Der Bauboom und seine Folgen

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  • Der Bauboom und seine Folgen

    Ich habe aktuell extrem viele BQÜ Anfragen. Einerseits ja schön, denn es ist Arbeit.

    Andererseits muss ich feststellen, dass die BT und , deren Arbeit überwacht werden soll, absolut unbekannt und vor allem sehr baufremd sind.

    Makler mit Geschäftsführern von Baufirmen, die bei Architekten tätig sind, selber aber keine sind. Tätig als was? Kaltmamsell?

    Spätverrentete Versicherungsmakler mit vorseniler Hausflucht, die bei Frost Baugruben in bindige Böden buddeln wollen und weiße Wannen mit Fundamenterdern baubeschreiben.

    Firmen, die 6 Monate nach Gründung 2016 schon den ersten Geschäftsfüherwechsel hinter sich gebracht haben.

    Fehlt nur noch JDB´s berühmt berüchtigter Pizzabäcker im Nebenjob.

    Irgendwie fühle ich mich an die Goldgräberstimmung bei den Gebrauchtwagenbesitzern kurz nach der Wende erinnert

    Fängt Dein Auto an zu rosten, verkauf es in den Osten
    und mir wird Angst und Bange um die Bauherren, die auf solche Konstrukte reingefallen sind. Meine BQÜ-Preise mache ich jedenfalls dem zu erwartenden Aufwand entsprechend. Nachlässe kann ich am Ende immer noch einräumen, wenn es gut gelaufen ist. Ich glaube aber, davon nicht all zu viel Gebrauch machen zu müssen/können.

    Die Krönung war heute an Anruf einer Bauherren, der 10 (in Worten Zehn) Tiefbaufirmen einhellig bescheinigt hatten, ihr halbfertiges Haus könne nicht an die Kanalisation angeschlossen werden ohne eine Hebeanlage einzubauen.
    Da waren wohl "zufällig" die falschen Höhen im Entwässerungsantrag eingetragen.
    Und eine nicht genehmigungsfähige Drainage brauchts wohl auch noch, weil das Haus eher ein Wasserschloss ist - leider ohne Zugbrücke und Hochpaterre.

    Frei nach H. Heine
    Denk an fremde Bauten in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.
    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
  • Ist das nicht normal? Überall wo die Nachfrage hoch ist, wachsen auch jene die meinen vom Kuchen abhaben zu wollen. Auch wenn das jetzt vielleicht nicht ganz nett ist aber mit tausend Stümpern kann man sich um so einfacher von der Masse abheben. Das das nicht dienlich ist für die allgemeine hohe "Baukunst" sei unbenommen.

    You get what you pay.

    Auch wenn die Lage momentan den einen oder anderen Preis nicht rechtfertigt. Schön wäre es, wenn das Geld auch bei den Arbeitern ankommen würde und nicht nur im Schlund anderer landet. Dann hebt sich vielleicht auch mal die Qualifikation in dem einen oder anderem Gewerk.
    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot
  • schau dir Skeptikers thread an - bauen mit bäckermeisterinvestor ohne planung.

    es gibt immer zwei, die zu solchen geschäften gehören, einer, der etwas anbietet und einer, der darauf hereinfällt.

    Ralf - ich beneide dich nicht, bei solchen konstellationen den aufpasser zu machen.

    hatte ich nicht letztens einen artikel gelesen: frühpensionierter frühstücksdirektor und freigestellter hafensänger starten in der bauträgerbranche durch.
    das leben ist ein bauhaus - Fritz Kuhr 1929
  • Der Arbeitsmarkt für Ingenieure am Bau scheint auch leer gefegt zu sein. Mich kontaktiert immer wieder mal der eine oder andere Headhunter...
    Aber auch Facharbeiter zu finden ist nicht leicht. Auf der einen Baustelle kommen die Jungs aus weiß was ich wo überall her. Und wenn ihnen was nicht gefällt, können sie es sich leisten einfach so zu gehen und dann steht man da mit weniger Leuten und der Termin drückt... Der lokale Markt ist leer. Nur bei Kleinbaustellen sind die Leute noch aus der Region.

    Lange geht es eh nimmer so, denn sobald man wieder die Zinsen anhebt ist der Boom vorbei und es gibt schon Anzeichen, dass das früher oder später passieren wird. Die USA haben schon mal ganz leicht angefangen...
    -

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...
  • Danke Kalle. Da sehe auch ich das Problem.
    Die Firmen, ob Verwaltungen oder Bauherren, einfach gesagt Kunden, sind zumindest in Berlin(da kann ich es sagen) der Meinung, das sie den Preis vorgeben können.

    Ich als Handwerker, leider nur Angestellter (Meisterschule möchte ich mir, wegen verschiedener Gründe nicht antun) kann mir doch als ausführendes Organ nicht ansagen lassen, was jemand zahlen möchte.
    Eine Verwaltung, für die wir arbeiten, gibt Katalogpreise vor und sucht Firmen, die möglichst weit darunter arbeiten. Ich würde den Blödsinn gar nicht erst mitmachen.
    Viele Arbeitgeber, für mich gefühlt auch meiner, will möglichst viel abkassieren, aber nichts weiter reichen. Geschäftszahlen werden verheimlicht, was nicht gerade dazu beiträgt, das Motivation und Vertrauen herrscht.
    Die Wertschätzung für die produktiv arbeitende Bevölkerung fehlt. Wie soll jemand, der nur Zahlen hin und her schiebt, Geld vermehren ? Es muß doch auch etwas handfestes erstellt werden.
    Und das da dann der Nachwuchs fehlt, ist doch klar. Für mich gefühlt, wurde das Handwerk jahrelang mit Füßen getreten, indem gesagt wurde, es wäre zu teuer (es ist nun mal wertschaffend), Banken die Geld verschieben nicht wirklich, aber mehr wertgeschätzt, weil sauber etc.
    So ganz langsam wachen die Leute auf und stellen fest, das ja auch irgendwer die Arbeit machen muß. Tja, etwas zu spät.
  • SG3 schrieb:

    Viele Arbeitgeber, für mich gefühlt auch meiner, will möglichst viel abkassieren, aber nichts weiter reichen. Geschäftszahlen werden verheimlicht, was nicht gerade dazu beiträgt, das Motivation und Vertrauen herrscht.
    Die Wertschätzung für die produktiv arbeitende Bevölkerung fehlt. Wie soll jemand, der nur Zahlen hin und her schiebt, Geld vermehren ? Es muß doch auch etwas handfestes erstellt werden.
    Off-Topic:
    An sich hast Du zwar Recht, aber Du siehst das aus Sicht des Angestellten, und widersprichst Dir damit. Wie könnte der Chef abkassieren, wenn von den Kunden keine Wertschätzung käme? Wie könnte er sonst diese Stundensätze und Materialaufschläge am Markt durchsetzen? Das Problem liegt somit weniger an der Beziehung Kunde -> Firma, sondern vielmehr an der Beziehung Chef -> Mitarbeiter. Darauf hat der Kunde aber keinen Einfluss. Oder soll er nun 100,- €/h bezahlen, damit der Chef seinem Angestellten 1,- € mehr pro Stunde gibt?

    Was die Geschäftszahlen betrifft, das kann doch jeder handhaben wie er möchte. Stellst Du Dich auf die Straße und erklärst den Nachbarn, was Du letzten Monat verdient und wie Du das Geld für was ausgegeben hast?
    Natürlich könnte man Mitarbeiter mehr in die Verwaltung des Betriebs einbinden, ob das einen nennenswerten Einfluss auf die Motivation oder das Vertrauen hätte, da habe ich so meine Zweifel. Bei einem Kleinstbetrieb ist das sicherlich was anderes als bei einem Mittelständler oder Großunternehmen (die meist sowieso publikationspflichtig sind).


    Mein Vornamensvetter hat die aktuelle Situation sehr gut geschildert. Im Moment ist mal wieder so viel Geld im Umlauf, dass niemand weiß wohin damit. Also versucht man sich auch in Branchen von denen man keine Ahnung hat, so lange man vermutet, dass man damit noch mehr Geld verdienen kann. Die Baubranche ist typisch dafür, und es ist ja bekannt, dass damit auch ordentlich Geld verdient werden kann (ja ich weiß, jammern gehört zum Geschäft). Warum also das Geld auf´s Sparbuch legen, oder riskante Aktien kaufen, wenn man genau so gut Grundstücke kaufen und ein Haus darauf bauen kann? Da lassen sich Renditen erwirtschaften, das schafft man nicht einmal mit den riskantesten Aktien, und gleichzeitig ist auch das Risiko überschaubar.

    Was glaubst Du wieviel Geld mit Nobelimmobilien verdient wird, man braucht nur den richtigen Riecher und ausreichend Kapital im Rücken. Investoren in diesem Bereich denken nicht nur kurzfristig sondern auch mittelfristig, und da lässt sich mit Neubau, Sanierung, aber auch mit Kauf und Verkauf, gutes Geld verdienen.
  • Ja und da liegt aus Sicht für Wert schaffende Menschen, für den ich mich jetzt halte, das Problem. Diejenigen die das Ganze leiten, verwalten etc. werden zumindest aus meiner Sicht zu gut gestellt. Die Verteilung stimmt nicht mehr.

    30% weniger Schulabgänger und damit 30 Prozent weniger Azubis stimmt in meiner Branche nicht.
    Ausbildung 1993 bis 1997 mit 900 Azubis im Jahr. Jetzt sind es wohl 90. Ein Rückgang von etwa 90 Prozent.
  • SG3 schrieb:

    Ja und da liegt aus Sicht für Wert schaffende Menschen, für den ich mich jetzt halte, das Problem. Diejenigen die das Ganze leiten, verwalten etc. werden zumindest aus meiner Sicht zu gut gestellt. Die Verteilung stimmt nicht mehr.
    Dann solltest Du ganz schnell die Seite wechseln, und Dich selbständig machen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Das meine ich jetzt ernst, weder böse noch sarkastisch noch sonst irgendwie negativ. Wenn ich mit meinem Einkommen nicht zufrieden bin, dann muss ich mir überlegen, was ich daran verbessern kann.

    Überlege mal, warum sollte Dein Meister zu gut gestellt sein? Er wird sagen, im Vergleich zu einem Vorstandschef bei Daimler verdiene ich noch viel zu wenig.

    Es wird also immer eine Rechtfertigung dafür geben, dass man jammert. Wir haben unser Wirtschaftssystem bereits so weit eingeschränkt, dass wir "nur" noch eine soziale Marktwirtschaft haben, und aufpassen müssen, dass nicht irgendwann jegliche Anreize verloren gehen. Die o.g. fachfremden BT & Co. sind doch nur ein Zeichen dafür, dass der Markt nicht mehr richtig funktioniert, denn sonst kämen auf so einen Stümper hundert Mitbewerber die es besser machen, und der würde keine 2 Jahre überleben.
  • R.B. schrieb:

    SG3 schrieb:

    Ja und da liegt aus Sicht für Wert schaffende Menschen, für den ich mich jetzt halte, das Problem. Diejenigen die das Ganze leiten, verwalten etc. werden zumindest aus meiner Sicht zu gut gestellt. Die Verteilung stimmt nicht mehr.
    Dann solltest Du ganz schnell die Seite wechseln, und Dich selbständig machen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Das meine ich jetzt ernst, weder böse noch sarkastisch noch sonst irgendwie negativ. Wenn ich mit meinem Einkommen nicht zufrieden bin, dann muss ich mir überlegen, was ich daran verbessern kann.
    Überlege mal, warum sollte Dein Meister zu gut gestellt sein? Er wird sagen, im Vergleich zu einem Vorstandschef bei Daimler verdiene ich noch viel zu wenig.

    Es wird also immer eine Rechtfertigung dafür geben, dass man jammert. Wir haben unser Wirtschaftssystem bereits so weit eingeschränkt, dass wir "nur" noch eine soziale Marktwirtschaft haben, und aufpassen müssen, dass nicht irgendwann jegliche Anreize verloren gehen. Die o.g. fachfremden BT & Co. sind doch nur ein Zeichen dafür, dass der Markt nicht mehr richtig funktioniert, denn sonst kämen auf so einen Stümper hundert Mitbewerber die es besser machen, und der würde keine 2 Jahre überleben.
    Mit den Selbstständig machen als Handwerker ist nicht so einfach. Kein Problem ansich. Aber bei fehlendem Startkapital, sieht die Sache anders aus. Haben da aktuell nen Fall in der Familie, Meister abgeschlossen, Selbstständig gemacht, Auftragslage auch soweit okay, eigentlich zuu viel , nicht zu bewältigen, müsste Leute einstellen, größeres Gebäude/Lager mieten... Sobald die Banken "Selbstständig" hören ist der Hahn zu...
    Also werden Aufträge abgelehnt, und alleine weiter gemacht, bis hoffentlich genug übrig bleibt um zu investieren.
  • Ja. Das wird gerne übersehen.
    Ich habe zwei kleine Kinder. Eine davon mit 50 % Behinderung, weshalb Förderungen nötig sind, die zeitintensiv sind. Wir beide gehen volltags arbeiten. Alle 4 Wochen bin ich in Bereitschaft 24/7. Macht dann, wenn mal seltenerweise, kein Einsatz kommt. 12 Tage durchmachen. Meisterschule beginnt, wenn ich gerade Feierabend auf dem Papier habe. Von hinfahren zur Schule mal abgesehen.
    Das soll jetzt nu mal ein Beispiel sein, was den Rattenschwanz so ausmacht. Achso die Finanzierung und den Kopf frei dafür haben, mal abgesehen.
  • elTorito schrieb:

    R.B. schrieb:

    SG3 schrieb:

    Ja und da liegt aus Sicht für Wert schaffende Menschen, für den ich mich jetzt halte, das Problem. Diejenigen die das Ganze leiten, verwalten etc. werden zumindest aus meiner Sicht zu gut gestellt. Die Verteilung stimmt nicht mehr.
    Dann solltest Du ganz schnell die Seite wechseln, und Dich selbständig machen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Das meine ich jetzt ernst, weder böse noch sarkastisch noch sonst irgendwie negativ. Wenn ich mit meinem Einkommen nicht zufrieden bin, dann muss ich mir überlegen, was ich daran verbessern kann.Überlege mal, warum sollte Dein Meister zu gut gestellt sein? Er wird sagen, im Vergleich zu einem Vorstandschef bei Daimler verdiene ich noch viel zu wenig.

    Es wird also immer eine Rechtfertigung dafür geben, dass man jammert. Wir haben unser Wirtschaftssystem bereits so weit eingeschränkt, dass wir "nur" noch eine soziale Marktwirtschaft haben, und aufpassen müssen, dass nicht irgendwann jegliche Anreize verloren gehen. Die o.g. fachfremden BT & Co. sind doch nur ein Zeichen dafür, dass der Markt nicht mehr richtig funktioniert, denn sonst kämen auf so einen Stümper hundert Mitbewerber die es besser machen, und der würde keine 2 Jahre überleben.
    ... Sobald die Banken "Selbstständig" hören ist der Hahn zu...

    Das kenne ich, solche Verhandlungen sind nicht immer einfach. Oftmals scheitern diese Verhandlungen aber ganz einfach daran, dass der Selbständige sein Vorhaben nicht vermitteln kann, unrealistische Vorstellungen hat, oder ganz einfach die Zahlen nicht passen. Wenn ich aus einer Bierlaune heraus zur Bank gehe, und sage "gib mir mal ´ne Million, ich möchte mich selbständig machen", dann muss man sich nicht wundern, wenn man nur Kopfschütteln erntet.
    Ansonsten kann man nur sagen, die Chancen von den Banken Geld zu bekommen, waren noch nie so gut wie momentan. Man könnte sogar auf Fördermittel verzichten, weil Kredite so billig sind. Wenn also ein Gründungskonzept einigermaßen was taugt, dann klappt es auch mit der Finanzierung.
  • SG3 schrieb:

    Die Wertschätzung für die produktiv arbeitende Bevölkerung fehlt
    sicher nicht überall - aber vereinzelt kann der eindruck entstehen.
    die frage ist aber, wie kommts dazu?
    sind´s grundsätzliche defizite im umgang?
    sind`s maximalbaufremde bauherren?
    sind´s überlastete planer?
    sind´s fehlende oder fehlerhafte planungsleistungen?
    oder ist es die verweigerung vor der erkenntnis, dass kommunikation geld kostet - und zwar alle?
  • mls schrieb:

    SG3 schrieb:

    Die Wertschätzung für die produktiv arbeitende Bevölkerung fehlt
    sicher nicht überall - aber vereinzelt kann der eindruck entstehen.die frage ist aber, wie kommts dazu?

    Das frage ich mich auch, wobei ich zuerst fragen würde, wodurch entsteht überhaupt dieser "negative" Eindruck?

    Wie kann es sein, dass Pizzabäcker mit einer Baufirma ihr Geld vermehren, während angestammte Betriebe jammern und angeblich fast den Bach runter gehen? Liegt es vielleicht einfach daran, dass die "Neuen" am Markt die bessere Strategie fahren? Jammern, Selbstmitleid, damit kann man heute doch nicht mehr punkten, und in der Zwischenzeit räumen die Newbies den Markt ab.
  • Defizite im Umgang ja. Manche Kunden kommen mit Sprüchen an, da möchte ich als Handwerker gleich wieder gehen, was ich auch schon getan habe. Angemessener Ton untereinander ist Pflicht.

    Baufremde Personen auch. Leute schaffen es teilweise nicht einmal mehr, unter einen leicht(!) tropfenden Heizkörper oder Ventil einen Eimer zu stellen. Wird leider auch immer mehr. So nach dem Thema, die Firma hat doch einen Notdienst, soll der sich mal kümmern. Dabei ist es überwiegend egal, ob um 23:00 oder Sonntag. Es muß sofort jemand kommen, auch wenn es nur ein Spülkasten ist, der Wasser in die Toilette laufen lässt. Hochdramatisch, Notfall !! Passiert viel zu oft.

    Überlastet Planer ebenso. Als Handwerker soll ich teilweise in drei bis vier Wohnungen rumspringen, zu denen ich falsche oder gar keine Schlüssel habe, weil diese ebenso wieder mehrere Wohnungen gleichzeitig abarbeiten sollen. Mein einziger Vorteil ist, das ich drei Stunden früher nach Hause darf, als sie. Heißt aber nicht, das sie deshalb nur diese drei Stunden mehr, zu meinem Stundensatz bezahlt werden. Ohne sie geht es nicht, keine Frage, aber sie schaffen in dem Sinne keine Werte.

    Fehlende und fehlerhafte Planungsleistungen ebenso, weil Absprachen, mit den ausführenden untereinander arbeitenden Handwerkern fehlen und vielen nach dem Thema "stille Post" abläuft, was wieder zu viel Zeit und Geld kostet, was dann niemand bereit ist zu zahlen.
  • SG3 schrieb:

    das sie den Preis vorgeben können.
    Das können sie ja auch, der Unternehmer kann aber auch entscheiden ob er mitgeht oder nicht. Meine Aussage war nicht direkt an die AG's gerichtet. Viel mehr an den Investorenmarkt und die Renditen. Der Bauboom wird ja längst nicht von Sanierungen ausgelöst. Eher die ganzen MFH's, Gentrifizierung usw. und da sind Summen die einfach vorsichtig ausgedrückt in meinen Augen utopisch sind.

    Man muss aber halt auch einfach anerkennen, dass die Nachfrage dafür groß genug ist. Andernfalls würde es den Markt nicht geben. Der Bauboom kann nicht nur am Wohnungsmangel liegen und das eine oder andere Gewerk profitiert davon auch nicht ausreichend. Wir Dachdecker z. B. haben nichts davon, dass hier und da wieder ein MFH erwächst. Auf den Wohnraum runter gebrochen ist das Dach halt keine Größe, da profitieren andere Gewerke deutlich besser.

    Logisch, dass ich aus dem Schluss "Bauboom" nicht schließen kann das ich unmittelbar mehr in der Tasche habe. Der Multiplikator dafür ist nach wie vor auf der einen Seite Leistung (die hat irgendwann ein Ende) und Wissen. Wissen ist quasi unendlich, wenn auch nicht jedes Wissen einen besser macht oder gut investiert ist.

    Aber ich gebe Dir recht, das Arbeiten mit den Händen sollte weiterhin lohnenswert sein und nicht von Spekulationen und exorbitanten Renditen in den Schatten gestellt werden.
    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot
  • SG3 schrieb:


    Baufremde Personen auch. Leute schaffen es teilweise nicht einmal mehr, unter einen leicht(!) tropfenden Heizkörper oder Ventil einen Eimer zu stellen. Wird leider auch immer mehr. So nach dem Thema, die Firma hat doch einen Notdienst, soll der sich mal kümmern. Dabei ist es überwiegend egal, ob um 23:00 oder Sonntag. Es muß sofort jemand kommen, auch wenn es nur ein Spülkasten ist, der Wasser in die Toilette laufen lässt. Hochdramatisch, Notfall !! Passiert viel zu oft.

    Das ist doch gut, das bringt Arbeit. Wenn jeder in DIY Manier seine Problemchen selbst löst, dann ist es ja auch nicht Recht.
    Notdienst ist Notdienst, und wird ja auch gut bezahlt.

    Ich saß schon mit Kunden bis morgens um 04:00 Uhr hinten in der Halle und habe mit denen gearbeitet. Zu dem Zeitpunkt war ich seit etwa 20h auf den Beinen. War zwar ärgerlich, aber letztendlich egal, der Kunde hat den Aufwand ja bezahlt.
  • Kalle schrieb:

    das Arbeiten mit den Händen sollte weiterhin lohnenswert sein und nicht von Spekulationen und exorbitanten Renditen in den Schatten gestellt werden
    wo steht das denn? :P
    wenn in münchen 1 m2 neubau 8000 euro kostet, der grundstückskostenanteil bei 5000,-/m2 liegt, müssen die baukosten logischerweise unter 1500,-/m2 gedrückt werden, damit noch 1,5% gewinn überbleibt ;)
    Off-Topic:
    ja, mea culpa - das ist satirisch verkürzt
  • mls schrieb:

    wo steht das denn?
    Bei Kalle im Buch steht das :p :D

    Eben, nur wer hat diese Gewinnermittlung auf Rücken anderer denn so in die Köpfe gesetzt? Ich tippe mal, weil es halt einfach geht. Kann man scheiße finden, kann man aber auch gut finden :D
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    * Administrative oder moderative Beiträge in rot
  • R.B. schrieb:

    mls schrieb:

    SG3 schrieb:

    Die Wertschätzung für die produktiv arbeitende Bevölkerung fehlt
    sicher nicht überall - aber vereinzelt kann der eindruck entstehen.die frage ist aber, wie kommts dazu?
    Das frage ich mich auch, wobei ich zuerst fragen würde, wodurch entsteht überhaupt dieser "negative" Eindruck?

    Wie kann es sein, dass Pizzabäcker mit einer Baufirma ihr Geld vermehren, während angestammte Betriebe jammern und angeblich fast den Bach runter gehen? Liegt es vielleicht einfach daran, dass die "Neuen" am Markt die bessere Strategie fahren? Jammern, Selbstmitleid, damit kann man heute doch nicht mehr punkten, und in der Zwischenzeit räumen die Newbies den Markt ab.
    Die "Pizzabäcker" (hier synonym für GU / /BT) drücken die Handwerker im Preis oder bezahlen sie einfach nicht, kümmern sich nicht um die Bauüberachung, kassieren aber vorab bei den dummen Bauherren. Wer pofitiert und wer pfuscht (schon aus Frust und Überlastung?) Dreimal dürft ihr raten...
    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!
  • mls schrieb:

    Kalle schrieb:

    das Arbeiten mit den Händen sollte weiterhin lohnenswert sein und nicht von Spekulationen und exorbitanten Renditen in den Schatten gestellt werden
    Off-Topic:
    ja, mea culpa - das ist satirisch verkürzt

    Off-Topic:
    Richtig, Du hast die MwSt. vergessen. ;)



    Kalle schrieb:

    Aber ich gebe Dir recht, das Arbeiten mit den Händen sollte weiterhin lohnenswert sein und nicht von Spekulationen und exorbitanten Renditen in den Schatten gestellt werden.

    Wer sagt denn, dass das Arbeiten mit den Händen nicht mehr lohnenswert ist? Es gibt Handwerksbetriebe da wird Geld gedruckt, und zwar im großen Stil. Das gilt auch für so manchen Industriebetrieb. Was verdient ein Kaufmann der im Büro sitzt? Die Masse geht wohl eher mit einem schmalen Gehalt nach Hause. Wir machen den Fehler, dass wir immer nur auf Einzelfälle schauen, und daraus schließen, dass es ja der ganzen Branche und allen dort arbeitenden Leuten so gut gehen muss.

    Es kommt aber eher darauf an, ob man flexibel ist, seine Chancen nutzt, und schaut wie man voran kommt. Dazu gehört eine solide Ausbildung, der Wille sich weiterzubilden, und ein bisschen Glück.
  • Notdienst gut bezahlt, würde ich nicht unterschreiben. Maximal 50% zusätzlich zum normalen Stundenlohn. Teilweise 1h Arbeit. Ok, nicht viel, aber auch nur unnötige Kleinigkeiten, die im normalen Tagesgeschäft erledigt werden können. Der Chef kassiert dann aber schon das 5-fache. Dafür das er in meinem Fall nichts dafür tut, sondern wirklich nur das Telefon stellt, was ich benutzen darf, für den Notdienst und die Abrechnung macht, ist das nicht so das gelbe vom Ei. 50/50 wäre evt. noch angemessen, aber da führt kein Weg hin. Das sind dann so die Dinge, die auch Jugendliche mitbekommen, die in die Richtung Handwerk wollen und sich dann umorientieren.

    Das dann Fremdländische (um niemanden auf den Schlips zu treten, mal so ausgedrückt) Kolonnen kommen und hier mal gut, mal nicht, ihr Ding durchziehen ist klar. Nachwuchs wird nicht angezogen, wodurch auch und da der Boom zur Zeit da ist, die Nachfrage zu groß, kommt eben der Pizzabäcker und bäckt ein Haus. Dann kommen als Ergebnis die Sprüche, "Der doofe ! Handwerker, bekommt eh zu viel".
  • SG3 schrieb:

    Der Chef kassiert dann aber schon das 5-fache. Dafür das er in meinem Fall nichts dafür tut, sondern wirklich nur das Telefon stellt, was ich benutzen darf, für den Notdienst und die Abrechnung macht, ist das nicht so das gelbe vom Ei. 50/50 wäre evt. noch angemessen, aber da führt kein Weg hin. Das sind dann so die Dinge, die auch Jugendliche mitbekommen, die in die Richtung Handwerk wollen und sich dann umorientieren.
    Na dann hilft umorientieren, selbst Chef werden, dann kriegst Du das 5 fache.

    Letztendlich ist doch jeder selbst schuld, wenn andere kommen und ihm die Butter vom Brot nehmen. Damit ich nicht falsch verstanden werde, das geht nicht gegen Dich, sondern mich wundert nur allgemein das Jammern in der Hadnwerkerschaft (und nicht nur da), und das Zeigen mit dem Finger auf die Anderen, während man selbst nicht bereit ist sich auch nur 1 Millimeter zu bewegen. Man könnte meinen, wir Deutsche hätten das Jammern und Suchen nach Ausreden perfektioniert. Kein Wunder wenn uns andere Stück für Stück den Rang ablaufen. Wie lange können wir uns noch auf unsere Lorbeeren ausruhen? Wie lange können wir uns das Jammern noch leisten?

    Herzog hat mal gesagt "es muss ein Ruck durch Deutschland gehen", aber da ruckt sich gar nichts. Wir neiden lieber den Anderen ihren Erfolg.
  • R.B. schrieb:

    Wer sagt denn, dass das Arbeiten mit den Händen nicht mehr lohnenswert ist?
    Empfindest Du es als lohnenswert? Wenn man mal von den Gelddruckmaschinen absieht? Es gibt schlechter bezahlte Branchen, keine Frage. Daraus zu schließen man würde ausreichend entlohnt für das Stück Körper was man hingibt halte ich aber für gewagt. Klar keiner zwingt einen dazu. Welche großen Aufstiegchancen hast Du denn, wenn du dein Gehalt erhöhen willst? Geselle, Fachgeselle, Polier/Meister - dann ist Ende, wenn du nicht in die Selbstständigkeit gehen willst. Jahresgehälter um die 50K wirst du doch eher selten unter "einfachen" Arbeitern finden - das dürfte selbst als Selbstständiger schwierig werden.

    Und ja, ich empfinde meine 25K Jahresgehalt für den Verschleiß den ich an meinem Körper vornehme als zu wenig und die Verdienstaussichten in einem Angestelltenverhältnis für zu gering. Ich habe nix dagegen 60 Std oder mehr zu arbeiten, wenn ich da im Gegensatz einen Wert schaffe der es ermöglicht mit einer Familie "entspannt" leben zu können.
    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot