Statik / Wasserdruck auf Elementwand

  • Ich verstehe den terminologischen Streit nicht! Mir wäre es piepegal ob mein Keller nun eine WW oder "nur ein WU-Keller" ist oder irgendein anderes Konstrukt. Entscheidend dürfte doch sein: Der AN schuldet einen wasserdichten Keller. Schön wenn im Vorfeld klar definiert ist wie er dies erreicht. Am Ende aber zählt für den AG wohl das Ergebnis: der dichte Keller. Dieses Ergebnis wurde offenkundig nicht erreicht. Also Mangel.
  • Darauf wurde ja schon eingegangen.

    WW bedeutet dass das "Gesamtsystem" Keller dauerhaft druckwasserdicht ist und dass dies zB durch eine Betonhaut erreicht wird, welche durch spezielle Eigenschaften (Rissbreitenbegrenzung, Wassereindringtiefe und auch Mindestkonstruktionsstärke) dies erreicht. Aber es gehören eben auch die anderen Komponenten dazu, wie zB die Fenster/ Lichtschächte. Fenster sind Löcher in einer Konstruktion und von daher eher schlecht geeignet die Tauglichkeit sicherzustellen. Druckwasserdichte Fenster können das Problem zu lösen helfen. Oder druckwasserdichte Lichtschächte. Hier gilt es eben das Gesamtsystem stimmig zu planen. Da führen einige Wege nach Rom. Einige Wege können aber auch Umwege sein. Schlecht nur, wenn es Irrwege waren.
  • msedi schrieb:

    Hallo,

    [...]
    2. Die Statik weißt ausdrücklich darauf hin, dass der Bemessungswasserstand am Bauwerk nicht bekannt ist
    Also wurde die Hütte ohne Berücksichtigung des BWS gebaut und der Druck auf die Elementwände nicht berücksichtigt.
    Wenn der Bemessungswasserstand nicht bekannt ist, müsste der Statiker mMn zuerst vom worst case ausgehen, also OK Gelände und sollte es doch ein belastbares Gutachten geben, ggf. abmindern. <OT> Beim Staplerlehrgang haben wir mal gelernt, dass geschlossene Kisten ohne Etikett immer komplett mit Stahl gefüllt sind. Immer. Bis einer ein Etikett draufklebt.</OT>
    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)
  • Ich habe es schon mehrfach erklärt, aber OK, ich machs halt nochmal.

    Juristen und Baufachleute haben völlig unterschiedliche Denkweisen. Es geht um die Schnittstelle zwischen Bautechnik und Recht und das können leider nur wenige.

    Der Mangelbegriff in § 633 BGB hat drei Alternativen. Mindestens eine der drei Alternativen muß erfüllt sein, um einen Mangel zu begründen; nach meinen Erfahrungen sind meist zwei der Alternativen erfüllt.

    1. Alternative: Das Werk ist mangelhaft, wenn es nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat. Frage also, was ist die Soll- und was ist die Ist-Beschaffenheit.

    Das Soll ist eine Rechtsfrage und daher vom Richter zu ermitteln und zwar an Hand des Vertrags.

    Nehmen wir an, im Vertrag steht: Betonkeller.

    " Betonkeller " oder " Keller aus WU-Beton ". Das ist für sich alleine noch nicht hinreichend aussagekräftig. Denn damit kann ein Keller aus Beton gemeint sein, der aus sich heraus noch nicht wasserdicht ist, also eine zusätzliche Abdichtung benötigt. Es kann aber auch eine WW oder ( geichbedeutend ) ein Keller nach der WU-RiLI gemeint sein. Die Vertragsschließenden drücken sich oft unklar aus und reden z.B. von Geld " verleihen ", wenn sie tatsächlich ein Darlehen meinen. Wegen dieser Unsicherheiten darf sich der Richter nicht am Wort verbeißen ( und dann schlapp machen ), sondern er hat den Vertrag nach §§ 133,157 auszulegen. Hierzu hat er alle Vertragsunterlagen heranzuziehen und als einheitliches Ganzes zu würdigen. Für die Vertragsauslegung hat er ferner alle Begleitumstände hinzuziehen.

    Wenn es hier so war, dass der Unternehmer vor Vertragsabschluß das Bodengutachten hatte und auf Grundlage des Bodengutachtens der Vertrag abgeschlossen worden ist, dann ergab sich hieraus, dass eine WW oder eine SW gebaut werden mußte. Wenn der Unternehmer dann im Vertrag schreibt " Betonkeller " oder " Keller aus WU-Beton ", dann war im Lichte des Bodengutachtens eine WW gemeint.

    Streiten die Parteien dann darüber über die vereinbarte WW ( = Soll-Beschaffenheit ) gebaut worden ist, dann ist die Ist-Beschaffenheit Tatfrage, Der Richter hat also einen Sachverständigen loszuschicken, der vor Ort nachprüft, ob a) eine WW gebaut worden ist und ob die WW auch mangelfrei ist.

    Hier: Ein Keller aus Elementwänden mit den hierfür maßgeblichen Vorgaben in der WU-RiLi ist eine WW. Das hat Ebeling uns in einem Seminar vor langer Zeit auf Nachfrage bestätigt. Das ist Tatfrage und da habe ich als Jurist nicht mehr weiter nachzufragen. Dass derartige Keller häufig Fehler haben steht auf einem anderen Blatt, ist aber unmaßgeblich. Allein die Fehlerhäufigkeit führt nicht dazu, dass eine Banane plötzlich zur Birne wird. Und WW aus Ortbeton sind auch mitunter fehlerhaft.

    Hier wurde also eine WW gebaut. Diese ist aber aus den bekannten Gründen mangelhaft und muß daher nachgebessert werden.

    2. Alternative.

    Es lag bei Vertragsschluß kein Bodengutachten vor und der Dummbeutel von Unternehmer hat erklärt, da bauen wir " wie immer " einen Betonkeller. Da wird die Frage nach der Soll-Beschaffenheit schwierig. Möglicherweise kommt die Auslegung zu keinem Ergebnis.

    Dann gilt: Der Unternehmer schuldet im Werkvertragsrecht den " Erfolg ". Er hat das zu bauen, was funktioniert und das richtet sich nach den aRdT. Denn die aRdT haben die ( widerlegbare ) Vermutung, dass das was nach deren Vorgaben gebaut wird, dauerhaft zu gebrauchen ist und hält. Welche Keller-Konstruktion aRdT ist, richtet sich nach dem Lastfall. Also sind wir in Kenntnis des Lastfalls wieder bei SW oder WW.

    Hier hat der Unternehmer eine WW gebaut, sie ist aber ( s.o. ) mangelhaft. Also gleiches Ergebnis wie Alternative 1.

    Der Richter hatte ja völlig Recht, wenn er meint, ein WW mit Fensteröffnungen ohne druckwasserdichte Fenster und/oder druckwasserdichte Lichtschächte sein für ihn " keine funktionsfähige WW ", wenn denn der Wasseranstieg nach dem Bodengutachten bis über Unterkante Wandöffnung zu erwarten ist. Eine WW bleibt es dann aber trotzdem. Sie ist halt nur eine " mangelhafte WW ".

    Anders Beispiel: Verkauft und geliefert wird ein Mercedes. Die Bremsen funktionieren nicht.

    Dann kommt auch kaum jemand auf die Idee, das gelieferte Fahrzeug sei kein Mercedes.
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