Mauern bei über 5 Grad tagsüber und unter 5 Grad nachts?

    • Mauern bei über 5 Grad tagsüber und unter 5 Grad nachts?

      Hallo,
      unser Rohbauer möchte diese Woche noch ein paar Steine setzen (Porenbeton 36,5 cm). Heute bei 2 Grad nachts und 4 Grad tagsüber nicht, aber evtl. die kommenden Tage (Mittwoch oder später). Die Nach von DI zu MI dann 5 Grad und der MI 9 Grad und die Nacht zu DO 2 Grad und der DO selbst 8 Grad. Die Nacht danach wieder 3 Grad und der Freitag dann 8 Grad und die Nacht zum Samstag etwa 6 Grad.

      Gefordert sind ja 5 Grad und diese werden tagsüber eingehalten. Sind damit die Anforderungen erfüllt oder sollte es vorher und/oder nachher und/oder nachts auch über 5 Grad sein? Wann ist es ok (tagsüber? nachts?) und wann ist kritisch?
    • Tinu86 schrieb:

      Gefordert sind ja 5 Grad und diese werden tagsüber eingehalten. Sind damit die Anforderungen erfüllt oder sollte es vorher und/oder nachher und/oder nachts auch über 5 Grad sein? Wann ist es ok (tagsüber? nachts?) und wann ist kritisch?
      Was steht denn in den Verabeitungsanweisungen / Datenblättern zur Bauteiltemperatur ?
      Wenn es nachts unter 5°C werden, kühlen auch die Bauteile aus. Je nach Minimaltemperatur erreichen die Bauteile auch bei über 5°C Lufttemperatur unter ungünstigen Umständen nicht die geforderte Mindestbeiteiltemperatur.

      Im schlechtesten denkbaren Fall wären die Wände morgens unter 0°C "warm", die Luft durch einen fönartigen Wind 8°C warm und der Kleber der aufgetragen wird gefriert trotzdem...
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • Das ist ein Sicherheitswert. Wenn das Anmachwasser gefriert, bevor die Bindung des Mörtel chemisch und kristalin stabil sind, zerbrechen die Bindungen irreparabel.

      Daher sagt der Hersteller + 5°C, um auch lokal tiefere Temparaturen in der Nacht abzudecken. Bei unter 5° zu mauern, kann gut gehen, ist aber nicht nur riskant, insbsondere bei Pb, weil wenig Speichermasse vorhanden, man kann solche kleinräumigen Temperaturunterschreitungen auch nicht ausschliessen. Auch nicht, wenn die Wetterdaten der Nacht am morgen sagen +2°, denn durch ungünstige Winde, lokale Wolkenlücken o.ä. kann auf DEINER Baustelle auch eine geringere Temperatur geherrscht haben.
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • ich kann mich an mein damaliges Praktikum erinnern - war in der ersten Hälfte der 1990er - da haben wir den Mörtel noch in der Maschine gemischt.
      jedenfalls mussten wir morgens den Sand mit dem Gasbrenner auftauen. Dann gemauert. Die 11,5er Wand war recht schnell stabil, konnte man gut mauern.
      Am nächsten Morgen aber, als die Sonne auf die Mauer geschienen hat, hat die Wand wieder angefangen zu wackeln.

      das Haus steht heute noch.

      ok, ist kein Paradebeispiel. Aber auch dies ist Teil der Wirklichkeit.
      Waren übrigens nichttragende Trennwände, die wir da gemauert haben...
    • Ich möchte noch einmal bekräftigen, dass es auf die Temperatur der genau die zu verarbeitenden Bauteile ankommt. Bei einer Winterbaustelle hatte ich vor drei Jahren Mitte Dezember morgens zwischen 7°° und 8°° Uhr nach einer sternklaren Nacht:
      1. laut DWD in Berlin pauschal + 5 °C
      2. auf dem Aussenthermometer am Haus (Berlin-Mitte, Nordseite, 20 cm Abstand zur wärmegedämmten Aussenfassade, windgeschützt) + 6 °C
      3. auf dem Autodach (Laternenparkplatz ca. 10 m vor dem Haus) + 2 °C
      4. am Stadtrand in Dahlem in 16 km Entfernung außen am ungeheizten Baucontainer - 2 °C
      5. auf dem flach geneigten Ziegeldach des umzubauenden Bungalows, obwohl windgeschützt - 5 °C und eine mehrere mm starken Reifschicht
      Der Maurer fuhr dann wieder nach Hause, der Klempner konnte am Vormittag bei knapp + 7 °C trotzdem fachgerecht löten. Der hatte sein Titanzink aus der warmen Werkstatt direkt in den Sprinter geladen und dann die Standheizung laufen lassen. Das Material hatte also am Einbauort anfangs satte 15 °C. Will sagen: Man muss es einfach messen und dann entscheiden. Am besten bringen AN und AG beide ihr Messgerät mit, dann gibt es weniger Ärger.

      (Alle Oberflächentemperaturen wurden mit dem selben Infrarotthermometer gemessen. Nein, das mache ich nicht jeden Tag, nur bei kritischen Arbeiten. Und nein, ich weiß bei Vertragsabschluss über die Ausführungsplanung noch nicht, dass ich dies tun werde.)
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • Lawrence schrieb:

      Gehört in solch einer kritischen Zeit, das (tägliche) Messen der Oberflächentemparatur durch den Architekten im Rahmen der LP8 zur Grundleistung nach HOAI?!
      Dass dies nicht direkt die Antwort auf Deine Frage ist, ist mir bewußt, aber wie Fachanwälte nie müde werden zu betonen ist die HOAI nur Preisrecht. Das heißt, sie regelt, mit welchem Honorar die Grundleistungen von Ingenieuren und Architekten in den verschiedenen Leistungsphasen pauschal abgegolten sind, nicht aber, welche Leistungen überhaupt zu erbringen sind.

      Welche Leistungen im konkreten Einzelfall zu erbringen sind, sollte sinnvollerweise vor Beginn der Tätigkeit in einem (ich schreibe 'mal von meiner Profession Architekten-) Vertrag detailliert vereinbart werden. Wird nun weniger als die Grundleistungen nach HOAI vereinbart, so gibt es weniger Honorar, wird mehr vereinbart, mehr. Für den Honorarumfang der Mehr- oder Minderleistungen gibt es sog. [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.] die einen gerichtsfesten Rahmen für solche Ab- oder Aufschläge bieten.

      Die Grundleistungen für Architekten sind in [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.] festgelegt. Zu Deiner Frage trifft grundsätzlich LP8 a) zu.

      Aber jetzt wird es spannend: Wenn der ausführenden Unternehmer selbst vernünftig misst und verantwortlich in Kenntnis der a.R.d.T . mit dem Messergebnis umgeht oder sich mit dem Auftraggeber über den Umgang mit zu niedrigen Temperaturen einvernehmlich verständigt und dies dokumentiert, muss ich überhaupt nicht messen. Messen muss ich nur, wenn der AN falsch positiv misst, oder wenn sich AN und AG nicht über das Ergebnis der Messung oder den Umgang damit einigen. Falsch negative Messungen können mir eigentlich egal sein, solange der AG damit einverstanden ist. Und selbst dann würde ich den AG (ausschließlich im Binnenverhältnis!) detailliert und schriftlich auf die Risiken hinweisen, die er damit eingeht.

      Nein, insofern ist das tägliche Messen von Oberflächentemperaturen für Architekten keine per se geschuldete Grundleistung in der LP 8, sondern allenfalls dann, wenn die Gefahr besteht, dass ein AN durch fehlende oder falsch positive Messungen und damit bei unzulässigen Temperaturen arbeitet und damit gegen die a.R.d.T . handelt. Und selbst dann muss eigentlich nicht ich messen, sondern nur dafür sorgen, dass eine korrekte Messung erfolgt und deren Ergebnis dokumentieren. Zimmerer, Tischler und Bodenleger messen beispielsweise regelmäßig selbst, mithin sogar mit geeichten Geräten, die dauerhaft auf der Baustelle verbleiben. Ich kann mir auch nur die Messprotokolle zeigen lassen und auf Plausibilität und Einhaltung der a.R.d.T . prüfen.

      Architekten schulden in der LP8 das "Entstehenlassen des Gebäudes" (durch Dritte u.a. im Rahmen der a.R.d.T .) aber eben nicht nur. Es kommt auf die vertraglich vereinbarten Leistungen an. Und damit sind wir wieder bei den vertraglichen Vereinbarungen von oben.
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • Ich beantworte das mal so:
      Schulde ich es dem Bauherren ohne gesonderte Vereinbarung im Vertrag - nein.
      Schulde ich es dem Unternehmer - NEIN
      Schulde ich es mir - JA! Zur Vermeidung von Haftungsrisiken!

      Denn unabhängig von HOAI und (schriftlichem) Vertrag schulde ich dem AG eine Leistung der mittleren Art und Güte - auch in der Bauüberwachung. Wenn Frost Schäden am Mauerwerk oder Beton verursacht, muss ich mich als Bauleiter fragen lassen, was ich zur Verhinderung dieses Schadens unternommen habe.
      Habe ich entsprechend geprüft? Habe ich bei absehbar schädlichen Wetterlagen dem BU gegenüber reagiert (Ihr wollt doch wohl morgen nicht mauern).

      Wenn ich meiner Sorgfalt nicht nachgekommen bin, könnte es sein, das meine Haftpflicht das als grob fahrlässig wertet und nicht oder nur unter Regressnahme bei mir eintritt. Und das will ich nicht!
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • Lawrence schrieb:

      Gehört in solch einer kritischen Zeit, das (tägliche) Messen der Oberflächentemparatur durch den Architekten
      Mache ich zB gar nicht!

      Natürlich schaue ich wie warm (kalt) es ist bzw.was der Wetterbericht prognostiziert. Ich kann ja nicht morgens auf die Baustelle gehen, Steintemperatur messen und sagen: "zu kalt, bitte alle nach Hause gehen!"

      Vielmehr ist es so, dass -aktuelles Beispiel von dieser Woche!- ich dies im Vorfeld mit dem Handwerker abspreche. Diese Woche: Wir wollten Unterputz (außen) machen. Max.Temp. gem. Vorhersage um die 6°C, nächtens frostig. Naja....könnte gerade noch vielleicht gehen. Wir haben es auf kommende Woche verschoben. Sicherheitshalber.

      Ich denke das muss man schon im Vorfeld planen/ entscheiden. Alles andere ist ja auch für die Firmen schwer zumutbar. So können die ihre Leute auf anderen Baustellen (Innenputz?) einsetzen.
    • Thomas B schrieb:

      Lawrence schrieb:

      Gehört in solch einer kritischen Zeit, das (tägliche) Messen der Oberflächentemparatur durch den Architekten
      Mache ich zB gar nicht!
      Natürlich schaue ich wie warm (kalt) es ist bzw.was der Wetterbericht prognostiziert. Ich kann ja nicht morgens auf die Baustelle gehen, Steintemperatur messen und sagen: "zu kalt, bitte alle nach Hause gehen!"

      Vielmehr ist es so, dass -aktuelles Beispiel von dieser Woche!- ich dies im Vorfeld mit dem Handwerker abspreche. Diese Woche: Wir wollten Unterputz (außen) machen. Max.Temp. gem. Vorhersage um die 6°C, nächtens frostig. Naja....könnte gerade noch vielleicht gehen. Wir haben es auf kommende Woche verschoben. Sicherheitshalber.

      Ich denke das muss man schon im Vorfeld planen/ entscheiden. Alles andere ist ja auch für die Firmen schwer zumutbar. So können die ihre Leute auf anderen Baustellen (Innenputz?) einsetzen.
      sehe ich aus Sicht eines AN genauso. Wenn ich der Meinung bin, dass das knapp ist mit der Temperatur, dann sage ich dem Bauherren/Architekten vorher schon ab. Wenn er dann unbedingt will, dass was gemacht wird, dann soll er das Risiko auch mittragen. Früh morgens messen ob das geht oder nicht? wer bezahlt dann den Ausfall? ich nicht.
      Jochen
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