicht per se nur für Häuser mit mehreren Wohnungen?
      Nachbars Fernseher oder Staubsauger sollte im Einfamilienhaus keine Rolle spielen.
      Normiert ist doch der Schallschutz regelmäßig nur für schutzbedürftige Räume wie Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer gegen Lärm aus Nachbarwohnungen und haustechnischen Anlagen.
      Sprich in Bad und Küche hat man ohnehin keine Handhabe gegen Ablauf- und sonstige Nachbargeräusche.




      Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



      M.G.Wetrow
    • ThomasMD schrieb:

      Roth schrieb:

      Gelten nicht im Mehrfamilienhaus von vorne herein erhöhte Anforderungen an den Schallschutz - auch wenn nicht ausdrücklich vereinbart?
      Gelten die Schallschutzforderungen, so sie vor Nachbarschaftslärm schützen sollen, nicht per se nur für Häuser mit mehreren Wohnungen?
      Es gibt auch noch Doppelhäuser und Reihenhäuser.

      Wer dann noch Schallschutz innerhalb seiner Wohnung (oder Haus) fordert kommt an der Vereinbarung zusätzlicher Anforderungen sowieso nicht vorbei.
    • Skeptiker schrieb:

      Wenn man aber generell Auseinandersetzungen scheut, kann man sich auch gleich die Messungen sparen. Es gibt aber tatsächlich auch immer wieder einzelne Handwerker und Bauträger, sogar Planer, die ihre Mängel und Schäden einfach so beseitigen. Man muss es nur probieren!
      Deshalb würde ich zuerst mit den anderen Eigentümern reden. Vielleicht kann man die Messung dann gemeinsam beauftragen (und finanzieren) und man hat bessere Argumente gegenüber dem Verkäufer.
      Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!
    • Hallo Joschy!


      Nach dem BGH sind die jeweils geltenden DIN-Normen für den tatsächlich einzuhaltenden Schallschutz nicht unbedingt das Maß aller Dinge. Auch, wenn eine spezielle Norm im Werkvertrag vereinbart wurde, kann es sein, dass höhere Schalldämmwerte vom Bauträger geschuldet sind, z.B. weil dies aufgrund der verwendeten Baumaterialien hätte erreicht werden können, oder weil insgesamt eine gehobene Ausstattung versprochen worden ist.

      Dass bei dir die DIN 4109 Beiblatt 2 vereinbart wurde, ist aber schon mal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Schalldämmwerte des Beiblattes 2 müssen also in jedem Fall erreicht werden. Es kann indes sein, dass je nach Auslegung des Vertrags tatsächlich noch darüber hinaus gehende Leistungen geschuldet sind.

      Hier zwei Urteile, die allerdings ergangen sind, bevor die DIN 4109:1989 im Juli 2016 von der DIN 4109:2016-07 (unter Wegfall des Beiblattes 2) abgelöst wurde.

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      BGH, Urteil vom 14.06.2007, VII ZR 45/06, NJW 2007, 2983-2986, BauR 2007, 1570-1575, Leitsatz:

      1. Welcher Schallschutz für die Errichtung von Doppelhäusern geschuldet ist, ist durch Auslegung des Vertrages zu ermitteln. Wird ein üblicher Qualitäts- und Komfortstandard geschuldet, muss sich das einzuhaltende Schalldämm-Maß an dieser Vereinbarung orientieren. Die Schalldämm-Maße der DIN 4109 können schon deshalb nicht herangezogen werden, weil sie lediglich Mindestanforderungen zur Vermeidung unzumutbarer Belästigungen regeln. Anhaltspunkte können aus den Regelwerken die Schallschutzstufen II und III der VDI-Richtlinie 4100 aus dem Jahre 1994 oder das Beiblatt 2 zu DIN 4109 liefern.

      2. Vertraglichen Erklärungen des Unternehmers, die Mindestanforderungen an den Schallschutz würden überschritten oder es werde optimaler Schallschutz erreicht, kann eine vertragliche Wirkung nicht deshalb aberkannt werden, weil aus ihnen das Maß des geschuldeten Schallschutzes nicht bestimmbar sei. Das Gericht muss unter Berücksichtigung der gesamten Vertragsumstände das geschuldete Maß ermitteln .

      3. Können durch die vereinbarte Bauweise bei einwandfreier, den anerkannten Regeln der Technik entsprechender Bauausführung höhere Schallschutzwerte erreicht werden, als sie sich aus den Anforderungen der DIN 4109 ergeben, sind diese Werte unabhängig davon geschuldet, welche Bedeutung den Schalldämm-Maßen der DIN 4109 sonst zukommt.

      4. Bei gleichwertigen, nach den anerkannten Regeln der Technik möglichen Bauweisen darf der Besteller angesichts der hohen Bedeutung des Schallschutzes im modernen Haus- und Wohnungsbau erwarten, dass der Unternehmer jedenfalls dann diejenige Bauweise wählt, die den besseren Schallschutz erbringt, wenn sie ohne nennenswerten Mehraufwand möglich ist.

      5. Zur Schalldämmung der Haustrennwand zwischen zwei Doppelhaushälften.
      ======================================

      BGH, Urteil vom 04.06.2009 VII ZR 54/07:

      1. Welcher Schallschutz für die Errichtung von Eigentumswohnungen geschuldet ist, ist in erster Linie durch Auslegung des Vertrages zu ermitteln. Wird ein üblicher Qualitäts- und Komfortstandard geschuldet, muss sich das einzuhaltende Schalldämm-Maß an dieser Vereinbarung orientieren. Der Umstand, dass im Vertrag auf eine "Schalldämmung nach DIN 4109" Bezug genommen ist, lässt schon deshalb nicht die Annahme zu, es seien lediglich die Mindestmaße der DIN 4109 vereinbart, weil diese Werte in der Regel keine anerkannten Regeln der Technik für die Herstellung des Schallschutzes in Wohnungen sind, die üblichen Qualitäts- und Komfortstandards genügen (im Anschluss an BGH, Urteil vom 14. Juni 2007, VII ZR 45/06, BGHZ 172, 346).

      2. Kann der Erwerber nach den Umständen erwarten, dass die Wohnung in Bezug auf den Schallschutz üblichen Qualitäts- und Komfortstandards entspricht, muss der Unternehmer, der hiervon vertraglich abweichen will, den Erwerber deutlich hierauf hinweisen und ihn über die Folgen einer solchen Bauweise für die Wohnqualität aufklären. Der Verweis des Unternehmers in der Leistungsbeschreibung auf "Schalldämmung nach DIN 4109" genügt hierfür nicht.
      =====================================


      Soweit die Texte.

      Der Schallschutz betrifft in aller Regel das Gemeinschaftseigentum. Mängel am Gemeinschaftseigentum kann die WEG geltend machen. Solange die WEG bestimmte Mängel aber nicht durch wirksamen Beschluss an sich gezogen hat, kann auch jeder einzelne Wohnungseigentümer Mängel gegenüber dem Bauträger geltend machen.

      Bevor du viel Geld ausgibst, um ein Gutachten erstellen zu lassen, halte ich es für sinnvoll, dass du dem Bauträger den Mangel zunächst anzeigst und in mit einer Fristsetzung in Verzug setzt. Damit erleichterst du es dir, später diese Kosten erstatten zu verlangen, falls tatsächlich Mängel vorliegen sollten.

      Du könntest ihm per Einschreiben-Rückschein z.B. wie folgt schreiben:

      ========================================

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      Bezug nehmend auf meinen notariellen Wohnungskaufvertrag vom … mache ich die nachstehend beschriebenen Mängel geltend. Soweit die Mängel nicht ausschließlich mein Sondereigentum, sondern das Gemeinschaftseigentum betreffen, erhebe ich den geltend gemachten Mängelbeseitigungsanspruch auch im Wege der actio pro socio zugleich für die Wohnungseigentumsgemeinschaft.

      Der für das Gebäude und die Wohnungen untereinander geschuldete Schallschutz wurde nicht eingehalten. Ich kann aus angrenzenden Bereichen, insbesondere aus der Wohnung über mir folgende Geräusche gut hören:

      - Tritte als dumpfes Geräusch, ähnlich eines Basses (es wurde Parkett verbaut)
      - Die Betätigung der elektrischen Rollanden
      - Schleudergang der Waschmaschine
      - Wenn geduscht wird, ist besonders als "plätschern" im Bad hörbar
      - Die Klospülung
      - Saugen. Insbesondere erzeugt das Reiben auf dem Boden ein deutlich hörbares kratzen.
      - Wenn etwas lauter gesprochen wird. Z.B. beim Telefongespräch oder beim Kaffeekränzchen. Kurze Worte (z.B. JA) können verstanden werden.
      - Wenn der Fernseher läuft. Hier versteht man jedoch keine Worte.
      - Deutliches "Klacken" wenn Innen-Türen geschlossen werden.
      - Trittgeräusche und Gespräche im Treppenhaus
      - Dass schließen der Haus-Eingangstüre

      Ich bitte Sie, die Mängel einschließlich ihrer baulichen Ursachen ordnungsgemäß, fachgerecht, vertragsgerecht und den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechend innerhalb von 3 Monaten ab dem Zugang dieses Schreibens zu beseitigen.

      Mit freundlichen Grüßen

      ====================================

      Soweit der Textvorschlag. Ein Risiko bleibt dabei indes. Wenn der Bauträger schon frühzeitig einen Anwalt oder einen Sachverständigen einschaltet, oder Maßnahmen ergreift, die zur Beurteilung des von dir behaupteten Mangels erforderlich sein könnten und es sich später herausstellt, dass kein Mangel besteht, könntest du zur Kostenerstattung verpflichtet sein, falls du schuldhaft - zumindest fahrlässig - den Mangelvorwurf erhoben hast.

      Kopie an die Hausverwaltung!

      In der Zwischenzeit die nächste Eigentümerversammlung abwarten und vorher Mitstreiter suchen. Falls sich keine Mehrheit dafür abzeichnet, dass gleich die gesamte Gemeinschaft ein Gutachten beauftragt und bezahlt, könntest du mit ein paar Mitstreitern rechtzeitig vor der Versammlung zumindest die Hausverwaltung schriftlich bitten, folgenden Beschlussvorschlag auf die Tagesordnung zu setzen:

      ======================================================

      TOP …

      Der Eigentümer, Herr X hat mit Schreiben vom … Schallschutzmängel gegenüber dem Bauträger geltend gemacht. Sollten solche Mängel vorliegen, spricht viel dafür, dass diese das Gemeinschaftseigentum betreffen.

      Hiermit ermächtigt die Wohnungseigentümergemeinschaft Herrn X, zunächst auf seine Kosten von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Schallschutz ein Schallschutzgutachten mit Schallübertragungsmessungen erstellen zu lassen, um zunächst ermitteln zu lassen, ob bezogen auf seine eigene Wohnung ein Verstoß gegen die Normen der vertraglich vereinbarten DIN 4109, Beiblatt 2 vorliegt. Die übrigen Wohnungseigentümer sollen die hierfür erforderlichen Schallübertragungsmessungen unterstützen.

      Sollte das Gutachten einen Verstoß gegen die Normen der vertraglich vereinbarten DIN 4109, Beiblatt 2 ergeben, erstatten die Wohnungseigentümergemeinschaft Herrn X die hierfür aufgewendeten Kosten bis zu einer Obergrenze von 3.000,00 € brutto. Eine anschließende Entscheidung der Gemeinschaft über die weitere Vorgehensweise bleibt vorbehalten.

      =========================================================


      Besser wäre es natürlich, wenn sich eine Mehrheit findet für eine gemeinsame Vorgehensweise von Anfang an, aber der o.g. Beschluss wäre erstmal besser, als gar nichts.

      Sorry für den langen Text.

      Viele Erfolg und schöne Weihnachtsfeiertage!
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      Viele Menschen haben nie darüber nachgedacht, was ein Haus ist; sie sind unnötigerweise ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben, ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu müssen. Thoreau, 1854
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