Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren - Prüfungsumfang

  • Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren - Prüfungsumfang

    Hallo,

    ich habe eine Frage hinsichtlich des Prüfungsumfanges bei einem vereinfachten Baungenehmigungsverfahren in Hessen (HBO).

    Im Bauantrag für ein Haus mit Garage nach o.g. Genehmigungsverfahren wurden natürlich Höhen und Lage der Objekte angegeben, der geplante sowie der vorhandene Geländeverlauf waren eingezeichnet (da Hanggrundstück nicht unwesentlich) und der Bauantrag für den Bau des Hauses mit der Garage wurde genehmigt.

    Dem Nachbarn (sein Grundstück sitzt tiefer im Hang) gefällt es optisch nun nicht, dass unsere Garage (die an seine angebaut wird) auf Grund der unterschiedlichen Grundstückshöhen 60cm über seine hinausragen wird und auch 80cm weiter vorne beginnt. Er wollte früher auch so hoch wie wir bauen, dies wurde ihm damals aber nicht genehmigt.

    Frage: ich habe die Baugenehmigung und dachte bisher, dass ich so wie genehmigt vorgehen kann. Die Höhen (und damit auch die Lage unserer Garage zur Nachbargarage) sind doch Bestandteil der Prüfung, oder etwa nicht?

    Danke für eure Hilfe!
  • beim nächsten nachbarn sagt er dann, mir gefällt deine fensterteilung und die gestaltung der haustür nicht, so darf man nicht bauen! wo soll das hinführen, wenn jeder in der nachbarschaft den geschmacksdiktator macht?

    wenn sein gelände 60 cm höhenunterschied hat, dann hätte seine garage bestimmt zulässige maximalmaße überschritten. wenn dein nachbar etwas gegen die genehmigung deiner garage hat, soll er sich an die zuständige behörde wenden. du musst ihm nicht die gründe seiner ablehnung erläutern!
  • ich denke die Frage vom TE geht eher in die Richtung ob die behörde die Höhen bei einen vereinfachten Genehmigungsverfahren prüft.

    Soviel ich weiss, wird bei der Variante doch mehr nur in Richtung geprüft ob alles vorliegt und die Verantwortung geht da mehr in Richtung Architekt über. Daher kostet das doch auch weniger und geht schneller als eine Baugenehmigung.

    der TE will sicherlich wissen ob, wenn er so baut, und der Nachbar klagt, recht bekommen könnte, wenn die Baubehörde dann erst die Höhen prüft umd der Architekt sich vertan hat.

    Christian
  • Ich bin nicht sattelfest in der HBO, daher mag ich mich nicht in die Auslegung der §§ 56 + 57 begeben.

    Aber auch wenn es Verfahren nach §57 ist, denke ich nicht, dass die Grenzabstände/Abstandsflächen geprüft werden.

    Wesentlich dafür ist ja auch das GEWACHSENE Gelände. Wenn der Nachbar tiefer liegt, ist die Frage, WARUM?
    Hat er abgegraben, hast DU/Dein Vorbesitzer aufgeschüttet? Denn danach wird die zulässige Wandhöhe beurteilt.
    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen
  • Du solltest mal in Deinen Bauantragsunterlagen schauen wie die Höhe Deiner Garage vermaßt ist. Die Höhe muß, wie Ralf schon sagte, bezugnehmen auf das gewachsene Gelände deines Nachbarn. Oft wird hier "der Einfachheit halber" von OKFF vermaßt und demzufolge angenommen dass das Nachbargrundstück auf OKFF Deines Neubaus liegt. Die tatsächliche Höhe vor Ort prüft das Amt natürlich nicht.

    Wenn die Antragsunterlagen so aussehen dass die Höhe Deiner Garage im Bezug auf das Nachbargrundstück den Vorschriften entsprechen bekommst Du natürlich eine Baugenehmigung (wobei ich auch nicht sattelfest in der HBO, und nicht weiß was genau geprüft wird). Wenn die Realität anders aussieht hast (bekommst) Du warscheinlich ein Problem.
    In vielen solcher Fällen gilt: Wo kein Kläger da kein Richter. Aber da Dein Nachbar sich an Deiner Garage stört wird sich der vorgenannte Satz warscheinlich nicht bewarheiten. Ich würde an Deiner Stelle ganz schnell mit Deinem Planer Kontakt aufnehmen damit er prüft was hier Sache ist.

    Bei meinem Nachbarn gab es genau diesen Fall. Nachbargrundstück war 50cm tiefer und die geplante Garage an der Südseite des anderen Nachbarn. Der hat sich auch beschwert. Die Folge war dass die neue Garage nun nur 2,50m hoch ist. Zum Glück wurde es noch während der Baufase bemerkt sodaß die Änderungen nicht so gravierend waren und mit ca. 2,15 m i.L. ist die Garage auch noch nutzbar.
    Es gibt keine Probleme - nur Herausforderungen!!
  • Ist denn das hier (aus § 6 HBO, (10) eingehalten:
    "Bei den Anlagen nach Satz 1 Nr. 1 bis 4 darf die grenzseitige mittlere Wandhöhe über der Geländeoberfläche nicht höher als 3 m und die Fläche dieser Wände an jeder Nachbargrenze insgesamt nicht größer als 25 m2 sein."?

    Gibt es einen amtl. Lageplan mit gemessenen aktuellen Geländehöhen als Grundlage für die Planung?

    Bei 2x Ja wird der Nachbar schlechte Karten haben. Ansonsten Du. Lass Deinen Planer oder hilfsweise den ÖbVI das überprüfen, falls Du selbst unsicher bist.

    Ergänzung: Mit "Geländeoberfläche" ist die vorhandene gemeint.
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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas
  • Onkel Dagobert schrieb:

    bezugnehmen auf das gewachsene Gelände deines Nachbarn.
    Streiche das "Deines Nachbarn" !!!
    Wenn dort die ollen Römer einen Absatz ins Gelände gebuddelt oder aufgeschüttet haben, dann gelten beide Gelände als "gewachsenes Gelände". Wenn das hingegen die Amis in den 50ern bei einer Truppenübung waren, ist das nicht das gewachsene Gelände. Es wäre festzustellen, wo das mal war.

    Die Frage ist also, welches Niveau ist "original". Ist es das des TE, werden die 3 m mittlere Höhe ab da gemessen.
    Ist aber das des Nachbarn das gewachsene und das des TE aufgeschüttet, dann (und nur dann) gilt das nachbarliche Grundstück als Maß.

    Liegt oder besser lag die Wahrheit in der Mitte, dann ist die das Maß der DInge.
    ---------- 19. August 2016, 09:00 ----------

    Thomas T. schrieb:

    mit gemessenen aktuellen Geländehöhen als Grundlage für die Planung?
    Thomas - baurechtlich sind die aktuellen Höhen nur relevant, wenn sie seit 100 oder mehr Jahren (eine genaue Zeitdefinition gibts da mMn nicht) unverändert sind.
    Wurde da in jüngerer Zeit Erde bewegt, gilt das alte Gelände. Problem ist meist die Ermittlung desselben.
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  • Ralf Dühlmeyer schrieb:

    Thomas - baurechtlich sind die aktuellen Höhen nur relevant, wenn sie seit 100 oder mehr Jahren (eine genaue Zeitdefinition gibts da mMn nicht) unverändert sind.Wurde da in jüngerer Zeit Erde bewegt, gilt das alte Gelände. Problem ist meist die Ermittlung desselben.
    Andere Länder, andere Sitten! In Brandenburg sind i.d.R. die vorhandenen gemessenen Höhen verbindlich für die Planung. Eine Ausnahme wäre z.B. , wenn der Bauherr kurz vor der Messung Boden aufschütten ließe, um auf günstigere Werte zu kommen. Was vor vielen Jahren mal war, spielt keine Rolle.
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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas
  • Stimmt, in Brandenburg nimmt sich das Bauamt den amtlichen Lageplan, sucht sich an der Grenze im bereich der Garage den tiefsten Punkt und nimmt diesen als Bemessungsgrundlage. Hab ich selber schon durch, händisch im Bauamt mit dem grünen Stift die entsprechenden Maße im Bauantrag geändert. Und das Gelände wurde ca.3 Monate vorher erst aufgeschütte.
    Ist aber ein anderes Bundesland.
  • c) Die natürlich vorhandene GeländeoberflächeDie natürlich vorhandene Geländeoberfläche ist regelmäßig der Bezugspunkt baulicher Maßnahmen. Sie stellt das gewachsene Gelände dar, welches zwar regelmäßig natürlich entstanden ist oder aber vor langer Zeit durch Menschenhand verändert wurde.
    Aufschüttungen und Abgrabungen, die im Zuge von Baumaßnahmen ausgeführt werden, verändern zwar die natürlich vorhandene Geländeoberfläche, das so veränderte Gelände wird aber nicht zum Bezugspunkt für die oder weitere Baumaßnahmen
    [Dieser Link ist nur für Registrierte Mitglieder sichtbar.] Bitte bis ans Ende lesen!

    Danach kommen diverse Urteile zu dem Thema aus allen möglichen Bundesländern
    ---------- 19. August 2016, 12:07 ----------
    @ flehmann
    Das ist die vom Amt festgesetzte Oberfläche. Gibts auch. Steht auch in dem pdf.
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  • Ralf, ich habe bis zum Ende gelesen. Anscheinend gibt es Unterschiede in der Interpretation des Teilsatzes "Aufschüttungen und Abgrabungen, die im Zuge von Baumaßnahmen ausgeführt werden..."

    Da steht "werden" und nicht "wurden". Werden bezieht sich auf die geplante Baumaßnahme. Also ist alles, was in der Vergangenheit, also vor Messung der Höhen für den aktuellen LP passiert ist, Banane. So die hiesige Interpretation, die ich auch für die einzig sinnvolle halte.
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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas
  • Thomas T. schrieb:

    Also ist alles, was in der Vergangenheit, also vor Messung der Höhen für den aktuellen LP passiert ist, Banane. So die hiesige Interpretation, die ich auch für die einzig sinnvolle halte.
    Äh, - NÖ

    Steht da auch so drin.

    oder aber vor langer Zeit durch Menschenhand verändert wurde.
    Eine genaue Definition, ab wann eine historischen Veränderung zum "gewachsenen Gelände" wird, ist mir wie gesagt nicht bekannt.
    Mein Baurechtsprof sagte dazu immer
    Montys (Feldmarschall Montgomery - WWII) Feldherrenhügel ist eine Aufschüttung, Napoleons hingegen gewachsenes Gelände.
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  • Im Link stehen ja jede Menge Urteile drin, aber keins, dass sich mit unserer Frage beschäftigt.

    Dein Prof lag sicherlich mit seiner Einschätzung so weit auf der sicheren Seite, dass Napoleon Truppen mehrere Tagesmärsche bis zur Grenze der unsicheren gebraucht hätten. Aber das ist nicht das Tagesgeschäft. Eine eindeutig als künstlich erkennbare hügelige Aufschüttung würde ich zu den auch hier betrachteten Ausnahmen von der Regel zählen.

    Ansonsten bleibe ich bei der Auffassung, dass die Höhen aus dem amtl. LP die sinnvollsten Bezugspunkte liefern. Andere Angaben wären zumeist rein spekulativ und/oder nicht eindeutig zu belegen.
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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas
  • Hallo zusammen und danke für die Antworten,

    zunächst: der Nachbar hat für seine Garage abgraben müssen, da er damals nicht in der Höhe bauen durfte wie wir es jetzt tun wollen.

    Den Lageplan mit den Messungen vor unserem Bauvorhaben (= natürliches Gelände) habe ich beigefügt. Daneben ist auch noch eine Zeichnung aus unserem Bauantrag, wo die Wandfläche und die mittlere Garagenhöhe zu erkennen sind. Demnach hätten wir sogar noch Luft nach oben.
    ---------- 22. August 2016, 22:42 ----------
    Nochmal die Frage: mittleres Wandmaß zählt, ja? Wenn ich an der hinteren Seite die 3m überschreite ist das unkritisch, Hauptsache im Mittel werden die 3m eingehalten?

    Dementsprechend kann mir der Nachbar nix?
    Bilder
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