EFH in Brandenburg, Raum Potsdam (Architekt/Einzelvergabe)

  • Und Freunde? Also wenn man schon so viel Kohle raus haut, dann würde ich den Privatbereich ins OG verlegen und eine Option für einen Aufzug mit einbauen, z.B. Treppenloch groß genug machen, bietet so auch optisch was, bis mal der Aufzug irgend wann rein kommt. Im Alter kann man immer noch über den Aufzug rauf und runter und das ganze Haus bleibt einem offen und zugänglich. Das OG kann man dann in einen Privatbereich und einem Gästebereich aufteilen. Das EG bleibt somit für alle nutzbar und alle, auch die Gäste, können ins Schwimmbad, Sauna und was sonst noch so alles rein kommt. Wenn Finca, dann richtig Finca und den Wohnbereich nach oben hin offen gestalten mit Galerie, über die man in die Privatgemächer und den Gästegemächer kommt. Man könnte auch den Pool weiter ins Freie verlängern, mit einem Auslass, wo man im Winter auch raus schwimmen kann. So kann man das Schwimmbad im Haus kleiner halten und mehr Fläche für andere Sachen verwenden.

    Ganz Verrückte können dann auch eine Rutsche in den Pool einbauen und andere Spinnereien... So wie es einem Beliebt...
    -

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...
  • Auf mich wirkt der Entwurf ziemlich verschachtelt (Dachlandschaften...). Ich denke, dass Ihr gerade im ländlichen Brandenburg tolle Beispiele finden werdet, wie die Menschen mit den örtlichen Gegebenheiten und Materialien gebaut haben - da würde ich ehrlich gesagt das mediterrane deutlich zurückfahren und einen klaren rechteckigen Grundriss bevorzugen. Schau dir mal den BDA-Preise für Architektur in Brandenburg an: [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.], die extrem unterschiedlich sind.
    Aber kein einziges davon ist im "mediterranen" Stil - und das nicht ohne Grund: Man sollte auch beim Thema Werthaltigkeit immer bedenken, dass sich Mode wandelt und gerade der mediterrane Baustil (der sich hier ja im wesentlichen auf die äußere Optik beschränkt) ist m.E. derzeit eher Mode. In 25-40 Jahren wirkt so ein Bau in mitten von brandenburgischer Natur und Wetter eher wie ein Fremdkörper als ein natürlicher Teil der Kulturlandschaft und das macht es schwierig dafür dann Interessenten zu finden.

    Mit 650k habt Ihr ja ein ganz ordentliches Budget, ich würde mir dann auch überlegen ob Ihr nicht den Grundriss im EG deutlich "entschlackt", also offener und großzügiger macht und dafür eine Fahrstuhllösung fürs Alter einplant. Indoor-Pool... ist sicherlich eine Geschmackssache, für mich wären Kosten/Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis, besonders bei der Größe, die nicht groß genug für einen "Wow"-Effekt und nicht klein genug für eine Budget-freundliche Ausführung ist. Der Vorschlag kleiner und mit Gegenstromanlage klingt recht vernünftig, dann kann man auf der Fläche auch noch eine Sauna unterbringen.
    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -
  • Sehr lange habe ich gezögert, etwas dazu zu schreiben, aber jetzt mache ich es doch: Ich halte den "Entwurf" jenseits allen Geschmacks ganz objektiv für in jeder Hinsicht schlecht!

    Denn:
    • Baukörper und Dach sind jeweils ein zusammenhangloses Sammelsurium unterschiedlichster Körper und Formen. Die sind nicht mediterran, die sind wahllos und könnten ebenso in der polnische hohen Tatra wie in Mexiko stehen, kommen aber weder von hier noch von dort.
    • Dort hinein sind wahllos Öffnungen unterschiedlicher Formen und Größen geschnitten, ohne jede erkennbare Proportion, ohne Teilungen, ohne Zusammenhang zu den Innenräumen.
    • Grundriss und Baukörper haben nichts miteinander zu tun. Die Teil-Baukörper sind einfach nur zusammengequetscht. Ein Stapel Holzbauklötze hätte wenigstens ein einheitliches Maßsystem. Auch an dem fehlt es hier.
    • Die Verdrehung der beiden Teilbaukörper ist völlig unmotiviert und hat keinerlei positive räumliche Wirkung.
    • Anscheinend war es ein Hauptziel, möglichst viel Erschließungsfläche mit möglichst viel Gebäudehülle zu umwickeln. Die erkennbaren Funktionen ließen sich auf ca. einem Viertel der Grundfläche anordnen, mit einem Drittel der Hüllfläche.
    • Das Rendering ist grauenhaft. Wenn die wirklich ein "Kollege" erstellt haben sollte, so möge er sich oder seinem verantwortlichen Mitarbeiter eine vernünftige Software kaufen und dann einen Kurs buchen, um deren sinnvolle Nutzung auch zu erlernen. So sahen vor zehn Jahren schon die Produkte von "My-Dreamhouse-3.0" aus. Das geht entweder fotorealistisch oder abstrakt erheblich besser. Derartiges muss man seinen Kunden jedenfalls nicht mehr vorwerfen. Das geht sogar mit dem Küchenprogramm vom schwedischen Möbelhaus besser.
    • Es fehlt jeder erkennbare entwurfliche Absicht, außer vielleicht "mediterran", aber selbst dabei wurden nicht ansatzweise die Stilmittel verstanden und stimmig umgesetzt.
    • Nein, wenn man ein ocker-, pardon, siena-farbenes Haus mit flachen Satteldächern und zwei misproportionierten Rundbögen nach Brandenburg stellt, ist man weder in der Toskana noch wird das Wetter davon besser, leider.
    Das ist weder stimmig noch "Entwurf", das sind hilflos addierte Versatzstücke. Ihr solltet mit dem Bautrag warten, bis ihr einen stimmigen Entwurf bekommen habt. Der Wiederverkaufswert hiervon dürfte niedrig sein. Für das Geld könnte es mehr sinnvoll nutzbare Fläche und höhere Raumqualität geben.
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Ok, danke für die deutlichen Worte.

    Der Bauamateur schrieb:

    Schau dir mal den BDA-Preise für Architektur in Brandenburg an
    Danke für den Link. Tja -- was soll ich sagen, mich könnte man vielleicht mit einem stimmigen "modernen" Entwurf vielleicht überzeugen, aber beide Bauherren müssen zufrieden sein - "modern" scheidet aus. Bleiben ja wohl nur praktische Allerweltsentwürfe oder Stil-Adaptionen. In der unmittelbaren Nachbarschaft stehen zwei solcher "praktischen" Häuser und ein (großes) Vollholz-Blockbohlenhaus (das ist was anderes, aber auch nicht unser Ding).

    Skeptiker schrieb:

    wahllos Öffnungen unterschiedlicher Formen und Größen geschnitten
    Das hatte ich angedeutet: Fenster, Öffnungen und Rundbögen sind noch in der Bearbeitung, so wie gerendert sind sie teilweise von mir, um eine grobe Idee zu bekommen, wie die Räume beleuchtet werden. In Kürze sollte es einen in dieser Hinsicht abge"rund"eten Entwurf geben.

    Skeptiker schrieb:

    Die Verdrehung der beiden Teilbaukörper ist völlig unmotiviert und hat keinerlei positive räumliche Wirkung.
    Unsere Architektin hat uns 4 Grundrissvorschläge gemacht, davon diesen mit dem Knick, und der hat bei uns den Wow-Effekt ausgelöst. Das Grundstück ist leicht trapezoid und durch die Verdrehung der beiden Hälften sind die Seiten parallel zur 3m-Grenze und es wird eine maximal breite Südfront erzielt. Neben diesen technischen Argumenten finde ich den Knick in den Fassaden (den man vielleicht sogar durch Fassadengestaltung unterstützen sollte) als eine erfreuliche Auflockerung und als Bruch mit den "modernen", kubistischen Formen (sorry, seh' ich als positiv an :/ ).

    Skeptiker schrieb:

    Die erkennbaren Funktionen ließen sich auf ca. einem Viertel der Grundfläche anordnen
    Ganz sicher :D . Fläche sparen war aber gerade nicht das Entwurfsziel. Wir sind von unserem aktuellen Haus ausgegangen, und haben bei allen Funktionsräumen etwas zugelegt. Ich denke, du kannst uns keine "verschwendete" Fläche vorwerfen (Flure o.ä.).

    Skeptiker schrieb:

    Das Rendering ist grauenhaft.
    Das trifft mich jetzt hart <X , das war ich selbst. Der Renderer ist wirklich einer der besten photorealistischen Renderer (Vorsicht, Werbung: iray in Bloom Unit für Sketchup). Zugegebenermaßen habe ich für die verwendeten Materialien noch nicht genügend Zeit aufgewendet und die dahintergeklatschten Bäume sind eine last-minute-Aktion. Wenn das fertig ist, sollte der Renderer tatsächlich zu exakten photometrischen Ergebnissen führen. Ich will das auch zur Innenraum-Beleuchtungssimulation nutzen.
  • Kunkrab schrieb:

    Danke für den Link. Tja -- was soll ich sagen, mich könnte man vielleicht mit einem stimmigen "modernen" Entwurf vielleicht überzeugen, aber beide Bauherren müssen zufrieden sein - "modern" scheidet aus. Bleiben ja wohl nur praktische Allerweltsentwürfe oder Stil-Adaptionen.
    Unter den Preisträgern findest Du auch einige Sanierungen (also nicht "modern", sondern "modernisiert") und auch Stil-Adaptionen. Das was man hier so gemeinhin "Toskana-Haus" nennt, hat doch mit dem regionalen Baustil dort eigentlich nichts zu tun. Denn in der Toskana sind das meist einfache Bauernhäuser, plakativ gesagt: Bruchsteinwände, flaches Satteldach, grüne Fensterläden, fertig. Eingebettet in eine Landschaft mit Weinbergen, Zypressen und Olivenbäumen.

    Mal anders herum gefragt: was findet Ihr denn am "Toskana"-Stil gut?
    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -
  • Skeptiker schrieb:

    Sehr lange habe ich gezögert, etwas dazu zu schreiben
    Ja....Wolfgang...was soll ich sagen. Ich auch.

    Ich kann Dir in fast allen Punkte zu 100% beipflichten. Manche sehe ich vielleicht nicht ganz so dramatisch. Aber im Großen und Ganzen gebe ich Dir Recht.

    Die Bauform á la "Toscana" (ich vermute jetzt mal, dass die BH, die diesen Terminus gerne verwenden noch niemals in der Toscana waren...), die sich zumindest sprachlich hier festgesetzt hat, ist auch in unserer Region sehr häufig zu finden. Was ist das dann....Toscana - Stil? Naja...irgendwas walmdach-/ satteldachartiges, eher flach geneigt.

    Ob man dann auch konsequent die eher kleinen Fensteröffnungen nachzeichnet. Oder eine stilechte Mönch-und-Nonnen-Deckung? Wohl eher nicht.

    Aber egal ob nun "Toscana-Stil" oder wie auch immer man das nennen möchte. Es bleibt beliebig. Einheitsbrei.

    Die Kritikpunkte an Grundriss, Fassadengestaltung und Konzeption teile ich mit Dir.

    Irgendwie will sich bei mir nicht die Erkenntnis einstellen, wie diese Gestaltung mit dem Wunsch nach....

    Kunkrab schrieb:

    Werthaltig (Wiederverkauf, auch an Familien mit Kindern)
    ...in Einklang zu bringen sein soll. Für mich ist es das genaue Gegenteil.

    Auch der Wunsch nach einem...

    Kunkrab schrieb:

    Schwimmbecken

    ...ist eher nicht geeignet den Wiederverkaufswert zu erhöhen. Vielmehr schränkt dies den Wiederverkauf, sollte er einmal in Erwägung gezogen werden (müssen), zusätzlich ein.

    Nun baut man ein Haus ja idR nicht um sogleich einen Wiederverkauf anzustreben, sondern man baut für die eigenen Bedürfnisse! Aber man sollte es zumindest im, Blick haben.

    Hier -so würde ich sagen- wurde sehr viel getan einen Wiederverkauf zu verunmöglichen bzw. es wird eine sehr begrenzte Zahl an Interessenten geben, die diese sehr spezielle Gestaltung schätzen werden.

    Ob die Darstellung (1. Beitrag) nun selber geschnitzt ist oder nicht...als Architekt würde ich einen solchen Entwurf (auch schöner gerendert) gar nicht abliefern. Der wäre schon im Ansatz in der Rundablage gelandet.

    Kunkrab schrieb:

    Unsere Architektin hat uns 4 Grundrissvorschläge gemacht,
    Das ist aus meiner Sicht ebenfalls mehr als ungewöhnlich.

    Wen ich entwerfe landet idR nur ein Entwurf, der mE gelungene, auf des BH Schreibtisch. Evtl. schon mal mit einer Variante, wenn zB ein Punkt nicht ganz klar ist ob so oder so besser. Aber er, der BH, erhält erstmal ein Konzept, eine Lösung, eine Idee. Ob diese ihm dann gefällt steht auf einem anderen Blatt! Kann gut sein das nicht. Dann muss man wieder ganz neu ran.

    Aber niemals hatte ich bis dato 4 Konzepte ausgearbeitet. Wie auch? Ich selber arbeite mich da rein, denke mich da rein, gestalte, verwerfe, modelliere um...irgendwann steht dann eine Konzeption da. Ein grundsätzlicher Gestaltungsgedanke. Eine Grundrisslösung. Wie kann man da 4 Lösungen parallel anbieten.? Da kann sich die Kollegin einfach ihrer Sache nicht sicher sein. "Hier...wählen sie aus?!"

    Wobei ich dann auch wieder bei meinen Worten von weiter oben bin: Es bleibt beliebig.


    ---------- 21. November 2017, 11:33 ----------

    Kunkrab schrieb:

    mit dem Knick, und der hat bei uns den Wow-Effekt ausgelöst.
    Ein Knick, eine Zäsur, kann ja auch sinnvoll sein, einzelne Gebäudeteile absetzen, betonen oder eben zurücknehmen. Innere Ideen nach außen hin ablesbar werden lassend. Oder der Topographie folgend, diese nachvollziehen.

    Aber hier?

    Der Knick kommt unvermittelt. Er setzt nicht einzelne Gebäudeteile in Szene, sondern ist einfach da. Nicht mal an irgendwelche Gebäudekörper hält er sich. Er findet mitten im Schlafzimmer bzw. im Bad statt. Welchen "Sinn" mag dieser Knick an eben dieser (!) Stelle haben??????

    Etwas Technisches: In der Regel sind Schwimmbäder in eigenen Gebäudeteilen untergebracht (Keller). Und das aus gutem Grund: In Schwimmbädern herrscht Schwimmbadatmosphäre. Warm und feucht. Das Wasser stellt einen riesigen Heizkörper dar, der permanent die Umgebung zu erwärmen sucht. Wenn ich jetzt mal von einer Wassertemperatur von 25 - 27°C ausgehe und einer normalen Raumtemperatur von 20 - 22°C herrscht, so wird dieses Temperaturgefälle dafür sorgen, dass sich die Schwimmhalle auf etwa die Wassertemperatur erwärmt und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 100% haben.

    Dieses Klima will man aber in den normalen Wohnräumen eher nicht haben. Das heißt dann also, dass zu Bad und Schlafgemach eine dicht schließende Klimatür eingebaut werden sollte, die man dann auch tunlichst dauerhaft geschlossen hält. Ist natürlich machbar, aber es verlangt in der Nutzung dann eben etwas Disziplin.
  • Thomas B schrieb:

    ... 4 Grundrissvorschläge ...


    Das ist aus meiner Sicht ebenfalls mehr als ungewöhnlich.
    Interessant. Ich fand das Vorgehen recht natürlich, um den Geschmack der Kunden auszuloten.

    Thomas B schrieb:

    Ein Knick, eine Zäsur, kann ja auch sinnvoll sein, einzelne Gebäudeteile absetzen, betonen oder eben zurücknehmen. Innere Ideen nach außen hin ablesbar werden lassend.
    Auch das interessant, aber wohl ein Gesichtspunkt eines Architektur-Insiders. Als Laie würde ich annehmen: "99,9% der Leute, die mit dem Haus Kontakt haben (vorbeilaufen), sehen es niemals von innen. Warum sollte man also nicht die Fassade unabhängig vom Inhalt betrachten?" Jetzt, wo ich das hinschreibe, klingt es wie böses Ketzertum :teufel: . Mag sein, dass mir da der ganzheitliche Ansatz fehlt.

    Thomas B schrieb:

    Dieses Klima will man aber in den normalen Wohnräumen eher nicht haben. Das heißt dann also, dass zu Bad und Schlafgemach eine dicht schließende Klimatür eingebaut werden sollte, die man dann auch tunlichst dauerhaft geschlossen hält.
    Danke, dass Du das so deutlich sagst, das ist uns inzwischen auch klar geworden. Ja, die dauerhafte Schließung muss technisch erzwungen werden (Motor oder Federdruck). Zum Thema Klima/Heizung ist uns auch bewußt, dass diese vielen Kubikmeter warmes Wasser auch die gesamte Heizungs- und Klimatechnik dominieren.

    Nebenbei, eine der ersten Ideen hatte das Schwimmbad mittig, zwischen Wohn- und Schlafzimmer, aber das war wirklich nicht praktikabel.

    karo1170 schrieb:

    Dafür gibt es mit Dialux evo schon ein sehr, sehr gutes Programm,
    Danke. Ich denke, ich hatte mir das schon mal angesehen. Wahrscheinlich werde ich das auch mal antesten. Das entscheidende dabei ist wohl, ist eine große Menge realer Lichtquellen und Materialien zur Verfügung zu haben.
  • Kunkrab schrieb:

    Interessant. Ich fand das Vorgehen recht natürlich, um den Geschmack der Kunden auszuloten.
    Ja...ausloten schon. Aber doch nicht so!
    Ich schaue/ frage meine BH natürlich auch. Modern, große Fenster, offene Räume (oder eben das alles nicht) und entwickle aus diesen Informationen ein Konzept. DAS Konzept. Wenn es 4 gleichwertige Konzepte gibt, dann ist die Gestaltung für mich beliebig. Einfach. Ein "echter" Entwurf kostet wirklich Zeit. Manchmal auch sehr viel Zeit. Da gehen 4 separate Lösungen wirtschaftlich gar nicht.

    Dein Ausloten bzw. das deiner Architektin hat etwas von probieren. Trial and error? Probiere mal Erdbeer Eis. Und dann mal Schoko. Was schmeckt besser? Was schmeckt denn der Kollegin? Welcher Entwurf war DER Entwurf?


    Kunkrab schrieb:

    Auch das interessant, aber wohl ein Gesichtspunkt eines Architektur-Insiders. Als Laie würde ich annehmen: "99,9% der Leute, die mit dem Haus Kontakt haben (vorbeilaufen), sehen es niemals von innen. Warum sollte man also nicht die Fassade unabhängig vom Inhalt betrachten?"
    Nun will ich aber Deiner Architektin unterstellen, dass sie ja eben eine solche Insiderin sein sollte.
    Der Knick ist unmotiviert, nicht nachvollziehbar, bringt dem Haus keinen Mehrwert, dem Dach merkwürdige Verschnitte/ Übergänge. Er ist -mit Verlaub-: Falsch!
  • Ich vermute, die Architektin hat fertige Musterhäuser aus der Schublade gezogen, die angepasst werden. A bisserl Bogen hier, eine Schachtel an der Fassade dort angebaut...


    Was die Verschachtelung angeht... Die Häuser, die so verschachtelt aussehen, sind so im Laufe der Zeit gewachsen. Da wurde immer wieder mal was angebaut. Alle haben als normale viereckige Häuser angefangen. Auch in Italien denkt man pragmatisch. Die Fenster sind in einem mediterranen Haus auch immer weit kleiner als in diesem Entwurf. Da passt es stilistisch auch nicht zusammen. Bögen in der Fassade sind für italienische Häuser eher untypisch. Bogenförmige Tore für historische große Gebäude durchaus, aber nicht für eine kleine Hütte, nicht als Wandzunge, um einen Freisitz abzustützen und nicht über einer Garage, oder einer gewöhnlichen Eingangstür. Das ist stilistischer Unsinn und völlig unnütz. Über der Garage sieht man wie verkrampft der Bogen gerade noch so hinein gepresst wurde. Scheußlich. Von mir aus kann man ja Typ Mediterran machen, aber dann bitte richtig und kein Sammelsurium von Details, die man rund ums Mittelmeer zwischen Griechenland und Spanien mal gesehen hat. Das schaut einfach nur grauslig aus.
    -

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...
  • Frau Maier schrieb:

    fertige Musterhäuser aus der Schublade gezogen
    Definitiv nicht. Wie ich in #1 schrub:

    Kunkrab schrieb:

    ... hatten wir viel Zeit an eigene Entwürfe zu verschwenden, die wir der Architektin als grobe Idee gezeigt haben
    Möglicherweise unser Fehler. Obwohl wir unsere 3D-Basteleien mit Warnungen versehen hatten, hat sie sich möglicherweise zu dicht an diese "Vorgabe" gehalten.

    Und die Bögen ... werden vermutlich weitestgehend wegfallen. Mal sehen.
  • Nein, Architekt(inn)en sollte man kein 3D-Modell als Arbeitsgrundlage mitgeben, sondern ein (abstraktes) „Pflichtenheft“, in welchem die wesentlichen Raumgrößen, Funktionen etc. und Wohnwünsche notiert sind. Und dazu das Budget nennen. Mehr braucht es nicht. Der Entwurf ist ureigene Architektenaufgabe. Und leider verlieren etliche Kollegen bei Erhalt irgendwelcher Anregungen jegliche Inspiration oder eigene Wertmaßstäbe.
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Skeptiker schrieb:

    „Pflichtenheft“ ... Raumgrößen, Funktionen etc. und Wohnwünsche ... Budget
    Dank dieses Forums haben wir das auch genau so getan. Textuell. Zusätzlich aber "was wir uns so überlegt haben" als bunte Bildchen. Ist der alte Spruch "ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" für Architekten nicht zutreffend? Ich verstehe, dass Bilder möglicherweise die Phantasie einengen, aber sollte ein Architekt nicht davon abstrahieren können?
  • Nicht so ganz, Kunkrab.

    Wenn mir zB ein BH diverse selbergemalte Bilder zeigt, dann kann ich mich schon dazu verleiten lassen diese anzuschauen und den Entwurf nur "glatt zu ziehen", also schlimme Patzer auszubügeln, das Grundgerüst aber zu belassen. Spart Arbeit, der BH fühlt sich gut und gelobt, weil ja selbst der kritische Architekt seine Ideen weitestgehend übernimmt.

    Hatte...nein habe!...genau genau so einen Fall. BHin versorgte mich mit einer Fülle von Skizzen. Ich erbat diese als Scan/ Datei und legte sie ungesehen ab. Habe ich ihr auch so kommuniziert und dann selber entworfen. Im Nachgang haben wir uns dann auch ihre Bilder angesehen.
  • Kunkrab schrieb:

    Skeptiker schrieb:

    „Pflichtenheft“ ... Raumgrößen, Funktionen etc. und Wohnwünsche ... Budget
    Dank dieses Forums haben wir das auch genau so getan. Textuell.
    Sehr gut! :thumbsup:

    Kunkrab schrieb:

    Skeptiker schrieb:

    „Pflichtenheft“ ... Raumgrößen, Funktionen etc. und Wohnwünsche ... Budget
    Ist der alte Spruch "ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" für Architekten nicht zutreffend?
    Doch, eigentlich sogar in besonderem Maße!

    Kunkrab schrieb:

    Skeptiker schrieb:

    „Pflichtenheft“ ... Raumgrößen, Funktionen etc. und Wohnwünsche ... Budget
    Ich verstehe, dass Bilder möglicherweise die Phantasie einengen, aber sollte ein Architekt nicht davon abstrahieren können?
    Natürlich, normalerweise schon. Ich bitte meine Bauherrn sogar ausdrücklich darum, Bilder von Referenzobjekten mitzubringen, aber das war hier offensichtlich leider kontraproduktiv.

    Deshalb jetzt sagen: „Vergessen Sie bitte die Bilder, fangen Sie einfach noch einmal neu und bitte erstmal möglichst einfach an!“
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker