durch Umsetzung von EU-Recht keine weitergehenden Anforderungen mehr an Baustoffe mit CE-Kennzeichnung?

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    • Das ist in vielen anderen Bereichen schon seit vielen Jahren so. Die Hersteller können auf freiwilliger Basis auch über die Anforderungen der EN ´s hinaus ihre Produkte prüfen, und auch damit werben, aber der freie Warenverkehr darf dadurch nicht mehr eingeschränkt werden.

      Was noch interessant werden könnte, wenn Versorger weiterhin auf Anforderungen bestehen, die über den Rahmen der ENs (CE-Kennzeichnung) hinausgehen. Das dürfte noch für Ärger sorgen. Prinzipiell ist in den Verordnungen die CE-Kennzeichnung als ausreichend niedergeschrieben, andererseits wissen wir ja, dass beispielsweise Gas- und Stromversorger (noch?) zusätzliche Anforderungen stellen. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Praxis in Zukunft als unzulässig eingestuft wird. Andererseits schließt man ja als Kunde einen zivilrechtlichen Vertrag mit dem Versorger, und ich weiß nicht, ob man so eine vertragliche Vereinbarung so einfach aushebeln kann. Das könnte also noch spannend werden, denn wir wissen ja, wie konservativ die Versorger sind.
    • Bei Stoffen für die Betoninstandsetzung wird es ab dem 16.10. ein echtes Vakuum geben. Theoretisch müsste ich als Planer meinen Betrieb einstellen, da nahezu alle Stoffe (PCCs, OS-Systems, Rissfüllstoffe) keine Zulassung mehr haben und damit in Deutschland im standsicherheitrelevanten Bereich nicht verwendbar sind.

      Von der Sache her könnte ich ab 16. mal Ralf für ein halbes Jahr in Afrika begleiten ... :D
      Betontechnologie ist die Kunst, Steine in Wasser schweben zu lassen ... :)
    • Die CE-Kennzeichnung besagt, dass Du die Gebinde/Eimer/Säcke im Kofferraum spazieren fahen darfst ("Inverkehrbringung") - aber noch lange nicht, dass Du den Driss auch an die Wand nageln darf. Die Verwendbarkeit regelt die Bauregelliste bzw. das Ü-Zeichen.
      Betontechnologie ist die Kunst, Steine in Wasser schweben zu lassen ... :)
    • Eben nicht gut.
      Der Anspruch an Instandsetzungsprodukte ist in Deutschland ein deutlich anderer als in anderen EU-Ländern - da wird eher nach dem Motto "schmiere-saniere" verfahren.
      Auch von den Stoffen und Stoffsystemen bestehen außerhalb Deutschlands keinerlei zugesicherten Eigenschaften seitens der Hersteller. Wie willst Du denn ohne Informationen eine Instandsetzungsmassnahme mangelfrei planen?

      Über das Thema kann man Stunden debattieren ... :keule:
      Betontechnologie ist die Kunst, Steine in Wasser schweben zu lassen ... :)
    • JamesTKirk schrieb:

      Eben nicht gut.
      Der Anspruch an Instandsetzungsprodukte ist in Deutschland ein deutlich anderer als in anderen EU-Ländern -

      Das kenne ich aus vielen Bereichen. Wenn ich die letzten 20 Jahre betrachte, dann hat sich die Produktqualität durch Einführung der CE-Kennzeichnung und Anwendung harmonisierter EN nicht wesentlich verschlechtert, auch wenn das damals immer wieder vorhergesagt wurde. Nach meiner Erfahrung hat es einige Zeit gedauert, bis die Normen alle Szenarien abdecken konnten, was aber unter anderem daran lag, dass sich die Herren in den Gremien nicht einig werden konnten. Heute sind die Anforderungen teilweise noch umfangreicher als damals zu den "guten alten Zeiten". So ein Prozess dauert natürlich seine Zeit, das ist klar.

      Bei den Baupordukten wird es ähnlich laufen, auch da gibt es ja schon ENs, wenn auch nicht so umfangreich wie in anderen Bereichen.
    • Ü entfällt, dafür kommt CE .
      abz entfällt, dafür kommt dop.
      erfüllung von dop (oder DIN EN ..) ist voraussetzung für CE ..
      ralf hat eine der beiden perspektiven angedeutet, die andere ist: der planer ist in der verantwortung für das, was er zu wissen hat (? - das wird dann schon geklärt werden) und im zweifelsfall hat der planer beim "inverkehrbringer" nachzuhaken.
      angeblich haben wir ja noch bis 16.10. schonfrist. tatsächlich wird die länger dauern, s. james (anforderungen an baudingsbums stehen in den LBO ´n, die wiederum orientieren sich an der mbo und die wird .. irgendwann demnächst novelliert. wie das zivielrechtlich aussehen wird - s.o. (das "?").
      neben dem momentanen organisatorischen problem problem wird es regelmässig technische probleme geben: eine dop muss und wird nicht den umfang aktuell bestehender abz haben. zur entwicklung der qualität von abz´n darf sich jeder fachkundige seine individuelle meinung bilden.
      es bleibt die hoffnung, dass weiterhin richtige/brauchbare ergänzungen zu den dop verfügbar sein werden oder nachgefragt werden.
    • mls schrieb:

      und im zweifelsfall hat der planer beim "inverkehrbringer" nachzuhaken.

      Das ist ein wichtiger Punkt, der leider in den vergangenen Jahren zu sehr vernachlässigt wurde. Vielleicht liegt es auch daran, dass in anderen Bereichen nur selten fachkundige Planer involviert sind. So hat es sich eingebürgert, dass eine Konformitätserklärung als ausreichend erachtet wird. So eine Konformitäserklärung sollte klar darlegen, wie der Hersteller die Konformität seines Produkts nachgewiesen hat, manhcmal ist der (Mindest)umfang auch in den entsprechenden Richtlinien genannt.
      Praktisch wird jedoch meist nur auf die Richtlinie und eine bzw. mehrere Normen verwiesen, es ist aber nicht ersichtlich, in welchem Umfang die Normen angewandt wurden. Man verlässt sich dann darauf, dass "alle für das jeweilige Produkt relevanten Anforderungen" überprüft wurden. Das ist aber gar nicht so einfach, da selbst Produktnormen niemals alle Varianten eines Produkts erfassen können. Bis dann alle Eventualitäten in Normen eingearbeitet sind, können Jahre, ja sogar Jahrzehnte vergehen.

      Für Planer ergibt sich hier tatsächlich ein Problem, sowohl fachlich als auch juristisch. Folgendes Szenario. Was passiert, wenn das Ziel einer Richtlinie verfehlt wird, trotz Anwendung harmonisierter Produktnormen und vorliegender Konformitätsnachweise, und man nun dem sachkundigen Planer unterstellt, dass er diese Schwachstelle hätte erkennen müssen? Bisher geht man ja davon aus, dass durch Anwendung der Normen das Ziel der Richtlinie bestmöglich erreicht wird, und ein Planer im grünen Bereich ist, so lange er geprüfte Produkte entsprechend ihrer vorgesehenen Verwendung einsetzt.

      Prinzipiell bestand dieses Risiko auch bei abz, aber durch die lange Entwicklung und ständigen Verbesserungen, hatte man hier schon einen Vorsprung und somit ein geringeres Risiko. Nachdem EN europaweit harmonisiert werden müssen, könnte man vermuten, dass Anforderungen wieder aufgeweicht werden. In wieweit sich das dann auf die Praxis auswirken wird, das werden die nächsten Jahren zeigen.

      In meinen Augen ist es so, dass zukünftig die Hersteller verstärkt in die Verantwortung genommen werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es Hersteller gibt, die diese Verantwortung sehr ernst nehmen, und andere denen es genügt, wenn es für eine Konformitätserklärung reicht. Ich gehe fest davon aus, dass es bei Bauprodukten ähnlich ist (wobei ich jetzt nur Hersteller aus dem Haustechnikbereich etwas besser kenne).
    • R.B. schrieb:

      So eine Konformitäserklärung sollte klar darlegen
      der grundtenor aus meinen gesprächen mit fachleuten, u.a. vom dibt, ist:
      "die dop ist, wie sie ist, die dop ist als richtig zu unterstellen."
      dass eine dop nicht allumfassend vollständig ist (und darauf nicht hingewiesen wird > planerverantwortung!) ist klar.
      so lange aber manche von bim als cerebralprothese träumen, finden sie in "pure dop´s" die entsprechung :P

      R.B. schrieb:

      dass zukünftig die Hersteller verstärkt in die Verantwortung genommen werden
      jo. das ist momentan eine verbreitete auffassung, die deutschen hersteller von bauprodukten haben das schon lange inhaliert.
      wie das mit einer möglichen aufweichung des marktes und der anforderungen weitergeht, steht in den sternen, wenn aber der baustoffproduzent aus timbuktu durch strengste anpassung an niedrigste level um die hälfte günstiger anbieten kann, werden die "teuren" zentraleuropäer reagieren müssen.

      R.B. schrieb:

      Was passiert, wenn das Ziel einer Richtlinie verfehlt wird, trotz Anwendung harmonisierter Produktnormen und vorliegender Konformitätsnachweise, und man nun dem sachkundigen Planer unterstellt, dass er diese Schwachstelle hätte erkennen müssen? Bisher geht man ja davon aus, dass durch Anwendung der Normen das Ziel der Richtlinie bestmöglich erreicht wird
      s.o.: "das wird dann schon geklärt werden" .. das wird bestimmt nicht so, dass bausachen halbamerikanisch gerechtelt werden.
      die schlager werden nicht sein "wo kein kläger, da .." und "vor gericht und auf .." nein ..
    • Im Prinzip ist die Marschrichtung doch schon klar - wenn sie nicht bei der MBO Novelle kneifen / relativieren.

      Es gibt auch keine Regelungslücken :D

      Nun einerseits wird die Gängelung mit den vielen Regeln und Vorschriften bemeckert, andererseits will man alles abgesichert, geregelt haben.

      Die durch das EuGH Urteil angestoßene "Deregulierung" besagt ja, dass man keinen nationalen Zusatzregeln/Anforderungen stellen darf.
      Also geht nur die grundlegenden Normen wasserdicht machen (man soll gefälligst sich dort einbringen) - was nie abschließend gehen wird oder

      die Zusatzanforderungen werden durch die Anwender festgelegt.

      Für unseren Bau kommt dazu noch vorher in die Kette: die Baurechtsbehörde, der sachverständige Planer.
      Tja die Baurechtsbehörden werden das auf den Planer und/oder den Sachverständigen abladen. Wie bereits bei Brandschutz, Wärmeschutz, Instandsetzungen. :bier:
      Der hat die zusätzlichen Anforderungen individuell festzulegen, zu überwachen und dann alles zu bestätigen bzw. vorher die Bestätigungen der Verarbeiter zu sammeln, einreichen, wird zur Bauakte gelegt. Das coole ist - funktioniert jetzt schon. (Den letzten Verantwortlichen beißen die Hunde) :eat:
      Nachdenken kostet extra!
    • "Das Umweltbundesamt (UBA) macht darauf aufmerksam, dass mit der Umsetzung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) eine erhöhte Gefahr durch Bauprodukte für die Gesundheit und den Umweltschutz entstehen könnte."


      oha...! jetzt habe ich aber angst. :lol:
      weshalb erinnert mich das an die gurkenverordnung 1677/88?
      ---------- 19. Oktober 2016, 23:22 ----------
      unglaubliche wasserköpfe- verwaltungen möchten auch finanziert werden.
      - im weglassen des nicht notwendigen erkennt man das wesentliche -
    • Markus, Käptain, et. al.: das ist bisher offizielle Marschrichtung. :cook:
      Nur leicht kabrettistisch aufbereitet....


      Zum Beispiel vom Captain:

      Du darfst nun festlegen, ob das CE Minimum Zulassungskriterium für die Pampe reicht oder nun darauf hinweist forderst, dass die einzusetzenden Produkte zusätzlich die Anforderungen als Betonersatz für tragende Bauteile erfüllen müssen. Und dann noch ob Dauerhaftigkeit unter Umgebungsbedingung xyz, also alles was über die Minimum Anforderung in dem konkreten Fall hinausgeht. Spielst also Einzelfallzulassungsbehörde. :rulez:

      Noch ein Nachsatz:
      Viele warten nun auf ergänzende Regeln so ähnlich wie früher von oben vorgegeben. Stehen am Rande des schwarzen Lochs und fragen sich, wann wird das endlich zugekippt? Und dann kommt da nix. Das Loch wird zunehmend größer, Weg drum gezogen ... Es wird Einige in den Abgrund ziehen.
      ---------- 20. Oktober 2016, 11:51 ----------
      Nach dem EuGH Urteil gab es erst mal dichten Nebel: wie weiter, wenn das ganze Regelungsgebilde zusammenfällt.
      Nachdem man einige Optionen durchgespielt hatte, kam die Erkenntnis: kaum Bestand vor EU.

      Bei weiterer Betrachtung der hier skizzierten Lösung bekam man immer mehr Gefallen daran. Nennt das Deregulierung, EU Konform, braucht nicht viel tun und voila Drops gelutscht. Der Planer, Anwender soll die Sache ausbaden äh übernehmen. Dann haben die auch noch die gewünschte Aufwertung ihres "Standes".

      Ggf, kommt es nach einer "Ruhephase" zu dem Szenario:
      Man kann die EU-ungeliebten Regelungen nun fleißig weiter kultivieren als Richtlinie, Norm, Vorschrift.
      Diese sind individuell auf Relevanz zu prüfen und zur Berücksichtigung festzulegen.
      Der BGH mit seiner aktuellen ardt Auslegung schiebt die A-Karte offiziell zu.
      Nachdenken kostet extra!
    • JamesTKirk schrieb:

      Bei Stoffen für die Betoninstandsetzung wird es ab dem 16.10. ein echtes Vakuum geben. Theoretisch müsste ich als Planer meinen Betrieb einstellen, da nahezu alle Stoffe (PCCs, OS-Systems, Rissfüllstoffe) keine Zulassung mehr haben und damit in Deutschland im standsicherheitrelevanten Bereich nicht verwendbar sind.

      Von der Sache her könnte ich ab 16. mal Ralf für ein halbes Jahr in Afrika begleiten ... :D
      Das DIBt hat in einer Stellungnahme geschrieben:
      Zitat:
      "Nach derzeitigem Beratungsstand können die über diesen Zeitpunkt (15.10.2016) hinaus geltenden Zulassungen für ihre Restlaufzeit als technische Nachweise gegenüber der Bauaufsicht für nationale bauwerksbezogene Anforderungen herangezogen werden, wenn die nach harmonisierten Spezifikationen erklärten Leistungen diesen nationalen Anforderungen nicht entsprechen."
      Das hieße, dass die bereits erteilten Zulassungen weiter gelten und dass sie als qualifizierte technische Dokumentation für die Beurteilung der Verwendbarkeit herangezogen werden können. Also als 'Spezifische Technische Dokumentation' bzw. als 'Europäische Technische Bewertung' nach EU Nr. 305/2011.


      JamesTKirk schrieb:

      Die CE-Kennzeichnung besagt, dass Du die Gebinde/Eimer/Säcke im Kofferraum spazieren fahen darfst ("Inverkehrbringung") - aber noch lange nicht, dass Du den Driss auch an die Wand nageln darf. Die Verwendbarkeit regelt die Bauregelliste bzw. das Ü-Zeichen.
      "In Verkehr bringen" heißt aber "die erstmalige Bereitstellung eines Bauprodukts auf dem Markt der Union;"also wenn ein neues oder geändertes Produkt erstmalig zum Verkauf angeboten wird. Es betrifft als nicht diejenigen Produkte, die es schon länger auf dem Markt gibt (1. Juli 2013 Inkrafttreten der EU Nr. 305/2011). 'Im Kofferraum transportieren' wäre die "Bereitstellung auf dem Markt" gemäß Kapitel 1, Artikel 2, Absatz 17 der EU-Verordnung, wenn ich das richtig lese.
      Produkte, die es schon vor diesem Stichtag gab, dürfen sogar ohne CE-Kennzeichen verkauft werden. Bezug: Kapitel 1, Artkel 1, Absatz 1 der EU Nr. 305/2011.
      Passt auch zur Bauregelliste Pkt. 3.2:
      Zitat:
      "Nach Ablauf der Koexistenzperiode zwischen nationalen und europäischen Regelungen können Bauprodukte, die vor Ablauf der Koexistenzperiode nach den jeweiligen nationalen Regelungen in den Verkehr gebracht worden sind ("Lagerbestände"), in baulichen Anlagen noch verwendet werden." Wobei das IN-den-Verkehr-bringen in der EU-Richtlinie definiert ist.
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • na ja, das Problem, das die EU hat, sind die teilweise höheren nationalen Anforderungen. Das heißt, in Deutschland gelten in bestimmten Bereichen höhere Anforderungen an das Produkt für eine bestimmte Anwendung bzw. eine Vorgabe einer "Maßzahl" oder einer bestimmten Eigenschaft, als in EU-Normen festgelegt.

      Beispielsweise habe kämpfe ich gerade mit einem Produkt, in dessen Zulassung bisher stand "schwerentflammbar". In der neuen Zulassung steht "mindestens normalentflammbar" und Verweise auf Klassifikationen nach DIN EN 13501-1. und: "Zur Erreichung der Brandklassifizierung gemäß der CE-Kennzeichnung sind die hierzu durchgeführten Brandprüfungen zu beachten". Diese stehen aber nicht in der Zulassung und auch nicht auf dem CE-Zettel, ..., und im übernächsten werwiesenen Dokument steht was von "... nach den Anweisungen des Herstellers bestimmungsgemäss verwendet wird...". Somit muss ich als Entwurfsverfasser und als Planer dem bauamt nachweisen, dass die nach EN xxx durchgeführten Brandversuche und die Ergebnisse nach EN yyy zu der Klassifizierung nach EN zzz passen und dass bei meiner Einbausituation die Brandklasse zzz damit erreicht wird und die Platten nach §28 LBO i.Z.m. 36 DVO-NBauo den baurechtlichen Bestimmungen entsprechen. Früher: Zulassung und ggf. noch das Brandzeugnis im Bauantrag eingeheftet, und fertig.

      Aber eigentlich - doch. Um unseren nationalen hohen Baustandard zu halten, stemmten wir uns bis zum 15. 10. 2016 gegen die EU, weil wir es nicht geschafft haben, die hohen nationalen Anforderungen aus unseren "alten" DIN 's BauRL & Co. in die harmonisierten Normen 'rüberzubringen.

      Jetzt müssen wir es mit "Bauprojektbezogenen Anforderungen" versuchen zu richten.

      So zumindest habe ich das verstanden.
      Gruß
      Holger
      --
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    • "höhere nationale anforderungen" gibt´s "eigentlich" fast nicht :P

      eines der hauptprobleme, wenn man abz und dop (nicht CE ) nebeneinanderlegt, ist der regelungsumfang.
      für ein ce-bapperl muss in der dop ein minimalumfang geregelt sein, der sich aus einigen relevanten produktvorschriften ("normen") ergibt. ob diese produktvorschriften vollständig sind oder sein sollen .. das ist die preisfrage, die sich jeder selbst beantworten mag. wer in ausführlichen und in sich geschlossenen regelungen ein markthemmnis sieht, hat sehr eigene auffassungen von verbraucherschutz. natürlich werden künftig regelungslücken in den dop (eigenschaftenmerkblätter für die jeweiligen ce-zeichen) auf andere art geschlossen - momentan ist die verlängerung/erneuerung der bewährten abz nicht die billigste, aber die praktibelste lösung, oder zumindest eine der praktikabelsten lösungen.

      das problem der geringerqualifizierung eines produktes im rahmen der umstellung abz > dop wird sich nur durch den hersteller erklären oder begründen lassen. das hat´s aber auch früher im bereich übergang alte abz > neue abz auch schon gegeben - und die herstellererklärungen dafür waren .. hmmm, naja.
      ---------- 9. November 2016, 13:28 ----------

      OLger MD schrieb:

      In der neuen Zulassung steht "mindestens normalentflammbar"
      d.h., das steht so in der dop. und die gilt.
      die herleitung über bezogene normen, prüfanforderungen etc geht den hersteller an.
      für dich gilt die dop, die bzgl. der angaben eindeutig zu sein scheint.
      spannend ist, was in der dop evtl. nicht geregelt ist.
    • @OLger MD , die Nachweis-Kette ist von Dir m.E. richtig beschrieben. Einen zusätzlichen Haken gibt es noch: Die Prüfverfahren zur Zuordnung von Produkten in Eigenschaftsgruppen scheinen noch nicht harmonisiert zu sein, so dass bspw. ein in Belgien gemessener U-Wert von einem in D gemessenen um beinahe den Faktor 2 abweichen kann. (So schilderte es jedenfalls eben ein Referent bei einer Fortbildung).
      mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker
    • mls schrieb:

      d.h., das steht so in der dop. und die gilt.
      in meinem Fall steht in der DoP " B s1 d0 ", was in diese Kombination 'schwerentflammbar' entspricht. Also genau das was wir brauchen für Außenwandverkleidungen bei GK 4 und GK 5.
      ---------- 14. November 2016, 08:41 ----------
      Hallo zusammen,


      kurze Rückmeldung über das gestrige Treffen mit dem Bauherren, einem Brandschutzgutachter und dem Hersteller.

      Im Prinzip ging es um die Situation, die in der beiliegenden Präsentation dargestellt ist. Die Präsentation ist fürs Forum neutralisiert worden, gibt aber dennoch einen kleinen Überblick, über das Problem.


      Also:

      - Alte Zulassung (DIBt) und altes bauaufsichtliches Prüfzeugnis (MPA Stuttgart) Prüfzeugnis sind abgelaufen.
      - In der neuen Zulassung steht 'mind. normalentflammbar' und 'mind. Klasse E' (also nur ein Tuck besser als leichtentflammbar)

      o Forderung lt. LBOen: schwerentflammbar

      + Es gibt eine CE-Kennzeichnung
      + Es gibt eine CE_Leistungserklärung
      + Es gibt einen franz. "Bericht zur Klassifizierung des Brandverhaltens" (in deutscher Sprache)

      Gut:
      Brandklasse B s1 d0 (kein oder wenig Rauchbildung, nichtbrennendes Abtropfen) -> schwerentflammbar

      Nicht gut:
      - Produktname im franz. Brandzeugnis nicht genannt
      - "Endanwendungsbedingungen" sind aufgeführt, die nicht passen. (Es sind die Prüfbedingungen der Prüfnorm)
      - es stellt kein Zertifikat dar
      - die Klassifizierung ist für die Leistungserklärung nach EU Nr. 305/2011 geeignet. Also für Neue Produkte

      Problem:
      Es fehlt ein zertifizierter Nachweis der Brandklasse, der sich auf das Produkt und seine Anwendung bezieht.

      Wir haben dem Hersteller 3 mögliche Wege vorgeschlagen:
      1. Er lässt in der Zulassung des DIBt das Wort "mindestens normalentflammbar" durch "schwerentflammbar" ersetzen.
      2. Er lässt in dem franz. Dokument den Produktnamen ergänzen und streicht den Absatz "Endanwendungsbedingungen"
      3. Er besorgt vom MPA Stuttgart ein Gutachten, dass besagt, dass das Produkt (keine Materialänderung in den letzten 10 Jahren) nach den neuen Brandversuchen gemäß den neuen Europäischen Normen ( DIN EN 13501-1 und DIN EN 1013) der alten Einstufung 'schwerentflammbar' mindestens gleichwertig ist und die Zusatzanforderungen s1 und d0 erfüllt und dass das Ganze für die Produkte A, A, und C auch in profilierter Ausführung gilt.

      Nach dem aufklärenden Gespräch - und eigentlich auch schon vorher - wissen wir, dass wir ein gutes Produkt haben, dass wir schon seit Jaaahren verplanen und verbauen, aber uns fehlt aktuell ein anerkannter Nachweis einer notifizierten Stelle (früher akkreditierte Prüfstelle / anerkannte Zertifizierungsstelle).

      Auf die EU Nr. 305/2011 und deren Geltungsbereich sind wir nicht näher eingegangen, da es uns auch nicht weitergeholfen hätte wenn der Hersteller keine CE-Konf.- und Leistungserklärung gehabt hätte.

      Jetzt warten wir, was der Hersteller als "qualifizierte technische Dokumentation" bzw. "freiwillige Herstellererklärung nach Bauprodukteverordnung abliefert, denn das Bisherige halten wir - und sicher auch die Bauämter - für keine "Angemessene Technische Dokumentation" gem. BauPV.

      ONDEX_3_klein.pdf

      PS: hab die Vortragsfolien nochmals komprimieren müssen, da die Datei sonst noch über 1MB gewesen wäre. Im Original sehen die Grafiken besser aus.
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • Das Rundschreiben des Berliner Senates bezieht sich aber auch nur auf die BauPVO. Die aber regelt nur diejenigen Bauprodukte, die durch „Inverkehrbringen“ , also die erstmalige Bereitstellung eines Bauprodukts auf dem Markt der Union, geregelt sind. [Kapitel 1, Artikel 2, Pkt. 17 i.V.m Kapitel 1, Artikel 1, Satz 1]

      Hierfür dürfen keine höheren Anforderungen gestellt werden, als in den harmonisierten EU-Richtlinien festgelegt sind. Wenn also eine EN-Norm max. "normalentflammbar" vorgibt, dürfen wir (Deutschland, BauRL, DIBt, ...) vom Produkt nicht "schwerentflammbar" fordern, selbst wenn es die LBO fordert. Wir können nur noch Objektbezogene Anforderungen stellen. Sprich in der Ausschreibung für das konkrete Objekt zum Beispiel schwerentflammbare Produkte ausschreiben.

      Und "unsere" höheren Anforderungen müssen dann über die oben schon genannten 'freiwilligen Herstellererklärungen' nachgewiesen werden. Zum Beispiel mittels bauaufsichtlicher Prüfzeugnisse, Zulassungen, usw. .

      Für Produkte , die schon vor Juli 2013 auf dem Markt waren, müssen nicht unbedingt CE-Konformitätsbescheinigungen und CE-Leistungserklärungen vorgelegt werden.

      Für die Kunststoffplatten, die wir einsetzen wollen, gibt es diese zusätzlichen 'freiwilligen Herstellererklärungen' nur eben mit den o.g. inhaltlichen Mängeln. DAS muss der Hersteller jetzt geradebiegen.
      Gruß
      Holger
      --
      Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
      Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
      (Andreas Marti; Schweizer)
    • erstmal respekt für das umfangreiche feedback!


      OLger MD schrieb:

      + Es gibt eine CE-Kennzeichnung
      + Es gibt eine CE_Leistungserklärung
      ??
      hab ich das in deiner präsentation überlesen oder hast du´s versteckt? :)
      ich finde keine CE-kennzeichnung und keine leistungserklärung (dop).

      ohne dop kein CE .

      ich lese eine neue /verlängerte und wohl verschlechterte) abz > nice to have.

      darüberhinaus gilt natürlich EU Nr. 305/2011. ohne mit der per streichergänzung novellierten BRL abzugleichen, vermute ich, ce-zeichen und dop sind erforderlich > must be.

      CE und dop ist herstelleraufgabe. das lese ich auch aus dem von skeptiker verlinkten dokument.

      ein muster für e. dop hatte ich dir geschickt - sowas ist doch wunderbar übersichtlich...