Recycling Beton im Rohbau

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Recycling Beton im Rohbau

      Hallo zusammen,

      ich habe gerade ein LV auf dem Tisch eines öffentlichen Auftraggebers. Dort soll RC-Beton zum Einsatz kommen. Bei uns in Mfr. gänzlich unbekannt. Das BV ist im Raum Würzburg. Meine Frage: hat schon mal jemand mit RC-Beton gebaut? Mich interessiert vor allem das wirtschaftliche (Kosten, Beschaffung etc.)
      Jochen
    • Ich kann Dir nur technisch helfen ... :D
      Bauen mit Beton mit rezyklierten Gesteinskörnung ist im Hochbau generell möglich (im Straßenbau bereits gang und gäbe), wenn die notwendigen Rahmenbedingungen (sprich: Regelwerke) eingehalten werden.
      Vor ca. 15 Jahren, als das Thema in Mode kam, haben wir im Rhein-Main-Gebiet einige Objekte mit RC-Beton gebaut. Gab nen Haufen Ärger, da damals recht viel Ziegel im RC-Material vorhanden war, der das Wasser gnadenlos aufgesaugt hat. Folge war dann häufig, dass ein als F3 bestellter Beton mit einem Ausbreitmaß von deutlich unter 40 cm auf der Baustelle angab und es dann Stopper in der Pumpe gab, wenn die Truppe nicht ausgepasst hat (was auch eigentlich nie tut).

      Preislich wird das vermutlich nicht viel ausmachen, da das Material i.d.R. erst angekarrt werden muss.
      Auch ist RC-Beton nicht an jeder Straßenecke erhältlich und die Silokapazitäten der Lieferwerke ist begrenzt, so dass die gar kein Interesse daran haben, RC-Beton herzustellen.
    • Gibts denn Langzeiterfahrungen mit dem Zeugs? Ich erinnere div. Beiträge über Ziegelbeton aus der Zeit der früher 50er, als man Trümmerschutt der deutschen Innenstädte als kostengünstigen Betonzuschlag entdeckt hatte, der 30 Jahre später richtig Kummer zu machen begann, weil die Stabilität stark nachließ.
      Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
    • Ich hätte es wohl noch ein wenig deutlicher schreiben sollen. Es soll für den Hochbau ein Beton mit rezyklierten Zuschlagstoffen verwendet werden. Die Positionen sind grundsaätzlich als Normalbeton ausgeschrieben und dann eine Zulageposition für die Verwendung von RC-Betonen. Gesamtmenge ca. 600 m3. Es handelt sich um Betone ab C20/25 bis max. C30/37, ohne jetzt alle Expositionsklassen durchzudeklinieren: teilweise SB 3 und WU Anwendungen mit dabei. Also schon gehobene Anforderungen.
      @RD: Die Normen sind mittlerweile so, dass die Zuschläge relativ sortenrein sein müssen. Es gibt Zuschlag Typ I und Zuschlag Typ II. Bei Typ I dürfen nur wenige Fremdanteile dabei sein, bei Typ II mehr. Der Zuschlag muss aber in jedem Fall aufwendig sortiert bzw. gereinigt werden um im Beton verwendet werden zu dürfen.
      Jochen
    • Sry, aber SB und insbesondere SB3 geht mit RC mal gar nicht. C 30/37 ist zumindest ausgesprochen sportlich.

      Da hat der AG wünsche, die praktisch nicht gehen. So sollte man das auch sagen, also entsprechende Bedenken anmelden.
      Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o
    • @Thomas: ich habe natürlich bei den Werken angerufen, es gibt ein Werk vor Ort (offensichtlich ist die Ausschreibung darauf hin abgezielt) das den RC-Beton herstellen kann. Mich wundert es nur, dass es nicht stärker forciert wird. Ich habe eigentlich nur positives gelesen und gehört: fast die gleichen Eigenschaften wie Normalbeton, Herstellung gleich (bis auf die Prüfungen), Verarbeitung gleich. Schau dir mal an wo unsere Zuschläge herkommen, dann wundert man sich schon, dass das nicht zur Anwendung kommt (wir sind an einem Betonwerk beteiligt, ich kenne mich da schon aus.)
      Jochen
    • Technisch ist das alles möglich.
      Bei 600 m³ werden gut ca. 1.000 t Gestein benötigt - für ein Lieferwerk, das gut Menge im Monat fährt lohnt sich das nicht, Boxen mit RC-Material vollzuknallen, außer wenn sie das Zeugs noch anderen Häuslebauern andrehen können.

      Bei SB3 würde ich die Finger von RC-Beton lassen, da die Ausgangsstoffe hier so wenig wie möglich schwanken sollten. Müll hat in Sichtbeton nichts verloren ... :D
    • Die Logistik ist das eigentliche Problem. Betonwerk hat x-Boxen, dafür alles für Normalbeton, zusätzlich noch ein paar Boxen für Leichtzuschlags oder Basalt etc. Wenn man jetzt RC-Beton anbietet braucht man eigentlich doppelte Lagerkapazität. Zusatzlich doppelter Aufwand für Prüfungen.


      ---------- 3. Januar 2017, 11:20 ----------

      @MiLeb: habt ihr schon mal was mit RC-Beton gemacht?
      Jochen
    • Thomas T. schrieb:

      ... Betonrezepturen wird vielen Sorten ohnehin RC in gemahlener Form zugegeben ...

      Wenn man das Zeugs auch noch mahlen würde, wäre es aufgrund des hohen Aufwandes (mehrfacher Transport, Mahlvorgang) finanziell vollkommen uninteressant.
      Das Material wird vor Ort in die einzelnen Fraktionen (z.B. Brechsand, 2/8, 8/16, 16/32) gebrochen und dann zu den Betonlieferanten gekarrt (sofern sie es denn haben wollen).
    • In den unteren Schichten ist RC sinnvoll, das hatten wir schon öfters.

      In Deckschichten nie. In Hallenböden auch nicht. Und persönlich würde ich im Hochbau die Finger davon lassen. Hat schon seine Gründe, warum man es in den tieferen Lagen verwurstelt, die nochmal überbaut werden.

      [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.]
      Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o
    • ich bin ja nun mal immer so der typ, der dem braten nicht traut, weil ja ein jeder, auch betonwerke, ein geschäft machen wollen.
      aus diesem grund würde ich das material nicht für hochwertige bauteile verwenden.
      für gründungen und baugrundverbesserungen hab ich RC mehrfach eingesetzt. im straßenbau ist es ja auch usus.
      als WU bauteil, wäre ich sehr vorsichtig, ohne externe überwachung keinesfalls.

      da sieht in den betonwerken heute alles so schön computergesteuert und toll aus, aber wenn da jemand einen fetten gewinn machen kann wird er es tun. nur eben nicht mit perfekt sortenreinem recyclingmaterial.
      Alles ist möglich - auch das Gegenteil. (Thomas Mayer)
    • JoWest schrieb:

      C30/37, ohne jetzt alle Expositionsklassen durchzudeklinieren: teilweise SB 3 und WU

      MiLeb schrieb:

      entsprechende Bedenken anmelden
      genau!

      ich hatte zum glück erst einen bauherren (bzw. dessen architekten), der "meinte", sowas haben wollen zu müssen - und das thema erstickte ganz schnell bereits im lauf der vorplanung.
      sollte dieses thema mal wieder anrollen, hüpfe ich einen schritt auf die seite - mit entsprechender verschriftlichung.