"Baut höher, dann bleibt die Stadt bezahlbar"

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  • "Baut höher, dann bleibt die Stadt bezahlbar"

    Star-Architekt Libeskind über Gentrifizierung

    "Baut höher, dann bleibt die Stadt bezahlbar"

    New York, Paris, Berlin - Geringverdiener werden aus den Zentren vertrieben. Stararchitekt Daniel Libeskind fordert ein radikales Umdenken.

    Daniel Libeskind warnt vor toten Innenstädten - SPIEGEL ONLINE
    Lieber Gruß - Gisela
    "Für den Optimisten ist das Leben kein Problem, sondern bereits die Lösung." .....(Marcel Pagnol)
  • mietpreisbremse funktioniert nicht.

    siehe z.B. frankfurt bahnhofsviertel.
    da wird es langsam EN vogue, hochpreisige eigentumswohnung
    zu kaufen, inmitten vom umfeld von junkies und nutten.

    nur diese durchmischung wird auf dauer nicht funktionieren.

    gentrifizierung geschieht nicht freiwillig, die ist
    wirtschaftlich und leider auch hand in hand, stadtplanerisch gesteuert.
    - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
  • umgekehrt wird ein schuh draus - baut höher und die städte werden unbezahlbar.

    wohnungen über banken- und versicherungspalästen gehören doch zu den teuersten etagen, die nur den reichen vorbehalten werden.

    in der regel werden dort 20 - 25 % der flächen maximal als wohnfläche errichtet, einige wohnungen werden dort nicht ständig belegt. tote hose ist in diesen innenstadtbereichen immer vorprogrammiert. das ganze ist eine wunschvorstellung, die nicht funktioniert.
    das leben ist ein bauhaus - Fritz Kuhr 1929
  • ich bleibe mal beim beispiel frankfurt.
    wer möchte im versicherungstower wohnen?
    kein mensch!

    da ist doch auch nix los im umfeld, das ist nur
    grußelig, dort nachts vor die tür zu gehen, weil
    dort ist kein leben...

    nun streckt die kracke ihre fühler ins bahonfsviertel
    aus.... dort könnte man doch wohnen und in towercity arbeiten,
    scheiß auf nutten und junkies und rentner......und wo die alle bleiben wollen.

    städtebaulich eine genterifizierung,ein disaster, par excellence.
    - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
  • Mir scheint, dass man ein Besonderheit des berlinischen Städtebaus mitdenken muss, um Libeskind nicht falsch zu verstehen: In Berlin wurde und wird bis heute für große Teile der Stadt eine Gebäudehöhe von rd. 22 m (Traufhöhe) eingehalten. Wenn Libeskind von Berlin und "höher bauen" spricht, meint er sehr wahrscheinlich "höher als 22 m" und dem muss man kaum widersprechen. Hochhäuser in der City gibt es in B fast keine und Banken noch weniger.

    Das von ihm behauptete Wachstum in das brandenburgische Umland hat bei weitem nicht das gleiche Ausmaß wie die Suburbanisiweung in den USA und den anderen dt. Großstädten. Dass insbesondere Berlin vorerst gut weiter ins Innere wachsen kann und auch sollte ist momentan innerhalb der Stadt unstrittig, es geht nur um die Frage nach dem wie. Und da hat natürlich jede Gruppe in der Stadt ihre Sichtweise. Vor diesem Hintergrund auf die Möglichkeit von Häusern > 25 m hinzuweisen ist völlig richtig. Vor 15 Jahren würde man als Architekt in B für soetwas noch durch den damaligen Senatsbaudirektor mit lebenslangem Bauverbot in der Hauptstadt bestraft worden! Vielleicht hält sich Libeskind jetzt wegen seiner vermeintlich umstürzlerischen Aussagen sogar deswegen jetzt für einen Rebellen?
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Wachtlerhof schrieb:

    Star-Architekt Libeskind über Gentrifizierung
    "Baut höher, dann bleibt die Stadt bezahlbar"
    .. ich gebe ihm da voll und ganz Recht ...
    denn :

    Libeskind schrieb:

    Er verlangt ein Umdenken in der Stadtplanung, weg von prestigeträchtigen Großprojekten wie der Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, hin zu einem modernen sozialen Wohnungsbau. .

    .
    es geht auch nicht mal um prestigeträchtige Großprojekte , es geht auch um andere normale Wohn- und Geschäftshäuser , würde man diese höher bauen , gäbe es mehr Büro- und Wohnfläche , Diskussion mit dem Ex-Bausenator Nagel , diesem eingebildeten Baupapst von Berlin, waren immer frustrierend ...
  • Das Problem mit dem sozialen Wohnungsbau: da will keiner leben. Das Stigma der einfach und funktional gehaltenen Massenbehausung kriegt man aus den Köpfen nicht weg - jeder will in seinem angestammten Kiez bleiben und möglichst wenig Geld dafür ausgeben.
    Ich weiß noch, wie ich in Hamburg angefangen habe zu arbeiten, was haben meine Kollegen da die Nase gerümpft, dass wir in Harburg (schon fast Balkan! Wie kann man nur!) wohnten! Nein, wer was auf sich hält, wohnt im Schanzenviertel oder in Winterhude und klagt darüber, dass der Wohnraum teuer und knapp ist.
    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -
  • Was spricht eigentlich dagegen anstelle von in die Höhe zu bauen, die umliegenden Gebiete auszuweiten bez. Infrastrukturell anzubinden?

    Ich sehe es an Hamburg, zu den Stoßzeiten ist das Aufkommen der Menschenmaßen so enorm, dass quasi alles zum erliegen kommt. Selbes Spiel mit den Stadtautobahnen in Berlin, bez Berlin allgemein.
    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot
  • rolf a i b schrieb:

    dann beschäftige dich einmal mit der Dammerstocksiedlung von Gropius in Karlsruhe. diese gartenstadt ist so dicht, dass die pinkelpötte den henkel innen haben mussten, damit sie platz haben!
    Norbert, kann es sein, dass wir mit dem Begriff "Gartenstadt" nicht das selbe meinen? Den Dammerstock kenne ich, käme aber nie auf den Gedanken, diesen als Gartenstadt zu bezeichnen.
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • Kalle schrieb:

    Was spricht eigentlich dagegen anstelle von in die Höhe zu bauen, die umliegenden Gebiete auszuweiten bez. Infrastrukturell anzubinden?
    Dagegen sprechen:
    - der Flächenverbrauch
    - die immensen Infrastrukturinvestitionen
    - die überwiegend radialen Verkehrsströme mit starker Emissionen, an deren Rändern deswegen niemand wohnen mag

    Um wieder auf Berlin zurückzukommen: Es gibt schon allein durch immer noch bestehende Kriegszerstörungen ein erhebliches Nachverdichtungspotential. Zusammen mit Aufstockungen um nur 1 oder 2 Geschosse und durch Umnutzungen von funktionalem Leerstand ist noch ein Binnenwachstum um 10 - 20 Flächenprozent möglich, was ungefähr ausreichen würde, das erwartete Bevölkerungswachstum der nächsten 10 - 20 Jahre aufzunehmen.


    ---------- 15. November 2016, 08:29 ----------

    rolf a i b schrieb:

    der Dammerstock wird in Karlsruhe als gartenstadt bezeichnet. im stadtteil Rüppurr gibt es noch einige gartenstädte, die jüngste ist aus den 60-ern.
    Im Zusammenhang von Architektur- und Stadtbaugeschichte hatte ich vorausgesetzt, dass Du "Gartenstadt" im Sinne von Ebenezer Howard meinst, auf den der städtbauliche Ansatz zurück geht. Das, was dann lokal als "Gartenstadt" bezeichnet wird, hat damit ja nur noch ansatzweise in der äußeren Formensprache zu tun (siehe bspw. "Gartenstadt Atlantic" hier bei mir um die Ecke). Und der Dammerstock ist eine Zeilenanlage der Moderne und für mich o. jeden Zusammenhang zur "Gartenstadtidee".
    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
  • im Dammerstock wurde eine vielzahl an reihenhäusern als einfamilienhauseinheiten errichtet. die bewohner konnten sich vor und hinter dem haus gärten anlegen, um mit obst, kartoffeln und gemüse die eigenversorgung sicherstellen - so die grundidee von Gropius zur gartenstadt. die gärten waren nutzgärten - weniger zur zierde - angedacht.

    bei atlantik sehe ich 2 blöcke und eine zeile in der bebauung. garten ist in den innenhöfen bzw. hinter der zeile. der Dammerstock besteht aus zeilen in nord-süd-richtung längs ausgerichtet. nur eine zeile ist 4 geschosse hoch für etagenwohnungen.

    die konsquenteste umsetzung von gartenstädten erfolgte vor dem 1. weltkrieg, z. b. Dresden Hellerau. hier wurde wohnen, arbeiten, versorgung und freizeit gleichzeitig errichtet. die leute hatten einen kurzen weg zur arbeit, die nahversorgung und freizeiteinrichtungen waren vor ort. in den gärten konnte die eigenversorgung sichergestellt werden. die eigentliche gartenstadtidee wurde nach dem 1. weltkrieg erstmals stark abgeändert. damit standen erst einmal nur wohnen mit eigen- und nahversorgung auf der agenda. die gartenstädte der 60-er hatten nur noch wohnen und gartengestaltung auf der agenda. die nah- und eigenversorgung wurde da auch noch gestrichen. von der ursprünglichen gartenstadtidee des Ebenezer Howard ist immer weniger übrig geblieben aufgrund der sozialen entwicklung der gesellschaft.
    das leben ist ein bauhaus - Fritz Kuhr 1929