Erschließung contra autarke Stromversorgung mit BHKW

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  • Erschließung contra autarke Stromversorgung mit BHKW

    Hallo liebe Experten,
    ich habe folgende Frage an Euch:
    Ich habe mir in der letzten Woche ein Haus im Aussenbereich angesehen, LBO Sachsen. Obwohl das Haus (genehmigter Umbau aus ca. 2007) seit vielen Jahren zum Wohnen genutzt wird, wird es noch immer über Baustrom versorgt. Ich vermute, damit ist es eigentlich noch gar nicht erschlossen.
    Der Eigentümer sagt, für eine ordnungsgemäße Erschliessung (und damit die Nutzung!) wäre ein Stromanschluss nach LBO nicht notwendig, da das Haus auch autark über ein BHKW versorgt werden könnte.
    Kommt mir mysteriös vor, so etwas habe ich noch nie gehört. Und wenn, dann sollte das ja auch schon ca. 2007 gegolten haben, aus dieser Zeit ist die Baugenehmigung.
    Eure geschätze Meinung ist gefragt.

    Vielen Dank, Alex
  • LBO Sachsen kenne ich nicht, daher die Frage, was ein Stromanschluß nach LBO sein soll?

    Ich würde als erstes hinterfragen, ob die REINE Wohnnutzung auch nach einem Verkauf weiter legal ist oder ob die Nutzungsänderung befristet oder mit Auflagen verbunden war.

    Wenn gesichert ist, dass es ein dauerhaftes Wohnhaus ist, würde ich beim Grundversorger die Gründe hinterfragen.
    Das mag von Anschlußkosten (X m Kabel eingraben) bis hin zu irgendwelchen rechtlichen Problemen gehen.
    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
  • Vielen Dank Ralf für die prompte Rückmeldung!
    Die Baugenehmigung selbst kenne ich nicht. Das Haus wird von Mietern bewohnt, eine dauerhafte Stromversorgung ist aufgrund aufwendiger Leitungsführung über fremde Grundstücke wohl noch nicht realisiert. Daher der Baustrom, eine eigentlich vorübergehende Lösung.
    Ich kenne es aus Brandenburg so, dass für die Nutzungsaufnahme das Grundstück erschlossen sein muss, d.h. es muss auch ans Stromnetz angeschlossen sein. Sehe das als ersten Hinweis, dass vielleicht eigentlich gar nicht genutzt werden darf.
    Der derzeitige Eigentümer sagt, Nutzung hätte mit Erschliessung nichts zu tun (mit Verweis auf autarke Versorgungsmöglichkeiten).
    Ich werde versuchen über den Eigentümer einen Kontakt zur zuständigen Bauaufsicht zu bekommen.

    Alex
  • Alex schrieb:

    Kommt mir mysteriös vor, so etwas habe ich noch nie gehört.
    mir kommt das nicht mysteriös vor.

    weshalb sollte jedes außenbereichs-gebäude in der
    brandenburgischen pampa an das öffentliche stromnetz
    angeschlossen sein?

    achte unbedingt darauf!!! s.o. Ralf Dühlmeyer.
    ist eine nutzung zu reinen wohnzwecken legal?
    was kommt auf dich zu, musst du eine nutzungsänderung beantragen?
  • laß dir mal die baugenehmigung zeigen.
    zum wohnen muß ja schließlich die erschließung gewährleistet sein.

    ob ein BHKW nun möglich, sinnvoll oder rentabel ist, steht dann auf einem anderen blatt.

    rentabilität ist meist auf grund des geringen wärmebedarfs nicht für ein wohnhaus schönrechenbar.
    im sommer läft das ding für die stromgewinnung ohne wärmeabnahme.
    Alles ist möglich - auch das Gegenteil. (Thomas Mayer)
  • Alex schrieb:


    Der derzeitige Eigentümer sagt, Nutzung hätte mit Erschliessung nichts zu tun (mit Verweis auf autarke Versorgungsmöglichkeiten).

    Wie sieht es mit Wasser und Abwasser aus?

    Für (landwirtschaftliche) Betriebe im Außenbereich gibt es Sonderregelungen, obwohl auch hier der Anschluss an die öffentlichen Netze oberste Priorität hat. Entstehende Kosten für den Anschlussnehmer spielen hier kaum eine Rolle. Ich kenne einen Fall, da dürfte der Eigentümer 3km Graben buddeln für einen Wasseranschluss, und dann noch einmal 2,5km in eine andere Richtung für den Abwasseranschluss. Das hat eine Ewigkeit gedauert, weil ja nicht so einfach Leitungen über fremde Nutzflächen verlegt werden durften, und es hat eine Stange Geld gekostet.

    Autarke Versorgungsmöglichkeiten sind kein Grund, er musste die Anschlüsse herstellen lassen.

    Viel wichtiger ist aber der Punkt der oben schon genannt wurde. Eine Nutzung für Wohnzwecke ist meist dann nicht mehr möglich, wenn der Grund für eine notwendige Nutzung im Außenbereich (landwirtschaftlicher Betrieb) entfällt, denn damit entfällt auch das Privileg für eine zusätzliche Nutzung zu Wohnzwecken. Existiert also der landwirtschaftliche Betrieb nicht mehr, dann ist sehr gut möglich, dass eine zukünftige Nutzung nur zu Wohnzwecken nicht mehr gestattet wird. Bei den ursprünglichen Eigentümern wird gerne mal ein Auge zugedrückt, wenn diese aus Altersgründen ihren Betrieb aufgeben, und dann noch bis an ihr Lebensende dort wohnen bleiben wollen. Wird das Anwesen aber verkauft, dann kann der Käufer nicht voraussetzen, dass er das Anwesen auch in Zukunft zu Wohnzwecken nutzen kann.

    In dem o.g. Fall mit den 3km Graben etc, lief das daraus hinaus, dass der frühere Betrieb (Hühnerzucht) durch einen neuen landwirtschaftlichen Betrieb (Pferdezucht) ersetzt wurde, und erst nachdem alle "Ämter" (Umweltschutz, Landwirtschaftsamt usw.) zugestimmt hatten, war eine weitere Nutzung auch zu Wohnzwecken (aber nur für die Eigentümer bzw. Angestellte) gesichert.
  • Danke für die Einschätzungen!
    Vielleicht noch etwas zum Gebäude: es handelt sich um ein altes Denkmal, welches vom jetzigen Eigentümer in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde vor ca. 8 Jahren wieder aufgebaut wurde. Ausdrücklich zu Wohnzwecken. Es handelt sich nicht um eine umgenutzte Scheune oder ein anderes privilegiertes Gebäude.
    Dafür gab es eine Baugenehmigung und da bin ich bei planfix: Die Erschliessung muss gewährleistet sein, so kenne ich es. Und deshalb schließt sich für mich eine legale Nutzung aus, wenn die Erschliessung noch nicht gesichert und abgeschlossen ist.
    Da frage ich mich schon, wie kann das jahrelang zu Wohnzwecken vermietet sein.
    Ich werde versuchen vom Eigentümer die Baugenehmigung zu erhalten, dann weiß ich mehr.
  • Ihr Spaßvögel. Ich sitze da etwas zwischen Baum und Borke. Eigentümer spielte alles herunter und ich erzeugte mit meinen Nachfragen beim Besichtigungstermin verunsicherte Mieter. Wobei ich denke, dass den Mietern das Problem bekannt ist, zumindest die praktischen Auswirkungen...
    Wasser scheint auch so ein Thema zu sein. Es gibt einen Brunnen, der angeblich Trinkwasserqualität liefert und Teil der Baugenehmigung sein soll. Anscheinend hat der Eigentümer allerdings nie die notwendigen Analyseberichte beigebracht. Wenn der Brunnen keine Versorgung mit Trinkwasser gewährleisten kann gibt es vermutlich die nächste Baustelle.
    Abwasser funktioniert über eine Sammelgrube.
  • ich hatte kürzlich so einen ähnlichen fall mit einem bahnwärterhäuschen

    die bahn verkauft bahnwärterhäuschen, weil nicht mehr benötigt, dort gibt es wohnräume für den bahnwärter.
    eigener brunnen, 3 kammer grube, aber stromanschluß!
    der käufer vermietet
    der mieter kriegt stütze

    irgendwann kommt ein amt darauf, daß es eine nutzungsänderung braucht, weil ja nicht mehr bahnnutzung.

    ich mach alles für nutzungsänderung fertig, BH ab damit ins bauamt, und die verweigern, weil nicht ans wassernetz angeschlossen ist.

    laß dir alle genehmigungsunterlagen zeigen, bevor du da was investierst!
    Alles ist möglich - auch das Gegenteil. (Thomas Mayer)
  • Das ist ja eine sehr rege Diskussion geworden, vielen Dank an alle!
    Es ist halt Baustrom, der wird über fremde Grundstücke ohne rechtliche Sicherung gelegt. Deshalb ist er ja auch nur vorübergehend und nicht für die Dauernutzung gedacht. Der kann jederzeit vom Enerhieversorger zurückgebaut werden.
    Ich kam mir schon etwas hypersenibel und misstrauisch vor, aber Ihr habt recht. Ich bestehe auf alle Unterlagen, vor allem die Baugenehmigung. Vorher passiert da von meiner Seite gar nichts.
    Ich habe ein ungutes Gefühl, ob da nicht ein ganzer Rattenschwanz dranhängt. Könnte ja sein, dass bisher gar keine Nutzung offiziell angezeigt wurde, weil noch nicht fertig. Dann frage ich mich, wie kann man zu Wohnzwecken vermieten? Und muss dann nach mehr als acht Jahren vielleicht eine neue Baugenehmigung beantragt werden? Könnte auch eine Nutzungsuntersagung drohen, dann wirds ganz haarig.
  • Bin ich!
    Deshalb auch meine Frage an die Expertenrunde.
    Wer weiß, vielleicht muss der Strang bald in der Rubrik Baumurks fortgesetzt werden... wer weiß, was sich dort noch offenbahrt.
    Bin gespannt, ob ich überhaupt die Unterlagen bekomme. Wenn nicht, dann heisst es sowieso "Finger wech!".

    Wenn interessiert, dann halte ich Euch gerne hier auf dem Laufenden.
  • Alex schrieb:

    .... Dann frage ich mich, wie kann man zu Wohnzwecken vermieten? ......

    Man glaubt nicht, auf welche Gedanken manche Menschen kommen, da basteln sich manche ihr eigenes "Recht". Das kann sogar über viele Jahrzehnte funktionieren.
    Vor längerer Zeit kam einmal ein Bericht im TV, von einer Siedlung im Außenbereich. Ursprünglich waren das mal Gärten, dann kam eine Laube drauf, die wurde immer größer, und irgendwann dauerhaft bewohnt. Der Nachbar sieht, dass das bei seinem Nachbarn funktioniert, also rüstet er auch auf. Irgendwann ist dort eine komplette Wohnsiedlung entstanden, aber alles sogenannten Schwarzbauten. Die wurden teilweise sogar als Wohnhäuser verkauft,........... und irgendwann sind die Ämter aufgewacht. Dann ging´s rund. Umnutzung, neue Genehmigung, das wurde alles verweigert. Den Alteigentümern hat man zugestanden, dass sie dort bis an ihr Lebensende wohnen dürfen. Die Objekte waren aber unverkäuflich, und so mancher der meinte, er könnte durch einen Verkauf einen Platz im Altenheim finanzieren, hatte nun ein Problem.

    Vor vielen vielen Jahren hatte ich mal die Idee den Betrieb, oder zumindest Büro und Anhängsel, in den Außenbereich zu verlagern. Objekt war schnell gefunden, und mit dem Eigentümer war ich auch relativ schnell einig. Glücklicherweise hatte ich den Kauf davon abhängig gemacht, dass ich das Objekt so nutzen kann wie ich es geplant hatte. Also ab zum Bauamt, und dann ging´s los. Ich hatte in ein Wespennest gestochen. Man glaubt gar nicht wieviele "Ämter" sich da plötzlich zuständig fühlen, manche davon sehen es gar nicht gerne, wenn solche Leichen ausgegraben werden sollen, andere mauern schon aus Prinzip, usw. Das Drama habe ich nach etwa 1 Jahr (und viel investiertem Geld) abgebrochen.
    Bei einem anderen Objekt, ortsnah aber Außenbereich, wäre es etwas einfacher gewesen, aber irgendwann hatte ich darauf keine Lust mehr.

    Was ich damit sagen will, Du könntest mit Deinen Nachfragen ganz schnell vor einer Mauer stehen. Das ist aber OK, denn besser rechtzeitig die Reißleine gezogen, als monatelang oder jahrelang Geld investiert, und dann macht einem plötzlich jemand einen Strich durch die Rechnung. Du musst daran denken, alle Beteiligten interessiert es nicht die Bohne, ob das Verfahren 1 Jahr oder 10 Jahre dauert, und ob Du eine Menge Geld abschreiben kannst.

    Deswegen, Deine Vorsicht ist berechtigt. Mag sein, dass alles gut über die Bühne geht, es könnte aber auch sein, dass Du in ein offenes Messer läufst.
  • Im Detail habe ich den Fall nicht nachvollzogen. Den Empfehlungen zur Prüfung sollte unbedingt detailliert gefolgt werden.

    Trotzdem noch ein Hinweis mit aktuellen Erfahrungen aus B: Hier Habe ich vor einem halben Jahr die interessanten und für mich völlig überraschenden Erfahrungen gemacht, dass auf innerstädtischen Grundstücken in bereits dicht bebautem Gebiet bei zusätzlicher Bebauung:

    1. Von den Wasserbetrieben nicht überall und jederzeit die Bereitstellung von ausreichenden Löschwassermengen gewährleistet werden kann und dann die Baugenehmigung an die Herstellung neuer Löschwasserbrunnen durch den Bebauenden gekoppelt wird.

    2. nach § 18 EnWG besteht zwar eine allgemeine Anschlusspflicht des VNB gegenüber Letztverbrauchern, aber:
    "(1) ... (haben) ... zu diesen Bedingungen jedermann an ihr Energieversorgungsnetz anzuschließen und die Nutzung des Anschlusses zur Entnahme von Energie zu gestatten. (Aber:) Diese Pflichten bestehen nicht, wenn der Anschluss oder die Anschlussnutzung für den Betreiber des Energieversorgungsnetzes aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar ist. Und dazu, was wirtschaftlich zumutbar ist, haben VNB heute klare Vorstellungen, die schnell zu unkonventionellen Lösungen führen können. Dies gilt für Strom- wie für Gasnetzbetreiber!

    Es muss also nicht immer an der fehlenden Legalität liegen, wenn die öffentliche Erschließung nicht physisch gesichert ist.

    (Für ein auf absehbare Zeit nach genehmigter Teilung nicht zu bebauendes Grundstück einen Stromschluß für den Betrieb der Förderpumpe des als Baulast auf diesem Grundstück neu zu errichtenden Feuerlöschbrunnens für dias dem selben Besitzer hegörende Nachbargrundstück zu erhalten, auf dem aus wasserrechtlichen Gründen kein Löschwasser gefördert werden darf, kann sehr lustig werden, doch das nur am Rande ...)
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Alex schrieb:

    Es ist halt Baustrom, der wird über fremde Grundstücke ohne rechtliche Sicherung gelegt. Deshalb ist er ja auch nur vorübergehend und nicht für die Dauernutzung gedacht. Der kann jederzeit vom Enerhieversorger zurückgebaut werden.
    1. Sicherheit. Da liegt also so ein Kabel herum...irgendwie...auf einer (temporären) Baustelle natürlich normal. Aber als Dauerzustand?
    2. Kosten. Weiß nicht wie es bei Euch ist. Aber bei uns kostet Baustrom deutlich mehr als normaler Strom.
    3. Rechtliche Situation: Was ist wenn einer der Grundstücksbesitzer nun sagt: Kabel muß weg. Dann gehen die Lichter aus.

    Komische Sachen gibt es in Brandenburg....
  • Thomas B schrieb:

    Alex schrieb:

    Es ist halt Baustrom, der wird über fremde Grundstücke ohne rechtliche Sicherung gelegt. Deshalb ist er ja auch nur vorübergehend und nicht für die Dauernutzung gedacht. Der kann jederzeit vom Enerhieversorger zurückgebaut werden.
    2. Kosten. Weiß nicht wie es bei Euch ist. Aber bei uns kostet Baustrom deutlich mehr als normaler Strom.3. Rechtliche Situation: Was ist wenn einer der Grundstücksbesitzer nun sagt: Kabel muß weg. Dann gehen die Lichter aus.
    Und auf die erhöhten Kosten kommt eigentlich noch die monatliche Kontrolle des Baustromverteilers :S
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Thomas B schrieb:

    Alex schrieb:

    Es ist halt Baustrom, der wird über fremde Grundstücke ohne rechtliche Sicherung gelegt. Deshalb ist er ja auch nur vorübergehend und nicht für die Dauernutzung gedacht. Der kann jederzeit vom Enerhieversorger zurückgebaut werden.
    ...Komische Sachen gibt es in Brandenburg....
    Bist Du sicher, dass es in Bayern sowas Komisches nicht geben kann?




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow