Sommerlicher Wärmeschutz

  • vielen Dank für den Link.

    Ich beschäftige mich ja standesgemäß auch mit diesem Thema. Und ich hatte auch schon mit ausgesprochenen Fachleuten bezüglich der thermischen Simulation zu tun.
    Leider muss ich bisher feststellen, dass oftmals in thermischen Simulationen einer der größten Einflussfaktoren pauschal unberücksichtigt bleibt: der Nutzer.

    Und genau das führt zu den im Link anhand "wissenschaftlicher" Betrachtung ermittelten nahezu nichtvorhandenen Unterschieden zwischen den Bauweisen.

    Grund: der Luftwechsel wird in den Simulationen nämlich pauschal relativ hoch angesetzt. Zum Beispiel wird von den Simulateuren regelmäßig mit einem 1,0 bis 3,0-fachen Luftwechsel gerechnet...
    Und da bei nicht konditionierten Gebäuden die Zulufttemperatur der Außentemperatur entspricht wird bei diesem großen Luftwechsel das Gebäude dauernd mit warmer Luft gespült. So kann in der Simulation, insbesondere in den ersten 8 bis 12 Stunden nach Sonnenaufgang quasi kein Temperaturwert unter der Außentemperatur erreicht werden. Werte unter der Außentemperatur gelten vielfach sogar als nicht erreichbar.

    Dieser pauschale Ansatz bzw. dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu ggf. vorhandenem tatsächlichen Nutzerverhalten und praktischer Erfahrung.
    Erläuterung: fährt man beispielsweise in südliche Länder (aber natürlich auch bei uns), sieht man, dass die Leute dort sehr konsequent nachts lüften (wenn es draußen kühler ist) und tagsüber komplett verschatten und vor allem gar nicht lüften. Damit bleibt es nämlich innen lange kühler als draußen.
    Der Luftwechsel geht damit tagsüber gegen Null. Und genau dieser nichtvorhandene Luftwechsel hält dann im Sommer die Räume angenehm kühl (klar geht das auf Kosten der Luftqualität, ist also nicht überall anwendbar). Würde man dies in der Simulation genauer berücksichtigen, käme man mitunter zu einem etwas anderen Ergebnis.

    Jede Bauweise hat ihre Vor- und Nachteile. Sowohl die Holzbauweise als auch die Massivbauweise. Ein einzelner Gesichtspunkt (hier: der sommerliche Wärmeschutz) kann nicht als objektives Unterscheidungskriterium ausreichen...
  • Hallo,

    für die sommerliche Prognosesimulation nutzen wir w**i. Hier kann man viele der genannten Parameter einstellen. Mittlerweile gibt die DIN 4108 verschiedene Randbedingungen für Simulationen vor, unter anderem auch, dass ein Luftwechsel mit der Außenluft nur bei einer Unterschreitung der Außenlufttemperatur zur Raumtemperatur um 3 K stattfindet.

    Die Simulation läuft in der Regel über ein Jahr (sog. TRY: Testreferenzjahr) mit einer Auflösung von einer Stunde. Gerade im Hinblick auf Verschattung, Lüftung, passive Kühlung, PCM, Gründach,... sind die Ergebnisse aufschlussreich. Nach meiner Erfahrung sind mithilfe der Simulation sehr individuelle Empfehlungen aussprechbar.
  • Das Beschriebene deckt sich mit meinen Erfahrungen. Wir haben ein Holzhaus mit Fliesenböden auf Estrich. Wenn ich konsequent bei großer Hitze nachts lüfte und tags zu halte (wobei ich auch die Vorhänge zuziehe - Rollläden haben wir keine), kann ich die Temperaturen bis abends um ca. 3° C unter der Außentemperatur halten. Heißt, ich bekomme i.d.R. immer eine Temperatur unter 27°C (höhere Temperaturen hatte ich innen bisher noch nie). Das finde ich im Sommer schon o.k., man muss sich ja nicht wie im Winter anziehen...

    Meine Meinung: der Fliesenboden und Estrich wirken dabei schon wie ein Puffer, weil sie die nächtliche Kühle länger speichern können als z.B. Parkett. Man merkt die Kühle vom Boden auch deutlich.
    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!
  • J.B. schrieb:

    für die sommerliche Prognosesimulation nutzen wir w**i. Hier kann man viele der genannten Parameter einstellen. Mittlerweile gibt die DIN 4108 verschiedene Randbedingungen für Simulationen vor, unter anderem auch, dass ein Luftwechsel mit der Außenluft nur bei einer Unterschreitung der Außenlufttemperatur zur Raumtemperatur um 3 K stattfindet.
    ich habe mich mit thermischer Simulation schon länger nicht mehr auseinandergesetzt, aber jetzt nochmal in der 4108-2:2013-02 nachgelesen. Der Ansatz eines Luftwechsels nur dann, wenn es innen wärmer als außen ist, habe ich dabei aber nicht gefunden. Wo finde ich das?
    Dort steht erst mal ein Grundluftwechsel von n=0,5 1/h...
  • Hallo Alfons,

    es tut mir leid, meine Beschreibung war wohl etwas knapp.

    In o.g. DIN findet man unter 8.4.2 Berechnungsrandbedingungen für thermische Gebäudesimulationsrechnungen
    unter Punkt h) Erhöhter Tagluftwechsel

    Überschreitet die Raumlufttemperatur 23 °C und liegt die Raumlufttemperatur über der Außenlufttemperatur, darf der mittlere Luftwechsel während der Aufenthaltszeit (...) bis auf n = 3/h erhöht werden,...

    Es geht also um den Luftwechsel bei Fensterlüftung. Die 3 K sind allerdings programmbedingt, das hatte ich falsch im Kopf. Unter Einsatz einer Lüftungsanlage sind natürlich andere Parameter zu wählen.
    Der Grundluftwechsel ist ja mit n=0,5 /h im Tagesgang konstant. Hier könnte man natürlich drüber diskutieren, ich empfinde diesen als nicht zu hoch.
  • ok, jetzt kann ich folgen. Ich weiß ja nicht, wie die 3K in dieser Software gemeint sind. Aber das würde ich hinterfragen...
    Ich finde die 0,5 1/h jetzt auch nicht zu hoch, schließlich sind wir in einer Simulation, anhand derer eine Prognose unter "vernünftigen" Bedingungen dargestellt werden soll. Und wir können sicher nicht immer davon ausgehen, dass jeder Nutzer sich perfekt verhält, habe ich doch schon Schwierigkeiten, das zuhause allen klar zu machen... ;)